Beschäftigung weiter rückläufig – struktureller Anpassungsdruck bleibt hoch
Trotz der leichten Umsatzbelebung setzt sich der negative Beschäftigungstrend fort: Zum Ende des vierten Quartals 2025 waren im produzierenden Bereich rund 1,02 Millionen Menschen beschäftigt – ein Rückgang von 2,2 Prozent bzw. rund 23.400 Arbeitsplätzen im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark betroffen ist erneut die Automobilindustrie: Hier ging die Beschäftigung innerhalb eines Jahres um fast sieben Prozent zurück, was einem Abbau von mehr als 2.200 Stellen entspricht. Nur wenige Branchen konnten gegen den Trend Arbeitsplätze aufbauen, darunter Maschinenbau (+1,2 %) sowie die Chemie- und Pharmabranche (+0,4 %).
Langfristig zeigt sich ein differenziertes Bild: Während technologiegetriebene Industrien seit 2019 deutliche Beschäftigungszuwächse verzeichnen konnten – etwa Elektrotechnik/Elektronik (+13 %) oder Chemie/Pharma (+14 %) – stehen klassische Industrien wie die Automobilbranche weiterhin unter erheblichem Transformationsdruck.
Exporte erholen sich – starke Dynamik in Europa und Asien, USA brechen ein
Auch die Exportentwicklung zeigt im vierten Quartal eine Trendwende: Die Ausfuhren beweglicher Güter inklusive elektrischem Strom stiegen um 2,8 Prozent auf 48,7 Milliarden Euro. Damit wurde eine Serie von sieben Quartalen mit rückläufigen Exporten beendet. Treiber dieser Entwicklung waren vor allem steigende Exporte in die Eurozone (+3,6 %) sowie in asiatische Märkte (+9,8 %). Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine zunehmende geopolitische Fragmentierung: Die Exporte in die USA – immerhin der zweitwichtigste Exportmarkt – gingen um 19 Prozent zurück, was einem Rückgang von rund 800 Millionen Euro entspricht.
Bemerkenswert ist, dass sich die Exporte in 14 der 15 wichtigsten Absatzmärkte positiv entwickelten – mit besonders starken Zuwächsen in die Schweiz, nach Italien und Deutschland. Innerhalb der Branchen zeigte sich ein breites Wachstum: Sieben von acht Industriezweigen steigerten ihre Exporte. Die Automobilindustrie sowie die Elektrotechnik- und Elektronikbranche waren die stärksten Wachstumstreiber, während lediglich die Papierindustrie rückläufig blieb.
„Die Exportzahlen zeigen, dass die internationale Nachfrage grundsätzlich vorhanden ist. Gleichzeitig verdeutlicht der massive Rückgang im US-Geschäft, wie stark geopolitische Entwicklungen und Handelsbeziehungen die österreichische Industrie beeinflussen“, so Preiss.
Zwischen Stabilisierung und Strukturwandel
Die aktuellen Zahlen zeichnen ein ambivalentes Bild: Während Umsatz und Exporte erstmals seit längerer Zeit wieder wachsen, bleibt der Beschäftigungsabbau ein klares Warnsignal. Technologiegetriebene und innovationsstarke Industrien profitieren zunehmend von strukturellen Trends wie Digitalisierung, Energieeffizienz und nachhaltigen Produktionsprozessen. Klassische, energieintensive Branchen hingegen stehen weiterhin unter erheblichem Druck durch hohe Kosten, Nachfrageschwäche und globale Wettbewerbsverschiebungen.
„Die entscheidende Frage ist, ob die aktuellen positiven Signale in eine nachhaltige Erholung münden, gerade auch im Hinblick auf die aktuelle geopolitische Lage. Dafür braucht es aber auch gezielte Investitionen in Innovation, neue Technologien und die Transformation bestehender Geschäftsmodelle. Nur so kann die österreichische Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern“, betont Preiss abschließend.
*Die Analyse basiert – soweit nicht anders gekennzeichnet – auf den Konjunkturdaten der EU-harmonisierten Konjunkturerhebung im Produzierenden Bereich (Abschnitte B bis F der ÖNACE 2008 und 2025), hier im speziellen auf den monatlichen Unternehmensdaten (Primärerhebung plus modellbasierte Datenergänzung). Die Analyse der Exportentwicklung insgesamt und nach Ländern basiert auf der Außenhandelsstatistik (ITGS – International Trade in Goods Statistics) und erfasst Importe und Exporte beweglicher Güter inkl. elektrischem Strom.