Panorama view over the City of Zurich with river Limmat and Swiss alps in the background at a beautiful summer day. Photo taken June 14th, 2021, Zurich, Switzerland.

Immobilien in einen finanziellen Vorteil verwandeln: Schlüsselstrategien für eine Sale & Leaseback-Transaktion


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Sale & Leaseback schafft Liquidität und stabile Cashflows, erfordert aber präzise Strukturierung und klare Risikoallokation.


In brief

  • Sale & Leaseback ermöglicht Liquiditätsfreisetzung bei gleichzeitiger Nutzung, verlangt aber präzise Abstimmung von Preis, Miete und Rendite.
  • Der Mietvertrag ist zentral für Cashflow-Stabilität, Risikoallokation und langfristiges Gleichgewicht zwischen den Parteien.
  • MWST, CAPEX und Bonität des Mieters sind entscheidend für Struktur, Rendite und wirtschaftlichen Erfolg der Transaktion.

In einem Marktumfeld, das durch steigende Finanzierungskosten und einen zunehmenden Bedarf an Liquidität geprägt ist, etabliert sich das Sale & Leaseback (SLB) als strategische Alternative für zahlreiche Unternehmen, da es Kapital freisetzt und gleichzeitig die betriebliche Kontinuität an einem wesentlichen Standort sichert. Für institutionelle Investoren stellt es eine Quelle stabiler und langfristig vertraglich gesicherter Cash-Flows dar. Damit die Transaktion für beide Parteien Wert schafft, muss sie sorgfältig und risikoorientiert strukturiert werden und mit den Gegebenheiten des Schweizer Marktes in Einklang stehen.

Kontext und Logik einer Sale & Leaseback-Transaktion

Markt

Mit höheren Kapitalkosten und selektiveren Kreditgebern wird der Zugang zu Finanzierung zunehmend eingeschränkt. Industrie-, Logistik- und Dienstleistungsunternehmen prüfen vermehrt ausserbilanzielle (Re-)finanzierungsmöglichkeiten. Das SLB ermöglicht die Freisetzung von Liquidität bei gleichzeitiger Weiterführung der Nutzung vor Ort: eine sinnvolle Option, sofern die Kapitalkosten die Nettorendite des Immobilienbesitzes übersteigen.

Prinzip

Parallel werden zwei Verträge abgeschlossen: (1) der Verkauf der Immobilie an einen Investor und (2) der gleichzeitige Abschluss eines – in der Regel langfristigen – Geschäftsmietvertrags zugunsten des Verkäufers, der damit zum Mieter wird. Der Erwerbspreis ergibt sich häufig aus der Kapitalisierung des vereinbarten Mietzinses, weshalb ein präzises Gleichgewicht zwischen Verkaufspreis, Mietniveau und Zielrendite entscheidend ist.

Zielsetzungen

Auf Seiten des Verkäufer-Mieters besteht das Ziel darin, Liquidität freizusetzen, die Verschuldung zu reduzieren und Wachstum oder Investitionen zu unterstützen. Gleichzeitig kann ein SLB eine Nachfolgeregelung erleichtern, indem man sich von den Einschränkungen eines Immobilienbestands löst. Auf Seiten des Käufer-Vermieters liegt der Fokus auf einem Single-Tenant-Objekt mit planbaren Cash-Flows und langfristigem Wertsteigerungspotenzial, beispielsweise durch Sanierungsmassnahmen oder eine Aufwertung des Standorts.

Strukturierung der Transaktion: entscheidende Vertragsklauseln

Risikoquellen und Gegenmassnahmen

Zu beachtende Punkte für den zukünftigen Mieter

Aus wirtschaftlicher Sicht muss der Verkäufer-Mieter sicherstellen, dass der vereinbarte Mietzins langfristig tragfähig bleibt (insbesondere bei gestaffelten Mietmodellen). Eine fehlerhafte Bemessung schmälert die Margen und erhöht das Risiko von Spannungen bei den finanziellen Auflagen (Financial Covenants). Im Hinblick auf die Flexibilität führen unpräzise geregelte vorzeitige Kündigungsklauseln häufig zu erheblichen Kosten. Eine unklare Aufteilung der Unterhalts- und/oder CAPEX-Kosten setzt den Mieter schwer tragbaren Belastungen aus, umso mehr als SLB-Mietverträge in der Regel Verpflichtungen vorsehen, die über das klassische Regime des Obligationenrechts hinausgehen. Schliesslich erfordert der Wechsel vom Eigentümer- zum Mieterstatus eine Schulung des Personals sowie eine klare Governance der technischen und operativen Entscheidungen – wer entscheidet, nach welchem Prozess und zu welchem Zeitpunkt –, um Reibungsverluste und Zusatzkosten zu vermeiden.

Sicherung der Rendite für den zukünftigen Eigentümer

Die Performance des Käufer-Vermieters hängt in erster Linie von der Bonität seines Vertragspartners ab. Dies gilt insbesondere bei einer Single-Tenant-Konfiguration, bei der das Kreditrisiko auf einen einzigen Mieter konzentriert ist und die Planbarkeit der Cash-Flows auf dessen Zahlungsfähigkeit beruht. Die Rendite bleibt zudem anfällig für technische Obsoleszenz. Veraltet das Objekt oder verändert sich die Nutzung, ist das Leerstandsrisiko bei einem (vorzeitigen) Auszug des Mieters hoch und eine Neuvermietung wird rasch kostspielig – mit CAPEX für Instandsetzung, Vermietungsanreizen und Vermarktungskosten. Das wirtschaftliche Gleichgewicht der Transaktion wird zusätzlich beeinträchtigt, wenn zukünftige CAPEX unterschätzt oder vertragliche Verpflichtungen unpräzise formuliert werden, was das Streitrisiko erhöht. Eine klare Aufteilung der Verantwortlichkeiten und ein realistischer, von beiden Seiten durchdachter Investitionskalender ermöglichen es, den Wert langfristig zu sichern.

Absicherungsmassnahmen

Eine sorgfältige Due Diligence, die die technischen, finanziellen, rechtlichen und umweltbezogenen Aspekte abdeckt, ist durchzuführen, wobei den dinglichen Rechten (Dienstbarkeiten etc.) sowie der operativen Nutzbarkeit des Standorts besondere Aufmerksamkeit zu widmen ist. Ebenso wichtig ist die Absicherung durch vertragliche Garantien. Zur Risikosteuerung kann der Vertrag relevante Kennzahlen-Tests sowie Informations- und Reportingpflichten vorsehen, die sich allerdings als belastend für den Mieter erweisen und ein gewisses Mass an Transparenz erfordern. Ferner empfiehlt es sich, adaptive Vertragsklauseln vorzusehen, die auf langfristige Engagements ausgelegt sind und gezielte Anpassungen ermöglichen, beispielsweise im Zusammenhang mit der Werterhaltung der Immobilie oder mit allfälligen Veränderungen in der kommerziellen oder operativen Struktur des Mieters. Oberstes Ziel ist es, das wirtschaftliche Gleichgewicht des Vertrags über die gesamte Laufzeit zu wahren und beiden Parteien Sicherheit und Planbarkeit zu gewährleisten.

Fokus MWST: entscheidende Weichenstellungen für die Transaktionsökonomie

Im Bereich des Immobilien-SLB spielt die MWST eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche Gesamtlogik der Transaktion. Die steuerliche Behandlung hängt in erster Linie vom Vorliegen eines Rückkaufsrechts sowie von der tatsächlichen und zukünftigen Nutzung der betreffenden Immobilie ab, welche die Möglichkeit bestimmt, für die Besteuerung des Verkaufs oder der Vermietung der Immobilie ganz oder teilweise zu optieren und damit den Umfang des Vorsteuerabzugs sowohl für den Verkäufer-Mieter als auch für den Käufer-Vermieter beeinflusst. Dieser Aspekt ist unter Berücksichtigung der drei im Mehrwertsteuergesetz (MWSTG) vorgesehenen Übertragungsmodalitäten zu prüfen: Verkauf ohne Option, Verkauf mit Option und Übertragung im Meldeverfahren. Jede dieser Modalitäten hat spezifische steuerliche Konsequenzen für den Verkäufer und den Vermieter, deren Interessen divergieren können, sowie besondere einzuhaltende Formalitäten. Weitere Elemente wie die Bau- und Sanierungsgeschichte der Immobilie sind ebenfalls von entscheidender Bedeutung, ebenso wie die Qualität und Verfügbarkeit der entsprechenden Dokumentation.

 

Ein MWST-Risiko für beide Parteien

Das Hauptrisiko für den Verkäufer ist die Vorsteuerkorrektur: Wurde MWST im Zusammenhang mit Arbeiten an der Immobilie geltend gemacht, kann ein steuerbefreiter Verkauf ohne Option eine mitunter erhebliche Korrektur auslösen. Für den Käufer besteht das umgekehrte Risiko: Eine Option für die Besteuerung kann zu nicht abzugsfähiger MWST führen, insbesondere wenn der Käufer nicht vollumfänglich steuerpflichtig ist oder die Immobilie Nutzungszwecken dient, die keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug begründen. Hinzu kommen Risiken einer mangelhaften Abstimmung zwischen Verkauf und Mietvertrag, die den Vorsteuerabzug auf zukünftige Kosten erschweren können. Es sei daran erinnert, dass gemäss Praxis der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) die auf Anschaffungskosten oder wertvermehrende Investitionen in Immobilien entfallende Vorsteuer bei einer Nutzungsänderung unter Berücksichtigung einer linearen Abschreibung über 20 Jahre zu korrigieren ist.

 

In der Schweiz unterscheidet sich die MWST-Behandlung, wenn vertraglich vereinbart wird, dass das Eigentum am Objekt nach Ablauf der Mietdauer an den Mieter zurückübertragen wird (Rückkaufsrecht). Sieht der Vertrag ausdrücklich eine Rückkaufsmöglichkeit einschliesslich eines im Voraus festgelegten Preises vor, betrachtet die ESTV dies als einheitlichen Vorgang, der einer von der MWST ausgenommenen Finanzdienstleistung gleichgestellt wird, ohne Optionsmöglichkeit. Während diese Qualifikation für das Vorsteuerabzugsrecht des Verkäufer-Mieters in der Regel neutral ist, kann sie das Recht auf Vorsteuerabzug des Käufer-Vermieters erheblich einschränken oder gar ausschliessen und damit die Rendite sowie die finanzielle Strukturierung der Transaktion unmittelbar beeinflussen.

 

Frühzeitige Analyse ist entscheidend

Eine konsistente MWST-Struktur ist zentral: Behandlung des Verkaufs, Option (oder Verzicht darauf) für die im Mietvertrag vorgesehenen Leistungen und Abstimmung der wirtschaftlichen Interessen der Parteien. Diese Aspekte müssen zwingend im Vorfeld analysiert werden, da eine für die eine Partei geeignete Lösung ein wirtschaftliches oder operatives Risiko für die andere schaffen kann. Die MWST-Struktur hat somit einen massgeblichen Einfluss auf die Festlegung des Transaktionspreises und erfordert häufig vorgängige Abklärungen mit der ESTV.

 

Fünf Punkte, die bei einem SLB zu beachten sind

1. Sale & Leaseback ist eine strategische Entscheidung, kein reines Refinanzierungsinstrument

Das SLB prägt die Bilanzstruktur, die operative Flexibilität und das Risikoprofil des Unternehmens dauerhaft. Es ist daher als langfristige strategische Entscheidung zu verstehen, die auf die Geschäfts- und Finanzstrategie abgestimmt sein muss.

2. Das wirtschaftliche Gleichgewicht wird zu Beginn festgelegt

Preis, Mietzins, Laufzeit und CAPEX sind eng miteinander verknüpft. Ein anfängliches Ungleichgewicht kann die operativen Margen belasten, den Wert des Objekts langfristig gefährden und zu Streitigkeiten zwischen den Parteien führen.

3. Der Mietvertrag ist der Schlüssel zur Wertschöpfung

Der Mietvertrag bestimmt die Vorhersehbarkeit der Cash-Flows und die Widerstandsfähigkeit der Transaktion: Neben der Festlegung des Mietzinses müssen die wesentlichen Vertragsklauseln – insbesondere zu Laufzeit und Anpassungs- bzw. Verlängerungsmöglichkeiten, Ausstiegsoptionen, Unterhaltspflichten und Sicherheiten – sorgfältig formuliert werden und das von den Parteien gewünschte Gleichgewicht widerspiegeln.

4. Der Verlust an Flexibilität muss aktiv gesteuert werden

Zukünftige Erweiterungen, sich verändernde Bedürfnisse und allfällige Rückerwerbsoptionen müssen vertraglich antizipiert werden. Der Wechsel vom Eigentümer- zum Mieterstatus erfordert eine klare Governance der technischen und operativen Entscheidungen sowie eine erhöhte Disziplin.

5. Die MWST beeinflusst Preis und Struktur direkt

Die steuerliche Behandlung von Verkauf und Mietvertrag im Bereich der MWST ist ein massgeblicher Einflussfaktor: Eine verspätete oder unvollständige Analyse kann einen Teil des erwarteten Werts zunichtemachen.


Fazit

Sale & Leaseback ist eine strategische Finanzierungsform, die Unternehmen Liquidität verschafft und Investoren stabile Cashflows bietet. Der wirtschaftliche Erfolg hängt von der sorgfältigen Abstimmung von Verkaufspreis, Mietzins, Vertragsstruktur und Risikoverteilung ab. Zentrale Bedeutung kommt dem Mietvertrag sowie einer fundierten Due Diligence zu. Risiken bestehen insbesondere in falscher Mietbelastung, technischer Obsoleszenz und unklarer Kostenverteilung. Zudem beeinflusst die MWST die Transaktionsökonomie erheblich und muss frühzeitig analysiert werden. Entscheidend ist ein ausgewogenes Vertragsdesign, das langfristige Stabilität und Planbarkeit für beide Parteien sicherstellt.

Danksagung

Wir danken Marie Prost, Nadja Lewandowski und Jeanne Croce-Clement für ihre wertvollen Beiträge zu diesem Artikel.



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