Martin fengler

Während eines Fluges geriet ich in Turbulenzen, die die Wettervorhersage nicht angekündigt hatte. In diesem Moment wurde mir klar, dass es besser gehen muss. Dass diese Vision mit dem EY Entrepreneur Of The Year Award ausgezeichnet wird, ist eine besondere Bestätigung.

Martin Fengler

Martin Fengler ist Gründer und CEO der Meteomatics AG. Das St. Galler Unternehmen entwickelt seit 2012 innovative Wettertechnologien für Unternehmen weltweit. Mit seiner Weather API, eigenen Wettermodellen und selbst entwickelten Meteodrones unterstützt Meteomatics präzisere wetterbasierte Entscheidungen in Branchen von der Energieversorgung bis zur Luftfahrt. 2025 wurde Martin Fengler für seine Vision, wissenschaftliche Innovation in unternehmerischen Erfolg zu übersetzen, mit dem EY Entrepreneur Of The Year Award in der Kategorie Visionary Entrepreneurs ausgezeichnet.

Martin Fengler spricht über den persönlichen Gründungsmoment hinter Meteomatics, seine Faszination für Gewitter und die Herausforderung, wissenschaftliche Innovation in unternehmerischen Erfolg zu übersetzen. Zudem erzählt er, welche Bedeutung die Teilnahme am EY Entrepreneur Of The Year für ihn und sein Team hat.

Wie entstand die Idee für Meteomatics? Gibt es eine besondere Geschichte oder einen Schlüsselmoment, der den Anstoss zur Gründung gegeben hat?

Der Auslöser war ein sehr konkreter Moment. Während meiner Flugausbildung geriet ich in Turbulenzen, die die Wettervorhersage so nicht angekündigt hatte. Obwohl ich sicher landete, wurde mir in dieser Situation deutlich, wie ungenau lokale Vorhersagen sein können. Das Besondere daran: Ich hatte bereits jahrelang an numerischen Wettermodellen gearbeitet und kannte die Wissenschaft dahinter genau. In diesem Augenblick kamen theoretisches Wissen und persönliche Erfahrung zusammen und mir wurde klar, dass es besser gehen muss.

Kurz darauf gründete ich 2012 Meteomatics in St. Gallen mit dem Ziel, Wettervorhersagen hyperlokal und deutlich präziser zu machen. Heute unterstützen wir Unternehmen weltweit bei wetterbasierten Entscheidungen. Wenn ich zurückblicke, fasziniert mich noch immer, dass aus diesem persönlichen Erlebnis ein international tätiges Unternehmen mit über 600 Kunden und Mitarbeitenden aus mehr als 30 Ländern entstanden ist.

Wenn man den zehnjährigen Martin Fengler treffen würde – wäre er überrascht, dass er einmal ein Unternehmen für Wetterdaten gründet, oder würde er sagen: «Das habe ich schon immer gewusst»?

Ich glaube, er wäre überrascht und gleichzeitig nicht. Dass daraus einmal ein Unternehmen für Wetterdaten werden würde, hätte er sich mit zehn Jahren nicht ausmalen können; den Begriff kannte damals niemand. Die Neugier, verstehen zu wollen, wie die Natur funktionieren, und die Freude an Mathematik und Physik waren jedoch schon damals da.

Dass ich einmal etwas mit Zahlen und mit der Natur mache, überrascht mich nicht. Nur die konkrete Form hätte den zehnjährigen Martin erstaunt.
Nutzen Sie die Technologien und Daten von Meteomatics auch für private Zwecke, beispielsweise bei der Ferienplanung?

Ja, natürlich und das nehmen mir Familie und Freunde manchmal mit einem Schmunzeln ab. Bevor wir in die Ferien fahren, wandern oder aufs Wasser gehen, schaue ich in unsere Daten. Statt einer klassischen Wetter-App nutze ich direkt unsere eigenen Modelle für genau den Punkt, an dem wir sein werden. Es ist ein schöner Nebeneffekt, wenn das eigene Produkt auch im Privaten den Alltag ein Stück besser macht.

Mich faszinieren bis heute Gewitter am meisten. Es ist beeindruckend, wie aus wenigen einfachen physikalischen Gesetzen eine so gewaltige und komplexe Dynamik entsteht und wie schwer sie sich vorhersagen lässt. Für mich liegt die ganze Schönheit der Atmosphäre in dieser Mischung aus klarer Ordnung und Unberechenbarkeit.
Was würden Sie Gründerinnen und Gründern mitgeben, die aus einer Idee oder persönlichen Beobachtung ein Unternehmen aufbauen möchten?

Beginnen Sie bei einem Problem, das Sie wirklich verstehen und selbst spüren. Eine persönliche Beobachtung ist ein hervorragender Ausgangspunkt, entscheidend ist jedoch, daraus über Jahre hinweg Technologie, ein Geschäftsmodell und ein starkes Team zu formen. Dafür braucht es Geduld und die Bereitschaft, dranzubleiben, auch wenn der Markt anfangs noch nicht danach fragt. Zudem sollte man sich mit Menschen umgeben, die besser sind als man selbst. Aus einer guten Idee wird nur dann ein Unternehmen, wenn viele daran mitbauen.

Was war für Sie schwieriger: die Technologie zu entwickeln oder Kunden und Investoren von einer neuen Idee zu überzeugen?

Die Technologie war für mich die vertrautere Seite. Ich komme aus der Mathematik und der Wettermodellierung, das war gewissermassen mein Heimspiel. Schwieriger war es am Anfang, den Markt zu überzeugen: dass präzisere, hyperlokale Wetterdaten einen echten wirtschaftlichen Wert haben, und dass ein junges Unternehmen aus St. Gallen Wettermodelle von Weltklasse bauen kann. Menschen für etwas zu begeistern, das es so noch nicht gab, verlangt viel Überzeugungsarbeit und einen langen Atem. 

Die Technik lässt sich rechnen – Vertrauen muss man sich erarbeiten.
Wenn Sie an Ihre Teilnahme am EY Entrepreneur Of The Year zurückdenken: Gibt es einen besonderen Moment, eine Begegnung oder ein Erlebnis, das Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir weniger die Auszeichnung selbst als der Austausch mit den anderen Unternehmerpersönlichkeiten an diesem Abend. Unter den Finalistinnen und Finalisten waren so viele unterschiedliche Geschichten und Persönlichkeiten – Menschen, die alle mit grosser Leidenschaft etwas aufgebaut haben. Diese Begegnungen und die Gespräche am Rande des Galaabends in Bern haben mich mehr bewegt als das Rampenlicht. In solchen Momenten merkt man, dass man Teil einer grösseren unternehmerischen Gemeinschaft ist.

Diese Anerkennung bedeutet mir sehr viel. Sie zeigt, dass Wissenschaft und Unternehmertum keine Gegensätze sind. Wir haben aus einer wissenschaftlichen Idee ein Unternehmen mit internationaler Wirkung aufgebaut. Dass genau diese Verbindung ausgezeichnet wird, ist eine schöne Bestätigung. Sie gilt nicht nur mir, sondern dem ganzen Team, das diesen Weg mit mir gegangen ist.
Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: «Jetzt zahlt sich die Teilnahme am EY Entrepreneur Of The Year wirklich aus»?

Der Wert einer solchen Auszeichnung zeigt sich selten in einem einzelnen Moment, sondern vielmehr in den Türen, die sich danach leichter öffnen. Ich habe gemerkt, dass Gespräche mit Partnern und Kunden eine andere Qualität bekommen, wenn eine unabhängige Jury die eigene Arbeit derart würdigt. Sie schafft Sichtbarkeit und Glaubwürdigkeit und beides hilft einem Unternehmen, das von St. Gallen aus die Welt erreichen will.

Der konkreteste Effekt ist jedoch das Netzwerk: Mit dem EOY eröffnet sich eine Gemeinschaft aussergewöhnlicher Unternehmerpersönlichkeiten, aus der ganz reale Möglichkeiten entstehen. In unserem Fall sogar neue Kooperationen und Ansätze zur Neukundenakquise. Aus einer Begegnung am Rande wird plötzlich ein Gespräch über eine Zusammenarbeit.

Die Teilnahme ermöglicht einen wertvollen Blick von aussen auf das eigene Unternehmen. Dieser Perspektivwechsel ist unabhängig vom Ergebnis wertvoll. Dazu kommt ein Netzwerk aussergewöhnlicher Menschen, das einen weit über den Abend hinausbegleitet.
Wenn Sie einen Wetterbericht für die Zukunft von Meteomatics erstellen müssten, wie würde dieser lauten?

Der Langfristausblick für Meteomatics: anhaltend sonnig mit kräftigem Wachstum. Ein stabiles Hoch aus Innovation und wissenschaftlicher Neugier bestimmt das Geschehen und sorgt für ausgezeichnete Sichtweiten weit über den Horizont hinaus. Vereinzelt ziehen Herausforderungen auf, sie lösen sich aber rasch in Chancen auf. Die Aussichten bleiben bis auf Weiteres hervorragend – kein Grund, den Regenschirm einzupacken.

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