Große Hürden: Daten, Komplexität und Ressourcen
Die Umsetzung ist jedoch weiterhin mit großen Herausforderungen verbunden. Zwei Drittel der Unternehmen (67 %) kämpfen bei der Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts mit einer mangelnden Verfügbarkeit relevanter Daten. Hinzu kommt die hohe Komplexität der ESRS-Standards, die von 60 Prozent als erhebliche Hürde empfunden wird. Mehr als die Hälfte (57 %) sieht zudem Unsicherheit in der regulatorischen Ausgestaltung als Problem. Besonders stark wirkt sich auch der Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen aus (51 %), der bei vielen Betrieben die Erstellung der Berichte erheblich erschwert.
Als Gründe für das bisherige Fehlen eines Nachhaltigkeitsberichts geben Unternehmen an, dass die Anforderungen an die Berichterstattung nicht klar genug definiert sind und der konkrete Nutzen für das eigene Geschäft schwer abschätzbar bleibt (17 %) sowie die Tatsache, dass Nachhaltigkeit zwar Teil der Unternehmenspraxis ist, bisher aber nicht in einem formellen Bericht dokumentiert wird (26 %). Am häufigsten nennen die Unternehmen, die bisher noch keinen Nachhaltigkeitsbericht erstellt haben, jedoch das bislang fehlende gesetzliche Erfordernis (70 %).
Optimierungspotenziale: Daten, Kultur und Know-how
Bei den Verbesserungsansätzen sehen drei Viertel der Unternehmen (74 %) das größte Potenzial in der Implementierung effizienter Datensysteme. Sechs von zehn Unternehmen (61 %) wollen zudem die interne und externe ESG-Kommunikation ausbauen, während 45 Prozent auf verstärkte Weiterbildung und Coaching der Mitarbeitenden setzen.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, wo die Schmerzpunkte liegen: Datenverfügbarkeit, Komplexität und Ressourcenmangel sind die zentralen Hürden, die Unternehmen überwinden müssen. Dazu kommt noch die regulatorische Unsicherheit: Es herrscht bei immerhin fast sechs von zehn Unternehmen Unklarheit und Unsicherheit bezüglich der gesetzlichen Anforderungen und Vorschriften. Hier gilt es, einige Hürden zu überwinden, die Prozesse für Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) und Lieferketten-Sorgfaltspflichten (CSDDD) zu überprüfen und sich auf die Kernanforderungen zu fokussieren. Der Entwurf des EU-Omnibuspakets sorgt zwar für Erleichterungen, aber die Einhaltung bleibt anspruchsvoll", betont Peter Linzner, Partner EY denkstatt und Solution Leader für Sustainability bei EY.
Omnibus-Paket bringt Chancen, aber auch Herausforderungen
Grundsätzlich soll das geplante EU-Omnibuspaket, eine Ergänzung der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, mit Übergangsregelungen und Anpassungen die Unternehmen beim Einstieg in die neuen Berichtspflichten entlasten. Die Mehrheit der befragten Unternehmen (72 %) war bereits vor dessen Einführung von der CSRD betroffen, fast alle (90 %) haben sich aktiv mit den geplanten Neuerungen und Regelungen auseinandergesetzt. Als wichtigste Auswirkungen nennen die Befragten die Anhebung der Schwellenwerte (56 %), die Anwendung vereinfachter ESRS (45 %) sowie verlängerte Übergangsfristen (38 %).
Viele Unternehmen wollen die durch Fristverlängerungen gewonnene Zeit nutzen, um ESG-Kriterien konsequenter in Geschäftsprozesse und Entscheidungsstrukturen zu integrieren (57 %) und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeitskommunikation zu stärken (45 %). Fast jedes dritte Unternehmen (29 %) plant, den Fokus auf die Erarbeitung und Aktualisierung von Konzepten, Zielen und KPIs zu legen, während 27 Prozent ihre Nachhaltigkeitsstrategie und Maßnahmenplanung ausbauen wollen.
„Das Omnibus-Paket verschafft den Unternehmen Luft, ändert aber nichts daran, dass die Berichterstattung professioneller und systematischer werden muss", so Mirjam Ernst. „Wer jetzt in Strukturen, Systeme, Kompetenzen, Kommunikation und Kultur investiert, wird langfristig profitieren – nicht nur regulatorisch, sondern auch im Wettbewerb um Vertrauen und Reputation."
Kultureller Wandel und Fokus auf Datenqualität
Neben der strukturellen und prozessualen Anpassung gewinnt auch der kulturelle Wandel in den Unternehmen an Bedeutung. Im Mittelpunkt steht neben der Integration der ESG-Kriterien in Geschäftsprozesse (57 %) insbesondere die transparente Kommunikation der ESG-Ziele und -Erfolge innerhalb des Unternehmens und gegenüber externen Stakeholdern (45 %). Mehr als jedes vierte Unternehmen (28 %) plant, eine Unternehmenskultur zu fördern, die nachhaltiges Verhalten dauerhaft verankert. Dabei setzen viele auf eine klare Vorbildwirkung der Führungskräfte (25 %), flankiert von Schulungs- und Coachingprogrammen für Mitarbeitende (34 %). Auch Anreizsysteme, die nachhaltiges Verhalten belohnen, werden von 14 Prozent der Unternehmen eingesetzt, um die Umsetzung von ESG-Zielen zu fördern.
Ein Schwerpunkt liegt zudem auf der Verbesserung der Datenqualität. Vier von fünf Unternehmen (80 %) haben sich vorgenommen, ihre Nachhaltigkeitskennzahlen zu optimieren. Besonders relevant sind für die Unternehmen Umweltkennzahlen, die von neun von zehn Betrieben (90 %) als künftig unverzichtbar eingestuft werden. Aber auch soziale Indikatoren (70 %) und Governance-Praktiken (59 %) gewinnen stark an Bedeutung. Knapp die Hälfte (47 %) will dabei auf technologische Unterstützung setzen, während ein erheblicher Teil (33 %) in moderne IT-Systeme investieren will, die eine strukturierte Erfassung und Auswertung ermöglichen. Gleichzeitig wünschen sich viele Betriebe klare und praxisnahe Leitlinien sowie branchenspezifische Vorlagen (42 %), um die Berichtspflichten noch effizienter erfüllen zu können.
„Datenqualität wird in den kommenden Jahren der Schlüssel sein, um glaubwürdige und belastbare Nachhaltigkeitsberichte vorzulegen", unterstreicht Peter Linzner. „Ohne digitale Systeme und ein konsistentes Datengerüst werden Unternehmen ihre Reportingpflichten kaum effizient erfüllen können."