Pressemitteilung
04 Jan. 2026  | Zurich, Switzerland

Nahost-Krieg bremst weltweiten IPO-Markt stark

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  • Bilanz des ersten Quartals: Zahl der IPOs mit 230 um 23 Prozent niedriger als im Vorjahr, Volumen dennoch um 36 Prozent gestiegen
  • IPO-Aktivität in China deutlich über Vorjahresniveau; in Europa Rückgang der IPOs um 18 Prozent, aber Zuwachs von 48 Prozent beim Volumen, Zahl der IPOs in den USA sinkt um 55 Prozent
  • IPO-Markt in der Schweiz weiterhin verhalten, Fokus der Unternehmen auf Vorbereitung und Evaluation des Marktumfeldes
  • Verteidigungsindustrie, Infrastruktur und Künstliche Intelligenz als zentrale Treiber der IPO-Aktivität im Jahr 2026

Zürich, 01. April 2026 – Nach einem vielversprechenden Start ins Jahr 2026 führten neue geopolitische Spannungen und der weltweite Anstieg der Energiepreise zu einem deutlichen Rückgang auf dem IPO-Markt: Die Zahl der Börsengänge sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23 Prozent und lag mit 230 auf dem niedrigsten Stand seit sechs Jahren. Zuletzt waren im zweiten Quartal des COVID-Jahres 2020 mit 195 IPOs weniger Börsengänge registriert worden als im abgelaufenen Quartal.

Obwohl deutlich weniger Unternehmen an die Börse gingen, stieg das Emissionsvolumen um 36 Prozent auf 40,6 Milliarden US‑Dollar. Während die Zahl der Börsengänge mit einem Emissionsvolumen oberhalb von mehr 500 Millionen US-Dollar von 14 auf 22 stieg, gab es deutlich weniger kleinere IPOs: Die Zahl der Börsengänge mit einem Wert von weniger als 100 Millionen US-Dollar sank von 237 auf 146.

Der weltweit grösste Börsengang des ersten Quartals fand in Europa statt: Der tschechische Munitionshersteller CSG erzielte bei seiner Erstnotiz an der Amsterdamer Euronext ein Platzierungsvolumen von 4,5 Milliarden US-Dollar. Das sind die Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens EY.

«Das erste Quartal 2026 zeigt deutlich, wie stark geopolitische Unsicherheiten und makroökonomische Faktoren den IPO-Markt beeinflussen. Während viele Unternehmen ihre Börsenpläne vorerst verschieben, sehen wir bei grossvolumigen Transaktionen weiterhin gezielte Aktivitäten – insbesondere in Europa» Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services EY Schweiz.

Geopolitische Unsicherheiten prägen die globalen IPO-Märkte

Die Zuspitzung der Krise im Nahen Osten hat die globalen IPO-Märkte deutlich beeinflusst: Die Zahl der IPOs ist auf ein Sechs-Jahres-Tief gesunken, begleitet von stark steigenden Energiepreisen, erhöhter Volatilität an den Kapitalmärkten und zeitweise deutlichen Rückgängen an den Aktienmärkten. Parallel dazu sind handelspolitische Unsicherheiten wieder stärker in den Fokus gerückt. Dennoch ist kein vollständiger Stillstand zu beobachten, vielmehr konzentriert sich die Investorennachfrage zunehmend auf ausgewählte Sektoren und etablierte Unternehmen, die bereits vor dem Börsengang eine kritische Grösse, robuste Geschäftsmodelle und eine überzeugende Erfolgsbilanz vorweisen können.

Trotz des herausfordernden Umfelds zeigen sich die weltweiten IPO-Märkte insgesamt widerstandsfähig: Zwar wurden einzelne Transaktionen verschoben oder standen vor Herausforderungen bei der Preisfindung, gleichzeitig profitieren aber Verteidigungs-, Luftfahrt- und Infrastrukturwerte vom geopolitischen Umfeld, sodass in diesen Bereichen stellenweise sogar von einem IPO-Boom gesprochen werden kann.

Weniger Breite, mehr Tiefe im IPO-Markt

Was sich bereits in den Vorjahren in Phasen erhöhter Volatilität angedeutet hat, tritt nun noch deutlicher zutage: In einem Umfeld zunehmender Unsicherheit bevorzugen Investoren Emittenten mit starker Ertragskraft, klarer Marktpositionierung und belastbaren Wachstumsperspektiven. Dadurch öffnet sich die Schere zwischen IPO-fähigen Unternehmen und solchen mit schwächerem Profil weiter. Für die kommenden Monate bedeutet dies insgesamt weniger Transaktionen, gleichzeitig jedoch einzelne sehr grosse und stark beachtete Börsengänge.

Insbesondere in Europa ist mit weiteren Börsengängen aus dem Verteidigungs- und Infrastrukturbereich zu rechnen. Die verstärkten Anstrengungen der NATO-Staaten, ihre Verteidigungsausgaben in Richtung des 5-Prozent-Ziels des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen, wovon ein Teil in kritische Infrastruktur fliesst, sorgen für positive Perspektiven für Unternehmen der Verteidigungsindustrie.

Neben Aerospace & Defense bleibt auch Künstliche Intelligenz mit den erwarteten IPOs aus den USA ein zentraler Treiber des IPO-Marktes. Dabei verschiebt sich der Fokus jedoch zunehmend weg von reinen Visionen hin zu konkreten, skalierbaren Anwendungen, insbesondere in den Bereichen KI Infrastruktur, Rechenzentren, Halbleiter und industrielle Anwendungen.

Internationale Märkte im Jahresvergleich

  • In China (einschliesslich Hongkong) wurden 68 Neuemissionen (2025: 50) gezählt mit einem Gesamtwert von 16,7 Milliarden. US-Dollar – ein Plus von 181 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und der grösste Anstieg unter allen relevanten Börsenplätzen.
  • Der US-Markt lag bei der Zahl der Deals (27; minus 55 Prozent) im Minus; das Emissionsvolumen lag mit 10,2 Milliarden US-Dollar 13 Prozent höher als im Vorjahreszeitraum.
  • In Europa gingen zwar weniger Unternehmen an die Börse als im ersten Quartal 2025 (28; minus 18 Prozent). Dank des Mega-IPOs von CSG stieg aber das Platzierungsvolumen deutlich: um 48 Prozent auf 6,4 Milliarden US-Dollar.
  • Beim Blick auf die Branchen dominierten Advanced Manufacturing (42 IPOs, 11,3 Milliarden US-Dollar) und Technology (38 IPOs, 8,8 Milliarden US-Dollar).
  • Im Ranking der grössten Börsengänge des ersten Quartals folgen auf CSG das US-Energieinfrastrukturunternehmen Forgent Power Solutions mit einem Emissionsvolumen von 1,7 Milliarden US-Dollar und dahinter der chinesische Fleischproduzent Muyuan Foods mit 1,4 Milliarden US-Dollar.

Zurückhaltende IPO-Aktivität in der Schweiz zu Jahresbeginn

In der Schweiz blieb der IPO-Markt im ersten Quartal 2026 weiterhin verhalten. Vor dem Hintergrund anhaltender geopolitischer Unsicherheiten, erhöhter Marktvolatilität und eines anspruchsvollen Finanzierungsumfelds zeigten sich viele Unternehmen zurückhaltend und verschoben ihre Börsenpläne. Gleichzeitig halten es sich gut vorbereitete Emittenten mit klarer Kapitalmarktstrategie und langfristigem Finanzierungsbedarf weiterhin offen, den Kapitalmarkt zu evaluieren – insbesondere mit Blick auf eine mögliche Belebung des Marktumfelds im weiteren Jahresverlauf.

Tobias Meyer, Leiter Transaction Accounting und IPO Services EY Schweiz, sagt zu den Ergebnissen des aktuellen IPO-Barometers: «Auch in der Schweiz beobachten wir derzeit eine abwartende Haltung. Viele Unternehmen nutzen das aktuelle Marktumfeld, um ihre IPO-Readiness gezielt weiterzuentwickeln und strategische Optionen vorzubereiten, statt kurzfristig an den Markt zu gehen.»


Über die globale EY-Organisation

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Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.

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