Klemens Eiter, CFO der PORR im CFO Insight Podcast

Die PORR zwischen Kapitalmarkt, Großprojekten und Volatilität

Volatile Märkte, große Infrastrukturprojekte und steigende Anforderungen prägen die Bauindustrie. Klemens Eiter erläutert, wie die PORR mit Portfolio-Diversifikation, Liquiditätsfokus und klarer Governance finanzielle Resilienz aufbaut. 


Die PORR zählt zu den größten Bauunternehmen Europas und ist seit Kurzem im ATX vertreten. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen: wirtschaftliches Wachstum, steigende Profitabilität, eine deutlich verbesserte Kapitalmarktperformance mit einer Vervierfachung der Liquidität. 

Diese Entwicklung ist das Ergebnis einer klaren strategischen Ausrichtung – mit Fokus auf Infrastrukturprojekte, einer bewussten Portfolio-Diversifikation und einer zunehmend aktiven Rolle am Kapitalmarkt. Gleichzeitig bleibt die Bauindustrie ein herausforderndes Umfeld, geprägt von Projektkomplexität, niedrigen Margen und hohen Anforderungen an Governance und Risikomanagement. 

In dieser Podcast-Episode spricht Klemens Eiter, CFO der PORR, mit Kristina Aichwalder darüber, wie finanzielle Steuerung in einem stark zyklischen Umfeld gelingt. Im Mittelpunkt stehen die Rolle des Kapitalmarkts, das Management von Großprojekten sowie die Frage, wie Finance in einer operativ geprägten Branche nachhaltigen Mehrwert schafft. 

Diese Folge ist Teil unserer Podcast-Reihe CFO Insight. Hören Sie sich das Interview auch auf SpotifyYouTubeApple Podcasts oder überall, wo es Podcasts gibt, an.

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Finanzielle Resilienz entsteht bei PORR durch breite Portfolio-Diversifikation, insbesondere durch den Fokus auf Infrastrukturprojekte und wachstumsstarke Märkte in Osteuropa. 
  • Liquidität und aktive Kapitalmarktkommunikation sind zentrale Steuerungshebel, um auch in einem zyklischen Umfeld handlungsfähig zu bleiben. 
  • Großprojekte werden bereits in der Angebotsphase systematisch geprüft, um wirtschaftliche und operative Risiken frühzeitig zu erkennen. 
  • Klare Governance- und Compliance-Strukturen sind Voraussetzung bei PORR für nachhaltigen Erfolg, insbesondere in einer projektgetriebenen Branche mit niedrigen Margen. 
  • Nachhaltigkeit wird zunehmend zum entscheidenden Marktzugangskriterium, da Auftraggeber zertifizierte Baustellen und transparente Lieferketten erwarten. 
  • Die Finanzfunktion agiert als strategischer Partner der operativen Einheiten, wie das Beispiel der PORR zeigt. 

Klemens Eiter im Interview | Kurzüberblick

Aichwalder: Klemens, schön, dass du heute bei uns im Podcast bist. Woher kommst du gerade? 

Eiter: Ich komme gerade aus dem PORR Tower. Der ist nicht weit von hier, aber es war trotzdem schon ein recht intensiver Tag. 

Aichwalder: Du hast mir vorhin erzählt, dass du heute Früh schon sportlich unterwegs warst. Sport, Musik, Bergsteigen – wie bringst du all das mit einer CFO-Rolle unter einen Hut? 

Eiter: Ich glaube, es ist wichtig, mehrere Standbeine zu haben. Nicht nur Beruf und Familie, sondern auch Dinge, die einen mental ausgleichen. Die einzelnen Lebensbereiche entwickeln sich nicht immer gleich gut, und wenn ein Bereich gerade herausfordernd ist, helfen andere, Stabilität zu geben. Insgesamt lebt man aus meiner Sicht gesünder und ausgeglichener, wenn man mehrere Schwerpunkte hat. 

Aichwalder: Hilft dir diese Vielseitigkeit auch in deiner Rolle als CFO? 

Eiter: Absolut. Ohne Sport oder Musik wäre ich in meinem Job nicht so leistungsfähig. Diese Ausgleichsmechanismen helfen, klarer zu denken, Entscheidungen einzuordnen und auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. 

Aichwalder: Die PORR ist mittlerweile im ATX vertreten. Was waren aus deiner Sicht die entscheidenden Faktoren auf diesem Weg? 

Eiter: Das Fundament ist operative Exzellenz und eine konsequente Ergebnisverbesserung über mehrere Jahre. Wir haben uns in den letzten vier Jahren unsere Profitabilität kontinuierlich gesteigert und unsere Ergebnisse verdoppelt. In den vergangenen 15 bis 18 Monaten ist der Aktienkurs um rund 150 Prozent gestiegen, gleichzeitig konnten wir die Liquidität unserer Aktie vervierfachen. Irgendwann wird diese Leistung auch vom Kapitalmarkt wahrgenommen. 

Aichwalder: Gleichzeitig ist die Bauindustrie aktuell stark unter Druck. Wie abhängig seid ihr von dieser Entwicklung? 

Eiter: Entscheidend ist das Portfolio. Wir haben den Wohnbau bewusst stark reduziert, er macht heute nur noch rund acht Prozent unseres Geschäfts aus. Rund 60 Prozent entfallen auf Infrastrukturprojekte. Dazu kommt die starke Nachfrage in Osteuropa, vor allem in Polen und Rumänien, wo viele Projekte durch EU-Förderungen unterstützt werden. Diese Diversifikation macht uns deutlich widerstandsfähiger gegenüber zyklischen Schwankungen. 

Aichwalder: Du warst zuletzt viel auf Roadshows unterwegs. Welche Rolle spielt der Kapitalmarkt heute in deiner täglichen Arbeit?

Eiter: Eine sehr große. Wenn Interesse da ist, muss man präsent sein. Wir haben gezielt in Kommunikation investiert und waren international unterwegs – unter anderem in Skandinavien, Kanada und erstmals seit vielen Jahren wieder in New York. Kapitalmarktarbeit ist für mich kein Selbstzweck, sondern ein strategischer Hebel, um Vertrauen aufzubauen und Potenzial für Wachstum zu schaffen.

Aichwalder: Infrastrukturprojekte sind groß, komplex und langfristig. Wie stellt ihr sicher, dass Risiken beherrschbar bleiben?

Eiter: Wir haben pro Jahr mehrere tausend Bauaufträge. Die größten Projekte werden bereits in der Angebotsphase von unabhängigen Risikomanagern begleitet. Projekte über 20 Millionen Euro werden laufend überwacht. Daraus entsteht eine kontinuierliche Risk Map, die uns hilft, Risiken früh zu erkennen und gegenzusteuern, bevor sie wirtschaftlich relevant werden. 

Aichwalder: Welche Rolle spielen Governance und Compliance in diesem Umfeld? 

Eiter: Eine sehr große. Compliance beginnt bei der Unternehmenskultur und beim Vorstand. Es reicht nicht, Regeln zu definieren – sie müssen gelebt werden. Wir haben eine externe Kommission, die unsere Mechanismen regelmäßig überprüft, und berichten quartalsweise im Vorstand darüber. Das schafft Klarheit und Verlässlichkeit. 

Aichwalder: Nachhaltigkeit ist ein weiteres zentrales Thema in der Bauindustrie. Wo setzt ihr konkret an? 

Eiter: Der Bau trägt wesentlich zum CO₂-Ausstoß bei, vor allem durch Materialien wie Beton oder Stahl. Wir arbeiten intensiv an nachhaltigen Baustellen, an zertifizierten Standards und an der Lieferkette. Wir bauen unter anderem mit recyceltem Asphalt. Für viele Auftraggeber ist Nachhaltigkeit heute keine Kür mehr, sondern Voraussetzung für eine Auftragsvergabe. 

Aichwalder: Die Branche ist stark von Menschen abhängig. Wie geht ihr mit dem Fachkräftemangel um? 

Eiter: Wir sind stark gewachsen und könnten noch schneller wachsen, wenn es mehr Fachkräfte gäbe. In Rumänien haben wir unsere Mitarbeiterzahl verdreifacht. Entscheidend sind faire Bedingungen, eine gelebte Unternehmenskultur und spannende Projekte. Gleichzeitig ist Arbeitsmigration auch eine politische Frage, die nicht allein von Unternehmen gelöst werden kann. 

Aichwalder: Welche Rolle spielt Finance in einer so operativ geprägten Organisation? 

Eiter: Eine zentrale. Die Margen sind niedrig, der Wettbewerb ist hoch. Deshalb braucht es starke Finanzverantwortliche, die auf Augenhöhe mit Technikern und Projektleitern kommunizieren. Digitalisierung ist anspruchsvoll, weil vieles noch analog läuft, aber wir investieren gezielt in Plattformen, um Prozesse effizienter zu machen. 

Aichwalder: Zum Abschluss: Was gibt dir in diesen unruhigen Zeiten Zuversicht? 

Eiter: Es gibt viele Herausforderungen, aber auch viele Chancen. Infrastruktur, Healthcare, leistbares Wohnen – all das wird gebraucht. Wichtig ist, Probleme nicht auszublenden, aber mit einem gesunden Optimismus nach vorne zu schauen und handlungsfähig zu bleiben. 

Aichwalder: Vielen Dank für das Gespräch. 

Podcast

Folge 7

Dauer

32m 33s

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