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Next Generation Lending: Digitalisierung von Kreditprozessen als strategischer Erfolgsfaktor

Nahtlose End-to-End-Digitalisierung macht Kreditprozesse schneller, effizienter und kund:innenfreundlicher – und wird zum zentralen Erfolgsfaktor im Kreditgeschäft.


Überblick

  • Österreichische Banken stehen unter Druck: alte Systeme, hohe Kosten, neue Regulierung und steigende Kund:innenerwartungen.
  • Next Generation Lending steht für die Digitalisierung von Kreditprozessen – durchgängig, automatisiert und KI-gestützt.
  • Österreichische Banken der Zukunft brauchen moderne Infrastruktur, starke Datenqualität, hybride Beratungsmodelle und verantwortungsvolle KI-Modelle.

Die Kreditwirtschaft befindet sich seit mehreren Jahrzehnten in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel. Steigende regulatorische Anforderungen, zunehmender Kostendruck in Banken, veränderte Kund:innenerwartungen sowie der rasante technologische Fortschritt – insbesondere in den Bereichen künstliche Intelligenz, Cloud-Architekturen und Open Finance – verändern grundlegend, wie Kreditprozesse gestaltet, gesteuert und erlebt werden.

„Next Generation Lending“ steht für diesen Paradigmenwechsel. Dieser Artikel verbindet aktuelle regulatorische Entwicklungen, Marktrecherchen sowie internationale Best Practices und zeigt auf, warum die Modernisierung der Kreditprozesse heute nicht mehr nur eine Option, sondern eine strategische Notwendigkeit für Finanzinstitute ist.

Was ist Next Generation Lending?

Next Generation Lending beschreibt den Übergang von analogen und fragmentierten Kreditprozessen hin zu vollständig digitalisierten, automatisierten und durchgängig integrierten End-to-End-Lösungen. Im Mittelpunkt steht ein digitaler Kreditprozess, der medienbruchfrei funktioniert – von der Antragstellung über die Bonitätsprüfung bis hin zur Vertragsunterzeichnung und Auszahlung. Next Generation Lending vereint Effizienz, Transparenz und Geschwindigkeit mit regulatorischer Sicherheit und verbesserter Customer-Experience.

Warum reichen bestehende Kreditprozesse nicht mehr aus?

Trotz erheblicher Digitalisierungsinvestitionen in den vergangenen Jahren arbeiten viele europäische Banken im Kreditgeschäft weiterhin mit veralteten Legacy-Systemen, stark manuell geprägten Abläufen und medienbruchanfälligen Prozessketten. Besonders in der Wohnraumfinanzierung und im Firmenkund:innengeschäft wird diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit sichtbar.

Erfahrene Fachvertreter:innen aus dem europäischen Financial-Services-Umfeld teilen die Einschätzungen zur aktuellen Situation hinsichtlich der Digitalisierung von Kreditprozessen. Ihre Erkenntnisse decken sich zudem mit aktuellen EY-Marktrecherchen zum Digitalisierungsgrad im österreichischen Bankenmarkt:

  • Wohnraumfinanzierungen starten häufig digital, werden jedoch nicht durchgängig digital abgewickelt. Kund:innen erfassen ihre Daten zwar initial online, müssen im weiteren Verlauf jedoch Unterlagen manuell bereitstellen, zusätzliche Formulare ausfüllen, Dokumente physisch unterschreiben oder den Prozess persönlich bzw. außerhalb des digitalen Kanals abschließen. Fehlende standardisierte Schnittstellen und Upload-Mechanismen führen dazu, dass Dokumente teilweise manuell erfasst oder über nicht integrierte Wege eingebracht werden.

  • Die Kreditbearbeitung ist in viele isolierte Systeme fragmentiert. Moderne Frontends treffen auf veraltete Kernbankensysteme, was zu Medienbrüchen und manuellen Nacharbeiten führt.

  • Lange Durchlaufzeiten, hohe Prozesskosten und unzureichende Datenqualität sind die Folge. Viele Institute greifen weiterhin auf Excel-Listen, E-Mail-Abstimmungen und manuelle Prüfungen zurück.

  • Die Kreditbearbeitung ist über zahlreiche, nicht durchgängig integrierte Systeme verteilt. Moderne digitale Frontends treffen auf heterogene oder historisch gewachsene Kernbankensysteme, was zu Medienbrüchen, manuellen Eingriffen und Nacharbeiten entlang des Prozesses führt.

  • Die Folge sind verlängerte Durchlaufzeiten, erhöhte Prozesskosten und Einschränkungen in der Datenqualität. Insbesondere manuelle Abstimmungen, zusätzliche Prüfaufwände und redundante Datenerfassungen erschweren eine effiziente und konsistente Kreditbearbeitung.

Obwohl die Nachfrage nach digitalen Kreditlösungen steigt, verfügen nur wenige Banken über einen vollständig digitalisierten End-to-End-Kreditprozess, der von der Antragstellung bis zur Auszahlungsentscheidung vollständig automatisiert ist.

Parallel dazu verschärfen sich die operativen Herausforderungen für Banken deutlich. Die Antragsvolumina nehmen wieder zu – insbesondere in einzelnen Segmenten wie Konsum- oder Wohnbaufinanzierungen –, während gleichzeitig das verfügbare Fachpersonal, vor allem in der kreditrelevanten Analyse und Prüfung, rückläufig ist oder nur begrenzt zur Verfügung steht. Hinzu kommen komplexere regulatorische Anforderungen, etwa im Bereich ESG-Reporting, KI-Regulierung oder Verbraucher:innenschutz, die zusätzliche Prüf- und Dokumentationspflichten mit sich bringen.

Diese Entwicklungen erhöhen den Druck auf Banken spürbar, ihre Kreditprozesse konsequent und umfassend zu digitalisieren, um Effizienzpotenziale zu realisieren, Risiken zu minimieren und langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie treiben regulatorische Entwicklungen die Digitalisierung von Kreditprozessen voran?

Aktuelle regulatorische Entwicklungen auf europäischer und nationaler Ebene schaffen wichtige Voraussetzungen für digitalisierte Kreditprozesse:

  • Österreich
    • Die KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-Verordnung) setzte in den vergangenen Jahren klare Leitplanken für die Wohnbaufinanzierung; ihr Auslaufen bringt mehr Spielraum, aber die Kreditvergabe bleibt durch FMA-Richtwerte und Prüfungen streng überwacht.
    • OGH-Urteile zu Bearbeitungsgebühren erhöhen die Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und präzise Vertragsgestaltung – ein Vorteil für strukturierte, digital unterstützte Prozesse.
  • EU-Ebene
    • Die Consumer Credit Directive II (CCD2) weitet Prüf- und Informationspflichten auf alle Konsument:innenkredite aus. Das stärkt standardisierte, automatisierte Kreditprozesse.
    • Basel IV erhöht den Kapitaldruck auf Banken und beeinflusst damit Kreditkonditionen – effizientere, datenbasierte Modelle zur Kreditvergabe gewinnen an Bedeutung.
    • Der EU Artificial Intelligence Act schafft erstmals einen verbindlichen Rechtsrahmen für den Einsatz von künstlicher Intelligenz, z. B. in der Kreditwürdigkeitsprüfung, und ermöglicht damit rechtssichere, skalierbare Automatisierungs- und Entscheidungsmodelle.
    • Der Digital Operational Resilience Act (DORA) setzt neue Standards für IT-Sicherheit, Ausfallschutz und IKT-Risikomanagement und stärkt die digitale Resilienz von Finanzinstituten.
    • PSD3/PSR sowie das geplante Open-Finance-Framework (FIDA) schaffen die Grundlage für sicheren, standardisierten Datenaustausch – z. B. für Einkommens- oder Kontoinformationen.

Diese Regelwerke bilden gemeinsam die Basis für rechtssichere, skalierbare und vollständig digitale Hypotheken- und Konsument:innenkredite. Damit schaffen sie einen stabilen Rahmen für Next-Generation-Lending-Modelle.

Wie weit ist Europa bei der Digitalisierung von Kreditprozessen?

Der europäische Vergleich zeigt deutliche Unterschiede im Reifegrad digitaler Kreditprozesse. Die nordischen europäischen Länder (Schweden, Finnland und Norwegen) sowie Island und Malta gelten seit den 1990er-Jahren als digitale Vorreiter: Dank früh etablierter, durchgehend digitalisierter Behördenwege und eng abgestimmter Prozesse zwischen Bürger:innen, Banken und staatlichen Stellen können heute selbst komplexe Kreditanliegen schnell, effizient und transparent abgewickelt werden. Österreich hat mit ID Austria eine zentrale Basis geschaffen und verfügt über eine hohe Nutzer:innenakzeptanz. Der nächste Schritt besteht darin, diese Grundlagen in flächendeckend digitale End-to-End-Kreditprozesse zu überführen und die Zusammenarbeit zwischen allen beteiligten Akteur:innen weiter zu optimieren. In den Benelux-Staaten zeigt sich ein gemischtes Bild: Trotz guter digitaler Datenverfügbarkeit fehlt eine zentrale Identitätsinfrastruktur, die nahtlose Kreditprozesse ermöglicht. Gleichzeitig liefern Beispiele aus dem Baltikum, insbesondere Litauen, bereits voll digitale Hypothekenprozesse und zeigen damit, was technologisch heute möglich ist.

In den CEE-Märkten wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei lassen sich zudem starke Aufholbewegungen beobachten, häufig nach dem Prinzip „digital first“. Ungarn etwa hat in kurzer Zeit eine volldigitale Wohnkreditplattform aufgebaut – ein Beleg dafür, dass selbst in regulierten Bankenumfeldern rasche und tiefgreifende Transformationen möglich sind. Demgegenüber bleibt die DACH-Region, geprägt von strenger Regulierung, komplexen IT-Landschaften und konservativen Prozessen, im europäischen Mittelfeld. Insbesondere im Hypothekenbereich bremsen fragmentierte Systeme die Digitalisierung.

Der Blick auf europäische Märkte zeigt also klar: Ein schnellerer und vollständig digitaler Kreditprozess ist realisierbar, wenn regulatorische Rahmenbedingungen modernisiert, technische Standards vereinheitlicht und organisatorische Hürden konsequent abgebaut werden.

Wie digital sind Kreditprozesse in Österreich?

Im österreichischen Bankenmarkt sind Digitalisierungsfortschritte erkennbar, doch vollständig medienbruchfreie Kreditprozesse bleiben die Ausnahme. Viele Institute bieten digitale Elemente wie Kreditrechner oder teilweise online geführte Antragsstrecken an. Im Hintergrund müssen jedoch häufig manuelle Schritte wie Bonitätsprüfungen oder Dokumentenabgleiche durchgeführt werden – für Kund:innen unsichtbar, aber prozessverlängernd und conversionmindernd. Heterogene Kernbanksysteme und konservative Prozesslandschaften bremsen die flächendeckende Digitalisierung von Kreditprozessen – insbesondere im Hypothekenbereich.

Typisch für Österreich ist zudem die hohe Bedeutung persönlicher Beratung – auch bei jüngeren Kund:innengruppen. Daher eröffnen hybride Modelle, die digitale Abläufe mit individueller Beratung verbinden, besonderes Potenzial. Sie ermöglichen:

  • höhere Abschlussquoten,

  • verbesserte Kund:innenzufriedenheit,

  • effizientere Abläufe durch Automatisierung im Hintergrund.

Eine durchgängige Customer-Journey über alle Kanäle hinweg wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

EY-Marktrecherche: Digitalisierungsgrad im österreichischen Bankensektor

Um ein präzises Bild vom aktuellen Digitalisierungsgrad des österreichischen Bankenmarktes zu erhalten, hat EY von Oktober bis November 2025 eine umfassende Marktrecherche durchgeführt. Dabei wurden zahlreiche österreichische (Filial-)Banken detailliert analysiert, um zu beurteilen, wie digital die Antragsstrecken für Endkund:innen heute tatsächlich ausgestaltet sind. Untersucht wurden die drei zentralen Kreditsegmente – Konsumkredit, Kommerzkredit und Wohnraumfinanzierung – jeweils bis zum tatsächlichen Endpunkt des Antragsprozesses.

Zur Bewertung kamen fünf Digitalisierungsstufen zum Einsatz, die aufzeigen, in welchem Ausmaß Kund:innen den Antrag vollständig online durchlaufen können und an welchen Stellen Medienbrüche, manuelle Eingriffe oder analoge Prozessschritte bestehen:

  • Keine Online-Strecke: Es existiert kein digitaler Zugang; Anträge und Beratungen erfolgen vollständig offline.
  • Kreditrechner/Terminvereinbarung: Digitale Tools wie Online-Rechner oder Terminbuchungen sind vorhanden, eine vollständige Antragstellung ist jedoch nicht möglich.
  • Online-Angebot (Vorprüfung): Banken bieten digitale Vorprüfungen oder Pre-Checks an, die jedoch noch nicht zur verbindlichen Kreditentscheidung führen.
  • Online-Antrag: Kund:innen können den Kreditantrag vollständig online einreichen, manuelle Prüfungen durch die Bank bleiben jedoch erforderlich.
  • Online-Abschluss (voll digital): Der gesamte Prozess, von Antrag über Prüfung bis zur Vertragsunterzeichnung, erfolgt medienbruchfrei digital.

Die Analyse der österreichischen Kreditlandschaft zeigt deutlich, dass der Digitalisierungsgrad der Kreditstrecken stark variiert und von der jeweiligen Produktkategorie abhängt:

Digitalisierungsgrad pro Kreditart im österreichischen Bankensektor

Drei Tortendiagramme zeigen den Digitalisierungsgrad für Konsum-, Wohn- und Kommerzkredite

Konsumkredite gelten aktuell als am weitesten digitalisiertes Segment: In vielen Instituten ist es bereits möglich, den gesamten Antragsprozess online abzuwickeln – von der Vorprüfung über die Einreichung der Unterlagen bis hin zum digitalen Abschluss, sodass Kund:innen in einzelnen Fällen vollständig medienbruchfrei bedient werden können.

Wohnbaufinanzierungen hingegen sind überwiegend hybrid gestaltet. Zwar stehen Online-Rechner, Vorprüfungen und erste digitale Tools zur Verfügung, zentrale Prozessschritte wie Bonitätsprüfungen, Dokumentenprüfung oder Vertragsunterzeichnung erfordern häufig weiterhin manuelle Eingriffe und physische Dokumente. Ein vollständig medienbruchfreier End-to-End-Prozess ist im österreichischen Markt derzeit nicht etabliert, obwohl dieser sowohl für Kund:innen als auch für Banken erhebliche Effizienz- und Komfortgewinne bieten würde. Die hohe Individualisierung der Angebote sowie der Anspruch, unterschiedliche Kund:innensituationen flexibel abzubilden, erschweren bislang die konsequente Standardisierung der Abläufe.

Kommerzkredite sind im Vergleich dazu bislang nur in geringem Ausmaß digitalisiert. Der Hauptgrund liegt in der hohen Komplexität und Individualität, der Unternehmenskredite: Sie erfordern detaillierte Bonitätsprüfungen, maßgeschneiderte Vertragsgestaltungen, umfangreiche Dokumentationen sowie die Bewertung von Sicherheiten oder Unternehmenskennzahlen – ein durchgängiger Online-Antrag ist vor diesem Hintergrund derzeit kaum umsetzbar.

Die Ergebnisse zeigen insbesondere in der Wohnbaufinanzierung ein erhebliches Transformationspotenzial. Aus Sicht der Banken gewinnen Next-Generation-Lending-Ansätze vor diesem Hintergrund zunehmend an strategischer Bedeutung, da sie eine effizientere und besser steuerbare Prozessgestaltung ermöglichen, die Risikosteuerung unterstützen und zu einer konsistenten, kanalübergreifenden Kund:innenerfahrung beitragen.

Wie verändert die Digitalisierung von Kreditprozessen durch End-to-End-Lösungen den Bankenalltag?

Um zu verstehen, wie sich vollständig digitale End-to-End-Kreditprozesse in der Praxis realisieren lassen und welchen konkreten Nutzen sie Banken und Kund:innen bringen, haben wir mit führenden Digitalisierungsexpert:innen im Kreditmarkt gesprochen. Die Gespräche zeigen klar: Moderne Plattformansätze besitzen das Potenzial, Kreditprozesse grundlegend zu transformieren, indem sie Medienbrüche beseitigen, manuelle Aufwände reduzieren und Entscheidungen datenbasiert beschleunigen.

Next Generation Lending: Digitalisierung als Erfolgsfaktor im Kreditgeschäft

Im Webcast erfahren Sie, wie Banken durch End-to-End-Digitalisierung, KI und Open Finance Kreditprozesse beschleunigen, Effizienz steigern und Kund:innen ein nahtloses Finanzierungserlebnis bieten.

Der im Webcast vorgestellte Ansatz verdeutlicht diese Entwicklung anschaulich. Im Mittelpunkt steht eine digitale Lösung, die einen durchgängigen End-to-End-Prozess im Wohnbaukreditbereich ermöglicht – vom Erstkontakt mit den Kund:innen bis zur digitalen Vertragsunterzeichnung. Auf einer gemeinsamen Plattform arbeiten Kreditnehmer:innen, Berater:innen und Analyst:innen zusammen und durchlaufen sämtliche Schritte des Kreditprozesses digital, von der Online-Antragstellung über den strukturierten Upload relevanter Unterlagen bis hin zur finalen Genehmigung und Vertragsunterzeichnung. Ein zentraler Erfolgsfaktor besteht darin, dass Berater:innen in Echtzeit auf hochgeladene Daten zugreifen und diese mithilfe KI-gestützter Tools unmittelbar prüfen lassen können. Das steigert sowohl Effizienz als auch Genauigkeit des gesamten Prozesses deutlich. Die Umsetzung solcher End-to-End-Prozesse führt zu klaren Mehrwerten: beschleunigte Durchlaufzeiten, gesteigerte Prozesssicherheit, reduzierte Risiken, ein überzeugendes Kund:innenerlebnis und eine wesentlich effizientere Ressourcennutzung in der Bank. 

Vorteile eines digitalisierten Kreditprozesses

Infografik über die Vorteile digitalisierter Kreditprozesse, darunter kürzere Durchlaufzeiten, geringere Kosten und höhere Prozessqualität

Gleichzeitig zeigt sich in Österreich, insbesondere im Bereich Wohnraumfinanzierung, weiterhin ein Bedarf an hybriden Modellen. Kund:innen erwarten einen schnellen, reibungslosen und digitalen Ablauf, möchten bei einem derart bedeutenden finanziellen Schritt jedoch nicht auf persönliche Beratung verzichten. Entscheidend ist daher ein Modell, das individuelle Beratung ermöglicht, während gleichzeitig die Backoffice- Prozesse konsequent digitalisiert und automatisiert werden, um Durchlaufzeiten zu verkürzen und Fehler zu minimieren.


Der wesentliche Vorteil liegt in der gleichzeitigen Verbesserung von Prozessqualität und Kund:innenerlebnis. Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg ist jedoch die nahtlose Integration: Kernbank-, Risiko- und Dokumentenmanagementsysteme müssen in die digitale Kreditprozessstrecke eingebunden sein. Jede Transformation sollte daher die bestehende Systemlandschaft sorgfältig berücksichtigen, um technische Reibungsverluste zu vermeiden und eine wirkliche End-to-End-Abwicklung sicherzustellen.

Wohin entwickelt sich Next Generation Lending?

In den kommenden Jahren wird das europäische Kreditgeschäft eine tiefgehende Transformation erleben. Aktuelle Prognosen deuten darauf hin, dass Banken in Europa bis spätestens 2030 flächendeckend digitale End-to-End-Kreditprozesse etabliert haben werden, mit erheblichen Vorteilen für Effizienz, Risikosteuerung und Kund:innenerlebnis.

Die Treiber dieser Entwicklung sind vielfältig und klar erkennbar: KI-gestützte Entscheidungsmodelle beschleunigen Bonitäts- und Risikoanalysen, digitale Identitäten wie eIDAS 2.0 und das EU Digital Identity Wallet ermöglichen eine sichere und medienbruchfreie Kund:innenidentifikation und Open-Finance-Daten bilden die Grundlage für automatisierte und standardisierte Prüfprozesse.

Hinzu kommen steigender Effizienz- und Kostendruck sowie veränderte Kund:innenerwartungen – insbesondere der Wunsch nach schnellen, transparenten und jederzeit verfügbaren digitalen Services. Der Webcast „Next Generation Lending“ macht deutlich, wohin die Reise geht: Mehr als die Hälfte aller Wohnkredite in Europa wird künftig über digitale Plattformen vergeben oder verwaltet. Banken, die jetzt in flexible, modulare und KI-gestützte End-to-End-Plattformen investieren, werden sich einen langfristigen Wettbewerbsvorteil sichern.

Was macht Next Generation Lending zum strategischen Erfolgsfaktor?

Der Wandel im Kreditgeschäft hat bereits begonnen. Institute, die frühzeitig auf vollständig digitale, automatisierte und transparente Kreditprozesse setzen, profitieren mehrfach:

  • ein konsistentes und überzeugendes Kund:innenerlebnis
  • deutlich gesteigerte Conversion-Rates
  • kürzere Time-to-Yes und Time-to-Cash
  • niedrigere Prozesskosten
  • geringere Risiken durch höhere Datenqualität und fundiertere Entscheidungsgrundlagen

Moderne Plattformen und KI-gestützte Technologien ermöglichen es, regulatorische Anforderungen wie KI-Regulierung, DORA oder Open Finance direkt in die Systemarchitektur einzubetten – ein entscheidender Vorteil in einem zunehmend komplexen Marktumfeld.

Banken, die diesen Wandel aktiv gestalten, schaffen sich damit nicht nur operative Effizienz, sondern positionieren sich strategisch für die Zukunft des Kreditgeschäfts. Next Generation Lending ist damit kein Trendthema, es ist ein zentraler Wettbewerbsfaktor für die kommenden Jahre.

Welche strategischen Schritte sollten Banken jetzt setzen?

Um Next Generation Lending erfolgreich umzusetzen, ergeben sich für Banken mehrere zentrale Handlungsfelder, die strategisch, kund:innenorientiert und prozessual gedacht werden müssen:

  • Strategische Zielsetzung im Kreditgeschäft definieren: Banken sollten zunächst klar festlegen, welche Ziele sie mit der Digitalisierung des Kreditgeschäfts verfolgen. Dazu zählen unter anderem die gewünschte Positionierung im Markt, der angestrebte Automatisierungsgrad sowie das Leistungsversprechen gegenüber Kund:innen in Bezug auf Geschwindigkeit, Transparenz und Servicequalität.
  • Customer-Journey konsequent neu denken: Auf Basis der strategischen Zielsetzung ist die End-to-End-Customer-Journey zu gestalten – vom Erstkontakt über Antrag, Prüfung und Entscheidung bis hin zur Auszahlung. Ziel ist eine konsistente, möglichst medienbruchfreie Kund:innenerfahrung, die digitale Self-Services mit persönlicher Beratung sinnvoll verbindet.
  • Kreditprozesse neu ausrichten und standardisieren: Die Gestaltung effizienter Sollprozesse erfordert eine klare Strukturierung der Abläufe sowie die frühzeitige Berücksichtigung regulatorischer Anforderungen. Zentrale Hebel liegen in der Standardisierung, Automatisierung und klaren Trennung von Regel- und Ausnahmefällen, um Durchlaufzeiten, Kosten und manuelle Eingriffe zu reduzieren.

  • Technologie als Enabler gezielt einsetzen: Erst auf dieser Grundlage kommt die technologische Umsetzung ins Spiel. Moderne, modulare Systemlandschaften, API-basierte Architekturen und eine hohe Datenqualität bilden die Voraussetzung für skalierbare, digitale Kreditprozesse. Der verantwortungsvolle Einsatz von KI kann zusätzlich Automatisierung, Entscheidungsunterstützung und Prozessqualität verbessern.

EY unterstützt Banken dabei, diese Handlungsfelder ganzheitlich zu adressieren und digitale End-to-End-Kreditprozesse nachhaltig umzusetzen – von der Strategieentwicklung über die Prozess- und Systemarchitektur sowie das Datenmanagement bis hin zum Change-Management.

Fazit: Next Generation Lending als strategischer Wettbewerbsfaktor im Kreditgeschäft

Der Wandel im Kreditgeschäft ist in vollem Gange. Banken, die frühzeitig auf digitale, automatisierte und transparente Prozesse setzen, profitieren von besserem Kund:innenerlebnis, höheren Conversion-Rates, kürzerer Time-to-Yes und Time-to-Cash, geringeren Prozesskosten und fundierteren Entscheidungen. Moderne Plattformen und KI-Technologien ermöglichen die direkte Umsetzung regulatorischer Anforderungen wie DORA, Open Finance oder KI-Regulierung. Wer diesen Wandel aktiv gestaltet, steigert nicht nur die operative Effizienz, sondern stärkt auch die strategische Position im Markt. Next Generation Lending ist kein Trend, sondern ein entscheidender Wettbewerbsfaktor für die Zukunft des Kreditgeschäfts.

FAQ – Häufige Fragen zu Next Generation Lending

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