Pressemitteilung
18. Februar 2026  | Wien, Austria

Nachhaltigkeit: Nicht-Handeln ist das teuerste Szenario für Österreichs Wirtschaft 

Der Klimawandel kostet Österreichs Wirtschaft bereits heute Milliarden – und der Republik bis zu 2,9 Mrd. Euro bis 2030.

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  • Der Klimawandel kostet Österreichs Wirtschaft bereits heute Milliarden – und der Republik bis zu 2,9 Mrd. Euro bis 2030.
  • Österreich ist seit der Industrialisierung im Schnitt um 2,9 Grad Celsius wärmer geworden.
  • 73 % der Unternehmen haben THG-Emissionsziele, aber nur zehn Prozent handeln konsequent danach.
  • Datenmangel und Ressourcenknappheit bremsen die Umsetzung stärker als Regulierung.
  • Unabhängig von den Anforderungen der CSRD findet der Klimawandel und der internationale Wettbewerb statt – ob gehandelt wird oder nicht, entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit.

Der Klimawandel ist für Österreichs Wirtschaft längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr. Er ist Realität – messbar, spürbar und mit zunehmenden Kosten verbunden. Unternehmen sehen sich bereits heute mit steigenden Ausgaben, wachsenden Risiken und strukturellen Veränderungen konfrontiert, die zentrale Geschäftsmodelle infrage stellen. Hoher Kostendruck, geopolitische Unsicherheiten und regulatorische Unsicherheiten wie das EU-Omnibus-Paket haben den Fokus zuletzt teilweise verschoben, an der wirtschaftlichen Wirkung des Klimawandels ändern sie jedoch nichts.

Österreich zählt zu den Regionen Europas, die sich besonders stark erwärmen. Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur bereits rund 2,9 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau, im Tiefland bei etwa 3,0 Grad Celsius, in alpinen Gipfelregionen sogar bei 3,3 Grad Celsius. Die Zahl der Hitzetage über 30 Grad Celsius hat sich in den Sommermonaten in manchen Regionen zwei- bis dreimal so häufig gezeigt wie noch vor wenigen Jahrzehnten. In der Wiener Innenstadt wurden zuletzt 46 Tropennächte in einem Sommer gemessen – ein neuer Höchstwert. Diese Entwicklungen sind kein statistisches Detail, sondern haben unmittelbare Auswirkungen auf Arbeitsfähigkeit, Energieverbrauch, Gesundheit und Produktivität.

Wo Österreich bereits heute an seine Grenzen stößt

Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels sind in Österreich bereits heute spürbar – teils deutlicher als in anderen europäischen Ländern - und betreffen zunehmend ganze Wertschöpfungsketten. Besonders stark zeigen sie sich in Branchen mit hoher Abhängigkeit von stabilen Umwelt- und Infrastrukturbedingungen. Im Wintertourismus geraten traditionelle Geschäftsmodelle durch kürzere Schneesaisonen, steigende Temperaturen und höhere Kosten für technische Beschneiung unter Druck, während im Sommertourismus längere Hitzeperioden Gäste wie Mitarbeitende belasten und den Energiebedarf deutlich erhöhen.

Auch Industrie und Logistik sind betroffen: Niedrigwasser schränkt Transportmöglichkeiten ein, Lieferketten geraten ins Stocken, und Produktionsprozesse müssen angepasst werden. Extremwetterereignisse wie das Hochwasser im Tullnerfeld im Herbst 2024 zeigen zudem, dass Schäden an Betrieben und Infrastruktur langfristig nachwirken können – etwa durch monatelange Einschränkungen zentraler Verkehrsverbindungen mit erheblichen Kosten für Pendler:innen, Güterverkehr und Unternehmen.

Vier Zukunftsbilder – und die Kosten des Zögerns

Mit dem interaktiven Szenarioformat „EY Four Futures“ macht EY denkstatt sichtbar, wie heutige Entscheidungen die wirtschaftliche Realität im Jahr 2055 prägen. Die vier Szenarien reichen von einem „Business as usual“ über eine stark regulierte Übergangsphase bis hin zum Kollaps zentraler Systeme – und zu einer tiefgreifenden Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.

Die zentrale Erkenntnis aus allen Szenarien: Nicht-Handeln ist kein stabiler Zustand. Je länger Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen und zur Anpassung an den Klimawandel hinausgezögert werden, desto stärker steigen die Kosten – und zwar überproportional. Anpassungsmaßnahmen werden teurer, Risiken materialisieren sich schneller, Handlungsspielräume schrumpfen.

„Nicht-Handeln wird häufig als risikolos wahrgenommen – tatsächlich ist es die teuerste Option“, sagt Margit Kapfer, Director und Klimaschutzexpertin bei EY denkstatt. „Unternehmen zahlen entweder heute gezielt in Transformation und Stärkung der Klimaresilienz ein oder morgen ungeplant in Schadensbegrenzung, Produktionsausfälle und Wettbewerbsnachteile.“ Sie ergänzt: „Österreich hat den dringenden Bedarf, seine Industrie und Wertschöpfung an die Realitäten eines veränderten Klimas anzupassen. Entscheidend sind die wertfreie und vorurteilslose Abwägung der verschiedenen Interessen aus Wirtschaft, Bedürfnissen der heimischen Bevölkerung und der Schaffung der Rahmenbedingungen für klimaresilientes Leben für die kommenden Generationen. Transformation ist daher keine Belastung, sondern eine klarer Arbeitsauftrag und Stärkung des Wirtschaftsstandortes im internationalen Wettbewerb.“

Was Nicht-Handeln Österreich konkret kostet

Die volkswirtschaftlichen Kosten lassen sich bereits heute beziffern. Das Verfehlen nationaler Klimaziele kann für Österreich bis zu 2,9 Milliarden Euro (Quelle: BMF) an budgetwirksamen Zahlungen verursachen – etwa durch den jährlichen Zukauf von Emissionszertifikaten. Selbst bei moderater Zielverfehlung rechnet das Finanzministerium mit Kosten von rund 1,6 Milliarden Euro bis 2030. Diese Mittel fließen nicht in heimische Innovation, Infrastruktur oder Beschäftigung, sondern ins Ausland – zulasten der Standortentwicklung.

Für Unternehmen bedeutet das konkret steigende Energie- und Rohstoffkosten, höhere Versicherungsprämien oder eingeschränkte Versicherbarkeit, häufigere Betriebsunterbrechungen sowie sinkende Produktivität bei hohen Temperaturen. Besonders kleine und mittelständische Betriebe stoßen dabei rasch an ihre Grenzen, da sie Schäden und Ausfälle weniger gut abfedern können als große Konzerne.

Nachhaltigkeit strategisch anerkannt – operativ unter Druck

Das EY Sustainability Barometer zeigt ein ambivalentes Bild. Nachhaltigkeit ist in österreichischen Unternehmen strategisch angekommen, verliert aber an operativer Priorität. Während 2024 noch 23 % der Unternehmen angaben, dass Klimaschutz ihr Handeln stark beeinflusst, sind es 2025 nur mehr zehn Prozent. Gleichzeitig sehen 28 % Umweltthemen nur noch als untergeordnet oder gar nicht relevant für Entscheidungsprozesse.

Dennoch haben 73 % der Unternehmen zumindest ein Ziel zur Reduktion von Treibhausgasemissionen definiert – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Diskrepanz liegt vor allem in der Umsetzung. Finanzielle Einschränkungen und die Integration von Nachhaltigkeitsmaßnahmen in bestehende Prozesse werden 2025 als die größten Hürden genannt, deutlich vor regulatorischen Anforderungen.

„Wir sehen sehr klar: Der Wille ist da, aber die Umsetzung bleibt schwierig“, erklärt Andreas Lindinger, Senior Manager und Nachhaltigkeitsexperte bei EY denkstatt. „Viele Unternehmen unterschätzen, wie tief Nachhaltigkeit in Prozesse, Datenstrukturen und Entscheidungslogiken integriert werden muss, um tatsächlich Wirkung zu entfalten.“

Besonders deutlich wird das beim Thema Daten. 67 Prozent der Unternehmen nennen die Verfügbarkeit und Qualität von Nachhaltigkeitsdaten als größte Herausforderung bei der Berichterstattung. 46 Prozent sehen den Ressourcenaufwand als zentrales Problem – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.

Auffällig ist zudem eine zunehmende Fokussierung auf den eigenen Unternehmensbereich. Der Anteil jener Unternehmen, die den CO₂-Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette erheben, ist gegenüber 2024 um zehn Prozentpunkte gesunken. Stattdessen konzentriert sich die Mehrheit auf Emissionen aus der eigenen Tätigkeit. Damit bleiben vergleichsweise kosteneffiziente Reduktionspotenziale bei Lieferanten oder Kunden ungenutzt.

Omnibus-Paket: Entlastung mit offenem Ausgang

Das EU-Omnibus-Paket bringt Erleichterungen bei Schwellenwerten, Berichtsanforderungen und Übergangsfristen. Für viele Unternehmen bedeutet das zunächst eine Atempause. Rund 51 Prozent nutzen die gewonnene Zeit, um bestehende Konzepte, Ziele und KPIs zu überarbeiten. Gleichzeitig haben 36 Prozent ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten seit Einführung der Verordnung reduziert – besonders stark in der Bau- und Automobilbranche.

Ob das Omnibus-Paket zum Beschleuniger oder zum Bremsklotz wird, hängt entscheidend davon ab, wie Unternehmen diese Phase nutzen. „Regulatorische Entlastung ersetzt keine Transformation“, betont Lindinger. „Unternehmen, die Nachhaltigkeit als reine Compliance-Übung verstehen, kämpfen zunehmend mit Ressourcenproblemen. Wer sie als Innovationstreiber begreift, stärkt Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.“

Frühes Handeln schafft wirtschaftliche Chancen

Frühes und konsequentes Handeln reduziert nicht nur Risiken, sondern eröffnet auch wirtschaftliche Chancen. Energie- und Materialeffizienz, resiliente Lieferketten, nachhaltige Produkte und neue Geschäftsmodelle zahlen direkt auf Profitabilität und Investitionssicherheit ein. Gleichzeitig wächst der Druck von Konsument:innen, Kapitalmärkten und Geschäftspartnern: Nachhaltigkeit wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.

Die Entscheidung fällt heute – nicht 2055

Der Klimawandel entscheidet nicht erst im Jahr 2055 über Wohlstand, Beschäftigung und Lebensqualität in Österreich. Er entscheidet sich in den Investitions- und Strategieentscheidungen von heute. Unternehmen und Politik stehen vor der Wahl, Transformation aktiv zu gestalten oder später unter massivem Zeit- und Kostendruck reagieren zu müssen. „Unsere Zukunft ist kein unabwendbares Ereignis, sondern das Ergebnis intelligenter wirtschaftlicher Entscheidungen“, fasst Margit Kapfer zusammen. „Nicht-Handeln verschiebt Probleme nicht – es vergrößert sie. Wer heute investiert, spart morgen Kosten und sichert langfristig Wertschöpfung. Klar ist auch: Die großen Zukunftsfragen lassen sich nicht im Alleingang lösen. Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen gemeinsam handeln.“

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EY im Überblick

EY* ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung sowie Strategie- und Transaktionsberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle österreichischen Mitgliedsunternehmen von Ernst &Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.

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