Strategische Käufer:innen dominieren – Finanzinvestor:innen bleiben Randerscheinung
Die überwiegende Mehrheit der Transaktionen entfiel 2025 erneut auf strategische Käufer:innen: 201 Deals beziehungsweise rund 90 Prozent aller Transaktionen. Finanzinvestor:innen – Private Equity und Venture Capital – waren mit 20 Deals weiterhin deutlich unterrepräsentiert und verloren gegenüber dem Vorjahr nochmals an Bedeutung.
Dieses Bild deckt sich mit der globalen Entwicklung: Auch international wird das aktuelle M&A-Geschehen primär von strategisch motivierten Transaktionen, Portfolio-Bereinigungen und gezielten Zukäufen in Schlüsseltechnologien geprägt. Große Unternehmen nutzen M&A zunehmend, um ihre Kerngeschäfte zu schärfen, Komplexität zu reduzieren und sich gegen geopolitische sowie regulatorische Risiken abzusichern.
„Wir sehen weltweit eine Rückkehr zu einer sehr klaren strategischen Fokusierung“, erklärt Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY Österreich. „Mega-Deals, Technologieakquisitionen und strategische Dinvestments prägen den Markt – Österreich ist hier keine Ausnahme, sondern Teil dieser globalen Entwicklung.“
Outbound-Transaktionen treiben das Volumen
Rund 35 Prozent aller Transaktionen entfielen 2025 auf Outbound-Deals, also Übernahmen österreichischer Unternehmen im Ausland. Diese Kategorie dominierte klar das Volumen: 90 Prozent des gesamten Transaktionswerts entfielen auf grenzüberschreitende Akquisitionen österreichischer Käufer:innen.
Besonders aktiv waren heimische Unternehmen in Europa, allen voran in Deutschland, das sowohl nach Anzahl der Deals als auch strategischer Bedeutung wichtigstes Zielland blieb. Beim Volumen floss jedoch mehr als die Hälfte der Investitionen nach Nordamerika, insbesondere nach Kanada – ein Effekt der wenigen, aber sehr großen Transaktionen.
Inbound-Deals, also Investitionen ausländischer Käufer:innen in Österreich, machten knapp die Hälfte aller Transaktionen aus, blieben beim Volumen jedoch deutlich hinter dem Vorjahr zurück. Innerösterreichische Transaktionen spielten sowohl nach Anzahl als auch nach Wert weiterhin nur eine untergeordnete Rolle.
Rekordvolumen durch wenige, aber sehr große Transaktionen
Der außergewöhnliche Anstieg des Transaktionsvolumens im Jahr 2025 lässt sich auf wenige, aber sehr große Deals zurückführen. Allein die fünf größten Transaktionen mit österreichischer Beteiligung erreichten zusammen ein Volumen von 18,6 Mrd. Euro und machten damit nahezu das gesamte veröffentlichte Transaktionsvolumen des Jahres aus.
Die drei größten Transaktionen entfielen auf Outbound-Deals: die Einbringung von NOVA Chemicals durch Borealis und Borouge in Kanada (8,9 Mrd. Euro), der Erwerb von 49 Prozent der Santander Bank Polen durch die Erste Group (7,0 Mrd. Euro) sowie die Übernahme der NÜRNBERGER Beteiligungs-AG durch die Vienna Insurance Group (1,4 Mrd. Euro).
Auf der Inbound-Seite zählten die Übernahmen von Frauscher Sensortechnik durch Wabtec (675 Mio. Euro) sowie von TTTech Auto durch NXP (603 Mio. Euro) zu den größten Transaktionen. Sie unterstreichen das anhaltende Interesse internationaler Industrie- und Technologiekonzerne an österreichischen Hightech-Unternehmen.
Industrie stark nach Anzahl – Chemie und Finanzbranche als Volumentreiber
Nach Branchen betrachtet führte die klassische Industrie mit 66 Transaktionen klar nach Anzahl, gefolgt von Telekommunikation, Medien & Technologie (TMT) sowie Consumer Products & Retail. Beim Volumen zeigte sich jedoch ein anderes Bild: Den höchsten Transaktionswert erzielte Life Sciences & Chemicals mit 8,9 Mrd. Euro, gefolgt von Financial Services mit 8,4 Mrd. Euro – jeweils getragen von internationalen Großtransaktionen.
Auch hier spiegelt sich ein globaler Trend wider: Weltweit zählen Technologie, Life Sciences und Finanzdienstleistungen zu den aktivsten Sektoren, sowohl nach Wert als auch nach strategischer Relevanz. Technologie bleibt international der wichtigste Treiber für Wachstum, Effizienz und Skalierung – oft kombiniert mit industriellen Anwendungen und datengetriebenen Geschäftsmodellen.
„Gerade die österreichische Industrie zeigt, dass sie strategisch handlungsfähig bleibt – etwa durch Investitionen in Chemie, Life Sciences und industrielle Technologien“, so Berchtold. „Wer Digitalisierung, Nachhaltigkeit und internationale Skalierung zusammendenkt, schafft auch in einem schwierigen Umfeld Wert.“
Ausblick 2026: Selektiv, strategisch, international
Der Ausblick bleibt herausfordernd. Geringes Wirtschaftswachstum, Geopolitische Spannungen mit der Tendenz zur Bildung von größeren konkurrierenden Wirtschaftsblöcken dürften die Deal-Anzahl in Österreich auch 2026 begrenzen. Der globale M&A Boom wird dagegen weiter anhalten. Mehrere Faktoren sprechen für die anhaltende Aktivität bei großen Transaktionen: strategischer Anpassungsdruck, globale Transformationsprozesse sowie hohe Kapitalreserven bei Finanzinvestor:innen.
„M&A bleibt ein zentrales Instrument, um Geschäftsmodelle zukunftsfähig aufzustellen“, so Hufnagel abschließend. „Auch wenn die Anzahl der Deals niedrig bleibt, erwarten wir weiterhin gezielte, strategisch motivierte Transaktionen – in Österreich ebenso wie weltweit.“