Michael Vollmann, CFO von SK Sturm Graz im CFO Insight Podcast

SK Sturm Graz: Finanzsteuerung zwischen Bundesliga und Industrie

Hohe Volatilität, unsichere Einnahmen und strenge regulatorische Vorgaben prägen die Finanzsteuerung im Profifußball. CFO Michael Vollmann zeigt, wie der SK Sturm Graz mit Liquiditätsfokus und Szenarioplanung durch diese Herausforderungen steuert – und welche Lehren sich für Unternehmen ziehen lassen.


Wie steuert man eine Organisation, deren wirtschaftlicher Erfolg so stark schwankt wie im Profifußball – und was lässt sich daraus für klassische Industrieunternehmen lernen? 

In dieser Folge von CFO Insight spricht Michael Vollmann, ehrenamtlicher Finanzvorstand des SK Sturm Graz und Finanzmanager in der Industrie, mit EY-Partnerin Kristina Aichwalder über Finanzsteuerung in einem Bundesligaverein, professionelle Governance-Strukturen, die Rolle von Liquidität und Rücklagen sowie die Parallelen und Unterschiede zur Unternehmenswelt. 

Der SK Sturm Graz zählt zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Fußballvereinen Österreichs. Mit einem Umsatz von über 92 Mio. Euro und einem Jahresüberschuss von mehr als 12 Mio. Euro in einer sportlich besonders erfolgreichen Saison zeigt der Verein, wie eng sportliche Leistung, wirtschaftliche Planung und finanzielle Disziplin miteinander verknüpft sind. Gleichzeitig ist das Geschäftsmodell hochvolatil: Internationale Bewerbe, Transfererlöse und sportliche Platzierungen wirken sich unmittelbar auf Liquidität, Budget und Planungssicherheit aus. 

Diese Folge ist Teil unserer Podcast-Reihe CFO Insight. Hören Sie sich das Interview auch auf SpotifyYouTubeApple Podcasts oder überall, wo es Podcasts gibt, an.

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Finanzsteuerung im Profifußball ist hochvolatil und stark vom sportlichen Erfolg abhängig – Liquiditätsplanung und Rücklagen sind daher zentral. 
  • Der SK Sturm Graz arbeitet mit professionellen Governance-, Prüf- und Planungsstrukturen, vergleichbar mit Industrieunternehmen. 
  • Spielerwerte können bilanziell nur bei Zukäufen aktiviert werden und unterliegen laufenden Werthaltigkeitstests. 
  • Lizenzauflagen der Bundesliga erzwingen strenge Budget-, Liquiditäts- und Szenarioplanung. 
  • Erfolgreiche Steuerung erfordert Einigkeit im Vorstand, klare Rollen und langfristige Perspektiven über mehrere Jahre. 

Michael Vollmann im Interview | Kurzüberblick

Aichwalder: Michi, schön, dass du heute bei uns im Podcast bist. Wo kommst du gerade her? 

Vollmann: Ich komme direkt von einem Finanzierungstermin bei der österreichischen Kontrollbank – also vom klassischen Brotjob sozusagen. 

Aichwalder: Wir kennen uns ja auch aus deiner Rolle als Finanzmanager in der Industrie. Wie wird man zusätzlich Finanzvorstand eines Bundesligavereins wie dem SK Sturm Graz? 

Vollmann: Sturm Graz ist ein Mitgliederverein, bei dem der Vorstand von der Generalversammlung gewählt wird. In meinem Fall war es so, dass der langjährige Präsident Christian Jauk aktive Mitglieder gesucht hat, die ihn bei der wirtschaftlichen Weiterentwicklung des Vereins unterstützen. Ich komme ursprünglich aus dem Bankenumfeld, Christian war damals mein Vorstand. Als ich beruflich die Bahnen gewechselt habe, hat er mich gefragt, ob ich ihn beim Sturm unterstützen möchte – und so bin ich Teil der Liste geworden und mittlerweile schon zum dritten Mal gewählt. 

Aichwalder: Der Verein ist in den letzten Jahren stark gewachsen, vor allem bei den Mitgliedern. Wie schafft man es, so einen starken Zuwachs zu erreichen? 

Vollmann: Ein wesentlicher Treiber war sicher der sportliche Erfolg. Als wir begonnen haben, waren wir bei rund 1.000 bis 1.200 Mitgliedern, heute sind es über 20.000. Mit Erfolgen in der Europa League und der Champions League steigt natürlich das Interesse massiv. Dazu kommt, dass die Stadionkapazitäten begrenzt sind und Mitglieder Vorteile bei Saisonkarten und Ticketing haben. Das war sicher ein starker Anreiz. Gleichzeitig versuchen wir, Mitglieder aktiv einzubinden und ihnen Mehrwert zu bieten – etwa über Vergünstigungen oder Veranstaltungen. 

Aichwalder: Wenn man sich die veröffentlichten Zahlen ansieht, zählt ihr zu den umsatzstärksten Vereinen der Liga. Wie schaut das finanziell konkret aus? 

Vollmann: Wir bilanzieren zum 30. Juni. In einer sehr erfolgreichen Saison hatten wir einen Umsatz von über 92 Millionen Euro und ein positives Jahresergebnis von mehr als 12 Millionen Euro. Das war außergewöhnlich gut. Man muss aber auch klar sagen: Das ist kein Zustand, den man jedes Jahr erwarten kann, weil diese Zahlen stark vom sportlichen Erfolg und von internationalen Bewerben abhängen. 

Aichwalder: Was ist in deiner Rolle als Finanzvorstand im Fußball im Vergleich zur Industrie anders? 

Vollmann: Gar nicht so viel, wie man vielleicht glaubt. Der große Unterschied ist der Inhalt – beim einen ist es Sport, beim anderen Produktion. Aber die Finanzlogik ist sehr ähnlich. Budgetierung, Controlling, Wirtschaftsprüfung, Governance – das alles gibt es bei uns genauso. Als Bundesligaverein sind wir zu verpflichtenden Prüfungen und Lizenzüberprüfungen verpflichtet, sogar halbjährlich. In den letzten zehn Jahren haben wir sehr bewusst daran gearbeitet, auch im Hintergrund hochprofessionelle Strukturen zu schaffen. 

Aichwalder: Du hast vorher die Volatilität angesprochen. Wie steuert man finanziell durch diese Unsicherheiten? 

Vollmann: Der wichtigste Punkt ist die Liquidität. Wir arbeiten mit monatlichen Forecasts und schauen laufend, wie sich das laufende Spieljahr entwickelt und welche Auswirkungen das auf die Folgejahre hat. Wir machen eine Drei-Jahres-Planung und denken darüber hinaus. Sturm Graz ist seit der Rettung schuldenfrei, wir haben keine Bankschulden. Das ist extrem wichtig, um auch schlechtere Phasen abfedern zu können. 

Aichwalder: Ein zentrales Thema im Fußball sind Spielertransfers. Kann man Spieler eigentlich aktivieren?

Vollmann: Selbst ausgebildete Spieler kann man nicht aktivieren. Aktivierungen sind nur bei Zukäufen möglich. Der Kaufpreis wird aktiviert und über die Mindestvertragslaufzeit abgeschrieben. Zusätzlich gibt es natürlich laufende Werthaltigkeitstests. Wenn ein Spieler verletzt ist, keine Einsatzminuten bekommt oder es keine Transferangebote gibt, schaut der Wirtschaftsprüfer sehr genau hin.

Aichwalder: Gibt es dabei klassische Bewertungsmethoden wie Discounted Cashflow?

Vollmann: Nein, das funktioniert nicht. Die Cashflows lassen sich einzelnen Spielern nicht isoliert zurechnen. Die Bewertung ist eine Mischung aus sportlicher Performance, Vertragslaufzeit, Marktwerten und Nachfrage anderer Vereine. Wenn der Vertrag ausläuft, ist der Wert am Ende null.

Aichwalder: Welche Rolle spielen die Lizenzauflagen der Bundesliga?

Vollmann: Eine sehr große. Es gibt einen umfangreichen Kriterienkatalog, der sicherstellen soll, dass die Liquidität für die kommende Saison gegeben ist. Budgets, Annahmen und Finanzierungen werden genau geprüft. Die Auflagen sind streng, und ohne ausreichende Puffer ist es nicht einfach, diese jedes Jahr zu erfüllen.

Aichwalder: Ihr habt zusätzlich ein Kuratorium eingeführt. Warum war das wichtig?

Vollmann: Das Kuratorium ist unabhängig vom Vorstand und soll die Werte, die Kultur und das Leitbild des Vereins absichern. Es hat Einsichtsrechte, kann im Notfall auch eine Generalversammlung einberufen und versteht sich sowohl als Unterstützung als auch als Kontrollinstanz. Das schafft zusätzliche Stabilität und Vertrauen.

Aichwalder: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Was gibt dir in diesen unsicheren Zeiten Zuversicht?

Vollmann: Motivation und der Blick nach vorne. Nach jeder schwierigen Phase kommt wieder eine bessere. Entscheidend ist, vorbereitet zu sein, Szenarien zu kennen und finanziell stabil zu bleiben – im Sport genauso wie in der Industrie.

Aichwalder: Vielen Dank für das Gespräch!

Podcast

Folge 6

Dauer

32m 33s

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