Wenn Sie auf die letzten zwölf Monate zurückblicken, welche Erwartungen an Markt, Zinsen und Kapital haben sich bestätigt und welche nicht? Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
Rückblickend kann man sagen, dass sich viele unserer grundsätzlichen Erwartungen bestätigt haben, jedoch nicht in der Intensität, die wir ursprünglich angenommen hatten. Wir sind davon ausgegangen, dass sich das Marktumfeld eintrüben würde, insbesondere vor dem Hintergrund der Zinsentwicklung und der allgegenwärtigen Unsicherheit an den Kapitalmärkten. Insofern haben wir mit Voraussetzungen gerechnet, die unser Geschäft unterstützen.
Im vergangenen Jahr haben wir in institutionellen Anlagevehikeln Kapitalzuflüsse von über CHF 9 Mrd. gesehen. Zum Vergleich: In der Hochphase rund um 2021 lagen diese Zuflüsse bei etwa CHF 6 Mrd., was damals bereits als Peak eingeschätzt wurde. Dass dieses Niveau deutlich übertroffen wurde, zeigt sehr klar, welches Vertrauen Investoren dem Schweizer Immobilienmarkt weiterhin entgegenbringen.
Diese Entwicklung ist allerdings zweischneidig. Auf der einen Seite ist es für die Branche und für uns als Anbieter positiv, dass so viel Kapital zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite bedeutet jeder zusätzliche Franken auch zusätzlichen Druck auf der Akquisitionsseite. Denn dieses Kapital muss investiert werden, und zwar in einem Marktumfeld, in dem das Angebot nicht im gleichen Ausmass wächst.
Auf dieser Grundlage haben wir sehr bewusst darauf geachtet, unsere Produkte nicht zu verwässern. Wir haben im vergangenen Jahr rund CHF 3 Mrd. an Transaktionsvolumen intensiv geprüft und letztlich etwas mehr als CHF 1 Mrd. investiert – sowohl in Bestandsliegenschaften als auch in Projekte. Das zeigt, wie selektiv wir heute vorgehen müssen. Für uns ist klar: Der Anspruch an Qualität ist gleichgeblieben oder sogar gestiegen, auch wenn der Marktdruck deutlich höher ist als in der Vergangenheit.
Kotierte Immobilienvehikel haben in den letzten Wochen und Monaten stärker korrigiert als andere Assetklassen. Wie erklären Sie sich diese erhöhte Volatilität?
Wichtig ist eine differenzierte Betrachtung. NAV-basierte Produkte – und dazu gehören insbesondere Anlagestiftungen – haben in volatilen Marktphasen einen ausgeprägten Safe-Haven-Charakter. Gerade klassische Pensionskassen schätzen diese Stabilität und investieren in unsicheren Zeiten bewusst in Vehikel, die nicht täglich bewertet werden. Entsprechend sehen wir in diesem Segment weiterhin Wachstum.
Bei kotierten Anlagen ist die Situation anders. Dort spielt auch die Liquidität eine grosse Rolle. Die tägliche Handelbarkeit führt dazu, dass sich Marktstimmungen, Umschichtungen und externe Ereignisse viel direkter im Preis widerspiegeln. Zusätzlich muss man berücksichtigen, dass die Kurse Ende vergangenes Jahr teilweise sehr ambitioniert waren. Wenn man den historischen Vergleich betrachtet, lag der Renditespread zwischen zehnjährigen Bundesobligationen und Immobilienfondsrenditen über viele Jahre bei rund 2,5 %. Aktuell ist dieser Spread geringer, was darauf hindeutet, dass gewisse Agios schlicht ausgereizt waren.
Bei Immobilienaktien kommt hinzu, dass sie von Investoren unterschiedlich eingeordnet werden. Für einige gehören sie zur Aktienallokation, für andere zur Immobilienquote. In einem Umfeld, in dem klassische Industrie und Titel aus anderen Sektoren stärker unter geopolitischen Unsicherheiten leiden, kann das zu zusätzlichen Umschichtungen führen. Die stärkere Volatilität bei kotierten Immobilienanlagen ist deshalb weniger ein Zeichen fundamentaler Schwäche, sondern vielmehr Ausdruck von Liquidität und Marktmechanik.