Franz Hiesinger, CFO der Mayr-Melnhof-Gruppe, im CFO Insight Podcast

Konzernweites Ergebnissteigerungsprogramm mit kulturellem Mindset-Shift führt im Pharma-Verpackungssegment zu Wachstum

Franz Hiesinger, CFO der Mayr-Melnhof-Gruppe: „Wir dürfen nicht Altes verteidigen, sondern müssen alles infrage stellen". Wie ein konzernweites Ergebnissteigerungsprogramm mit einem kulturellen Mindset-Shift verbindet – und warum ausgerechnet das im Pharma-Verpackungssegment für Wachstum sorgt.


Schwache Konjunktur in Europa und den USA, steigende Energie- und Rohstoffkosten, dazu geopolitische Unsicherheit: Die Verpackungsindustrie steht seit Jahren unter Druck. In dieser Folge von CFO Insight spricht Christina Aichwalder, Partnerin bei EY, mit Franz Hiesinger, CFO der Mayr-Melnhof-Gruppe, dem führenden Anbieter von Verpackungslösungen, über das konzernweite Programm „Fit for Future Together" und den damit verbundenen Wandel in der Unternehmenskultur. 

Im Zentrum steht ein nachhaltiges Ergebnissteigerungsprogramm, das nicht nur auf Kostensenkung, sondern gezielt auch auf profitables Wachstum ausgerichtet ist. Über 1.000 Einzelmaßnahmen sind mittlerweile Teil des Programms, alle zwei Wochen bespricht die erweiterte Geschäftsleitung Fortschritte und nächste Schritte – ein Rhythmus, der nach Hiesingers Überzeugung einen wesentlichen Mindset-Shift bei den Mitarbeitenden ausgelöst hat. 

Gleichzeitig zeigt Hiesinger, wie Mayr-Melnhof selbst in schwachen Märkten Wachstumsnischen findet. Und er erklärt, warum das Geschäftsmodell der Gruppe – Altpapier zu Verpackungskarton verarbeiten – ein Paradebeispiel für Kreislaufwirtschaft ist und wie sich Nachhaltigkeit und Kostendruck in seiner Steuerung nicht ausschließen, sondern ergänzen.

Diese Folge ist Teil unserer Podcast-Reihe CFO Insight. Hören Sie sich das Interview auch auf SpotifyYouTubeApple Podcasts oder überall, wo es Podcasts gibt, an.

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Mit dem Programm „Fit for Future Together" steuert Mayr-Melnhof konzernweit auf einen hohen dreistelligen Ergebnisbeitrag zu – umgesetzt in mehr als 1.000 Einzelmaßnahmen und alle zwei Wochen auf Ebene der erweiterten Geschäftsleitung nachgeschärft. 
  • Trotz schwacher Märkte in Europa und den USA wächst Mayr-Melnhof im margenstarken Pharma-Verpackungssegment zweistellig.  
  • Für ihren Nachhaltigkeitskurs wurde die Gruppe 2026 als „Europe's Climate Leader" der Financial Times sowie vom Time Magazine ausgezeichnet und senkte ihren CO2-Fußabdruck seit 2019 um mehr als 50 Prozent. 

Hiesinger im Interview | Kurzüberblick

Aichwalder: Woher kommst du gerade?  
 
Hiesinger
: Ich komme direkt aus unserem Headquarter am Brahmsplatz in Wien, von wo aus wir den gesamten Konzern steuern. Die Mayr-Melnhof-Gruppe beschäftigt rund 13.000 Mitarbeiter, erwirtschaftet unter 4 Milliarden Euro Umsatz und betreibt weltweit 60 Produktionswerke, mit starkem Fokus auf Mitteleuropa. Unser größtes und bekanntestes Werk in Österreich steht in Frohnleiten – dort produzieren wir auf zwei Papier- bzw. Kartonmaschinen den weltweit größten Output an altpapierhältigem Karton.

Aichwalder: Ihr habt im Geschäftsbericht 2025 den Titel „Fit for Future Together" gewählt. Was steckt dahinter?  
 
Hiesinger: Fit for Future ist unser nachhaltiges Ergebnissteigerungsprogramm, notwendig geworden durch die anhaltende Marktschwäche. Es zielt nicht nur auf Kosten, sondern gleichermaßen auf profitables Wachstum. Das „Together" steht dafür, dass die gesamte Gruppe gemeinsam daran arbeitet, sich ständig zu hinterfragen und Produktivität, Effizienz und Nachhaltigkeit weiter voranzubringen.

Aichwalder: Wie läuft das in der Praxis? Trefft ihr euch dazu regelmäßig?  
 
Hiesinger: Sogar alle zwei Wochen kommt die erweiterte Geschäftsleitung zusammen, um Ergebnisentwicklung und Maßnahmen zu besprechen und zu hinterfragen. Das hält den Druck auf dem Programm und rüttelt die ganze Organisation auf – es ist eben nicht nur Vorstandsthema.

Aichwalder: Was ist die größte Herausforderung, wenn du auf 2026 blickst?  
 
Hiesinger: Wir haben inzwischen über 1.000 einzelne Maßnahmen im Programm und wollen damit nachhaltig einen hohen dreistelligen Ergebnisbeitrag erzielen, über mehrere Jahre hinweg. Die eigentliche Herausforderung liegt in der großflächigen Umsetzung über die gesamte Gruppe hinweg – von Vietnam bis Chile.

Aichwalder: Der amerikanische Markt ist euch wichtig. Wie schätzt du das US-Umfeld im Vergleich zu Europa ein?  
 
Hiesinger: Beide Märkte sind derzeit leider recht schwach, das zeigen schon die BIP-Zahlen. In den USA sind wir aber in einem kleinen, attraktiven Nischensegment aktiv – der Pharma-Verpackung – und können dort vom Wachstum profitieren. Ein besonders starkes Produkt sind Verpackungen für GLP-1-Präparate, bei uns bekannt als Diabetes- oder Abnehmspritzen: Die Nachfrage wächst deutlich zweistellig, und wir sind für die weitere Entwicklung sehr zuversichtlich.

Aichwalder: Wenn man in die Finanzabteilung schaut – welche Kennzahlen steuern euch wirklich?  
 
Hiesinger: Unabhängig von Fit for Future haben wir drei zentrale Financial KPIs: den Adjusted Operating Profit, also das bereinigte Betriebsergebnis, dazu ROCE und Top-Line Growth. Bereinigt werden Einmaleffekte über 5 Millionen Euro – meist Restrukturierungskosten, aber auch einmalige Erträge wie ein Unternehmensverkauf im dreistelligen Millionenbereich im vergangenen Jahr.

Aichwalder: Welche Risiken siehst du für 2026, speziell für die Mayr-Melnhof-Gruppe?  
 
Hiesinger: Leider setzt sich der Trend der letzten Jahre fort: geopolitische Risiken und ihre wirtschaftlichen Folgen. Die Krise im Nahen Osten hat etwa die Energiekosten stark getrieben – Gas ist an einem Tag um 50 Prozent gestiegen und liegt trotz Erholung noch immer mehr als 30 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Dazu kommen die Nachwirkungen der Ukraine-Krise und eine seit drei, vier Jahren spürbare Stagflation mit schwacher Nachfrage nach Verpackungen.

Aichwalder: Was war für dich die schwierigste Entscheidung als CFO in den letzten zwei Jahren?  
 
Hiesinger: Die Kosten konsequent runterzubringen, auch mit teils harten Einschnitten, und gleichzeitig die gesamte Belegschaft auf diesen Weg mitzunehmen. Ich bin unseren Mitarbeitenden sehr dankbar, dass sie sich diesen unangenehmen Marktbedingungen gestellt haben – gemeinsam haben wir eine enorme Zahl an Einsparungs- und Verbesserungsinitiativen umgesetzt.

Aichwalder: Ihr wurdet 2026 von der Financial Times als „Europe's Climate Leader" ausgezeichnet. Wie schafft man das? 
 
Hiesinger: Wir setzen seit Jahren konsequent auf Nachhaltigkeit – ausgezeichnet unter anderem vom Time Magazine als eines der weltweit nachhaltigsten Unternehmen und mit einem Triple-A-Rating von CDP. Unser Geschäftsmodell ist im Kern schon Kreislaufwirtschaft: Wir verarbeiten Altpapier zu einem wertvollen Produkt, das andere Produkte schützt, bis es im Idealfall wieder als Altpapier zu uns zurückkommt. Zusätzlich haben wir unseren CO2-Fußabdruck seit 2019 um mehr als 50 Prozent gesenkt und unser 2031-Ziel bereits übertroffen.

Aichwalder: Was gibt dir persönlich in diesen volatilen, unsicheren Zeiten Zuversicht?  
 
Hiesinger: Ich bin grundsätzlich ein sehr positiver Mensch. Ich bin jetzt 36 Jahre in der Papier- und Verpackungsindustrie, einer sehr zyklischen Branche, und habe viele Hochs und Tiefs miterlebt. Jedes Mal hat sich gezeigt: Nach jeder Krise kommt auch wieder etwas Positives. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir das auch diesmal gemeinsam gut meistern werden.

Podcast

Folge 12

Dauer

28m 18s

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