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Konjunkturausblick Schweiz


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Erfahren Sie, wie die Schweizer Wirtschaft den Auswirkungen der US-Handelszölle begegnet.

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In Kürze

  • Im ersten Quartal 2025 stieg das Schweizer BIP aufgrund vorgezogener Exporte um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dann verlangsamte es sich jedoch aufgrund der US-Zölle und ungünstiger Basiseffekte im dritten Quartal deutlich auf 0,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Die Schweiz ist aufgrund der Struktur ihrer Exporte und des hohen US-Anteils der Exporte stärker von den Zöllen betroffen als die Europäische Union.
  • Mit einer Verbesserung der globalen Nachfrage und einer Abnahme der politischen Unsicherheit dürfte 2027 eine moderate Erholung mit einem prognostizierten BIP-Wachstum von 1,5 Prozent einhergehen.

Durch das Handelsabkommen mit den USA werden die erwarteten negativen Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft zwar reduziert, doch die Zölle sorgen weiterhin für erhebliche Unsicherheit. Ob und in welchem Umfang für die Pharmaindustrie – auf die fast die Hälfte der Schweizer Warenexporte in die USA entfällt – Zölle gelten werden, ist noch unklar. Sollten Anfang 2026 US-Zölle von 15 Prozent auf Pharmazeutika eingeführt werden, dürften sie das Schweizer BIP-Wachstums im Jahresverlauf schätzungsweise um 0,9 Prozentpunkte schmälern. Infolgedessen wird sich das Wachstum Prognosen zufolge von 1,2 Prozent im Jahr 2025 auf 0,6 Prozent verlangsamen.

Starker Jahresauftakt, markante Verlangsamung

In der Schweiz blieb das Wachstum bis Anfang 2025 robust. Im Jahr 2024 wuchs das Schweizer BIP um 1,4 Prozent, unterstützt durch solide Konsumausgaben der Haushalte und einen Anstieg der Lizenzeinnahmen in Zusammenhang mit den Olympischen Spielen und der Fussball-Europameisterschaft. Das Internationale Olympische Komitee, die FIFA und die UEFA sind alle in der Schweiz ansässig. Dadurch erhöhen die Einnahmen aus Ticketverkäufen, Lizenzvergaben und Übertragungsrechten im Zusammenhang mit Sportereignissen das Schweizer BIP-Wachstum in den jeweiligen Veranstaltungsjahren um bis zu 0,5 Prozentpunkte. Daran schliesst sich in den Zwischenjahren jeweils ein entsprechender Rückgang an.

Das erste Quartal 2025 fiel mit einem Wachstum von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr sogar noch stärker aus. Diese Stärke war jedoch kein Zeichen anhaltender Dynamik, sondern spiegelte vielmehr vorgezogene Warenlieferungen in die USA wider, mit denen Unternehmen den geplanten Zollerhöhungen zuvorkommen wollten.

Nachdem dieser Vorzieheffekt vorüber war, zeigte sich die zugrunde liegende Schwäche. Im zweiten Quartal verlangsamte sich das Wachstum auf 1,5 Prozent und im dritten Quartal auf 0,6 Prozent, da sich die Exporte normalisierten, die Vergleichsbasis ungünstiger wurde und höhere US-Zölle Wirkung zu zeigen begannen.

Wir gehen davon aus, dass das Wachstum in den kommenden Quartalen angesichts der erwarteten Einführung von Zöllen auf Pharmazeutika verhalten bleiben wird. Im Jahr 2026 dürfte es bei durchschnittlich 0,6 Prozent liegen, bevor es im Zuge der Erholung der Wirtschaft im Euroraum 2027 wieder auf 1,5 Prozent steigt.

Prognostizierte Auswirkungen der Zölle auf das BIP der Schweiz

Das BIP-Wachstum der Schweiz dürfte 2026 aufgrund neuer US-Zölle sinken. Unsere Prognose geht gemäss dem im November 2025 abgeschlossenen neuen Handelsabkommen mit den USA von einem Basiszoll von 15 Prozent aus. Ab dem ersten Quartal 2026 dürften die USA zusätzliche sektorspezifische Zölle für Halbleiter und Pharmazeutika einführen.

Da nahezu die Hälfte der Schweizer Exporte in die USA auf die Pharmaindustrie entfällt, rechnen wir mit einem Rückgang des BIP-Wachstums um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zu einem Szenario ohne Zusatzzölle. Ohne Handelsabkommen würden sich die prognostizierten Auswirkungen auf 1,2 Prozentpunkte erhöhen. Der geringe Unterschied erklärt sich durch die grosse Differenz zwischen nominalen und effektiven Zollsätzen. Ein nominaler Zoll von 39 Prozent wurde nur auf rund 30 Prozent der Schweizer Exporte in die USA erhoben, vor allem weil ein erheblicher Teil der Exporte davon befreit war.

Der negative Effekt der Zölle in Höhe von 0,9 Prozent auf das BIP-Wachstum der Schweiz im Jahr 2026 wird als temporär betrachtet. Während unsere Modelle einen langfristigen negativen Effekt von 0,4 Prozent auf das BIP-Wachstum in den USA vorhersagen, dürften die Auswirkungen auf die Schweiz auf lange Sicht unbedeutend sein.

Hohe Anfälligkeit der Schweiz für Zölle

Aufgrund ihrer starken Handelsorientierung ist die Schweiz anfälliger als andere europäische Volkswirtschaften. Three structural features stand out:


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Die Schweiz ist zudem von den indirekten Effekten der schwächeren Weltwirtschaft betroffen. Die Wachstumsverlangsamung im Euroraum und die geringere Nachfrage nach Zwischenprodukten belasten die Schweizer Hersteller, auch wenn sie nie direkt höhere Zölle bezahlen.

Zurückhaltung bei Investitionen und Abkühlung des Arbeitsmarkts

Aufgrund der vorherrschenden Unsicherheit werden Teile des Investitionszyklus auf Eis gelegt. Durch die Zölle ist ein schwer zu quantifizierendes Abwärtsrisiko entstanden, das Investitionen bremst, bis der politische Ausblick klarer wird. Nach unseren Schätzungen sind die Investitionen im Jahr 2025 um 1,3 Prozent zurückgegangen. Für 2026 erwarten wir einen weiteren Rückgang um 0,4 Prozent.

Die Beschäftigung wuchs in der ersten Jahreshälfte 2025 stetig, aber verhalten um 0,6 bis 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei diese Zahlen die Auswirkungen der Zölle noch nicht widerspiegeln. Umfragen signalisieren, dass eine Abschwächung der Neueinstellungen bevorsteht. Die registrierte Arbeitslosigkeit steigt seit Ende 2023 langsam an und dürfte sich bis ins Jahr 2026 weiter erhöhen. Erst wenn sich das BIP-Wachstum verbessert, dürfte sie allmählich wieder zurückgehen.

Die Lohninflation hat sich auf unter 1 Prozent abgeschwächt. Angesichts der Zollunsicherheit bei Exportaufträgen scheuen sich Unternehmen vor einer Erhöhung ihrer Fixkosten. Wir gehen davon aus, dass das Lohnwachstum bis Ende Jahr seine Talsohle erreicht und im Jahr 2026 in Richtung 1,4 Prozent ansteigt.

Tiefe Inflation, Geldpolitik im Wartemodus

Die Inflation verharrt im Jahresvergleich nahe null Prozent. Der starke Franken, die günstigeren Importe und die tiefen Energiepreise haben die Inflation ans untere Ende der Zielspanne der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sinken lassen. Auch die Kerninflation hat nachgelassen. Eine langsame Rückkehr in Richtung 1 Prozent ist zu erwarten, da die Energieeffekte nachlassen.

Die SNB hat auf den verhaltenen Preisdruck reagiert: Sie hat die Zinsen im Juni 2025 auf null gesenkt und seither unverändert belassen. Negativzinsen sind weiter nicht ausgeschlossen, wenn der Schweizer Franken weiter aufwertet oder der Deflationsdruck zunimmt. Umgekehrt sind bei einem soliden BIP-Wachstum und einem Anstieg der Inflation über 1 Prozent in den Jahren 2027 und 2028 geringe Zinserhöhungen möglich.

Das breitere europäische Wirtschaftsumfeld

Parallel zu den Herausforderungen der Schweiz sieht sich die breitere europäische Wirtschaft mit vergleichbaren, aber weniger starken Auswirkungen der effektiven Zölle konfrontiert. Natürlich waren auch die Handelsströme im Euroraum von den US-Zöllen betroffen, doch der Schock war stärker gestreut und leichter aufzufangen.

Ähnlich wie in der Schweiz war das BIP-Wachstum im Euroraum aufgrund von vorgezogenen Exporten volatil. Dies gilt insbesondere für Irland, wo multinationale Unternehmen im zweiten Quartal 2025 zu einem kräftigen Anstieg des BIP-Wachstums um 18 Prozent beitrugen. Doch der Kern der europäischen Wirtschaft wächst weiter in moderatem Tempo.

Deutschland und Italien zeigen nach wie vor die schwächste Performance. Beide Länder werden durch strukturelle Probleme, eine verhaltene Investitionstätigkeit und eine starke Abhängigkeit vom globalen verarbeitenden Gewerbe belastet. Polen und Spanien verzeichnen unter den grössten europäischen Volkswirtschaften weiterhin das stärkste Wachstum. Insgesamt wird für den Euroraum ein Wachstum von 1,4 Prozent im Jahr 2025 und von 1,1 Prozent im Jahr 2026 erwartet. Schätzungen deuten darauf hin, dass die Zölle das BIP-Wachstum im Euroraum 2026 um ungefähr einen halben Prozentpunkt schmälern könnten. Die Wirkung dürfte also geringer ausfallen als in der Schweiz, wo für 2026 unter Annahme sektorspezifischer Zölle von 15 Prozent auf Pharmazeutika und Halbleiter ein Rückgang des BIP-Wachstums um 0,9 Prozentpunkte erwartet wird.

Das Abkommen zwischen den USA und der EU sieht wie jenes mit der Schweiz eine Zollobergrenze von 15 Prozent für die meisten Exporte vor. Doch im Euroraum schützt diese Obergrenze ein breiteres Spektrum von Branchen in einem deutlich grösseren Markt. Der Stahl- und Aluminiumsektor in der EU steht mit Zöllen von 50 Prozent immer noch unter Druck. Wichtige Kategorien wie Flugzeuge, Generika und natürliche Ressourcen sind jedoch von Zöllen befreit.

Die Aufwertung des Euro, unterstützt durch die geldpolitische Lockerung in den USA und einen strafferen Haushaltsausblick in Deutschland, trägt zusätzlich zum Wettbewerbsdruck auf europäische Exporteure bei. Gleichermassen erhöht der starke Schweizer Franken, der häufig positiv mit dem Euro korreliert, den Wettbewerbsdruck und verstärkt die Auswirkungen der Zölle.

Aus Schweizer Sicht stellen eine schwächere Nachfrage im Euroraum, ein flacheres Exportwachstum und anhaltende Handelsspannungen Risiken dar, insbesondere für Unternehmen, die eng mit europäischen Wertschöpfungsketten verflochten sind. Das breitere Handelsumfeld bleibt fragil. Allfällige Rückschläge in Europa würden die exportorientierten Sektoren der Schweiz und die Wachstumsaussichten des Landes insgesamt belasten.

Konjunkturaussichten der Schweiz: allmähliche Erholung

Die Wirtschaftstätigkeit in der Schweiz wird verhalten bleiben. Der Höhepunkt der Wachstumsbelastung durch Zölle wird für 2026 erwartet, insbesondere wenn sektorspezifische Zölle auf Pharmazeutika erhoben werden. Eine robustere Erholung im Euroraum, eine stabilere globale Nachfrage und tiefere Zinsen dürften eine Erholung ab 2027 unterstützen.

„Der höchste Rückgang aufgrund von Zöllen wird für 2026 erwartet, dürfte aber langfristig unerheblich sein.

Das Lohnwachstum wird sich voraussichtlich normalisieren, die Arbeitslosigkeit sollte zurückgehen und die Inflation wieder in die Mitte der Zielspanne der SNB zurückkehren. Dennoch zeigen die jüngsten Erfahrungen eine grundsätzliche Erkenntnis auf. Die Schweiz ist als kleine, offene Volkswirtschaft mit einem hohen Anteil von Exporten mit hohem Wert besonders anfällig, wenn sich die Weltpolitik vom Freihandel hin zum Protektionismus bewegt. Die Entwicklung der effektiven Zölle, nicht der nominalen Gesamtsätze, ist die wichtigste Variable, die es im Auge zu behalten gilt.

 

Die Stärken der Schweiz sind intakt, aber die nächsten 12 bis 18 Monate erfordern einen besonders umsichtigen Kurs.

Zusammenfassung

Das starke BIP-Wachstum der Schweiz zu Beginn des Jahres 2025 war auf vorgezogene Exporte zurückzuführen, mit denen Unternehmen US-Zöllen zuvorkommen wollten. Dies verschleierte allerdings die zugrunde liegende Schwäche. Wenn die Zölle wirksam werden, insbesondere nach einer möglichen Einführung neuer Zölle auf Pharmazeutika ab dem ersten Quartal 2026, dürfte das BIP-Wachstum in der Schweiz kräftig nachlassen. Selbst im Rahmen des neuen Handelsabkommens mit den USA ist 2026 mit einem Rückgang um 0,9 Prozentpunkte zu rechnen. Die Schweiz ist den Auswirkungen der Zölle aufgrund ihres hohen Anteils von Pharmaunternehmen und ihrer US-orientierten Exportstruktur deutlich stärker ausgesetzt als die EU. Bei Investitionen und Neueinstellungen ist eine Verlangsamung erkennbar, die Inflation liegt nahe an null und der Franken bleibt stark. Ab 2027 ist mit einer schrittweisen Erholung zu rechnen, sobald sich die globale Nachfrage stabilisiert. Dennoch bleibt die Schweiz anfällig gegenüber Veränderungen in der globalen Handelspolitik.


Ungewissheiten meistern: Wie man Ungewissheiten in Zukunftschancen verwandelt

Auch wenn Krisen und unerwünschte Veränderungen niemals wünschenswert sind, so schaffen sie doch Raum für neue Chancen. Ungelöste Fragen und schmerzhafte oder unangenehme Situationen schaffen Anreiz für Veränderungen und lassen mehr Freiheit für Innovation und neue Problemlösungsansätze.

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