2 Minuten Lesezeit 26 Oktober 2020
Hand streicht durch Gebüsch

Klimaschutz: Auf der Überholspur ins Vorstandszimmer

Von Martin Unger

Leiter Strategieberatung | Leiter Contrast EY-Parthenon | Leiter des Sektors Konsumgüter und Handel | Österreich

Ist der festen Überzeugung, dass tragfähige Strategien am erfolgreichsten gemeinsam zwischen Unternehmen und externem Berater entwickelt werden können. Setzt diese Überzeugung in jedem Projekt um.

2 Minuten Lesezeit 26 Oktober 2020

Was sollten Unternehmen tun und warum Nachhaltigkeit und Klimaschutz in Zukunft zum Wettbewerbsvorteil werden kann.

Wussten Sie, dass allein mit den in Österreich weggeworfenen Lebensmitteln die Gesamtbevölkerung von Kärnten ernährt werden könnte? Dass sich die klimabezogenen Katastrophen weltweit mehr als verdreifacht haben? Oder dass wir gegenwärtig lediglich 8,5 % des weltweiten Materialflusses wiederverwerten? Der voranschreitende Klimawandel, der Verlust an Artenvielfalt, die steigende Ressourcenknappheit und der Anstieg von Umweltkatastrophen sind die Folgen dieser Probleme.

Materialfluss

8,5 %

des weltweiten Materialflusses werden aktuell wiederverwertet.

Unterstützt durch die Bewegung „Fridays for Future“ und einer steigenden Sensibilität der Bevölkerung und der Konsumenten, wird in der Politik und Wirtschaft zunehmend erkannt, dass ein Umdenken notwendig ist. So hat Bundestagspräsident Schäuble kürzlich dazu angemerkt: „Wir haben es wohl in unserer Generation übertrieben und müssen die Fehlentwicklungen, die durch diese Art der Globalisierung und des Wirtschaftens entstanden sind, korrigieren“.

Eine mögliche Lösung liegt in einem bewussteren Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten. Künftig wird Nachhaltigkeit zu einem integrierten Teil jeder Unternehmensstrategie und damit zu einem der zentralsten Themen der Unternehmensführung werden.

Unterstützt durch die Bewegung „Fridays for Future“ und einer steigenden Sensibilität der Bevölkerung und der Konsumenten, wird in der Politik und Wirtschaft zunehmend erkannt, dass ein Umdenken notwendig ist

Politisch werden zahlreiche Regulatorien und Förderungsprogramme entwickelt, die zum Teil generell, zum Teil branchen- und themenspezifisch sind. Die Zielsetzungen wie beispielsweise der „European Green Deal“ sind in vielen Bereichen und für viele Wirtschaftszweige sehr ambitioniert. Diese neuen Rahmenbedingungen werden zu einer umfassenden Transformation unseres Wirtschaftsmodells führen, in zahlreichen Branchen vielfältige und umfassende Implikationen mit sich bringen und eine Neugestaltung der Geschäftsmodelle und der zu Grunde liegenden Strategien erfordern. Dabei wird Nachhaltigkeit zu einem Katalysator für Innovation werden, denn viele Herausforderungen werden primär mit technischem Fortschritt lösbar sein, durch welchen mit weniger Ressourcen vielfach mehr geschaffen und bewegt werden kann, wie auch Andrew McAfee in seinem Buch „Mehr durch weniger“ beschreibt. 

Durch die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsdimensionen werden auch Business-Optionen und Geschäftsmodelle entwickelt werden. In diesem Umfeld werden auch zahlreiche Start-ups entstehen, die Nischen im Nachhaltigkeitsuniversum erkennen und besetzen.

Vielfach wird es mit Hilfe von (technologischen) Innovationen gelingen, Kosten und Ressourcenverbrauch zu senken und damit ökologische, soziale und ökonomische Ziele in Einklang zu bringen. Das erfordert allerdings auch eine chancenorientierte, umfassende Sichtweise auf das Thema Nachhaltigkeit und eine Integration in die Unternehmensstrategieentwicklung.

Nachhaltigkeit muss daher als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie umfassend betrachtet werden und nicht als „Alibi-Aktion“ für ausgewählte Projekte im Sinne eines „Greenwashing“ implementiert werden. Unternehmen, die dies berücksichtigen, können individuelle Wettbewerbsvorteile aufbauen. So versucht beispielsweise IKEA unter dem Titel „People & Planet Positive“ nicht nur die eigene Klimabilanz zu verbessern oder die Kreislaufwirtschaft auszubauen, sondern auch die Kunden zu einem bewussteren Ressourcenverbrauch zu erziehen. Die Vermietung von Möbeln ist nur ein Bespiel für interessante Geschäftsmodellinnovationen in diesem Zusammenhang.

Nachhaltigkeit muss daher als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie umfassend betrachtet werden und nicht als „Alibi-Aktion“ für ausgewählte Projekte im Sinne eines „Greenwashing“ implementiert werden. 

Vor allem auch in der Zement-, Energie- und Automobilindustrie werden wesentliche technologische Innovationen und Investitionen notwendig sein, um schmerzhafte Restriktionen zu vermeiden. Neben dem Gesetzgeber werden auch Konsumenten und Non-Governmental Organizations (NGOs) zunehmend Transparenz von Unternehmen beim Thema Nachhaltigkeit einfordern. Wer sich nicht an das neue Wertekredo der Gesellschaft hält, wird früher oder später auch mit Umsatzeinbußen rechnen müssen. Eine umfassende und ehrliche Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit ist daher essenziell.

Laut einer aktuellen Befragung österreichischer Unternehmen besteht vielfältiger Aufholbedarf: So haben zwar zwei Drittel der Unternehmen erkannt, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Zukunftsthema darstellt, aber nur ein Drittel hat das Thema in die Unternehmensstrategie integriert. Auch fehlt bei den meisten Unternehmen eine umfassende, objektivierte Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsaspekten, häufig werden nur wenige ausgewählte Kriterien/Dimensionen behandelt.

Unternehmen sind gefordert, Nachhaltigkeit systematisch und umfassend zu betrachten und in die Strategiearbeit zu integrieren - von der Vision bzw. der Mission des Unternehmens über die strategischen Ziele bis hin zur Bewertung und Umsetzung strategischer (Nachhaltigkeits-) Optionen. Dies ermöglicht es, Geschäfts- und Wertkettenmodelle unter Nachhaltigkeitsaspekten zu entwickeln, die auch im Einklang mit einer ökonomischen Performanceorientierung stehen.

Fazit

Nachhaltige Strategien und Geschäftsmodelle bergen vielfältige Chancen für die Wirtschaft und werden unverzichtbar für eine zukunftsorientierte, strategische Unternehmensführung. Jene Unternehmen, die sich jetzt mutig und chancenorientiert mit dem Thema auseinandersetzen und nachhaltige Strategien und Geschäftsmodelle entwickeln, werden klare und nachhaltige Wettbewerbsvorteile aufbauen können und als Sieger aus dieser umfassenden Transformation unserer Wirtschaft hervorgehen.

Über diesen Artikel

Von Martin Unger

Leiter Strategieberatung | Leiter Contrast EY-Parthenon | Leiter des Sektors Konsumgüter und Handel | Österreich

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