Frau joggt in Sportkleidung durch hügelige Berglandschaft

Startup-Finanzierung in Österreich: Warum viel Kapital ungenutzt bleibt – und was sich jetzt ändern muss

Österreichs Start-up-Szene leidet unter einem Finanzierungsrückgang – trotz vorhandener Mittel. Woran es hakt und wie das Ökosystem wieder in Schwung kommt, lesen Sie in diesem Beitrag.


Überblick

  • 2025 markierte einen neuen Tiefpunkt der Start‑up‑Finanzierung in Österreich.
  • Insgesamt flossen 253 Millionen Euro Risikokapital – 56 Prozent weniger als im Vorjahr.
  • Die Finanzierungslücke zieht sich durch alle Phasen – von Pre-Seed bis Series B.
  • Die durchschnittliche Dealgröße sank auf 2,3 Millionen Euro (2021: 11,6 Millionen Euro).
  • Strukturelle Hürden hemmen die Kapitalflüsse.
  • Was es braucht: strategisch aufgesetzter Dachfonds, Ausbau von Spin-off- und Wachstumsfinanzierung.

Die Start-up-Szene in Österreich hat sich lange Jahre dynamisch entwickelt – mit innovativen Ideen, wachsender Internationalisierung und starkem Gründungsgeist. Multiple Krisen, ein schwankender Ölpreis, hohe Teuerungsraten und eine schwankende Planungsstabilität stellen Gründer:innen wie Investor:innen derzeit aber vor große Herausforderungen. Trotz eines aktiven Ökosystems und vielversprechender Gründungen bleibt die Finanzierung ein kritischer Engpass. Hoffnung ist aber in Sicht: Der Start in das Jahr 2026 zumindest ist gelungen.

Stand der Start-up-Finanzierung in Österreich: bis 2025 ganz schwach, 2026 mit Lichtblick

Das aktuelle EY Start-up-Barometer 2025 zeigt: 2025 markierte einen neuen Tiefpunkt für die Start-up-Finanzierung in Österreich. Im Gesamtjahr flossen 253 Millionen Euro in heimische Start-ups und damit 56 Prozent weniger als im Vorjahr. Das bedeutet den vierten Rückgang in Folge. Damit liegt das Finanzierungsvolumen deutlich unter dem Niveau früherer Jahre und weit unter den Boomjahren 2021 und 2022.

Das Finanzierungsvolumen sank auf
253
253
Millionen Euro – ein Rückgang um 56 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Mit 148 Finanzierungsrunden blieb die Deal-Anzahl weitgehend stabil. Gleichzeitig sank jedoch die durchschnittliche Dealgröße auf 2,3 Millionen Euro. Zum Vergleich: 2021 lag dieser Wert noch bei 11,6 Millionen Euro. Besonders gravierend ist der Mangel an großen Wachstumsrunden: 2025 wurden lediglich vier Finanzierungen über 10 Millionen Euro abgeschlossen, zwischen 2023 und 2025 gab es zudem keine einzige Mega-Runde über 100 Millionen Euro. Die Zahlen zeigen damit ein strukturelles Problem: Nicht der Dealflow fehlt, sondern ausreichend großes Kapital für Skalierung und internationales Geschäftswachstum.

Ebenfalls auffällig: 2025 wurde keine einzige Finanzierung über 50 Millionen Euro verzeichnet. Auch Runden zwischen 10 und 50 Millionen Euro gingen deutlich zurück. Das zeigt: Die Finanzierungslücke betrifft nicht nur die Frühphase, sondern auch Start-ups mit internationalem Wachstumspotenzial. Allerdings: Es gibt ein Licht am Ende des Horizonts.

Start-up-Finanzierungen: Status quo in Europa

Bevor wir uns wieder auf Österreich fokussieren, aber noch ein kompakter Blick auf die europäische Ebene. Dieser zeigt, dass sich die Entwicklung in Österreich zwar in einen breiteren Trend einordnet, die Dynamik jedoch unterschiedlich ausfällt. Laut dem EY European Start-up-Barometer 2025 stabilisierte sich das Finanzierungsumfeld in Europa im Jahr 2025 nach den deutlichen Rückgängen der Vorjahre auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Insgesamt flossen rund 62 Milliarden Euro Risikokapital in europäische Start-ups – etwas mehr als im Vorjahr, aber weiterhin deutlich unter den Rekordwerten der Boomjahre 2021 und 2022.

Parallel dazu setzte sich jedoch ein struktureller Wandel fort: Die Zahl der Finanzierungsrunden sank europaweit um 16 Prozent auf rund 7.700 Abschlüsse und damit im zweiten Jahr in Folge. Das zeigt, dass der Markt zwar volumenmäßig stabiler wird, die Aktivität jedoch rückläufig ist. Investor:innen agieren vorsichtiger, prüfen Geschäftsmodelle intensiver und fokussieren sich zunehmend auf weniger, dafür größere Transaktionen. Kapital konzentriert sich damit stärker auf etablierte Start-ups und Scale-ups mit klaren Wachstumsperspektiven, während es für junge Unternehmen schwieriger bleibt, erste Finanzierungsrunden abzuschließen.

Inhaltlich verschiebt sich der Fokus europaweit auf wenige dominante Themenfelder. Künstliche Intelligenz bleibt der zentrale Wachstumstreiber, parallel dazu gewinnen Bereiche wie DefenceTech im Zuge geopolitischer Entwicklungen deutlich an Bedeutung, während ClimateTech weiterhin ein relevanter Schwerpunkt bleibt. Im europäischen Vergleich ergibt sich damit ein differenziertes Bild: Während sich der Gesamtmarkt auf niedrigerem Niveau stabilisiert und erste Erholungstendenzen zeigt, bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen, insbesondere bei der Anzahl neuer Finanzierungen und beim Zugang zu Kapital für frühe Phasen.

Jahresstart 2026: Trendwende oder Strohfeuer?

Erholungstendenzen gibt es auch auf dem heimischen Markt: Nach dem schwachen Jahr 2025 zeigen die ersten Monate 2026 überraschend starke Signale. Bereits im ersten Quartal flossen mehrere hundert Millionen Euro Venture Capital in österreichische Start-ups, der Vorjahreswert ist damit bereits überschritten. Im europäischen Vergleich verbesserte sich Österreich damit kurzfristig deutlich und verzeichnete zu Jahresbeginn eine höhere Dynamik als im Vorjahr.

Ob es sich dabei um eine nachhaltige Trendwende oder lediglich um ein punktuelles Aufholen einzelner großer Transaktionen handelt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Entwicklung zeigt, dass Kapital grundsätzlich mobilisierbar ist – entscheidend wird sein, ob es gelingt, kontinuierlich größere Wachstumsfinanzierungen im Land zu halten und daraus eine dauerhafte Erholung des Finanzierungsumfelds zu machen.

Das Investitionsvolumen aus 2025 konnte in den ersten Monaten 2026 jedenfalls bereits übertroffen werden. Angeführt wird die Entwicklung von einem 100 Millionen Euro Investment in das PropTech Scale up Gropyus, der bislang größten Einzelrunde des Jahres. Weitere große Deals betreffen unter anderem Aviloo, Enpulsion, nyra health sowie mehrere KI  und DeepTech Start ups mit zweistelligen Millionenbeträgen. Der starke Jahresstart 2026 ist damit volumengetrieben, nach wie vor aber nicht breit getragen.

Kapitalbedarf entlang des gesamten Wachstumszyklus

Angespannt bleibt die Situation weiterhin in der sehr frühen Phase: Pre‑Seed‑Finanzierungen blieben auf einem niedrigen Niveau, im ersten Halbjahr 2025 gab es gerade einmal zwölf Investments in der Frühphase. Damit geraten viele Geschäftsmodelle bereits vor dem Markteintritt unter Druck. Auch 2026 konnten bislang vor allem etablierte Start-ups und Scale-ups Geld einsammeln.

Die Finanzierungsschwäche zieht sich durch alle Phasen:

  • Mit 148 Finanzierungsrunden blieb die Deal-Anzahl 2025 nahezu stabil, das durchschnittliche Volumen pro Runde sank jedoch auf 2,3 Millionen Euro (2024: 4,3 Mio. Euro; 2021: 11,6 Mio. Euro).
  • Nur vier Finanzierungsrunden überschritten 2025 die Marke von 10 Millionen Euro – ein deutliches Signal für die Lücke bei Wachstumsfinanzierungen.
  • Bis Anfang 2026 wurde auch keine Mega‑Runde über 100 Millionen Euro mehr verzeichnet; die größte Finanzierung 2025 entfiel auf Refurbed mit rund 50 Millionen Euro. Erst seit Anfang 2026 zeigt sich hier ein Aufschwung.
  • In der Series‑A‑Phase stößt das österreichische Start-up-Ökosystem strukturell an Grenzen. Heimische Investor:innen sind zwar involviert, können aber vielfach nicht die erforderlichen Volumina stellen.

Diese Entwicklung trifft nicht nur einzelne Start-ups, sondern belastet das gesamte Ökosystem. Ohne ausreichende Frühphasenfinanzierung geraten viele Geschäftsmodelle gar nicht erst in die nächste Stufe. Und ohne Anschlussfinanzierung bleibt Skalierung auf der Strecke.


Studienergebnisse herunterladen

Hier können Sie die aktuellen Ergebnisse für das Jahr 2025 für das EY Start-up-Barometer, das EY Start-up Investment Barometer (in Zusammenarbeit mit invest.austria) und den Female Start-up Funding Index (in Zusammenarbeit mit Female Founders und Fund F) kostenlos herunterladen.


Investor:innen sind bereit – aber nach wie vor zurückhaltend

Gleichzeitig zeigt sich, dass es auch 2026 nicht an grundsätzlicher Investitionsbereitschaft mangelt. Viele Investor:innen sehen Start-ups und Scale-ups weiterhin als strategisch relevante Anlageklasse. Die Investitionsentscheidungen fallen jedoch deutlich selektiver aus als in den Jahren vor dem Markteinbruch.

 

Wichtig dabei: Die Zurückhaltung vieler Kapitalgeber:innen ist kein Ausdruck fehlenden Vertrauens in die Qualität des österreichischen Start-up-Ökosystems, sondern eine Reaktion auf die veränderten Rahmenbedingungen. Anhaltend erhöhte Zinsen, geopolitische Unsicherheiten und der hohe Kapitalbedarf bestehender Portfoliounternehmen binden Mittel und verschieben Prioritäten. Statt neuer Engagements stehen häufig Stabilisierung und Anschlussfinanzierungen im Fokus.

 

Zusätzlich bremsen fehlende steuerliche Anreize, regulatorische Unsicherheiten und komplexe Förderstrukturen weiterhin neue Investments – insbesondere in wachstumsintensiven Phasen. Die Folge ist rationales Risikomanagement in einem anspruchsvollen Umfeld, das Investitionen nicht verhindert, aber stärker kanalisiert.

 

Was Investor:innen konkret sagen

  • 50,5 Prozent der Business Angels und 46,7 Prozent der institutionellen Investor:innen sagten bereits vor zwei Jahren, dass sich ihr Investitionsverhalten aufgrund externer Faktoren verändert hat. Dieser Umstand hat sich nicht wirklich geändert.
  • Viele wünschen sich gezieltere Anreize – etwa einen Beteiligungsfreibetrag oder die Möglichkeit zur steuerlichen Verlustverrechnung.
  • Auch die Komplexität von Förderungen und Regelungen wird häufig als Investitionshemmnis genannt.

 

Gleichzeitig zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass Start‑ups und Scale‑ups auch 2026 weiterhin als strategisch relevante Anlageklasse gelten. Viele Investor:innen halten grundsätzlich an ihrem Engagement fest, richten ihr Kapital jedoch stärker auf ausgewählte Unternehmen und Finanzierungsrunden mit klaren Wachstums‑ und Skalierungsperspektiven aus.

 

Auffällig ist dabei, dass Investments verstärkt dort erfolgen sollen, wo sich nachhaltiges Wachstum im eigenen Marktumfeld realisieren lässt. Sowohl Business Angels als auch institutionelle Investor:innen betonen weiterhin ihre Bereitschaft, einen substanziellen Teil ihres Kapitals in Österreich zu investieren. Diese Bereitschaft ist jedoch klar an verlässliche Rahmenbedingungen geknüpft – insbesondere an steuerliche Anreize, rechtliche Planungssicherheit und eine funktionierende Anschlussfinanzierung in Wachstumsphasen.

 

Die Investitionsdynamik des Jahres 2026 unterstreicht damit ein bekanntes Muster: Kapital ist grundsätzlich vorhanden und mobilisierbar, entfaltet seine Wirkung jedoch nur dort, wo das Umfeld Stabilität, Skalierbarkeit und langfristige Perspektiven bietet.

 

Start-ups in Österreich: politische Zielsetzung vs. tatsächlicher Fortschritt

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Initiativen angekündigt, um Österreich als Start-up-Standort zu stärken, umgesetzt wurden allerdings längst nicht alle. Ein Überblick:

 

  • Die Einrichtung eines Dachfonds nach dem Fund-of-Funds-Modell
  • Der Ausbau der Spin-off-Förderung
  • Reformen bei Rechtsformen (z. B. FlexCo) – bereits umgesetzt, die FlexCo gilt in Österreich seit dem 1. November 2023 als verfügbare Rechtsform. Sie kombiniert Elemente der GmbH (haftungsbeschränkt) mit mehr Flexibilität bei Kapitalstruktur und bei Mitarbeiter:innenbeteiligungen. Zudem bringt sie geringere Gründungshürden (Mindeststammkapital 10.000 Euro, davon 5.000 Euro bar) mit sich.
  • Erste Anreize für unternehmerisches Denken an Hochschulen

 

Diese Schritte zeigen, dass das Thema auf politischer Ebene angekommen ist. Doch in der Umsetzung bleiben zentrale Fragen offen:

 

  • Der Dachfonds wird nicht vor 2027 kommen. Das bestätigten Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), Infrastrukturminister Peter Hanke (SPÖ) und Staatssekretär Josef Schellhorn (Neos) im Rahmen der Präsentation der Industriestrategie. Auch die genaue Fondsgröße ist noch unklar, kolportiert werden 300 bis 500 Millionen Euro.
  • Werden steuerliche Reformen ambitioniert genug gedacht?
  • Wie gelingt die Verbindung von EU-Initiativen (z. B. TechEU) mit nationaler Förderpraxis?


Die Bereitschaft zu Investitionen in österreichische Start-ups und Scale-ups ist vorhanden, wie der starke Jahresstart beweist. Sie kann sich aber nur entfalten, wenn das Umfeld dafür stimmt.




Gender-Gap bei Start up Finanzierung: leichte Verbesserung, strukturelles Problem bleibt

Aktuelle Auswertungen für das laufende Jahr 2026 zeigen eine leichte Verbesserung bei der Geschlechterverteilung in österreichischen Start‑ups mit Finanzierungsrunden – allerdings ausgehend von einem sehr niedrigen Niveau. Von den bislang abgeschlossenen Finanzierungsrunden entfielen rund 19 Prozent auf gemischte Gründer:innen‑Teams und 4,8 Prozent auf rein weibliche Teams. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2025 lagen diese Anteile bei 12 Prozent (gemischte Teams) bzw. 3 Prozent (Frauen‑Teams).

 

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Ungleichverteilung beim Kapitalzugang erheblich. Der überwiegende Teil der Investitionen fließt weiterhin an rein männlich besetzte Teams, insbesondere bei größeren Finanzierungsrunden. Gründerinnen sind nach wie vor überwiegend in frühen Phasen vertreten; bei großvolumigen Wachstumsfinanzierungen bleiben sie klar unterrepräsentiert.

 

Dieses Ungleichgewicht ist kein Randphänomen, sondern ein strukturelles Problem mit wirtschaftlicher Relevanz. Studien zeigen, dass eine nachhaltige Verringerung des Gender-Gaps im Entrepreneurship erhebliche Wachstumsimpulse auslösen könnte. Für den österreichischen Start‑up‑Standort bedeutet das: Gezielte Maßnahmen bleiben notwendig, etwa durch Kapitalanreize für Investments in Gründerinnen, verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen sowie Initiativen, die weibliche Vorbilder sichtbarer machen und den Zugang zu Wachstumskapital erleichtern.

Handlungsempfehlungen: Wo angesetzt werden muss

1. Beteiligungsfreibetrag für private Investor:innen

Ein gezielter steuerlicher Anreiz in der Frühphase kann insbesondere Business Angels mobilisieren – mit überschaubarem fiskalischem Aufwand.

2. Verlustverrechnung ermöglichen

Investitionen in Start-ups sind naturgemäß riskanter. Eine faire Verlustverrechnung würde die Attraktivität substanziell erhöhen – besonders bei institutionellen Kapitalgebern.

3. Dachfonds mit Hebelwirkung umsetzen

Ein starker, professionell gemanagter Dachfonds kann Co-Investitionen anstoßen und Kapital in Wachstumsrunden lenken – vor allem dann, wenn er mit europäischen Fondsprogrammen gekoppelt ist.

4. Spin-offs systematisch kapitalisieren

Wissenstransfer aus der Forschung gelingt nur, wenn IP-Fragen geklärt, Beteiligungsmodelle standardisiert und Investor:innen frühzeitig eingebunden werden.

Fazit: Anreize & Klarheit bei Finanzierung schaffen

Österreich hat exzellente Gründer:innen, forschungsstarke Institutionen und engagierte Investor:innen. Das Fundament ist vorhanden – was fehlt, ist eine systemische Verbindung zwischen Kapital und Innovation. Die aktuellen Zahlen sind ein Weckruf: Wenn Österreich als Innovationsstandort bestehen will, muss es verstärkt in Strukturen, Anreize und Klarheit investieren. Nicht jede Investitionszurückhaltung ist ein Zeichen von Angst. Manchmal ist sie einfach eine Reaktion auf falsche Rahmenbedingungen. Daran lässt sich arbeiten – und das sollten wir tun.

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