The better the question. The better the answer. The better the world works.

Ein leuchtendes Beispiel für grüne Energie in Marokko

Wir haben die marokkanische Regierung bei ihren Anstrengungen unterstützt, eine innovative Solaranlage zu bauen, die auch bis weit in die Nacht hinein funktioniert.

(Chapter breaker)
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The better the question

Kann nachhaltige Energie nachhaltiges Wachstum fördern?

Marokko ist stark abhängig von teuer importierten fossilen Brennstoffen. Darum suchte die marokkanische Regierung nach einem Weg, erneuerbare Energie zur zuverlässigen Energieversorgung zu nutzen und damit gleichzeitig autarker zu werden.

Stellen Sie sich das geschäftige Treiben in den Souks vor, den typischen Marktvierteln, wo Händler lautstark ihre Ware anpreisen, Tische mit Seide und Gewürzen beladen sind und der intensive Duft der Garküchen durch die heiße, trockene Luft weht.

Bei dem Gedanken an Marokko können einem diese Klischees in den Sinn kommen. Sie sind das Spiegelbild der sehr erfolgreichen und von der Regierung unterstützten Kampagne, die das nordafrikanische Land zu einem Touristenziel machen sollte. Heute ist Marokko das meistbesuchte Land Afrikas.

Trotzdem macht der Tourismus nur ein Fünftel der marokkanischen Wirtschaft aus. Die Regierung hat erkannt, dass darum mehr nötig ist, um ein nachhaltiges, integratives Wachstum für die 35 Millionen Einwohner zu schaffen.

Zurzeit sind noch rund 45 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt, die aber nur 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Wachstumsbranchen mit großem Potenzial sind die verarbeitende Industrie, der Bergbau und die Textilindustrie. Weil die Energiekosten je nach Branche zwischen 3 und 30 Prozent der Fertigungskosten ausmachen, beeinflusst die Frage, ob bezahlbare und verlässliche Energiequellen verfügbar sind, die Entscheidung für oder gegen eine Investition in Schwellenländern wie Marokko maßgeblich.

Hinzu kommt, dass Marokko stark abhängig vom Import fossiler Brennstoffe ist. Die Wirtschaft ist den Schwankungen des Energiepreises hilflos ausgesetzt. Die Volatilität dieser Kosten hat ihr Wachstumspotenzial begrenzt.

Die marokkanische Regierung stellte sich, inspiriert vom ökologisch gesinnten König, die Frage: Könnte nachhaltige Energie ein Weg sein, um die Grundlagen für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu legen? Da erneuerbare Energien lange als teuer, unzuverlässig und nur vorübergehend nutzbar betrachtet wurden (Windkraftanlagen erzeugen an einem windstillen Tag keinen Strom, Solaranlagen sind nachts nutzlos etc.) und entsprechende Technologien hohe Investitionen erforderten, wäre die Antwort bis vor Kurzem noch ein klares „Nein“ gewesen. Bisher hat sich kein Schwellenland mit erneuerbaren Energien weiterentwickelt – aber das könnte sich bald ändern.

(Chapter breaker)
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The better the answer

Auch wenn die Sonne untergeht, kann Solarenergie weiter aufsteigen

Für den Bau einer innovativen Solaranlage, die auch nach Sonnenuntergang Strom produziert, braucht es die richtige Finanzierungs- und Geschäftsstruktur, die Risiken zwischen öffentlichem und privatem Sektor managt.

„Als der Preis für ein Barrel Öl im Jahr 2008 140 US-Dollar erreichte, entstand daraus die Idee, dass Marokko über erstklassige natürliche Ressourcen verfügt, vor allem über Solar- und Windenergie“, erklärt Obaid Amrane, Vorstandsmitglied der marokkanischen Agentur für nachhaltige Energie (Moroccan Agency for Sustainable Energy, Masen). „Unser Ziel ist es, Marokko vor den Preisschwankungen auf dem Energiemarkt zu schützen. Aber die Strategie für erneuerbare Energien soll vor allem die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern, sei es durch einen besseren Zugang zu Energie oder in Form des Wohlstands, den Projekte und Industrien durch erneuerbare Energien ins Land bringen können.“

Building a better workforce

Um das Wachstum der marokkanischen Wirtschaft aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, die Bevölkerung im Land zu halten, damit eine gute Versorgung mit Talenten und Arbeitskräften gewährleistet ist. Dafür benötigen die Schwellenländer zunehmend eine gute Infrastruktur, die einen guten Lebensstandard und ein Fundament für wirtschaftliche Chancen bietet. Heute – mit Anstieg der Internetanbindung und den im Vergleich zu den entwickelteren Nachbarländern günstigeren Lebenshaltungskosten – wird das Leben und Arbeiten in Marokko attraktiver denn je.

  • Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben wirtschaftliche Unsicherheit und ein Mangel an Karrierechancen viele Marokkaner dazu bewogen, sich Arbeit im Ausland zu suchen. Wie Cherkaoui Zahra, die heute das traditionelle Gästehaus Riad Dar Nawfal in Salé betreibt. „Anfang der 1970er Jahre ging ich nach Frankreich, um mir Arbeit zu suchen. Angefangen habe ich als Zimmermädchen, später führte ich ein Fünf-Sterne-Hotel in Paris“, erzählt sie. Als sie ihr Riad (in Marokko ein traditionelles, städtisches Wohnhaus mit begrüntem Innenhof) im Jahr 2008 eröffnete, gab es nur drei davon in Salé, einer Stadt nördlich von der Hauptstadt Rabat.

    Zuerst ging Zahra den traditionellen Weg und verbreitete die Neuigkeit von ihrem Geschäft über Freunde, Familie und die lokale Gemeinschaft. Aber damit kam sie nicht sehr weit. Dank der Förderung der französischen Regierung über das Institut Français konnte sie ein breiteres Publikum erreichen. Doch am Ende war es das Internet, das die Sache wirklich ins Rollen brachte. Dank Reise-Apps und Bewertungsseiten konnten nun Gäste aus der ganzen Welt ihr Riad finden, obwohl es versteckt in einer kleinen Gasse liegt und vorher ohne einen lokalen Führer, der die Gäste an den Toren der Medina abholte, fast nicht zu finden war. Inspiriert von diesem Erfolg gibt es inzwischen zwölf Riads in Salé, die viele Besucher anziehen und die lokale Wirtschaft ankurbeln.

    „Die neuen Technologien haben wirklich zu unserem Erfolg beigetragen. Das hilft auch anderen lokalen Unternehmen wie unseren Lieferanten, was wiederum dazu beiträgt, Familien und Gemeinschaften zusammenzuhalten“, erklärt Zahra.

    „Warum sollte ein junger Marokkaner sich heute Arbeit in Frankreich suchen wie ich damals, als ich noch jung war, wenn die Wirtschaft floriert und die Lebenshaltungskosten hier niedriger sind?“, fragt Zahra.

Wo früher ein Geschäft mit der Hilfe von Freunden, guten Beziehungen und vielleicht noch staatlicher Unterstützung aufgebaut werden konnte, entscheidet heute der Zugang zum Internet über den Erfolg. Und dafür braucht man eine zuverlässige und bezahlbare Stromversorgung. Die marokkanische Regierung hat das erkannt. Das Land möchte Wirtschaftswachstum – aber nicht um jeden Preis.

Wirtschaft und Umwelt. Nicht oder.

„Während einige Schwellenländer sich hinsichtlich ihres Wirtschaftswachstums ernsten Umweltproblemen gegenübersahen, ist der König von Marokko sehr umweltbewusst“, sagt Stephen Auton-Smith, Executive Director, EY Infrastructure Advisory. „Es gab also sehr starke politische Impulse für kohlenstoffarme und klimaschonende Maßnahmen in Marokko.“

Das wurde sowohl im Vorfeld als auch im Anschluss deutlich, als Marokko die 22. UN-Klimakonferenz (COP 22) 2016 ausrichtete. Bei den touristischen Sehenswürdigkeiten – und weit darüber hinaus – hatte eine Veränderung eingesetzt: Die moderne Welt kommt nach Marokko und macht es zum Vorbild für nachhaltige Energienutzung.

„Wir gehören nicht zu den Ländern, die am meisten zum Klimawandel beitragen“, sagt Amrane, „aber wir sehen auf sehr reale Weise die Auswirkungen, die solche Veränderungen auf das Leben der Menschen haben, sei es auf lokaler oder auf globaler Ebene.“

Als staatliches Unternehmen wurde Masen damit beauftragt, eine Lösung zu finden, um Marokkos Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energien auszubauen. Diese Lösung sollte ein Wirtschaftswachstum ermöglichen, das die Umwelt so wenig wie möglich belastet. Da die Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe als Kernproblem identifiziert wurde, investiert Marokko jetzt umfangreich in die beiden Wachstumsfaktoren erneuerbare Energien und Telekommunikation.

Vernetzung braucht Energie

„In abgelegenen Gebieten gibt es immer noch ein Problem mit der Konnektivität“, sagt Seddiq Sebbahi, ein marokkanischer Telekommunikationsingenieur und Blogger über Energiesektor und Technologie. „Es gibt zwar Telefon, aber die Menschen brauchen 3G oder 4G, um Zugang zum Internet für Bildung, Arbeit und so weiter zu haben.“

Hier wird ebenfalls Solarenergie eingesetzt, weil die Bereitstellung von Web-Konnektivität über Mobiltelefone Strom für Telefonmasten erfordert, aber „es gibt in den meisten abgelegenen Gebieten kein Stromnetz“, erklärt Sebbahi. „Sobald das Netz hier angekommen ist, muss man die Kosten vergleichen. Aktuell entfallen auf die Batterien etwa 40 Prozent der Gesamtkosten, dazu kommen die anderen Geräte – das Ladegerät, der Regler und die Klimaanlage, um die Anlage kühl zu halten. Es geht also nicht nur um die Sonnenkollektoren.“

Wie können erneuerbare Energien zuverlässig werden?

Die einzige Frage war, wie man diesen Traum in die Realität umsetzen kann. Erneuerbare Energie mag sauber sein – aber wenn der Wind aufhört zu wehen, hören die Windturbinen auf, sich zu drehen; und wenn die Sonne untergeht, hören die Solarmodule auf, Strom zu erzeugen. Wie können erneuerbare Energien Marokko mit zuverlässiger Energie versorgen, die es für sein Wirtschaftswachstum braucht?

Die Lösung dieser Herausforderung oblag Masen, die EY beauftragten, ihnen bei der Strategie und Umsetzung beratend zur Seite zu stehen. „Ein wesentlicher Teil unserer Arbeit besteht darin, Regierungen dabei zu helfen, umfangreiche Infrastrukturen zu schaffen und zu entwickeln“, erklärt Auton-Smith. „Wir stehen morgens auf, um an einzigartigen Projekten mit globaler Tragweite zu arbeiten, die wirklich etwas bewegen können. Dies ist eins davon.“

Dieser gemeinsame Enthusiasmus und der Wunsch, eine bessere Welt für alle aufzubauen, indem man Wege findet, zuverlässige, erneuerbare Energien so zu liefern, dass sie das Wirtschaftswachstum ankurbeln, wurde von Masen schnell erkannt. EY wurde direkt im Anschluss mit einem Folgeprojekt in Midelt in Zentralmarokko beauftragt.

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Wer über die Souks von Marrakesch spaziert, wird feststellen, dass die Laternen dort mit Energiesparlampen leuchten.

Die Lichter an lassen

Eine fünfstündige, 200 Kilometer lange Fahrt von Marrakesch entlang der Serpentinen des Atlasgebirges findet man einen Teil der Antwort auf der Suche nach nachhaltiger Entwicklung. Zuerst half das sonnige Klima Marokkos dem Tourismussektor, dann zog die Qualität des Lichts Filmemacher nach Ouarzazate. Nun könnte die gleiche Sonneneinstrahlung die Grundlage für einen dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg bilden.

Solarenergie scheint für ein Land, in dem die Sonne fast immer scheint, eine naheliegende Lösung zu sein. Doch ganz so einfach sei es nicht, meint Tarik Bourquouquou, Manager für Planung & Methoden für Energieanlagen und Infrastruktur bei Masen. Denn wenn die Sonne untergeht, wird keine Solarenergie mehr erzeugt.

Für das Bestreben, wirklich führend bei der nachhaltigen Energieerzeugung zu sein, wurden umfangreiche Vermessungen und Analysen in ganz Marokko durchgeführt, gefolgt von Bodenstudien und meteorologischen, hydrologischen, seismischen und topografischen Messungen. Die Ergebnisse wurden in eine spezielle Software eingegeben, um die besten Standorte und die am besten geeigneten Technologien zu identifizieren. So kam es, dass Masen den Fokus auf die im Vergleich zur Photovoltaik weniger verbreitete konzentrierte Sonnenenergie (CSP) legte, erzählt Bourquouquou. Aufgrund der Tests wurde außerdem ein Standort für die neue Anlage identifiziert, der etwa 20 Minuten Fahrtzeit außerhalb der marokkanischen Filmstadt Ouarzazate liegt. Dieser Ort verfügt über die perfekte Kombination aus Lage, Infrastruktur und Ressourcen – einschließlich einfacher Anbindung an das nationale Netz und eines Wasserreservoirs, das im Rahmen eines Wasserkraftprojekts von Masen in den 1980er Jahren angelegt wurde.

Obwohl Photovoltaik in den letzten Jahren sehr viel günstiger geworden ist, werden immer noch teure Batterien benötigt, um die Energie zu speichern. CSP hingegen nutzt Spiegel, um die Sonnenhitze zu bündeln und einzufangen, sodass die Energie auch noch mehrere Stunden nach Sonnenuntergang gespeichert werden kann. Damit werden Dampfturbinen wie in herkömmlichen Kraftwerken für fossile Brennstoffe angetrieben.

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„Photovoltaik nutzt die Photonen der Sonne. Wenn sie mit dem Photovoltaikmodul in Berührung kommen, erzeugt das elektrischen Strom“, erklärt Tarik Bourquouquou, Manager für Planung & Methoden bei Masen.

Der Aufbau von Kapazitäten für erneuerbare Energien, die nach Einbruch der Dunkelheit den Energiebedarf decken könnten, würde helfen, sowohl die Energiekosten Marokkos als auch seine Abhängigkeit von Brennstoffimporten zu senken. Dadurch könnten Unternehmen wie das von Cherkaoui Zahra allein durch Kostensenkung wachsen, aber dieses Ziel war dem Trio aus Masen, der Regierung Marokkos und unserem Team von erfahrenen Fachleuten nicht ehrgeizig genug.

„Die marokkanische Regierung sieht das Programm für erneuerbare Energien als einen wichtigen Schritt zum Ausbau der Geschäfts-, Produktions- und Ingenieurskompetenz sowie der Kapazitäten im Land insgesamt“, erklärt Auton-Smith. Obwohl das Fachwissen für das komplexe Projekt überwiegend von internationalen Experten stammte, ergab eine detaillierte Analyse unseres Teams für umweltfreundliche Technologien und Nachhaltigkeit in Paris, dass die benötigte Ausstattung und Arbeitskraft zu 35 Prozent in Marokko selbst beschafft werden konnte. Dieses bald offizielle Ziel wurde schließlich sogar noch um etwa 5 Prozent übertroffen.

„Wir haben eine Win-win-Situation, weil unsere marokkanischen Lieferanten ihre Fähigkeit, Produkte zu entwickeln und zu vermarkten, verbessert haben.“

Tarik Bourquouquou

Planungs- und Methodenmanager, Energieanlagen & Infrastruktur, Masen

 

„Es gibt viele kleine Unternehmen, die Komponenten auf dem Standard und in der Menge produzieren, die wir brauchen“, so Bourquouquou. „Sie mussten in ihre Produktionslinien, in die Qualität, in Standards und Verfahren investieren, um bei solchen Projekten mitarbeiten zu können.“

„Das ist für alle ein Gewinn, denn noch bevor das Projekt endete, hatten unsere marokkanischen Zulieferer ihre Fähigkeiten zur Entwicklung und Vermarktung von Produkten und ihr Fachwissen in ganz Marokko und weltweit verbessert.“

Weniger Risiko für Investoren

Die Grundlagen für Wirtschaftswachstum zu schaffen, ist oft sehr teuer und erfordert Investitionen, die weit über die Mittel von Regierungen von Schwellenländern hinausgehen. Den Arbeitnehmern fehlen möglicherweise die erforderlichen Fähigkeiten, den Ländern selbst mangelt es häufig an der physischen Infrastruktur. Infolgedessen sehen private Investoren oft wenig Potenzial für einen Return on Investment (ROI) bei Infrastrukturprojekten in ärmeren Ländern, in denen die Risiken so hoch erscheinen.

  • Selbst für einfache Projekte wie ein Restaurant war der Zugang zu erschwinglicher Finanzierung in Marokko längst eine Herausforderung, wie Kathy Kriger bei der Gründung von Rick's Café in Casablanca feststellte. Das Café war inspiriert durch den Filmklassiker mit Humphrey Bogart und als Anziehungspunkt für Touristen gedacht. Doch trotz ihrer Beziehungen als Handelsattaché für die US-Botschaft hatte sie es schwer, eine bezahlbare Finanzierung zu finden.

    „Ich dachte, dass ich meine Finanzierung hier vor Ort bekommen würde, aber am Ende musste ich auf meine Freunde in den USA zurückgreifen“, erzählt Kriger. „Später musste ich noch mehr Geld leihen ... Ich klapperte 16 Unternehmen für Risikokapital in Casablanca ab, um ein Darlehen zu bekommen. Als ich das Darlehen abgezahlt hatte, sagte mir der Direktor der Bank, dass Kredite nur sehr selten zurückgezahlt würden und dadurch das Kreditrisiko häufig als zu hoch angesehen wird.“

Im Mittelpunkt des Solarkraftwerkprojekts Noor Ouarzazate steht eine hochspezialisierte Technologie, mit der nur wenige Unternehmen Erfahrungen haben. Die Anlage liegt in einem abgelegenen Teil des Landes, empfindliche Bauteile für die Montage werden über Landstraßen von weit her angeliefert, manchmal sogar aus den USA, China und Saudi-Arabien. All dies deutete daraufhin, dass die Risiken viel zu groß erschienen, um das Projekt finanziell in Gang zu bringen.

„Die Kombination von technischer Komplexität und kaufmännischer Struktur ist wirklich das zentrale Thema.“

Stephen Auton-Smith

Executive Director, EY Infrastructure Advisory

 

„Die Fähigkeit der Anlage, Strom auf dem prognostizierten Niveau zu erzeugen, ist grundlegend dafür, die Schulden zu tilgen, die Shareholder zu belohnen und finanziell tragfähig zu bleiben“, sagt Auton-Smith. „Deshalb bestand ein erheblicher Teil unserer Arbeit darin, zu bewerten, welche Risiken bestehen und wie sie effektiv gemanagt werden können.

„In Zusammenarbeit mit dem Technikteam haben wir eine Reihe von Leistungsszenarien durchgeführt, um zu beurteilen, welche Auswirkungen jedes einzelne auf die Fähigkeit der Anlage haben würde, die erforderliche Produktionsleistung zu erbringen. Die Finanzierung eines Projekts dieser Größenordnung, mit einem engen Zeitrahmen und in Nordafrika – das ist keine leichte Aufgabe, aber unser Team präsentierte eine Struktur, die geeignet war, sowohl die Interessen von Masen als auch die der privaten Geldgeber zu schützen, die die Anlage unterstützten.“

Dieser Ansatz war sowohl innovativ als auch effektiv und nutzte die Fähigkeit der Regierung, Kredite zu niedrigen Zinssätzen aufzunehmen, um die Kapitalunsicherheit für private Auftragnehmer zu verringern. Damit schützte sie Käufer und Verkäufer gleichzeitig vor unerwarteten Preisschwankungen des Endprodukts: der Energie, die die Anlage erzeugen würde.

Als öffentliches Unternehmen spielte Masen in dem Projekt viele Rollen. „Erst mobilisierte Masen Finanzmittel von verschiedenen internationalen Finanzinstituten und bündelte diese zu einem einzigen Kredit, der wiederum an die Projektgesellschaft vergeben wurde“, erklärt Boutaina Benchekroun, Projektentwicklungsspezialistin bei Masen. „Die Mobilisierung dieser ‚preiswerteren‘ Finanzierung durch internationale Finanzinstitute reduzierte den Tarif im Vergleich zu einer konventionellen Finanzierung ganz erheblich.“

„Zweitens“, fährt Benchekroun fort, „kauft Masen der Projektgesellschaft den Strom ab und verkauft ihn an den marokkanischen Energieversorger weiter, was der Projektgesellschaft Einnahmen garantiert.“

Dieser Finanzierungsansatz trug einerseits dazu bei, die marokkanische Regierung vor dem Risiko zu schützen, dass das Projekt nicht zustande kommt, und eröffnete andererseits den privaten Auftragnehmern Zugang zu Finanzmitteln mit wesentlich niedrigeren Zinssätzen, als sie sonst erhalten hätten. So konnten die Gesamtkosten des Projekts gesenkt, Risiken gemindert und alle Beteiligten beruhigt werden. Dieses Modell könnte ein Vorbild für zukünftige, groß angelegte Infrastrukturprojekte in anderen aufstrebenden Märkten sein.

(Chapter breaker)
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The better the world works

Ein dauerhaftes Vermächtnis für nachhaltiges Wachstum

Die Solaranlage Noor Ouarzazate wird die Energieimporte Marokkos reduzieren, die Wirtschaft ankurbeln und Investoren auf der ganzen Welt beweisen, dass diese umweltfreundliche Technologie realisierbar ist.

„Das Projekt ist für die Menschen in Marokko sehr wichtig“, sagt Tarik Bourquouquou. „Viele Familien profitieren davon. Die Energie wird für Marokko zu einer verfügbaren und flexibleren Ressource werden. Das gibt Anlass zu Stolz, denke ich, für alle, sowohl bei Masen als auch für alle, die in die Projekte involviert waren.“

Obwohl die beiden größten Anlagen am Standort Noor Ouarzazate – Noor Ouarzazate II und Noor Ouarzazate III – noch keine Energie in das marokkanische Stromnetz einspeisen, weil sie noch nicht angeschlossen sind, wird ihr Einfluss schon jetzt deutlich, wenn man sich im Land umschaut. Noch vor zehn Jahren wären reguläre PV-Solarzellen für den Normalverbraucher in Marokko viel zu teuer gewesen. Weil aber auf der ganzen Welt in die Technologie investiert wurde, sind die Kosten in den letzten Jahren drastisch gesunken. Die Hoffnung ist, dass Noor Ouarzazate das Potenzial von CSP unter Beweis stellen wird, was zu mehr Investitionen und damit zu zukünftigen Kosteneinsparungen führt.

Der Ausbau einer zuverlässigen, verfügbaren und bezahlbaren Energieversorgung in Marokko ist für das zukünftige Wirtschaftswachstum des Landes von elementarer Bedeutung. Bei so vielen Familien, die immer noch in Armut leben – und einer großen Population von unter 30-Jährigen, die auf der Suche nach Arbeit ist – müssen jetzt die Grundlagen für eine moderne Infrastruktur geschaffen werden. Strom und Internetanbindung sind entscheidende Instrumente, um Gemeinden in den entlegensten Teilen der Dritten Welt Optionen zur Bewältigung von Herausforderungen hinsichtlich der Infrastruktur an die Hand zu geben.

Noch vor zehn Jahren waren PV-Solarzellen für eine Familie wie die Aït Mrims unerschwinglich. Dank der steigenden Investitionen in die Technologie sind die Kosten gesunken und Photovoltaik-Sonnenenergie ist sowohl rentabler als auch günstiger geworden als Kohle. Allein dadurch konnten die Energiekosten für jeden Abnehmer, von der Hauptmoschee in Marrakesch bis zum Telekommunikationsanbieter, gesenkt und einige der entlegensten Gemeinden der Welt mit Elektrizität versorgt werden.

„Bei großen Infrastrukturprojekten wird ständig darüber diskutiert, wie viel Risiko übertragen werden kann, wie hoch der Preis für diesen Risikotransfer ist und wie real er ist“, erklärt Auton-Smith. Für innovative Infrastrukturprojekte wie Noor Ouarzazate ist es eine besondere Herausforderung, die Aversion gegenüber solchen Risiken zu überwinden.

„Der Preis für erneuerbare Energien war früher höher als der für konventionelle Energiequellen. Es gehört zu den größten Herausforderungen für Noor Ouarzazate, diesen Preis zu senken, damit wir den Klimawandel bekämpfen können“, meint Benchekroun.

Noor Ouarzazate soll beweisen, dass CSP-Anlagen wirklich funktionieren können und dass wärmebasierte Solaranlagen zuverlässig erneuerbare Energien liefern können, auch wenn die Sonne nicht scheint. Ziel ist es, die Energiekosten zu senken, um einer aufstrebenden Volkswirtschaft ein stärkeres Fundament für ihr Wachstum zu geben. Es geht aber auch darum, mit einem großen Bau- und Ingenieurprojekt lokale Kompetenzen zu entwickeln und gleichzeitig die Infrastruktur zu verbessern – und dieses Wissen mit anderen aus der ganzen Welt zu teilen, die in Zukunft ähnliche Projekte starten wollen.

Das sind die Gründe dafür, weshalb so viele multilaterale Geldgeber beteiligt sein wollten und so viele Unternehmen so viel Interesse an dem Erfolg von Noor Ouarzazate haben – etwas, das Masen und EY gerne fördern möchten.

Heute ist die Technologie vielleicht noch teuer, aber dank Projekten wie Noor Ouarzazate könnte es schon in zehn Jahren weltweit viele Solaranlagen dieser Art geben, die Kohlenstoffemissionen reduzieren, die Wirtschaft ankurbeln, Gemeinden und Familien unterstützen und inklusives Wachstum fördern.

Ohne Zusammenarbeit, eine Vision und Partnerschaften – die Vision eines Königs, die Finanzierung durch multilaterale Geldgeber, die öffentliche Aufsicht durch Masen und die Leistung der privatwirtschaftlichen Auftragnehmer aus dem In- und Ausland, unterstützt durch unser erfahrenes Team aus Beratern und Risikomanagern – wäre das Projekt, das ab Sommer 2018 Elektrizität produzieren soll, vielleicht nie zustande gekommen.

„Die Diversität der beteiligten Mitarbeiter und der globale Charakter dieses Projekts lässt es zu einem leuchtenden Beispiel für die Leistungen werden, die wir gegenüber unseren Kunden erbringen“, sagt Auton-Smith.

Das Projekt Noor Ouarzazate zeigt, dass man den größten Herausforderungen der Welt manchmal nur begegnen kann, wenn man einen Schritt zurücktritt und sich das große Ganze anschaut. Wie Amrane sagt: „Dies ist nicht nur ein Energieprojekt. Natürlich geht es um Energie, aber es ist vor allem auch ein Umweltprojekt und ein Industrieprojekt – es geht darum, wie wir anders produzieren, anders konsumieren und eine andere Politik machen können.“

Genau diese neue Denkweise und diese Zusammenarbeit von öffentlichem und privatem Sektor mit Blick auf ein gemeinsames Ziel ist das, was wir für die Schaffung einer besseren Welt für alle brauchen.

„Das Projekt ist für die Menschen in Marokko sehr wichtig“, sagt Tarik Bourquouquou. „Viele Familien profitieren davon. Die Energie wird für Marokko zu einer verfügbaren und flexibleren Ressource werden. Das gibt Anlass zu Stolz, denke ich, für alle, sowohl bei Masen als auch für alle, die in die Projekte involviert waren.“

Obwohl die beiden größten Anlagen am Standort Noor Ouarzazate – Noor Ouarzazate II und Noor Ouarzazate III – noch keine Energie in das marokkanische Stromnetz einspeisen, weil sie noch nicht angeschlossen sind, wird ihr Einfluss schon jetzt deutlich, wenn man sich im Land umschaut. Noch vor zehn Jahren wären reguläre PV-Solarzellen für den Normalverbraucher in Marokko viel zu teuer gewesen. Weil aber auf der ganzen Welt in die Technologie investiert wurde, sind die Kosten in den letzten Jahren drastisch gesunken. Die Hoffnung ist, dass Noor Ouarzazate das Potenzial von CSP unter Beweis stellen wird, was zu mehr Investitionen und damit zu zukünftigen Kosteneinsparungen führt.

Der Ausbau einer zuverlässigen, verfügbaren und bezahlbaren Energieversorgung in Marokko ist für das zukünftige Wirtschaftswachstum des Landes von elementarer Bedeutung. Bei so vielen Familien, die immer noch in Armut leben – und einer großen Population von unter 30-Jährigen, die auf der Suche nach Arbeit ist – müssen jetzt die Grundlagen für eine moderne Infrastruktur geschaffen werden. Strom und Internetanbindung sind entscheidende Instrumente, um Gemeinden in den entlegensten Teilen der Dritten Welt Optionen zur Bewältigung von Herausforderungen hinsichtlich der Infrastruktur an die Hand zu geben.

Noch vor zehn Jahren waren PV-Solarzellen für eine Familie wie die Aït Mrims unerschwinglich. Dank der steigenden Investitionen in die Technologie sind die Kosten gesunken und Photovoltaik-Sonnenenergie ist sowohl rentabler als auch günstiger geworden als Kohle. Allein dadurch konnten die Energiekosten für jeden Abnehmer, von der Hauptmoschee in Marrakesch bis zum Telekommunikationsanbieter, gesenkt und einige der entlegensten Gemeinden der Welt mit Elektrizität versorgt werden.

„Bei großen Infrastrukturprojekten wird ständig darüber diskutiert, wie viel Risiko übertragen werden kann, wie hoch der Preis für diesen Risikotransfer ist und wie real er ist“, erklärt Auton-Smith. Für innovative Infrastrukturprojekte wie Noor Ouarzazate ist es eine besondere Herausforderung, die Aversion gegenüber solchen Risiken zu überwinden.

„Der Preis für erneuerbare Energien war früher höher als der für konventionelle Energiequellen. Es gehört zu den größten Herausforderungen für Noor Ouarzazate, diesen Preis zu senken, damit wir den Klimawandel bekämpfen können“, meint Benchekroun.

Noor Ouarzazate soll beweisen, dass CSP-Anlagen wirklich funktionieren können und dass wärmebasierte Solaranlagen zuverlässig erneuerbare Energien liefern können, auch wenn die Sonne nicht scheint. Ziel ist es, die Energiekosten zu senken, um einer aufstrebenden Volkswirtschaft ein stärkeres Fundament für ihr Wachstum zu geben. Es geht aber auch darum, mit einem großen Bau- und Ingenieurprojekt lokale Kompetenzen zu entwickeln und gleichzeitig die Infrastruktur zu verbessern – und dieses Wissen mit anderen aus der ganzen Welt zu teilen, die in Zukunft ähnliche Projekte starten wollen.

Das sind die Gründe dafür, weshalb so viele multilaterale Geldgeber beteiligt sein wollten und so viele Unternehmen so viel Interesse an dem Erfolg von Noor Ouarzazate haben – etwas, das Masen und EY gerne fördern möchten.

Heute ist die Technologie vielleicht noch teuer, aber dank Projekten wie Noor Ouarzazate könnte es schon in zehn Jahren weltweit viele Solaranlagen dieser Art geben, die Kohlenstoffemissionen reduzieren, die Wirtschaft ankurbeln, Gemeinden und Familien unterstützen und inklusives Wachstum fördern.

Ohne Zusammenarbeit, eine Vision und Partnerschaften – die Vision eines Königs, die Finanzierung durch multilaterale Geldgeber, die öffentliche Aufsicht durch Masen und die Leistung der privatwirtschaftlichen Auftragnehmer aus dem In- und Ausland, unterstützt durch unser erfahrenes Team aus Beratern und Risikomanagern – wäre das Projekt, das ab Sommer 2018 Elektrizität produzieren soll, vielleicht nie zustande gekommen.

„Die Diversität der beteiligten Mitarbeiter und der globale Charakter dieses Projekts lässt es zu einem leuchtenden Beispiel für die Leistungen werden, die wir gegenüber unseren Kunden erbringen“, sagt Auton-Smith.

Das Projekt Noor Ouarzazate zeigt, dass man den größten Herausforderungen der Welt manchmal nur begegnen kann, wenn man einen Schritt zurücktritt und sich das große Ganze anschaut. Wie Amrane sagt: „Dies ist nicht nur ein Energieprojekt. Natürlich geht es um Energie, aber es ist vor allem auch ein Umweltprojekt und ein Industrieprojekt – es geht darum, wie wir anders produzieren, anders konsumieren und eine andere Politik machen können.“