„Das leichte Umsatzwachstum und die steigenden Exporte sind ermutigende Signale – wenngleich wir nach wie vor deutlich von den Wachstumsraten der Jahre 2021 und 2022 entfernt sind. Entscheidend wird sein, ob aus der aktuellen Stabilisierung ein dauerhaft selbsttragender Aufschwung wird“, erklärt Marion Raninger, Leiterin Industrials bei EY Österreich.
Metall, Elektronik und Automobilindustrie mit deutlichem Plus
Schon zum dritten Mal in Folge verzeichnet der produzierende Bereich einen Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – mit 4,6 Prozent Plus fällt dieser im zweiten Quartal sogar stärker aus als in den beiden Perioden davor. Zuvor waren die Umsätze zehn Quartale hintereinander gegenüber der Vorjahresperiode gesunken.
Besonders die Metallerzeugung und -bearbeitung zeigt unter den untersuchten Industriebranchen mit einem Plus von 15,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal die stärkste Entwicklung. Ebenfalls zweistellig wuchsen die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (+13,0 %) sowie die Automobilindustrie (+10,6 %). Gummi- und Kunststoffwaren legten um acht Prozent zu, Textil und Bekleidung um 2,7 Prozent sowie Chemie und Pharma um 2,6 Prozent. Der Maschinenbau stagnierte mit einem Plus von 0,7 Prozent nahezu, während die Branche Papier und Pappe mit minus 0,5 Prozent einen leichten Rückgang verzeichnete.
„Besonders die exportorientierten Industriebranchen profitieren von der Belebung der internationalen Nachfrage. Allerdings bleibt die Entwicklung heterogen: Während Metall, Elektronik und Automotive zweistellig zulegen, bewegen sich andere Bereiche weiterhin im einstelligen Wachstumsbereich oder sogar nahe der Nulllinie“, so Raninger.
Ein Wermutstropfen bleibt: Trotz der jüngsten Erholung liegt die Wachstumsdynamik weiterhin deutlich unter den hohen Zuwachsraten der Jahre 2021 und 2022. Während der Umsatz des produzierenden Bereichs im zweiten Quartal 2021 um 38,8 Prozent und im zweiten Quartal 2022 um 28,7 Prozent gegenüber dem jeweiligen Vorjahresquartal gestiegen war, fällt das Plus im zweiten Quartal 2026 mit 4,6 Prozent sehr viel geringer aus.
Beschäftigung bleibt weiter unter Druck
Zum Ende des zweiten Quartals waren rund 1,05 Millionen Menschen im produzierenden Bereich in Österreich beschäftigt – 1,4 Prozent beziehungsweise 15.350 Stellen weniger als ein Jahr zuvor. In sechs von acht untersuchten Industriebranchen lag die Beschäftigung unter dem Niveau des Vorjahreszeitpunkts. Den stärksten prozentualen Rückgang verzeichnete erneut die Textil- und Bekleidungsindustrie (-3,7 %), gefolgt von Papier und Pappe (-2,8 %) sowie der Metallerzeugung und -bearbeitung (-2,6 %). Lediglich Chemie und Pharma (+0,6 %) und der Maschinenbau (+0,1 %) bauten leicht Personal auf.
Im längerfristigen Vergleich zeigt sich ein differenziertes Bild: Insgesamt sind in den vergangenen sieben Jahren in lediglich drei von acht untersuchten Industriebranchen zusätzliche Stellen geschaffen worden. Seit dem zweiten Quartal 2019 entstanden in der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie rund 9.100, im Maschinenbau rund 7.800 und in Chemie und Pharma rund 5.700 zusätzliche Stellen. In der Automobilindustrie gingen im selben Zeitraum hingegen rund 8.100 Arbeitsplätze verloren.
Exporte als wesentlicher Wachstumstreiber
Die Exportumsätze österreichischer Unternehmen mit beweglichen Gütern einschließlich elektrischem Strom stiegen im zweiten Quartal um 7,8 Prozent bzw. fast 3,7 Milliarden Euro auf insgesamt 50,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Alle acht näher untersuchten Industriebranchen verzeichneten ein Exportplus. An der Spitze lag die Metallerzeugung und -bearbeitung mit einem Zuwachs von 19,6 Prozent, gefolgt von Elektrotechnik/Elektronik (+14 %) und der Automobilindustrie (+13,1 %).
Insgesamt legten die Exporte in die meisten großen Auslandsmärkte österreichischer Unternehmen zu: Die Ausfuhren in die Eurozone stiegen um 7,7 Prozent, jene nach Amerika um 7,3 Prozent. Deutschland blieb mit knapp 15 Milliarden Euro der mit Abstand wichtigste Exportmarkt; gegenüber dem Vorjahresquartal lieferte Österreich dorthin Waren im Wert von rund 968 Millionen Euro zusätzlich. Danach folgten Italien mit 3,6 Milliarden Euro (+15 %) und die USA mit 3,4 Mrd. Euro (+10 %). Rückläufig entwickelten sich hingegen die Ausfuhren nach China (-15 %) und Rumänien (-1 %).
„Der Export ist ein Sinusknoten für die industrielle Erholung. Insgesamt legten die Ausfuhren in die meisten großen Auslandsmärkte österreichischer Unternehmen zu – allein nach Deutschland stiegen die Ausfuhren um fast eine Milliarde Euro gegenüber dem Vorjahresquartal. Gerade vor dem Hintergrund der volatilen geopolitischen Lage ist klar, dass eine strategische Diversifizierung der Absatzmärkte unabdingbar ist“, schließt Raninger.