Michael Vollmann im Interview | Kurzüberblick
Aichwalder: Michi, schön, dass du heute bei uns im Podcast bist. Wo kommst du gerade her?
Vollmann: Ich komme direkt von einem Finanzierungstermin bei der österreichischen Kontrollbank – also vom klassischen Brotjob sozusagen.
Aichwalder: Wir kennen uns ja auch aus deiner Rolle als Finanzmanager in der Industrie. Wie wird man zusätzlich Finanzvorstand eines Bundesligavereins wie dem SK Sturm Graz?
Vollmann: Sturm Graz ist ein Mitgliederverein, bei dem der Vorstand von der Generalversammlung gewählt wird. In meinem Fall war es so, dass der langjährige Präsident Christian Jauk aktive Mitglieder gesucht hat, die ihn bei der wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Vereins unterstützen. Ich komme ursprünglich aus dem Bankenumfeld, Christian war damals mein Vorstand. Als ich beruflich die Bahnen gewechselt habe, hat er mich gefragt, ob ich ihn beim Sturm unterstützen möchte – und so bin ich Teil der Liste geworden und mittlerweile schon zum dritten Mal gewählt.
Aichwalder: Der Verein ist in den letzten Jahren stark gewachsen, vor allem bei den Mitgliedern. Wie schafft man es, so einen starken Zuwachs zu erreichen?
Vollmann: Ein wesentlicher Treiber war sicher der sportliche Erfolg. Als wir begonnen haben, waren wir bei rund 1.000 bis 1.200 Mitgliedern, heute sind es über 20.000. Mit Erfolgen in der Europa League und der Champions League steigt natürlich das Interesse massiv. Dazu kommt, dass die Stadionkapazitäten begrenzt sind und Mitglieder Vorteile bei Saisonkarten und Ticketing haben. Das war sicher ein starker Anreiz. Gleichzeitig versuchen wir, Mitglieder aktiv einzubinden und ihnen Mehrwert zu bieten – etwa über Vergünstigungen oder Veranstaltungen.
Aichwalder: Wenn man sich die veröffentlichten Zahlen ansieht, zählt ihr zu den umsatzstärksten Vereinen der Liga. Wie schaut das finanziell konkret aus?
Vollmann: Wir bilanzieren zum 30. Juni. In einer sehr erfolgreichen Saison hatten wir einen Umsatz von über 92 Millionen Euro und ein positives Jahresergebnis von mehr als 12 Millionen Euro. Das war außergewöhnlich gut. Man muss aber auch klar sagen: Das ist kein Zustand, den man jedes Jahr erwarten kann, weil diese Zahlen stark vom sportlichen Erfolg und von internationalen Bewerben abhängen.
Aichwalder: Was ist in deiner Rolle als Finanzvorstand im Fußball im Vergleich zur Industrie anders?
Vollmann: Gar nicht so viel, wie man vielleicht glaubt. Der große Unterschied ist der Inhalt – beim einen ist es Sport, beim anderen Produktion. Aber die Finanzlogik ist sehr ähnlich. Budgetierung, Controlling, Wirtschaftsprüfung, Governance – das alles gibt es bei uns genauso. Als Bundesligaverein sind wir zu verpflichtenden Prüfungen und Lizenzüberprüfungen verpflichtet, sogar halbjährlich. In den letzten zehn Jahren haben wir sehr bewusst daran gearbeitet, auch im Hintergrund hochprofessionelle Strukturen zu schaffen.
Aichwalder: Du hast vorher die Volatilität angesprochen. Wie steuert man finanziell durch diese Unsicherheiten?
Vollmann: Der wichtigste Punkt ist die Liquidität. Wir arbeiten mit monatlichen Forecasts und schauen laufend, wie sich das laufende Spieljahr entwickelt und welche Auswirkungen das auf die Folgejahre hat. Wir machen eine Drei-Jahres-Planung und denken darüber hinaus. Sturm Graz ist seit der Rettung schuldenfrei, wir haben keine Bankschulden. Das ist extrem wichtig, um auch schlechtere Phasen abfedern zu können.