Geopolitik verändert Strategie und Investitionsentscheidungen
Die Unternehmen reagieren auf das veränderte Umfeld mit konkreten Anpassungen. Fast die Hälfte (48%) hat ihr Risikomanagement in den vergangenen 24 Monaten mindestens moderat verändert. Jeweils 45% haben mindestens moderate Anpassungen bei ihrer Strategie sowie bei Wachstum, Investitionen und Transaktionen vorgenommen. Rund vier von zehn Unternehmen haben auch den Umgang mit Technologie, KI, Daten und geistigem Eigentum (44%), die Compliance (42%) sowie ihre Betriebsabläufe und Lieferketten (41%) angepasst.
Die Veränderungen reichen damit über das klassische Risikomanagement hinaus und greifen zunehmend in strategische Unternehmensentscheidungen ein. Bei den 110 Befragten, die Wachstum, Investitionen oder Transaktionen mindestens moderat angepasst haben, zeigt sich eine vorsichtigere Investitionslogik: 41% haben die Breite beziehungsweise Zahl ihrer Investitionsmärkte reduziert, während 16% diese erhöht haben. 37% berichten von einem gesunkenen Vertrauen beim Eintritt in neue Märkte, gegenüber 22%, deren Vertrauen gestiegen ist. Gleichzeitig haben 35% dieser Unternehmen ihre Mindestrenditen beziehungsweise Risikoprämien erhöht, während lediglich 11% sie gesenkt haben. Bei 35% haben sich zudem die Zeiträume für die Genehmigung von Transaktionen verlängert.
Geopolitik verändert auch den Umgang mit KI und Technologie
Besonders sichtbar werden die Auswirkungen geopolitischer Risiken auch bei Technologie, KI und Daten. Von den 108 Befragten, die in diesem Bereich mindestens moderate Anpassungen vorgenommen haben, berichtet die Hälfte (50%), dass ihr Unternehmen die Regeln für KI-Governance, den Einsatz oder die Nutzung von KI nach Markt beziehungsweise Region verändert hat. 43% dieser Unternehmen haben die Kontrollen für grenzüberschreitende Daten, Technologien oder geistiges Eigentum verstärkt. 30% setzen verstärkt auf souveräne, lokale oder länderspezifische KI- und Cloud-Lösungen, 29% haben ihre Abhängigkeit von bestimmten ausländischen Technologieanbietern, Plattformen oder Ökosystemen reduziert und 27% haben ihre Daten-, KI- oder Technologieinfrastruktur über verschiedene Rechtsräume hinweg regionalisiert oder lokalisiert.
Krumbmüller betont abschliessend: «Geopolitik verändert zunehmend nicht nur die Risikowahrnehmung, sondern die Art und Weise, wie Unternehmen investieren, Technologie einsetzen und ihre Strategie gestalten. Gerade für international vernetzte Schweizer Unternehmen wird die Fähigkeit, geopolitische Entwicklungen in Geschäftsentscheidungen zu übersetzen, zu einer wichtigen strategischen Kompetenz. Unternehmen, die klare Verantwortlichkeiten schaffen, Szenarien systematisch analysieren und konkrete Handlungsoptionen vorbereiten, können Unsicherheit nicht beseitigen – aber sie können ihre Widerstandsfähigkeit deutlich erhöhen.»
Zur Umfrage
An der Umfrage nahmen 244 Führungskräfte und Entscheidungsträger aus Unternehmen in der Schweiz teil. Die Befragten repräsentieren Unternehmen unterschiedlicher Grössenklassen: 27% arbeiten in KMU (10 bis 249 Mitarbeitende), 25% in Grossunternehmen (1'000 bis 9'999 Mitarbeitende) und 22% in Konzernen (mehr als 10'000 Mitarbeitende). Weitere 17% sind in Kleinunternehmen (weniger als 10 Mitarbeitende) tätig, 9% in mittelgrossen Unternehmen (250 bis 999 Mitarbeitende).
Die Befragten decken ein breites Spektrum an Branchen ab. 23% sind im Bankensektor tätig. Weitere wichtige Branchen sind Industrie & Fertigung (12%), Professional Services (10%), Versicherungen (9%) sowie Technologie, Medien & Telekommunikation (7%). Daneben sind auch Unternehmen aus den Bereichen Energie & Infrastruktur, Handel, Life Sciences & Pharma, Gesundheitswesen, öffentlicher Sektor, Immobilien und weiteren Branchen vertreten.
Die Befragung wurde im Juli und August 2026 durchgeführt und untersucht, wie Unternehmen politische Risiken identifizieren, bewerten und steuern, welche Auswirkungen diese auf ihre Geschäftstätigkeit haben und wie sie darauf reagieren.