Pressemitteilung
16 Juli 2026  | Zurich, Switzerland

Künstliche Intelligenz, Self-Directed Investing und ganzheitliche Vermögensplanung verändern die Spielregeln im Wealth Management

Pressekontakt

  • Über CHF 9’300 Mrd. Vermögen: Die Schweiz behauptet ihre führende Rolle im Wealth Management. Vermögende Kunden arbeiten weltweit bereits mit durchschnittlich 2,3 Vermögensverwaltern.
  • KI entwickelt sich zum zentralen Ertrags- und Wachstumstreiber im Wealth Management.
  • Knapp ein Drittel der Vermögen wird selbstgesteuert verwaltet, die Nachfrage nach persönlicher Beratung verschiebt sich zu komplexen Finanzfragen.
  • Ganzheitliche Vermögensplanung gewinnt an Bedeutung und eröffnet neue Beratungschancen.
  • Vertrauen muss überprüfbar werden: Transparenz, Nachvollziehbarkeit und kontrollierter KI-Einsatz werden zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren.

Zürich, 16. Juli 2026 – Die Schweiz verwaltete 2025 Vermögen von über 9’300 Milliarden Schweizer Franken und bleibt ein globales Zentrum im Wealth Management. Gleichzeitig steht das Private Banking unter Druck: Vermögende Kunden arbeiten weltweit bereits mit durchschnittlich 2,3 Vermögensverwaltern und verwalten rund 29 Prozent ihres Vermögens selbst. Zudem macht der Einsatz von KI-Beratung alles schneller, vergleichbarer und günstiger. Das zeigt der neue EY Global Wealth Management Industry Report 2026.

Für Schweizer Banken verschiebt sich der Wettbewerb von reiner Anlageleistung hin zu höherer Beratungsrelevanz. Entscheidend wird, wer Kunden in finanziellen Schlüsselmomenten mit skalierbarem Wealth Planning, kontrolliertem KI-Einsatz und nachweisbarer Beratungsqualität begleitet. Marcel Zünd, Leiter Strategy & Execution Financial Services bei EY Schweiz sagt: «Das Schweizer Banking hat sich auch 2025 positiv entwickelt. Die Banken verwalten aktuell Vermögen von über 9’300 Milliarden Schweizer Franken. Doch wer künftig wachsen will, muss mehr bieten als Anlageperformance und persönliche Beziehung. Entscheidend ist, ob Banken Kunden früher verstehen, KI kontrolliert einsetzen und Beratung so dokumentieren, dass Vertrauen überprüfbar wird».

Gerade für die Schweiz ist diese Entwicklung besonders relevant, da der Schweizer Markt wettbewerbsintensiv und margengetrieben ist. Wachstum entsteht daher immer seltener durch reine Marktexpansion, sondern zunehmend durch eine bessere Kundendurchdringung, höhere Beratungsrelevanz und die Fähigkeit, bestehende Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen und systematisch in konkrete Lösungen zu übersetzen.

KI wird zum strategischen Betriebssystem des Wealth Management

Für Schweizer Wealth Manager ist diese Entwicklung doppelt relevant: KI kann Relationship Manager entlasten, Kundenbedürfnisse früher erkennen und die Beratung systematischer auslösen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Governance, Datenqualität, Erklärbarkeit und menschliche Verantwortung. Gerade im regulierten Schweizer Markt wird KI nur dann zum Wettbewerbsvorteil, wenn sie kontrolliert, nachvollziehbar und verantwortungsvoll eingesetzt wird. Marcel Zünd ergänzt: «Für den Schweizer Finanzplatz ist KI nicht primär eine Technologiefrage. Entscheidend ist, ob Banken KI so in Beratung, Kontrolle und Kundeninteraktion integrieren, dass sie Vertrauen stärkt statt schwächt. Wer KI nur als Effizienzprogramm betrachtet, unterschätzt ihre Bedeutung und die strategische Verschiebung im Wealth Management.»

Self-Directed Investing erhöht den Druck auf klassische Beratung

Selbstgesteuertes Investieren gewinnt laut dem Report zunehmend an Bedeutung. Wenn Kunden Research, Portfolioüberprüfung und Anlageentscheidungen vermehrt selbst mithilfe digitaler Tools und KI-gestützter Analysen steuern, verliert standardisierte Beratung an Exklusivität. Der Wert menschlicher Beratung verlagert sich somit zunehmend auf komplexe, verantwortungsvolle und kontextabhängige Entscheidungen.

Für Schweizer Institute werden stille Vermögensabflüsse zunehmend wichtiger als formelle Kündigungen. Kunden verlagern Teile ihres Portfolios zu günstigeren oder technologisch besser aufgestellten Anbietern, ohne die Hauptbeziehung unmittelbar aufzulösen. Die zentrale Frage ist daher nicht nur, ob eine Bank Kunden verliert, sondern ob sie schrittweise den Zugang zu Daten, Entscheidungshoheit und dem «Share of Wallet» einbüsst. Erfolgreich sind Anbieter, die Self-Directed Investing in ein hybrides Modell integrieren – indem sie Kunden mehr Eigenständigkeit ermöglichen und gleichzeitig dort gezielt Orientierung, institutionell kontrollierte KI und menschliche Verantwortung bieten, wo Entscheidungen komplex, langfristig oder risikobehaftet sind.

Wealth Planning wird zum Kern systematischer Kundengewinnung

In gesättigten Vermögensmärkten wie der Schweiz entsteht Wachstum zunehmend durch die frühzeitige und präzise Identifikation von Bedürfnissen im bestehenden Kundenstamm. Wealth Planning wird dabei zum zentralen Anker für eine systematischere Beratung und Kundengewinnung. Der Fokus verschiebt sich von der Produktvermarktung hin zur Unterstützung bei umfassenden Lebenszielen, von der Optimierung der Gesamtvermögensstruktur über Vorsorge und Nachfolge bis hin zu Immobilien-, Finanzierungs- und Steuerfragen.

Dieser Ansatz ist für Schweizer Banken besonders relevant: Die Schweiz zeichnet sich durch eine hohe Vermögensdichte, komplexe Haushaltsbilanzen, generationenübergreifende Vermögensfragen sowie die grosse Bedeutung von Vorsorge, Immobilien und Nachfolge aus. Wealth Planning entwickelt sich damit vom spezialisierten Service für sehr vermögende Kunden zu einer skalierbaren Beratungslogik für Affluent- und HNW-Segmente.

Der Report argumentiert, dass Banken die vorhandene Nachfrage in einen stringenten Beratungs- und Vertriebsprozess überführen müssen. Dafür braucht es strukturierte Planungszyklen, die Einbindung von Spezialisten, aussagekräftigere Front-Office-KPIs sowie eine engere Verzahnung von Kundendaten, Beratungsauslösern und konkreten Massnahmen. Wealth Planning entwickelt sich damit zum operativen Rückgrat der Kundenentwicklung.

Vertrauenswürdigkeit muss sichtbar und überprüfbar werden

Der vielleicht wichtigste Befund für die Schweiz betrifft das Vertrauen. In einem Markt, der traditionell von Reputation, Stabilität und persönlichen Beziehungen geprägt ist, genügt implizites Vertrauen künftig nicht mehr. Der Report spricht in diesem Zusammenhang von «verifiable trust» – überprüfbarem Vertrauen. Dieses entsteht zunehmend durch erklärbare Empfehlungen, dokumentierte Entscheidungslogik, nachvollziehbare Eignungsprüfungen, überprüfbare Massnahmen und klar ausgewiesene menschliche Verantwortung.

Damit treffen die Ergebnisse den Kern des Schweizer Wealth-Management-Modells. Kunden erwarten nach wie vor Diskretion, Stabilität und persönliche Nähe, während Beratung, Gebühren, KI-Einsatz und Produktempfehlungen transparenter und vergleichbarer werden. Vertrauenswürdigkeit muss deshalb nicht nur behauptet, sondern an entscheidenden Kontaktpunkten nachweisbar belegt werden.

Urs Palmieri, EY Wealth & Asset Management Switzerland Leader, sagt dazu: «Das ist weit mehr als ein Technologie-Upgrade – es ist ein grundlegender Wandel des Betriebsmodells im Wealth Management. Weil Beratung immer zugänglich wird und die Erwartungen der Kunden weiter steigen, entscheidet künftig weniger die Erkenntnis allein als vielmehr die Fähigkeit, sie konsequent umzusetzen.»

Fazit: Schweizer Wealth Manager stehen vor vier strategischen Prioritäten

Erstens gilt es, KI aus der Pilotphase in kontrollierte, produktive Arbeitsabläufe zu überführen. Entscheidend ist nicht die Anzahl der Experimente, sondern die Fähigkeit, KI so in Beratung, Kontrollen und Entscheidungsprozesse zu integrieren, dass Skalierung und Vertrauen gleichermassen wachsen.

Zweitens müssen Vermögensberater Self-Directed Investing aktiv in ihr Beratungsmodell einbinden. Kunden agieren zunehmend eigenständiger. Diese Entwicklung lässt sich nicht verhindern, wohl aber gestalten – etwa durch institutionell kontrollierte KI und digitale Beratungsumgebungen, die sicherstellen, dass Entscheidungen im Ökosystem der Bank bleiben.

Drittens soll Wealth Planning zum operativen Rückgrat der Kundenentwicklung aufgebaut werden. Beratung setzt künftig stärker bei Zielen, Lebensereignissen und Haushaltsbilanz an als bei Produkten. So entstehen relevantere Gespräche, bessere Mandatsdurchdringung und stärkere Kundenbindung.

Viertens muss Vertrauen konkreter erlebbar werden. In einem von Reputation und persönlichen Beziehungen geprägten Markt reicht Vertrauen als Versprechen künftig nicht mehr aus. Entscheidend ist, ob Kunden Empfehlungen nachvollziehen, den Einsatz von KI verstehen und klare menschliche Verantwortung erkennen können.

Bei Fragen kontaktieren Sie bitte: mediarelations@ch.ey.com


Über die globale EY-Organisation

Die globale EY-Organisation ist eine Marktführerin in der Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Transaktionsberatung und Rechtsberatung sowie in den Advisory Services. Wir fördern mit unserer Erfahrung, unserem Wissen und unseren Dienstleistungen weltweit die Zuversicht und die Vertrauensbildung in die Finanzmärkte und die Volkswirtschaften. Für diese Herausforderung sind wir dank gut ausgebildeter Mitarbeitender, starker Teams sowie ausgezeichneter Dienstleistungen und Kundenbeziehungen bestens gerüstet. Building a better working world: Unser globales Versprechen ist es, gewinnbringend den Fortschritt voranzutreiben – für unsere Mitarbeitenden, unsere Kunden und die Gesellschaft.

Die globale EY-Organisation besteht aus den Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG). Jedes EYG-Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen. Ernst & Young Global Limited ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht und erbringt keine Leistungen für Kunden. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: www.ey.com.

Die EY-Organisation ist in der Schweiz durch die Ernst & Young AG, Basel, an zehn Standorten sowie in Liechtenstein durch die Ernst & Young AG, Vaduz, vertreten. «EY» und «wir» beziehen sich in dieser Publikation auf die Ernst & Young AG, Basel, ein Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited.

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