Sonja Wallner im Interview | Kurzüberblick
Niedermayr: Sonja, schön, dass du da bist. Woher kommst du gerade?
Wallner: Ich komme direkt von unserem Strategie-Kickoff, bei dem wir diskutieren, wie wir Finance für 2026 ausrichten. Solche Termine sind wichtig, weil wir nicht nur Zahlen durchgehen, sondern auch strukturelle Fragen klären: Wo stehen wir? Welche Systeme brauchen wir? Welche Kompetenzen? Emotional komme ich allerdings noch vom Hahnenkamm-Rennen – das war ein beeindruckendes Erlebnis und ein gutes Beispiel dafür, wie Vorbereitung, Teamarbeit und Risikobewusstsein zusammenwirken.
Niedermayr: Du ziehst oft Parallelen zwischen Spitzensport und Wirtschaft. Ihr seid auch schon langjähriger Partner im alpinen Skisport und unter anderem bei großen Events wie dem Hahnenkamm-Rennen engagiert. Was ist für dich die wichtigste Gemeinsamkeit?
Wallner: Es sind klare Ziele. Im Spitzensport wie in der Wirtschaft braucht es eine klare Zieldefinition und die Bereitschaft, systematisch darauf hinzuarbeiten. Rückschläge gehören dazu. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Außerdem ist Erfolg nie eine Einzelleistung – es ist immer Teamarbeit. Und genauso wichtig: Wenn man einen Meilenstein erreicht hat, darf man ihn feiern, aber man darf sich nicht darauf ausruhen. Wer stehen bleibt, verliert Anschluss oder die Spitzenposition.
Niedermayr: Diese Zielorientierung klingt stark nach Transformation. Veränderung scheint ein zentrales Motiv in deiner Arbeit zu sein.
Wallner: Absolut. Es gibt nichts Konstanteres als Veränderung. Gerade in unserer Branche sehen wir, wie technologische Entwicklungen Geschäftsmodelle transformieren. Man muss bereit sein, bestehende Strukturen infrage zu stellen und Prozesse neu zu denken. Veränderung ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein permanenter Zustand.
Niedermayr: Wenn Veränderung ein Dauerzustand ist, spielt Technologie eine zentrale Rolle. Eine Studie spricht von 45 bis 55 Prozent FTE-Optimierungspotenzial durch Automatisierung und KI bis 2035. Hältst du das für realistisch?
Wallner: Ich halte das grundsätzlich für möglich. Automatisierung, Analytics, Machine Learning und Generative AI werden massive Effizienzhebel bringen. Aber das passiert nicht isoliert. Wir müssen gleichzeitig unsere IT-Landschaften bereinigen, die Systemkomplexität reduzieren und eine hohe Datenqualität sicherstellen. Rightsizing betrifft nicht nur Personal, sondern auch Prozesse und Systeme. Nur wenn alle drei Ebenen zusammenspielen, wird das Potenzial realisierbar.
Niedermayr: Wo siehst du konkrete Quick Wins in diesem Kontext?
Wallner: Im Service- und Callcenter-Bereich sehen wir heute schon, dass AI Agents viele Geschäftsfälle autonom bearbeiten können. Auch in der Netzinstandhaltung, etwa bei prädiktiver Wartung, entstehen Effizienzgewinne. Der entscheidende Punkt ist jetzt die Skalierung. Ein Pilotprojekt ist schnell umgesetzt – ein nachhaltiger Effekt entsteht erst, wenn Lösungen gruppenweit ausgerollt und standardisiert werden.
Niedermayr: Skalierung bringt auch Verantwortung mit sich. Wie stellt man Governance sicher, wenn KI breiter eingesetzt wird?
Wallner: Governance muss zentral definiert sein. Use Cases sollten standardisiert und kopierbar sein. Gleichzeitig gilt: Vergiss den Menschen nicht. Mitarbeitende müssen geschult werden, KI kritisch nutzen und Ergebnisse validieren können. „Human in the Loop“ ist kein Schlagwort, sondern essenziell. Technologie unterstützt – die Verantwortung bleibt beim Menschen.