Niedermayr: Greiner ist ein Familienunternehmen. Im Geschäftsbericht betonen Sie das Denken in Generationen. Wie prägt das Ihre Entscheidungen?
Moser: Sehr stark. In Familienunternehmen gilt ein anderer Takt. Wir sprechen intern häufig davon, Greiner „enkelfit“ zu machen – also Entscheidungen so zu treffen, dass sie auch in zwei Generationen noch Wert schaffen. Das betrifft besonders große Investitionsentscheidungen, Portfolioentwicklungen oder Standortfragen.
Das unterscheidet uns von rein kapitalmarktorientierten Unternehmen, wo oft Quartalslogiken dominieren.
Niedermayr: Was macht die CFO-Rolle in einem Familienunternehmen besonders?
Moser: Ein CFO muss über das eigene Berufsleben hinausdenken. Entscheidungen haben lange Wirkungsketten – und die Eigentümer erwarten zu Recht, dass wir immer auch an die nächsten 10 bis 20 Jahre denken. Zugleich ist die Nähe zu den Eigentümern intensiver. Die Diskussionen sind stärker auf langfristige Verantwortung ausgerichtet, nicht nur auf KPIs. Das macht die Rolle vielschichtig, aber auch sehr erfüllend.
Niedermayr: Wenn Sie Ihre Rolle reflektieren: Enterprise Leader oder Functional Leader?
Moser: Ganz klar Enterprise Leader. Die funktionalen Grundlagen – Systeme, Prozesse, Strukturen – müssen funktionieren. Aber das ist nur die Basis. Als CFO muss man sich „hinaufzoomen“, Entwicklungen antizipieren, Portfolioentscheidungen begleiten und mit dem CEO und COO gemeinsam über geografische Ausrichtungen, Märkte oder Wachstumsstrategien diskutieren.
Niedermayr: Sie transformieren Support-Funktionen wie IT, Legal oder Commercial Excellence. Warum?
Moser: In Wachstumsphasen bauen Divisionen häufig ihre eigenen Strukturen auf. Das funktioniert eine Zeit lang – bis die Komplexität zu groß wird.
Wir standen letztes Jahr an dem Punkt: Viele Themen waren dreifach oder vierfach vorhanden. Also haben wir uns gefragt: Wo können wir durch Bündelung effizienter werden? Wo schaffen wir durch regionale Logik mehr Schlagkraft?
Niedermayr: Und wo steht die Finanzfunktion im Vergleich?
Moser: Finance ist punkto Transformation schon weiter. Schon meine Vorgänger haben erkannt, dass dezentrale Finanzstrukturen langfristig nicht funktionieren. Wir haben viel standardisiert, Prozesse modernisiert und auch neue Berufsbilder in die Organisation integriert – etwa Data Analysts. Das Berufsbild im Finanzbereich sieht heute völlig anders aus als noch vor zehn Jahren. Wir müssen modern, digital und skalierbar sein.
Niedermayr: Kommen wir zu einem Großprojekt: die S/4HANA-Umstellung. Sie planen einen Big Bang. Warum?
Moser: Die Greiner Gruppe besteht aus etwa 119 Unternehmen. Ein klassischer Rollout – Land für Land – würde über viele Jahre dauern. Das ist nicht realistisch.
Stattdessen planen wir einen Big Bang: eine nahezu gleichzeitige Umstellung weltweit. Das ist extrem anspruchsvoll, aber nur so erreichen wir eine einheitliche Prozess- und Datenbasis.
Niedermayr: Wenn Sie auf Ihre mehr als 25 Jahre als CFO zurückblicken: Wann war für Sie persönlich der Druck am höchsten – und wie sind Sie damit umgegangen?
Moser: Der höchste Druck war eindeutig während der Finanzkrise 2008. Damals war ich noch bei der Miba. Als die Finanzkrise in die Realwirtschaft übergeschwappt ist, sind in manchen Geschäftsbereichen von einem Tag auf den anderen 50 bis 60 Prozent der Aufträge weggebrochen. Das erlebt man in normalen Marktzyklen nicht. Wir standen vor der Frage: Wie soll es jetzt weitergehen? Mit den herkömmlichen CFO-Instrumenten kommt man in so einer Situation nicht weit.