Unternehmen weltweit und aus allen Branchen setzen alles auf eine Karte: Künstliche Intelligenz wird zunehmend als Antwort auf viele drängende Fragen und Probleme gesehen: als Antwort auf den Fachkräftemangel, als Möglichkeit, unternehmensinterne Abläufe sowie Forschung und Entwicklung deutlich zu beschleunigen. „Viele CEOs setzen darauf, dass der umfassende Einsatz von KI einerseits erhebliche Kostenvorteile bringt und andererseits die Geschwindigkeit beispielsweise in der Produktentwicklung deutlich erhöht“, beobachtet Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich. „Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei aber nicht allein die Technologie, sondern die Fähigkeit der Organisation, KI sinnvoll zu skalieren: mit den richtigen Kompetenzen, klaren Verantwortlichkeiten und einer Belegschaft, die den Wandel mitträgt.“
Die bisherigen Erfahrungen scheinen den CEOs recht zu geben. Weltweit sagen 20 Prozent der Befragten, dass der bisherige KI-Einsatz im Unternehmen die Erwartungen deutlich übertroffen habe, laut weiteren 58 Prozent wurden die Erwartungen leicht übertroffen. Gerade einmal drei Prozent berichten von negativen Erfahrungen. Damit liegt der Anteil der CEOs mit besonders positiven Erfahrungen weltweit bei 78 Prozent. Am wenigsten enthusiastisch zeigen sich die südkoreanischen CEOs, von denen „nur“ 74 Prozent von übertroffenen Erwartungen berichten.
Reimoser erklärt: „Künstliche Intelligenz allein ist aber nicht in der Lage, die Unsicherheiten auszugleichen, die durch die unbeständige Zoll- und Handelspolitik der USA entstehen.“ Dennoch geben lediglich zwölf Prozent der weltweit befragten Unternehmen an, ihr geopolitisches Risikomanagement verbessern zu wollen.
Politische und konjunkturelle Turbulenzen: 83 Prozent ändern ihre Investitionspläne
Allerdings reagieren viele CEOs und ihre Unternehmen auf das aktuelle geopolitische Umfeld und die Vielzahl an politischen und konjunkturellen Risiken mit einer Überprüfung ihrer Investitionsstrategie: 83 Prozent der weltweit befragten Konzerne geben an, dass sie infolge von geopolitischen und handelspolitischen Entwicklungen zuletzt Änderungen an ihren Investitionsplänen vorgenommen haben – wobei diese Änderungen sehr unterschiedlich ausfallen: Während 31 Prozent der CEOs den Stopp mindestens einer ursprünglich geplanten Investition nennen, geben 40 Prozent an, eine geplante Investition sogar beschleunigt zu haben. Und den 17 Prozent, die einen geographischen Markt verlassen haben, stehen 22 Prozent gegenüber, die erstmals in ein Land oder einer Region investiert haben.
„Mehr denn je werden Investitionsentscheidungen derzeit zu einer Frage der Widerstandsfähigkeit. Geopolitische und handelspolitische Konflikte treffen einzelne Branchen sehr unterschiedlich, während gleichzeitig Lieferketten und Absatzmärkte grundlegend neu ausgerichtet werden“, so Reimoser. „Unternehmen müssen daher trotz großen Handlungsdrucks umsichtig planen – denn fehlgeschlagene Investitionen in neue Märkte oder Technologien können erhebliche Verluste nach sich ziehen.“
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die befragten Unternehmen mit der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit umgehen: Während asiatische Unternehmen ohnehin geplante Investitionen häufig nochmals beschleunigen – in China liegt der Anteil bei 60 Prozent, in Südkorea und Japan bei 48 bzw. 46 Prozent – geben sich etwa deutsche Unternehmen (28 %) und französische Unternehmen (22 %) deutlich zurückhaltender. Umgekehrt haben französische Unternehmen besonders häufig – zu 48 Prozent – mindestens eine geplante Investition abgebrochen, was in China nur auf 17 Prozent und in Japan auf 20 Prozent zutrifft.
M&A-Appetit steigt wieder, Kooperationen nehmen zu
Dass die schwierige weltweite politische und wirtschaftliche Lage die Bereitschaft zu Investitionen nicht reduziert, zeigen auch die Ergebnisse bei der Frage nach geplanten M&A-Investitionen. Weltweit planen derzeit 53 Prozent der Konzerne eine Fusion oder Übernahme, vor vier Monaten waren es noch 48 Prozent. „Der M&A-Appetit nimmt wieder zu, und wir sehen auch in Österreich wieder mehrere bedeutende Transaktionen“, erläutert Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich. „Gleichzeitig bleibt der Markt selektiv und nicht alle geplanten Übernahmen kommen tatsächlich zustande. Stetig wechselnde geo- und handelspolitische Bedingungen sowie die damit verbundenen Unsicherheiten, ein komplexes regulatorisches Umfeld und eine schwache Konjunktur führen häufig zu Verzögerungen oder zum Abbruch vorgesehener Investitionen. Die Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd – selbst bei anhaltend hohem Transformationsdruck in den Unternehmen“, so Berchtold.
Nach wie vor ist Nordamerika aus Sicht der befragten CEOs das bevorzugte Investitionsziel: 34 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten in den USA investieren. Dahinter folgen Kanada und Deutschland fast gleichauf mit jeweils 18 Prozent, gefolgt von Großbritannien (17 %) und Indien (12 %).