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Investor:innen sind bereit – aber nach wie vor zurückhaltend
Gleichzeitig zeigt sich, dass es auch 2026 nicht an grundsätzlicher Investitionsbereitschaft mangelt. Viele Investor:innen sehen Start-ups und Scale-ups weiterhin als strategisch relevante Anlageklasse. Die Investitionsentscheidungen fallen jedoch deutlich selektiver aus als in den Jahren vor dem Markteinbruch.
Wichtig dabei: Die Zurückhaltung vieler Kapitalgeber:innen ist kein Ausdruck fehlenden Vertrauens in die Qualität des österreichischen Start-up-Ökosystems, sondern eine Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen. Anhaltend erhöhte Zinsen, geopolitische Unsicherheiten und der hohe Kapitalbedarf bestehender Portfoliounternehmen binden Mittel und verschieben Prioritäten. Statt neuer Engagements stehen häufig Stabilisierung und Anschlussfinanzierungen im Fokus.
Zusätzlich bremsen fehlende steuerliche Anreize, regulatorische Unsicherheiten und komplexe Förderstrukturen weiterhin neue Investments – insbesondere in wachstumsintensiven Phasen. Die Folge ist rationales Risikomanagement in einem anspruchsvollen Umfeld, das Investitionen nicht verhindert, aber stärker kanalisiert.
Was Investor:innen konkret sagen
- 50,5 Prozent der Business Angels und 46,7 Prozent der institutionellen Investor:innen sagten bereits vor zwei Jahren, dass sich ihr Investitionsverhalten aufgrund externer Faktoren verändert hat. Dieser Umstand hat sich nicht wirklich geändert.
- Viele wünschen sich gezieltere Anreize – etwa einen Beteiligungsfreibetrag oder die Möglichkeit zur steuerlichen Verlustverrechnung.
- Auch die Komplexität von Förderungen und Regelungen wird häufig als Investitionshemmnis genannt.
Gleichzeitig zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Start‑ups und Scale‑ups auch 2026 weiterhin als strategisch relevante Anlageklasse gelten. Viele Investor:innen halten grundsätzlich an ihrem Engagement fest, richten ihr Kapital jedoch stärker auf ausgewählte Unternehmen und Finanzierungsrunden mit klaren Wachstums‑ und Skalierungsperspektiven aus.
Auffällig ist dabei, dass Investments verstärkt dort erfolgen sollen, wo sich nachhaltiges Wachstum im eigenen Marktumfeld realisieren lässt. Sowohl Business Angels als auch institutionelle Investor:innen betonen weiterhin ihre Bereitschaft, einen substanziellen Teil ihres Kapitals in Österreich zu investieren. Diese Bereitschaft ist jedoch klar an verlässliche Rahmenbedingungen geknüpft – insbesondere an steuerliche Anreize, rechtliche Planungssicherheit und eine funktionierende Anschlussfinanzierung in Wachstumsphasen.
Die Investitionsdynamik des Jahres 2026 unterstreicht damit ein bekanntes Muster: Kapital ist grundsätzlich vorhanden und mobilisierbar, entfaltet seine Wirkung jedoch nur dort, wo das Umfeld Stabilität, Skalierbarkeit und langfristige Perspektiven bietet.
Start-ups in Österreich: politische Zielsetzung vs. tatsächlicher Fortschritt
In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Initiativen angekündigt, um Österreich als Start-up-Standort zu stärken, umgesetzt wurden allerdings längst nicht alle. Ein Überblick:
- Die Einrichtung eines Dachfonds nach dem Fund-of-Funds-Modell
- Der Ausbau der Spin-off-Förderung
- Reformen bei Rechtsformen (z. B. FlexCo) – bereits umgesetzt, die FlexCo gilt in Österreich seit dem 1. November 2023 als verfügbare Rechtsform. Sie kombiniert Elemente der GmbH (haftungsbeschränkt) mit mehr Flexibilität bei Kapitalstruktur und bei Mitarbeiter:innenbeteiligungen. Zudem bringt sie geringere Gründungshürden (Mindeststammkapital 10.000 Euro, davon 5.000 Euro bar) mit sich.
- Erste Anreize für unternehmerisches Denken an Hochschulen
Diese Schritte zeigen, dass das Thema auf politischer Ebene angekommen ist. Doch in der Umsetzung bleiben zentrale Fragen offen:
- Der Dachfonds wird nicht vor 2027 kommen. Das bestätigten Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) und Staatssekretär Josef Schellhorn (Neos) im Rahmen der Präsentation der Industriestrategie. Auch die genaue Fondsgröße ist noch unklar, kolportiert werden 300 bis 500 Millionen Euro.
- Werden steuerliche Reformen ambitioniert genug gedacht?
- Wie gelingt die Verbindung von EU-Initiativen (z. B. TechEU) mit nationaler Förderpraxis?