Sonja Wallner; CFO von A1 Telekom Austria im CFO Insight Podcast

Sonja Wallner über Transformation als Prinzip bei A1 Telekom Austria 

Wie Sonja Wallner, CFO von A1 Telekom Austria, KI-Skalierung, Effizienzprogramme und Governance strategisch verzahnt – und warum Resilienz mehr ist als Kostenkontrolle.


In der aktuellen Folge von CFO Insight spricht Sonja Wallner, CFO von A1 Telekom Austria und der A1 Group, mit Rita Niedermayr, Geschäftsführerin des Controller Instituts und Partnerin bei EY, über die Zukunft der Finanzfunktion in einem technologiegetriebenen Umfeld. Im Zentrum stehen künstliche Intelligenz (KI), Systemharmonisierung, Effizienzprogramme und die Frage, wie sich eine internationale Organisation gleichzeitig strategisch ausrichten und operativ steuern lässt.

A1 befindet sich in einem permanenten Transformationsprozess – geprägt von Automatisierung, Skalierung und steigenden Anforderungen an Governance und Datenqualität. Für Sonja Wallner bedeutet Finanzführung in diesem Kontext, Strategie, Systeme und Menschen konsequent miteinander zu verbinden. Ihre Rolle als Group CFO und operative CFO in Österreich ermöglicht dabei eine Perspektive, die sowohl strategische Weichenstellungen als auch die praktische Umsetzbarkeit umfasst.

Dabei zieht sie Parallelen zum Spitzensport und zum Bergsteigen: Klare Ziele, Zwischenetappen, Teamarbeit und die Bereitschaft, sich ständig neu auszurichten, sind entscheidend – sowohl auf dem Gipfel als auch im Finanzressort. Veränderung ist für sie kein Projekt mit Enddatum, sondern ein Dauerzustand, der Disziplin, Ausdauer und Führungsstärke verlangt.Diese Folge ist Teil unserer Podcast-Reihe CFO Insight.

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Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Bei A1 bedeutet Finanzführung, Strategie, Governance und Systementscheidungen so auszurichten, dass sie international skalierbar und operativ umsetzbar bleiben.
  • A1 entwickelt klassische Shared Services zu Competence Delivery Centers weiter, um Leistungen zentraler, effizienter und systemübergreifend zu erbringen.
  • Wirksamkeit als CFO entsteht laut Sonja Wallner durch Fachkompetenz, klare Entscheidungsstärke und die Fähigkeit, unterschiedliche Stakeholder mitzunehmen.
  • Resilienz bei A1 basiert nicht auf Stabilität, sondern auf der Fähigkeit, Transformation als dauerhaften Zustand zu akzeptieren und aktiv zu gestalten.

Sonja Wallner im Interview | Kurzüberblick

Niedermayr: Sonja, schön, dass du da bist. Woher kommst du gerade?

Wallner: Ich komme direkt von unserem Strategie-Kickoff, bei dem wir diskutieren, wie wir Finance für 2026 ausrichten. Solche Termine sind wichtig, weil wir nicht nur Zahlen durchgehen, sondern auch strukturelle Fragen klären: Wo stehen wir? Welche Systeme brauchen wir? Welche Kompetenzen? Emotional komme ich allerdings noch vom Hahnenkamm-Rennen – das war ein beeindruckendes Erlebnis und ein gutes Beispiel dafür, wie Vorbereitung, Teamarbeit und Risikobewusstsein zusammenwirken.

Niedermayr: Du ziehst oft Parallelen zwischen Spitzensport und Wirtschaft. Ihr seid auch schon langjähriger Partner im alpinen Skisport und unter anderem bei großen Events wie dem Hahnenkamm-Rennen engagiert. Was ist für dich die wichtigste Gemeinsamkeit?

Wallner: Es sind klare Ziele. Im Spitzensport wie in der Wirtschaft braucht es eine klare Zieldefinition und die Bereitschaft, systematisch darauf hinzuarbeiten. Rückschläge gehören dazu. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Außerdem ist Erfolg nie eine Einzelleistung – es ist immer Teamarbeit. Und genauso wichtig: Wenn man einen Meilenstein erreicht hat, darf man ihn feiern, aber man darf sich nicht darauf ausruhen. Wer stehen bleibt, verliert Anschluss oder die Spitzenposition.

Niedermayr: Diese Zielorientierung klingt stark nach Transformation. Veränderung scheint ein zentrales Motiv in deiner Arbeit zu sein.

Wallner: Absolut. Es gibt nichts Konstanteres als Veränderung. Gerade in unserer Branche sehen wir, wie technologische Entwicklungen Geschäftsmodelle transformieren. Man muss bereit sein, bestehende Strukturen infrage zu stellen und Prozesse neu zu denken. Veränderung ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein permanenter Zustand.

Niedermayr: Wenn Veränderung ein Dauerzustand ist, spielt Technologie eine zentrale Rolle. Eine Studie spricht von 45 bis 55 Prozent FTE-Optimierungspotenzial durch Automatisierung und KI bis 2035. Hältst du das für realistisch?

Wallner: Ich halte das grundsätzlich für möglich. Automatisierung, Analytics, Machine Learning und Generative AI werden massive Effizienzhebel bringen. Aber das passiert nicht isoliert. Wir müssen gleichzeitig unsere IT-Landschaften bereinigen, die Systemkomplexität reduzieren und eine hohe Datenqualität sicherstellen. Rightsizing betrifft nicht nur Personal, sondern auch Prozesse und Systeme. Nur wenn alle drei Ebenen zusammenspielen, wird das Potenzial realisierbar.

Niedermayr: Wo siehst du konkrete Quick Wins in diesem Kontext?

Wallner: Im Service- und Callcenter-Bereich sehen wir heute schon, dass AI Agents viele Geschäftsfälle autonom bearbeiten können. Auch in der Netzinstandhaltung, etwa bei prädiktiver Wartung, entstehen Effizienzgewinne. Der entscheidende Punkt ist jetzt die Skalierung. Ein Pilotprojekt ist schnell umgesetzt – ein nachhaltiger Effekt entsteht erst, wenn Lösungen gruppenweit ausgerollt und standardisiert werden.

Niedermayr: Skalierung bringt auch Verantwortung mit sich. Wie stellt man Governance sicher, wenn KI breiter eingesetzt wird?

Wallner: Governance muss zentral definiert sein. Use Cases sollten standardisiert und kopierbar sein. Gleichzeitig gilt: Vergiss den Menschen nicht. Mitarbeitende müssen geschult werden, KI kritisch nutzen und Ergebnisse validieren können. „Human in the Loop“ ist kein Schlagwort, sondern essenziell. Technologie unterstützt – die Verantwortung bleibt beim Menschen.

Niedermayr: Neben Technologie geht es auch um Organisation. Ihr habt euer Shared Service Center weiterentwickelt – was war die strategische Überlegung dahinter?

Wallner: Ja, wir sprechen heute von Competence Delivery Centers. Das bedeutet nicht nur geografische Bündelung, sondern auch virtuelle Teams über Länder hinweg. Neben der Zentralisierung harmonisieren wir Prozesse und konsolidieren Systeme. Dieser Dreiklang – Organisation, Prozess, System – bringt die größte Hebelwirkung. Effizienz entsteht nicht durch einen isolierten Schritt, sondern durch konsequente Integration.

Niedermayr: Solche Strukturen erfordern eine klare Steuerung. Wie stellst du Qualität und Verlässlichkeit in diesen Modellen sicher?

Wallner: Über KPIs, Reports und klare Verantwortlichkeiten. Gleichzeitig ist persönlicher Austausch wichtig. Und ich sage bewusst: Fehler passieren überall – nicht nur in ausgelagerten Einheiten. Entscheidend ist, wie wir daraus lernen und Prozesse verbessern.

Niedermayr: Du bist seit über elf Jahren CFO. Wie definierst du dein Mandat?

Wallner: Als Group CFO definiere ich gemeinsam mit meinem Team Strategie, Governance und wesentliche Systementscheidungen für die gesamte Gruppe. Gleichzeitig bin ich operative CFO von A1 Österreich. Das gibt mir die Möglichkeit, Konzepte selbst in der Praxis zu testen. Eigentümerarbeit, Kapitalallokation, Effizienzprogramme – all das gehört dazu. Diese Doppelrolle sorgt dafür, dass strategische Entscheidungen umsetzbar bleiben.

Niedermayr: Was macht dich in dieser Rolle persönlich wirksam?

Wallner: Fachliche Tiefe ist eine Voraussetzung. Man muss das Geschäft verstehen und Zahlen nicht nur lesen, sondern einordnen können. Gleichzeitig ist es wichtig, Menschen einzubinden, zuzuhören und dann klar zu entscheiden. Respekt entsteht durch Transparenz, Konsequenz und Verlässlichkeit.

Niedermayr: Und was hast du auf diesem Weg vielleicht bewusst losgelassen?

Wallner: Dass ich nicht jedes Detail selbst lösen muss. Vertrauen in das Team ist essenziell. Ich habe gelernt, zwischen operativer Tiefe und strategischer Flughöhe zu wechseln. Diese Flexibilität ist entscheidend.

Niedermayr: Zum Abschluss noch einmal persönlich: Wie bleibst du resilient?

Wallner: Ich setze mir Ziele und Zwischenziele. Erfolg in Etappen motiviert. Und außerhalb des Berufs geben mir Natur und Sport Kraft. Die Berge geben mir Klarheit und Energie. Wenn ich draußen bin, relativieren sich viele Dinge. Man hat ein Ziel vor Augen, aber der Weg dorthin besteht aus vielen Etappen. Man muss die Kräfte einteilen, Rückschläge akzeptieren und gleichzeitig fokussiert bleiben. Diese Parallelen sehe ich auch im Berufsleben. Große Transformationen gelingen nicht in einem Schritt, sondern durch konsequente Zwischenziele und Ausdauer.

Niedermayr: Dein Rat an zukünftige weibliche CFOs, die genau in dieses Umfeld hineinwachsen?

Wallner: Fachkompetenz ist die Grundlage. Man muss Zahlen verstehen und erklären können. Und man sollte den Mutmuskel trainieren: die Komfortzone verlassen, Verantwortung übernehmen, sichtbar sein – nicht durch Lautstärke, sondern durch Leistung und Konsequenz.

Podcast

Folge 8

Dauer

43m 28s

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