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Bankenbarometer 2026 - (Re)aktion


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Trotz geopolitischer Unsicherheiten, Zinssenkungen und des Drucks durch die US-Zölle bleiben die Schweizer Banken zuversichtlich. Wie das EY-Bankenbarometer 2026 zeigt, erwarten zwar viele Banken kurzfristig sinkende Ergebnisse, doch bleibt die Branche langfristig optimistisch und setzt auf die Stärke des Schweizer Finanzplatzes.

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Überblick:

  • Die Schweizer Banken sehen sich anhaltendem Margendruck und steigenden Kosten ausgesetzt: Die aktuellen Stimmungsindikatoren liegen auf dem niedrigsten Stand der letzten 15 Jahre. Im mittel- bis langfristigen Bereich zeigen sie jedoch eine deutliche Verbesserung.
  • Stabile Kreditqualität, grundsätzlich robuste KMU-Finanzierungen, eine starke Kundenbasis und schwächere, aber dennoch solide Ergebnisse untermauern das langfristige Vertrauen.
  • Die Banken konzentrieren sich zunehmend auf Kostendisziplin, KI-gestützte Effizienz und eine Diversifizierung ihrer Erträge, um in diesem immer komplexeren und unsichereren Umfeld proaktiv zu agieren anstatt zu reagieren.

Die Ergebnisse des EY Bankenbarometers 2026 zeichnen das Bild einer Branche an einem strategischen Wendepunkt. Schweizer Banken können erneut auf ein robustes, wenn auch schwächeres Geschäftsjahr zurückblicken – die kurzfristigen Erwartungen haben sich jedoch deutlich verschlechtert. Externe Unsicherheiten, rückläufige Zinsmargen und steigende Betriebskosten belasten den kurzfristigen Erfolg. Gleichzeitig bleibt das langfristige Vertrauen in das schweizerische Bankensystem bemerkenswert hoch.

Dieses Spannungsfeld zwischen kurzfristigem Druck und langfristigem Optimismus prägt den Ausblick für den Schweizer Bankensektor im Jahr 2026. Für die Banken ist die zentrale Frage nicht länger, ob das Umfeld herausfordernd bleibt, sondern wie proaktiv sie damit umgehen werden.

Solide Ergebnisse, doch die Dynamik lässt nach

Nach mehreren Jahren, in denen steigende Zinsen und hohe Margen eine starke Performance ermöglichten, geraten die operativen Ergebnisse der Schweizer Banken nun unter Druck. 46% der befragten Banken rechnen für das laufende Jahr mit einem Rückgang ihres operativen Ergebnisses (im Vorjahr: 39%), was der zurückhaltendsten kurzfristigen Stimmung seit der Pandemie entspricht.

Die aktuelle Situation muss jedoch im Kontext betrachtet werden. Die Erträge sind im historischen Vergleich weiterhin solide, und die Vergleichsbasis ist zudem hoch. Eine Normalisierung der Erträge war absehbar, als sich das Zinsniveau erneut gegen null bewegte. Der Margendruck, dem sich die Banken nun ausgesetzt sehen, macht jedoch strukturelle Herausforderungen deutlich: Eine Ertragssteigerung im Kreditgeschäft gestaltet sich zunehmend schwierig – einerseits infolge des aktuellen Zinsumfelds und andererseits bedingt durch bilanzielle Beschränkungen und Kapitalanforderungen, die zu einer selektiveren Kreditvergabe führen.

Diese Entwicklungen unterstreichen die strategische Bedeutung einer Ertragsdiversifizierung, etwa durch den Ausbau des Kommissionsgeschäfts. Ebenso müssen Banken erneut prüfen, in welchen Bereichen sich nachhaltiges und profitables Wachstum realistisch erzielen lässt.

Nach mehreren Jahren starker Ergebnisse belasten Margendruck und steigende Kosten die künftige Ertragskraft. Die Sicherung der Profitabilität wird zunehmend von Effizienzgewinnen und einer Diversifizierung der Erträge abhängen.

Stabilisierung der Zinsmargen erwartet – auf einem wenig attraktiven Niveau

Trotz des jüngsten Rückgangs erwarten 65% der Banken in den nächsten ein bis zwei Jahren stabile oder sogar steigende Zinsmargen (im Vorjahr: 26%). Diese Erwartung basiert auf dem aktuellen Nullzinsumfeld sowie auf der Annahme, dass es in naher Zukunft keine Negativzinsen geben wird.

Stabilisierung bedeutet jedoch keine Entlastung. Die Margen dürften auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau stagnieren und damit im Zinsgeschäft weiterhin nur begrenztes Gewinnpotential bieten. Infolgedessen wird die Sicherung der Profitabilität künftig weniger durch Volumenwachstum, sondern zunehmend durch Preisgestaltung, Portfolioqualität und operative Effizienz bestimmt werden.

Stabile KMU-Kredite, wobei Kantonalbanken vorsichtiger werden

KMU-Finanzierungen werden von den Schweizer Banken weiterhin insgesamt als resilient eingeschätzt. Wie auch im Vorjahr rechnen 33% der befragten Banken in den nächsten ein bis zwei Jahren mit höheren Wertberichtigungen und Rückstellungen bei KMU-Krediten.

Dieses stabile Ergebnis ist bemerkenswert, da es weiterhin unter den langfristigen Erwartungen bezüglich Wertberichtungen und Rückstellungen für KMU-Kredite liegt und mit den aktuellen makroökonomischen Entwicklungen kontrastiert. Zunehmende geopolitische Spannungen, handelspolitische Unsicherheiten und schwächere Wirtschaftsindikatoren setzen viele Unternehmen – insbesondere in exportorientierten Branchen – unter stärkeren Druck.

Dies zeigt sich in einem differenzierteres Bild unter den Kantonalbanken, welche traditionell ein höheres KMU-Kreditrisiko haben. Entsprechend erwarten die meisten Kantonalbanken langfristig ansteigende Kreditausfälle in ihrem KMU-Portfolio.

Steigende Kosten bleiben ein Hauptproblem

Der Kostendruck prägt den Ausblick für die kommenden Jahre. 57% der befragten Banken sehen in steigenden Betriebskosten die bedeutendste Belastung ihrer künftigen Ertragskraft.

In dieser Dynamik spielt Technologie eine zentrale Rolle. Investitionen in KI, Digitalisierung, Modernisierung der Kernsysteme und Cloud-Migration sind notwendig, jedoch mit hohen Kosten verbunden. Regulatorische Anforderungen, die wachsende Bedeutung operationeller Widerstandsfähigkeit und des Managements von Drittparteirisiken erhöhen die Kostenbasis weiter.

Gleichzeitig sind mit diesen Investitionen auch Chancen verbunden. Neue Technologien ermöglichen Effizienzgewinne, verbessern das Kundenerlebnis und schaffen die Grundlage für neue Dienstleistungsmodelle. Die Herausforderung für die Banken besteht darin, ihren Fokus auf Anwendungsfälle mit tatsächlich realisierbarem Nutzen zu richten und die zeitliche Diskrepanz zwischen den notwendigen Anfangsinvestitionen und der späteren Realisierung von Effizienz- und Ertragsgewinnen aktiv zu managen.

Langfristiges Vertrauen
rechnen trotz kurzfristigen Drucks langfristig mit einem höheren Betriebsergebnis.
Kostendruck
sehen in steigenden Betriebskosten die grösste Belastung ihrer künftigen Ertragskraft.
Zinsmargen
erwarten in den nächsten ein bis zwei Jahren stabile oder sogar leicht steigende Zinsmargen.
Nachhaltigkeit und ESG
rechnen mit einer stagnierenden oder rückläufigen Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten.

Trotz zahlreicher Herausforderungen zeigt sich die Branche weiter zuversichtlich

Das langfristige Vertrauen im Schweizer Bankensektor bleibt bemerkenswert hoch. 94% der befragten Banken rechnen langfristig mit einem höheren Betriebsergebnis (im Vorjahr: 85%).

Dieser Optimismus spiegelt die starke Kapital- und Kundenbasis der Banken, das umsichtige Risikomanagement und die anhaltende Attraktivität der Schweiz als stabiler und resilienter Finanzplatz wider. Auch in einem Umfeld geprägt von Margendruck, steigenden Kosten, strukturellem Wandel und externen Unsicherheiten zeigen sich die Banken zuversichtlich im Hinblick auf die langfristige Tragfähigkeit ihrer Geschäftsmodelle.

Der Erhalt dieses Vertrauens wird jedoch von der Fähigkeit abhängen, Kostendisziplin und gezielte Investitionen in Einklang zu bringen, Ertragsquellen zu diversifizieren und Technologie als wahren Enabler zu nutzen – auch, um Kundenbeziehungen zu vertiefen und zu stärken.

Künstliche Intelligenz als Katalysator des Wandels

Künstliche Intelligenz ist im Schweizer Bankensektor fest etabliert. 78% der Banken befassen sich mit der Einführung von KI (im Vorjahr: 53%), wenngleich die Umsetzung unterschiedlich weit vorangeschritten ist.

Der Fokus der KI-Initiativen liegt dabei unverändert auf der Prozessautomatisierung. In diesem Bereich erwarten 80% der Banken die grössten Effizienzgewinne, gefolgt von Anwendungen im Compliance-Bereich.  Der Einsatz von KI in der Kunden- und Anlageberatung wird zunehmend in Betracht gezogen, liegt jedoch nach wie vor noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die Banken bleiben aus mehreren Gründen vorsichtig: Sorgen bestehen insbesondere hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit, der Zuverlässigkeit KI-gestützter Entscheidungsfindung und Unsicherheit über die Zukunft der persönlichen Beratung.

Trotz dieser Vorbehalte gehen die Banken davon aus, dass KI in der Interaktion mit Kunden – insbesondere im Privatkundengeschäft – zunehmend an Bedeutung gewinnt. Je stärker KI in den Alltag integriert wird, desto mehr werden sich die Kundenerwartungen wandeln und damit den Druck auf die Banken erhöhen, KI verantwortungsbewusst und effektiv in ihre Dienstleistungsmodelle zu integrieren.

Künstliche Intelligenz ist fest etabliert, doch ihr volles Potential noch nicht ausgeschöpft. Entscheidend wird sein, den Fokus richtig zu setzen, um tatsächliche Wertschöpfung durch die Integration von KI bei gleichzeitig sorgfältiger Governance zu erzielen.

Nachhaltigkeit verliert strategisches Momentum

Nachhaltigkeit und ESG verlieren weiter an Bedeutung. 86% der Banken rechnen mittel- bis langfristig mit einer stagnierenden oder rückläufigen Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten. Nachhaltige Finanzlösungen werden zunehmend als Nischenprodukte wahrgenommen, primär relevant für institutionelle Investoren und vermögende Privatkunden.

Gleichzeitig unterliegen ESG-Berichterstattung und -Daten weiterhin hohen regulatorischen Anforderungen. Für viele Banken übersteigen die Kosten und Komplexität der Compliance-Anforderungen die wirtschaftlichen Vorteile von nachhaltigen Finanzprodukten. Dies beeinflusst die strategische Bedeutung von Nachhaltigkeit, wenngleich das Thema im Hinblick auf regulatorische Anforderungen und Risikomanagement unverzichtbar bleibt.

Von Reaktion zur Aktion

Der Schweizer Bankensektor befindet sich in einer Phase, in der externe Unsicherheit und strukturelle Komplexität nicht mehr nur die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel sind. In diesem Umfeld wird eine Unterscheidung zwischen Reaktion und Aktion immer wichtiger.

Banken, welche ihre Geschäftsmodelle aktiv umgestalten, selektiv in Technologie investieren und ihre operationelle Effizienz stärken, werden besser aufgestellt sein, um den anhaltenden Markendruck und die Herausforderungen auf der Kostenseite zu bewältigen.

Der Bankenbarometer 2026 zeigt, dass die Banken gut aufgestellt sind, der Weg in die Zukunft jedoch klare strategische Entscheidungen erfordern wird. Ausschlaggebend in einem sich rasch wandelnden Umfeld wird sein, reaktive Ansätze in proaktives Handeln umzuwandeln, um den langfristigen Erfolg zu sichern.


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Erhalten Sie Einblicke aus dem EY Bankenbarometer 2026: zur Zukunft des Schweizer Bankensektors, zu KI-Trends im Banking und zu Nachhaltigkeit.

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Fazit

Der EY Bankenbarometer 2026 zeigt einen Schweizer Bankensektor unter zunehmendem kurzfristigen Druck, doch optimistisch im Hinblick auf die langfristigen Perspektiven. Sinkende Zinsmargen, steigende Betriebskosten und allgemeine Unsicherheit prägen die kurzfristigen Erwartungen. Gleichzeitig unterstützen die stabile Kreditqualität und Kundenbasis sowie gezielte Investitionen in Technologie das langfristige Vertrauen. Um erfolgreich zu bleiben, müssen Banken die Diversifizierung ihrer Erträge weiter vorantreiben, ihre Betriebs- und Kosteneffizienz stärken und sicherstellen, dass Investitionen in Technologie und Transformation tatsächliche Vorteile bringen.

Danksagung

Wir danken Marcel Zünd, Christine Menges und Francesco de Gara für ihre wertvollen Beiträge zu diesem Artikel.


FAQs

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