Felix Strohbichler im Interview | Kurzüberblick
Niedermayr: Woher kommst du gerade und was steht aktuell bei dir an?
Strohbichler: Ich komme direkt aus dem Headquarter in Salzburg und bin gerade auf dem Weg in die USA. Dort stehen zwei Termine an: ein Bankenmeeting in Chicago mit unseren Kernbankpartnern und anschließend ein Besuch unseres Werks in Oklahoma City.
Niedermayr: Du bist seit 2017 CFO. Wie würdest du deine Rolle heute beschreiben?
Strohbichler: Ich habe keinen klassischen Finanzhintergrund, sondern komme ursprünglich aus der Juristerei und war lange in operativen Rollen, unter anderem im Vertrieb und in Restrukturierungssituationen tätig. Das prägt meinen Zugang bis heute. Ich sehe mich nicht als klassischen Numbercruncher, sondern als jemand, der das Unternehmen gesamthaft versteht, nah am Geschäft ist und Entscheidungen im Kontext des großen Ganzen trifft. Diese Perspektive ist aus meiner Sicht heute auch notwendig, weil die CFO-Rolle deutlich breiter geworden ist.
Niedermayr: Palfinger hat trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein sehr starkes Jahr gehabt. Was war für dich besonders prägend?
Strohbichler: Das Umfeld war herausfordernd, insbesondere durch die Zollsituation in den USA, die sowohl unsere Profitabilität als auch die Nachfrage beeinflusst hat. Umso bemerkenswerter ist, dass wir nicht nur ein sehr solides Ergebnis erzielt haben, sondern vor allem unseren Free-Cash-Flow auf über 180 Millionen Euro steigern konnten und gleichzeitig die Nettofinanzverschuldung um über 200 Millionen Euro reduziert haben. Das zeigt, dass unsere Bilanzstruktur heute robuster ist als zuvor – und genau das ist in unsicheren Zeiten ein entscheidender Faktor.
Niedermayr: Was steckt hinter dieser Stabilität und dem Erfolg?
Strohbichler: Ein zentraler Faktor ist unsere Resilienz. Die entsteht nicht zufällig, sondern ist das Ergebnis einer klaren strategischen Aufstellung. Wir sind global präsent, haben eine sehr breite und diversifizierte Kundenbasis und ein entsprechend breites Produktportfolio. Gleichzeitig arbeiten wir bewusst mit Strategien, die in unterschiedlichen Szenarien funktionieren. Ein Beispiel ist unser Ansatz „in the region for the region“, der uns näher an den Kunden bringt und gleichzeitig hilft, geopolitische Risiken besser zu managen. Dazu kommt der Ausbau des Servicegeschäfts, das für wiederkehrende Umsätze sorgt und unsere Stabilität weiter erhöht.
Niedermayr: Was hast du persönlich in dieser Zeit gelernt?
Strohbichler: Ich hatte lange den Zugang, stark über Druck und Geschwindigkeit zu arbeiten. Gerade in Krisenzeiten habe ich aber gelernt, dass dieser Ansatz oft nicht nachhaltig ist. Viel wirksamer ist es, fokussiert vorzugehen, klare Prioritäten zu setzen und die Menschen mitzunehmen. Das braucht vielleicht mehr Zeit am Anfang, führt aber langfristig zu besseren Ergebnissen.