Pressemitteilung
8. Juli 2026  | Wien, Austria

EY Start-up-Barometer für das Jahr 2025

Zurück im Aufwind: Österreichs Start-up-Szene sammelt im ersten Halbjahr 2026 wieder deutlich mehr Kapital ein.

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  • Finanzierungsvolumen steigt um 329 Prozent auf 472 Millionen Euro 
  • Anzahl der Finanzierungsrunden erreicht mit 97 (+24 %) einen neuen Rekord: Noch nie haben so viele Start-ups in einem Halbjahr eine Finanzierung bekommen
  • Durchschnittliches Finanzierungsvolumen steigt von 2,0 auf 6,3 Millionen Euro und erreicht den höchsten Wert Halbjahreswert seit 2022
  • Zwei Mega-Deals über jeweils 100 Millionen Euro: Waterdrop und Gropyus führen das Ranking an 
  • Starke Exits von Tractive und Emmi AI unterstreichen die zunehmende Reife des österreichischen Start-up-Ökosystems
  • Dachfonds sendet wichtiges Signal für den Standort – nun kommt es auf eine rasche Umsetzung an
  • Wien bleibt Hotspot der heimischen Start-up-Szene mit 57 Prozent aller Finanzierungsrunden und 76 Prozent des investierten Risikokapitals 
  • Software & Analytics bleibt nach Anzahl der Finanzierungsrunden stärkster Sektor – E-Commerce und PropTech dominieren das Finanzierungsvolumen 

Nach mehreren Jahren rückläufiger Finanzierungsaktivität sendet die österreichische Start-up-Szene im ersten Halbjahr 2026 wieder deutliche positive Signale. Das Gesamtfinanzierungsvolumen stieg auf 472 Millionen Euro und hat sich damit gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres mehr als vervierfacht (+329 %). Gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Finanzierungsrunden um 24 Prozent auf 97 Deals und erreichte damit einen neuen Rekordwert für ein Halbjahr. Auch die durchschnittliche Höhe der Finanzierungsrunden legte deutlich zu und stieg von rund zwei Millionen Euro auf 6,3 Millionen Euro. Damit endet vorerst eine Phase kontinuierlich sinkender Finanzierungsvolumina, die im ersten Halbjahr 2025 ihren bisherigen Tiefpunkt erreicht hatte.

Das sind Ergebnisse des aktuellen Start-up Barometers Österreich der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY. Berücksichtigt wurden Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.


Finanzierungsmarkt dreht wieder ins Plus – Österreich kehrt auf Wachstumskurs zurück

„Nach mehreren herausfordernden Jahren sehen wir erstmals wieder eine breite Bewegung in die richtige Richtung. Das jüngste Halbjahr war nicht nur aufgrund einzelner Großfinanzierungen erfolgreich, sondern weil sich zahlreiche positive Entwicklungen gleichzeitig beobachten lassen: mehr Finanzierungsrunden, deutlich größere Tickets, mehr internationale Investor:innen und wieder mehr Zuversicht im Markt. Das österreichische Start-up-Ökosystem zeigt damit eindrucksvoll, dass es trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen nichts von seiner Innovationskraft verloren hat“, sagt Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

„Was wir derzeit sehen, ist vor allem das verspätete Ankommen einer Entwicklung, die in anderen europäischen Märkten bereits früher eingesetzt hat. Nach Jahren der Zurückhaltung werden Venture-Capital-Fonds wieder aktiver, die Investitionsbereitschaft steigt und größere Finanzierungsrunden kehren zurück. Österreich hat sich von der internationalen Entwicklung etwas abgekoppelt und die Talsohle später erreicht, profitiert jetzt aber umso stärker von der Marktbelebung. Gleichzeitig sind heimische Start-ups heute wesentlich fokussierter, kapitaleffizienter und internationaler aufgestellt als noch vor einigen Jahren. Erfolgreiche Exits wie Tractive und Emmi AI sowie der Dachfonds als wichtiges Standortsignal werden diesen positiven Trend zusätzlich verstärken.“

Besonders bemerkenswert ist die Breite der Erholung. Während die beiden 100-Millionen-Euro-Finanzierungen von Waterdrop und Gropyus für internationale Aufmerksamkeit sorgten, wurde gleichzeitig mit 97 Finanzierungsrunden ein neuer Halbjahresrekord erzielt. Die aktuelle Erholung basiert damit nicht nur auf einzelnen Leuchtturmtransaktionen, sondern auf einer deutlich breiteren Investitionsaktivität quer durch zahlreiche Branchen und Unternehmensphasen.

Auch historisch betrachtet markiert das erste Halbjahr 2026 einen Wendepunkt. Nach dem schwächsten Halbjahreswert seit Jahren im Jahr 2025 wurde nun das höchste erste Halbjahresvolumen seit dem Rekordjahr 2022 erreicht. Besonders bemerkenswert: Anders als in den Rekordjahren 2021 und 2022 basiert das aktuelle Ergebnis nicht auf Mega-Deals jenseits der 100-Millionen-Euro-Grenze. Ohne Berücksichtigung solcher Ausnahmetransaktionen wäre das erste Halbjahr 2026 sogar das erfolgreichste Halbjahr der österreichischen Start-up-Geschichte.

„Das ist ein wichtiger Unterschied zu früheren Erholungsphasen. Wir sehen nicht nur einzelne Leuchtturmtransaktionen, sondern eine hohe Aktivität quer durch zahlreiche Branchen und Unternehmensphasen. Das deutet darauf hin, dass wieder mehr Kapital verfügbar ist und das Vertrauen der Investor:innen in den Standort Österreich zurückkehrt.“

Investor:innen wagen sich wieder aus der Deckung

Die Entwicklung deutet auch auf eine gewisse Normalisierung des internationalen Venture-Capital-Marktes hin. Nachdem viele Fonds in den vergangenen Jahren vor allem damit beschäftigt waren, bestehende Portfoliounternehmen zu stabilisieren und zu finanzieren, scheint nun wieder mehr Kapital für Neuinvestitionen zur Verfügung zu stehen.

„Wir beobachten seit einigen Monaten, dass Investor:innen wieder aktiver werden und sich stärker auf Wachstumschancen konzentrieren. Die Unsicherheit ist zwar nicht verschwunden, aber die Stimmung hat sich verbessert. Viele Fonds verfügen über erhebliche Mittel und suchen nach attraktiven Investmentmöglichkeiten. Österreich profitiert aktuell davon, dass die Qualität heimischer Start-ups international zunehmend wahrgenommen wird.“

Wie stark das Investitionsklima zuletzt angezogen hat, zeigt auch ein Blick auf die Monatsentwicklung: Allein im März 2026 flossen rund 146 Millionen Euro in österreichische Start-ups, im Mai weitere rund 139 Millionen Euro. In beiden Monaten wurde damit jeweils mehr Kapital investiert als im gesamten zweiten Halbjahr 2025 zusammen.

Gleichzeitig mahnt Haas zur Vorsicht: „Von einer neuen Goldgräberstimmung sind wir noch entfernt. Die vergangenen Jahre haben Spuren hinterlassen und viele Start-ups mussten lernen, deutlich kapitaleffizienter zu arbeiten. Diese Entwicklung ist jedoch nicht negativ. Viele Unternehmen sind heute robuster, fokussierter und nachhaltiger aufgestellt als noch vor wenigen Jahren.“

Starke Exits zeigen zunehmende Reife des Start-up-Standorts

Neben den Finanzierungsrunden prägten auch mehrere erfolgreiche Exits das erste Halbjahr 2026. Besonders die Erfolgsgeschichten von Tractive und Emmi AI sorgten für internationale Aufmerksamkeit und wurden innerhalb der Szene als starkes Signal wahrgenommen.

„Erfolgreiche Exits sind für ein Ökosystem mindestens genauso wichtig wie neue Finanzierungsrunden. Sie beweisen, dass österreichische Start-ups in der Lage sind, Unternehmen mit internationaler Relevanz aufzubauen und attraktive Renditen für Investor:innen zu erzielen. Gleichzeitig schaffen solche Erfolgsgeschichten neue Vorbilder für die nächste Gründer:innengeneration.“

Darüber hinaus würden erfolgreiche Exits meist weit über die einzelnen Unternehmen hinaus wirken. Erfahrung, Netzwerke und Kapital würden häufig wieder in das heimische Ökosystem zurückfließen.

„Fast alle erfolgreichen internationalen Start-up-Standorte zeichnen sich durch einen funktionierenden Kreislauf aus Gründungen, Wachstum, Exits und Reinvestitionen aus. Je mehr erfolgreiche Exits wir sehen, desto stärker wird dieser Kreislauf auch in Österreich“, so Haas.

Großfinanzierungen kehren zurück

Besonders auffällig ist die Rückkehr großer Finanzierungsrunden. Nachdem im ersten Halbjahr 2025 lediglich zwei Finanzierungsrunden mit einem Volumen von mehr als zehn Millionen Euro registriert worden waren, wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits neun derartige Transaktionen gezählt. Darunter befanden sich zwei Finanzierungen im Umfang von jeweils 100 Millionen Euro.

„Die Rückkehr großer Finanzierungsrunden ist ein wichtiges Signal, weil sie zeigt, dass Investor:innen wieder bereit sind, Wachstum in größerem Umfang zu finanzieren. Gerade Scale-ups benötigen substanzielle Kapitalbeträge, um internationale Märkte zu erschließen und globale Wettbewerbsfähigkeit aufzubauen“, sagt Haas.

Gleichzeitig bleibt die Breite des Marktes erhalten: Insgesamt wurden 37 Finanzierungsrunden im Umfang von bis zu einer Million Euro registriert. Das zeigt, dass nicht nur etablierte Scale-ups profitieren, sondern weiterhin auch Kapital für junge Unternehmen in frühen Entwicklungsphasen verfügbar ist.

Dachfonds sendet starkes Signal an Investor:innen

Parallel zur verbesserten Marktentwicklung gibt es auch positive wirtschaftspolitische Signale. Insbesondere die Umsetzung des Dachfonds wird innerhalb des österreichischen Innovationsökosystems als wichtiger Schritt gesehen.

„Der Dachfonds ist weit mehr als ein einzelnes Förderinstrument. Er sendet ein wichtiges Signal an nationale und internationale Investor:innen, dass Österreich Innovation, Unternehmertum und Wachstum aktiv unterstützen möchte. Solche Signale sind im internationalen Wettbewerb um Kapital von enormer Bedeutung.“

Entscheidend sei nun jedoch die konkrete Umsetzung: „Wenn es gelingt, zusätzliches privates Kapital zu mobilisieren und Finanzierungslücken in der Wachstumsphase zu schließen, kann daraus ein echter Hebel für den Standort entstehen. Jetzt kommt es darauf an, den positiven politischen Willen rasch in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.“

Darüber hinaus brauche Österreich weiterhin bessere Rahmenbedingungen für institutionelles Venture Capital, attraktivere Mitarbeitendenbeteiligungsmodelle sowie zusätzliche Maßnahmen zur Mobilisierung privaten Kapitals.

Größte Finanzierungsrunden gehen an Waterdrop und Gropyus

Die größten Finanzierungsrunden des ersten Halbjahres sicherten sich das Wiener Getränke-Scale-up Waterdrop und das PropTech-Unternehmen Gropyus mit jeweils 100 Millionen Euro. Dahinter folgen der Batterie-Technologie-Spezialist Aviloo (30 Millionen Euro), das Raumfahrtunternehmen Enpulsion (22,5 Millionen Euro), die Fitness-Plattform Reps (20,2 Millionen Euro) sowie das Wiener HealthTech-Scale-up nyra health (20 Millionen Euro). Weitere Top-Finanzierungen gingen an das ClimateTech-Unternehmen Carbondrop, das HealthTech-Unternehmen Flinn, das KI-Start-up fonio.ai, den Cybersecurity-Spezialisten SecurITe, die Facility-Management-Operations-Plattform ToolSense sowie den FoodTech-Pionier NEOH. Insgesamt entfielen mehr als 42 Prozent des gesamten Finanzierungsvolumens auf die beiden Transaktionen von Waterdrop und Gropyus.

„Dass gleich zwei Unternehmen Finanzierungen in dreistelliger Millionenhöhe abschließen konnten, wäre noch vor wenigen Quartalen kaum vorstellbar gewesen. Solche Abschlüsse erhöhen die internationale Sichtbarkeit des österreichischen Standorts erheblich“, so Haas,

Wien bleibt Zentrum der Szene – Oberösterreich und Niederösterreich holen auf

Das mit Abstand meiste Kapital konnten erneut Wiener Start-ups einwerben. Rund 360 Millionen Euro beziehungsweise 76 Prozent des gesamten Risikokapitals flossen im ersten Halbjahr 2026 an Unternehmen aus der Bundeshauptstadt. Gleichzeitig wurden 55 der insgesamt 97 Finanzierungsrunden in Wien registriert.

Auf Rang zwei beim Finanzierungsvolumen liegt erstmals Niederösterreich mit 53 Millionen Euro vor Tirol mit 23 Millionen Euro. Bei der Anzahl der Finanzierungsrunden folgen die Steiermark und Oberösterreich mit je 13 Abschlüssen. Besonders Oberösterreich konnte seine Deal-Aktivität gegenüber dem Vorjahr deutlich steigern.

„Wien bleibt das Gravitationszentrum der österreichischen Start-up-Szene. Gleichzeitig sehen wir aber auch eine zunehmende Dynamik in anderen Regionen. Gerade Oberösterreich, Niederösterreich und die Steiermark zeigen, wie breit das Innovationspotenzial mittlerweile über das gesamte Land verteilt ist.“

Software & Analytics bleibt führender Sektor – Health legt kräftig zu

Mit 30 Finanzierungsrunden war Software & Analytics erneut der aktivste Sektor im österreichischen Start-up-Ökosystem. Dahinter folgen Health mit 19 sowie E-Commerce mit acht Finanzierungsrunden. Besonders dynamisch entwickelte sich der Gesundheitssektor. Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg von elf auf 19, gleichzeitig erhöhte sich das investierte Kapital von rund 14 auf knapp 56 Millionen Euro. Damit zählt Health mittlerweile zu den dynamischsten Bereichen des österreichischen Start-up-Ökosystems. Beim Investitionsvolumen lagen E-Commerce mit 122 Millionen Euro und PropTech mit 107 Millionen Euro vorne. Dahinter folgen Software & Analytics mit rund 58 Millionen Euro sowie Health mit rund 56 Millionen Euro.

DeepTech und HealthTech gewinnen an Bedeutung

Der Aufschwung im österreichischen Start-up-Ökosystem wird zunehmend von technologie- und forschungsintensiven Unternehmen getragen. Ein wachsender Teil des investierten Kapitals fließt in Bereiche wie Gesundheit, ClimateTech, Raumfahrt, industrielle Innovation oder digitale Infrastruktur. 

„Österreich entwickelt sich zunehmend zu einem Standort, an dem digitale Geschäftsmodelle, Gesundheitsinnovationen und Deep-Tech-Lösungen international wettbewerbsfähige Unternehmen hervorbringen. Besonders erfreulich ist die starke Entwicklung im Gesundheitsbereich, wo österreichische Unternehmen zunehmend internationale Investor:innen überzeugen.“

Die Richtung stimmt wieder

Nach dem historischen Tiefstand des Vorjahres markiert das erste Halbjahr 2026 eine deutliche Trendwende. Die Rekordzahl an Finanzierungsrunden, größere Tickets, erfolgreiche Exits und positive politische Signale zeigen, dass das österreichische Start-up-Ökosystem wieder an Fahrt gewinnt.

„Die Rekordzahl an Finanzierungsrunden, die Rückkehr größerer Wachstumsfinanzierungen, erfolgreiche Exits wie Tractive und Emmi AI sowie wichtige politische Signale wie der Dachfonds zeigen, dass das österreichische Start-up-Ökosystem zunehmend an Reife gewinnt. Jetzt gilt es, diesen positiven Trend durch die richtigen Rahmenbedingungen weiter zu stärken, damit aus der aktuellen Erholung ein nachhaltiger Aufschwung wird“, so Haas abschließend.

 

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EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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