Beschäftigungsrückgang setzt sich fort – Autoindustrie verliert jede zwölfte Stelle
Zum Ende des dritten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich in Österreich rund 1,07 Millionen Menschen beschäftigt – das sind 1,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Innerhalb von zwölf Monaten gingen damit rund 20.900 Arbeitsplätze verloren. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als im zweiten Quartal (-1,8 %).
In sieben von acht untersuchten Industriebranchen lag die Beschäftigung unter dem Vorjahresniveau. Am stärksten betroffen ist erneut die Automobilindustrie: Dort sank die Zahl der Beschäftigten im Jahresvergleich um gut acht Prozent, was einem Abbau von rund 2.900 Stellen entspricht. Einzig die Chemie- und Pharmabranche konnte im Vergleich zum Vorjahr Personal aufbauen – knapp 280 Stellen.
Langfristig zeigt sich ein differenziertes Bild: Seit 2019 wurden in vier der acht untersuchten Industriebranchen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen – allen voran in der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9.800 Stellen / +14 %), im Maschinenbau (+7.000 / +8 %) sowie in der Chemie-/Pharmabranche (+5.100 / +14 %). Dagegen verlor die Automobilindustrie seit 2019 insgesamt rund 7.700 Arbeitsplätze (-20 %).
Exporte im dritten Quartal erneut rückläufig – USA-Geschäft bricht massiv ein
Die Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom beliefen sich im dritten Quartal 2025 auf 45,8 Milliarden Euro. Das entspricht einem Rückgang von 1,7 Prozent bzw. 811 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Damit sind die Exporte nun seit sieben Quartalen in Folge rückläufig.
Haupttreiber des Exportrückgangs war der massive Einbruch der Ausfuhren in die USA, die um 27 Prozent bzw. 1,6 Milliarden Euro sanken. Auch die Exporte nach China (-11 %) sanken deutlich; jene nach Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner Österreichs, gingen um gut vier Prozent zurück. Positiv entwickelten sich hingegen die Ausfuhren nach Großbritannien und in die Schweiz (jeweils +21 %) sowie nach Italien.
Innerhalb der Industrie zeigten fünf von acht Branchen ein Exportwachstum. Angeführt wurde das Ranking von der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+9 %), gefolgt von Chemie/Pharma (+5,5 %). Die Automobilindustrie verzeichnete dagegen einen Rückgang der Exporterlöse um gut acht Prozent.
„Der Einbruch der Exporte in die USA ist außergewöhnlich stark und unterstreicht, wie verwundbar die exportorientierte Industrie gegenüber globalen Konjunktur- und Handelsschocks ist. Umso wichtiger sind Investitionen in Innovationskraft, technologische Differenzierung und neue Absatzmärkte“, betont Preiss.
Innovative Industrien trotzen der Krise – klassische Sektoren unter strukturellem Druck
Während energie- und kostenintensive Industrien weiter unter Margendruck stehen, profitieren technologie- und innovationsgetriebene Branchen von strukturellen Zukunftstrends. Chemie/Pharma sowie Elektrotechnik/Elektronik profitieren insbesondere von der Nachfrage nach nachhaltigen Materialien, Digitalisierung und Energieeffizienzlösungen. Dagegen kämpfen klassische Industrien wie Automobil, Papier/Pappe oder Metallerzeugung weiterhin mit Nachfrageschwäche, hohen Kosten und strukturellem Anpassungsbedarf.
Transformation entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
Die österreichische Industrie bleibt auch im dritten Quartal 2025 unter Druck: Umsatz, Beschäftigung und Exporte sind weiter rückläufig. Positiv ist, dass sich die Rückgänge zuletzt abgeschwächt haben. Gleichzeitig zeigen einzelne Branchen, dass Wachstum auch in einem schwierigen Umfeld möglich ist.
„Die kommenden Quartale werden entscheidend sein. Gelingt es, Investitionen in Zukunftstechnologien, Qualifizierung und nachhaltige Produktionsmodelle zu mobilisieren, kann die Industrie gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Bleiben diese Impulse aus, droht eine weitere Erosion der Wettbewerbsfähigkeit“, so Preiss abschließend.
*Die Analyse basiert – soweit nicht anders gekennzeichnet – auf den Konjunkturdaten der EU-harmonisierten Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008 und 2025), hier im speziellen auf den monatlichen Unternehmensdaten (Primärerhebung plus modellbasierte Datenergänzung). Die Analyse der Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern basiert auf der Außenhandelsstatistik (ITGS – International Trade in Goods Statistics) und erfasst Importe und Exporte beweglicher Güter inkl. elektrischem Strom.