Strukturwandel und regionale Verschiebungen prägen Europas Investitionslandschaft
Während die Zahl der Investitionsprojekte in Europa im vergangenen Jahr insgesamt um sieben Prozent schrumpfte, verzeichneten die Länder im Osten und Südosten des Kontinents einen leichten Aufschwung – trotz des Krieges in der Ukraine. Nachdem im Vorjahr bereits ein Plus von einem Prozent registriert worden war, stieg die Zahl der Investitionsprojekte 2025 um acht Prozent. In Westeuropa wurde hingegen ein Rückgang um elf Prozent verzeichnet.
Nachdem Deutschland jahrelang der größte Investor in Mittel- und Osteuropa war, lagen im Jahr 2025 die Vereinigten Staaten mit 179 Projekten (+ 32 %) knapp vorne. Die Zahl der Projekte deutscher Unternehmen sank hingegen um 17 Prozent auf 178. In Westeuropa spielen die USA mit 764 Investitionsprojekten (-5 %) die mit Abstand größte Rolle – vor Deutschland (- 27 %) und Großbritannien (-5%).
Auch branchenübergreifend zeigen sich deutliche Verschiebungen: Spitzenreiter bei den Investitionsprojekten sind weiterhin Software- und IT-Dienstleistungen mit 857 Projekten (+8 %), gefolgt von unternehmensbezogenen Dienstleistungen (716 Projekte, +4 %). Dagegen verzeichneten klassische Industriezweige Rückgänge: Im Maschinenbau (-3 %) sowie in der Automobil- und Fahrzeugindustrie (0 %) blieb die Dynamik schwach. Besonders deutlich fiel der Rückgang in der Elektroindustrie (-13 %), Chemie (-11 %) sowie Transport und Logistik (-14 %) aus.
Eine positive Entwicklung zeigte hingegen der Finanzdienstleistungssektor mit einem kräftigen Plus von 21 Prozent. Insgesamt bestätigt sich damit der Trend hin zu dienstleistungs- und technologiegetriebenen Investitionen, während energieintensive und industrielle Branchen an Attraktivität verlieren.
„Die aktuellen Investitionsströme zeigen klar, dass Europa sich strukturell wandelt: Digitale und dienstleistungsorientierte Branchen gewinnen weiter an Bedeutung, während traditionelle Industrien unter Druck stehen. Gleichzeitig verschiebt sich die geografische Dynamik zugunsten Mittel- und Osteuropa, das zunehmend als Wachstumsregion wahrgenommen wird“, so Reimoser.
Verteidigungsinvestitionen boomen
Die aktuellen geopolitischen Spannungen führen europaweit zu einem Boom bei Verteidigungsinvestitionen, der sich auch in einem starken Anstieg der Zahl konkreter Projekte niederschlägt: Um 84 Prozent stieg die Zahl der Investitionen ausländischer Investor:innen in Europa im vergangenen Jahr – von 58 auf 107 Projekte.
Besonders deutlich zeigt sich diese Dynamik in einzelnen Ländern: Großbritannien positioniert sich mit 20 Projekten als führender Standort, gefolgt von Frankreich (14) und – bemerkenswert – der Ukraine (12), die trotz der anhaltenden Kriegssituation verstärkt Investitionen anzieht.
Eine zentrale Rolle spielen dabei Unternehmen aus den USA, die ihre Aktivitäten massiv ausgeweitet haben: Die Zahl ihrer Projekte hat sich von neun auf 28 mehr als verdreifacht. Deutsche Unternehmen folgen als zweitwichtigste Investorengruppe, ebenfalls mit wachsender Dynamik – ihre Projektzahlen stiegen von acht auf 13 und zeigen, dass auch europäische Akteur:innen stärker in sicherheitsrelevante Technologien und Infrastrukturen investieren.
Jobmarkt: China überholt Deutschland
Parallel zur Entwicklung der Investitionsprojekte zeigt sich am Arbeitsmarkt ein deutlich verhalteneres Bild: Die Zahl der durch ausländische Direktinvestitionen geschaffenen Jobs ist europaweit gesunken – und das sowohl in West- als auch in Osteuropa.
Im internationalen Vergleich bleiben die USA trotz eines Rückgangs von 24 Prozent führend, während China (+6 %) weiter aufholt und Deutschland aufgrund eines massiven Rückgangs um mehr als die Hälfte überholt hat. Besonders in Osteuropa wird dieser Trend sichtbar: Dort schaffen chinesische Unternehmen erstmals die meisten Arbeitsplätze (16.863, +11 %), während deutsche Firmen mit einem deutlichen Rückgang um 52 Prozent auf 13.786 Jobs auf Platz zwei abrutschen.
Gleichzeitig zeigen sich regional weiterhin enge wirtschaftliche Verflechtungen: In Österreich bleibt Deutschland mit 503 Jobs der wichtigste Investor, deutlich vor der Schweiz (189) und den USA (139). Österreich schafft vice versa die meisten Arbeitsplätze in Deutschland (508), gefolgt von Frankreich (369) und der Türkei (331).
Eine positive Ausnahme bildet der Verteidigungssektor: Hier hat sich die Zahl der geschaffenen Jobs mehr als verdoppelt – von rund 3.150 auf knapp 7.000. Großbritannien liegt mit 1.200 Arbeitsplätzen vorne, in Deutschland entstanden rund 500 neue Stellen.
„Die Zahl der durch ausländische Direktinvestitionen geschaffenen Arbeitsplätze ist im vergangenen Jahr erneut deutlich gesunken. Die Frage ist nun, ob die aktuelle Schwächephase von Dauer sein wird und ob die aktuelle Situation – eine Vielzahl an sich gegenseitig verstärkenden Krisen – die ‚neue Normalität‘ darstellt. Fest steht: Das Vertrauen der Unternehmen und Investoren ist deutlich geschwächt, Europa ist derzeit kein Magnet für ausländische Investor:innen“, schließt Reimoser.
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