Mehr als jede dritte E-Mail-Adresse taucht mehrfach auf
Besonders auffällig ist, dass mehr als jede dritte untersuchte E-Mail-Adresse in mehreren unabhängigen Datenlecks vorkommt. Rund 1,04 Millionen Adressen wurden in mindestens zwei Quellen identifiziert. Mehr als 24.000 Adressen tauchen sogar zehnmal oder häufiger auf. Je häufiger eine digitale Identität in kompromittierten Datenbeständen auftaucht, desto interessanter wird sie für Cyberkriminelle. Denn viele Nutzer:innen verwenden Passwörter mehrfach oder ändern diese über Jahre hinweg kaum. Ältere Datenlecks können dadurch auch lange nach ihrem Bekanntwerden relevant bleiben.
Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass digitale Risiken längst nicht mehr nur einzelne Unternehmen betreffen. Ein Großteil der identifizierten Datenspuren steht mit Unternehmens- und Organisationsdomains in Verbindung. Damit wird deutlich, dass geleakte digitale Identitäten zu einem relevanten Risikofaktor für die gesamte österreichische Wirtschaft geworden sind.
Schwache Passwörter bleiben ein Einfallstor
Schwache und leicht zu erratende Passwörter sind weiterhin weit verbreitet sind. Weniger als fünf Prozent der analysierten Passwörter erfüllen empfohlene Sicherheitsstandards hinsichtlich Länge und Komplexität. Zwar hat sich die Passwortqualität in den vergangenen Jahren verbessert, dennoch dominieren weiterhin einfache Zahlenkombinationen. „123456“ bleibt mit knapp 10.000 Treffern das häufigste Passwort.
„Cyberkriminelle müssen heute nur selten neue Informationen beschaffen. Oft genügt die Kombination aus historischen Datenlecks und wiederverwendeten Zugangsdaten. Genau deshalb behalten auch ältere Leaks ihre Relevanz“, so Poelzelbauer.
„Unsere Ergebnisse zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Sichtbarkeit und Angreifbarkeit. Die Darknet-Studie macht sichtbar, wo Identitäten exponiert sind. Die Passwortanalyse zeigt, warum diese Exposition trotz ihres Alters noch immer ein reales Risiko darstellen kann“, so Löw-Beer.
Transparenz und Multi-Faktor-Authentifizierung sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen
Die Studienergebnisse zeigen, dass Unternehmen nicht nur ihre Systeme schützen müssen, sondern auch ihre digitalen Identitäten. Dazu gehört, bekannte Datenlecks regelmäßig zu überprüfen und besonders exponierte Konten rasch abzusichern. Besonders wirksam sind starke Passwörter, Multi-Faktor-Authentifizierung und Schulungen für Mitarbeitende. Viele Angriffe beginnen heute nicht mit einer technischen Sicherheitslücke, sondern mit öffentlich verfügbaren Informationen über Personen und Unternehmen. Wer frühzeitig erkennt, welche digitalen Identitäten betroffen sind, kann das Risiko erfolgreicher Angriffe deutlich reduzieren.
„Unternehmen können Datenlecks nicht immer verhindern. Sie können aber verhindern, dass historische Datensätze zu erfolgreichen Angriffen führen. Entscheidend sind eine konsequente Mehr-Faktor-Authentifizierung, die laufende Überwachung exponierter Zugangsdaten und die Sensibilisierung jener Personen, die aufgrund ihrer Rolle besonders im Fokus von Angreifern stehen“, schließt Poelzelbauer.