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KI Readiness Check 2026: Wie gut vorbereitet sind Österreichs Unternehmen auf die Zukunft mit KI?

Künstliche Intelligenz ist in Österreichs Unternehmen angekommen – aber der Weg vom Pilotprojekt zur echten Wertschöpfung ist weiter als gedacht.


Überblick

  • Der „EY KI Readiness Check“ ist eine jährliche Studie, die den KI-Reifegrad österreichischer Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden aus Führungskräfteperspektive misst – entlang von sechs zentralen Dimensionen.
  • Zwei Drittel der befragten Unternehmen setzen künstliche Intelligenz bereits ein, zumindest in Pilotprojekten. Doch bei KI-Strategie, ROI-Messung und der Vorbereitung auf den EU AI Act besteht in der Mehrheit der Betriebe noch erheblicher Handlungsbedarf.
  • Der Readiness-Check zeigt: Österreichs Wirtschaft bewegt sich zwischen Experimenting und Structured – mit klarem Potenzial nach oben.

Die Anforderungen an den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) steigen rasant – gleichzeitig wachsen Komplexität und Umsetzungsdruck in Organisationen. Viele fragen sich: Wo stehen wir heute und welche Schritte sind notwendig, um KI sinnvoll und wirkungsvoll einzusetzen? Genau hier setzt der EY KI Readiness Check an – mit einem klaren Blick auf Status quo, Potenziale und konkrete nächste Schritte.

Was ist der EY KI Readiness Check?

Der EY KI Readiness Check ist eine repräsentative Befragung unter österreichischen Führungskräften, die den aktuellen Stand der KI-Nutzung und -Reife in Unternehmen ab 100 Mitarbeitenden erhebt. Für die Ausgabe 2026 wurden insgesamt 100 Interviews durchgeführt – mit Entscheidungsträger:innen aus Industrie, Handel, IT, Finanzdienstleistungen und weiteren Branchen quer über alle Bundesländer.

Die Ergebnisse werden entlang eines Reifegrad-Modells mit fünf Stufen ausgewertet:

  • Level 0 – Unaware
  • Level 1 – Experimenting
  • Level 2 – Structured
  • Level 3 – Scaled
  • Level 4 – Trusted AI Leader

Die sechs Dimensionen des Checks decken Strategie, Organisation, ROI, Daten, Kompetenz und Regulierung ab.

Ergebnisse im Überblick: Wie weit ist KI in österreichischen Unternehmen?

Über alle sechs Dimensionen hinweg liegen die befragten Unternehmen zwischen „Experimenting“ und „Structured“. Kein einziger Bereich erreicht die Stufe „Scaled“ – und von einem „Trusted AI Leader“-Niveau ist die österreichische Wirtschaft insgesamt noch deutlich entfernt.

Dimension                                                                               Mittelwert                       Reifegrad                  
Strategic Alignment & Marktbezug                      3,5Structured  
Organisation, Ressourcen & Infrastruktur    3,4Structured 
ROI & Wirtschaftlicher Nutzen3,0Experimenting
Daten & Architektur3,5Structured
KI-Kompetenz, Trust & Governance3,5Structured
Regulierung & Transformation2,9Experimenting   

 

Dimension 1: Haben Führungskräfte in Österreich eine klare KI-Strategie?

69 Prozent der befragten Unternehmen setzen KI bereits ein – das klingt zunächst nach einer breiten Durchdringung. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Nur acht Prozent haben KI tatsächlich unternehmensbreit skaliert und erzielen messbare Effizienzsteigerungen. 21 Prozent nutzen KI produktiv in mehreren Bereichen, 19 Prozent in einem einzelnen. Und immerhin 31 Prozent setzen KI in keinem Bereich ein – und planen es auch nicht.

IT, Sicherheit und Betrieb sind mit 39 Prozent die häufigsten Einsatzfelder, dicht gefolgt von Marketing und Vertrieb (37 %). Auf Platz drei liegen Operations, Produktion und Leistungserbringung mit 22 Prozent. Finanzprozesse, HR und Logistik spielen bisher eine untergeordnete Rolle.

Wenn KI zum Einsatz kommt, dann mit klarem Fokus: 41 Prozent nennen Produktivitätssteigerung als wichtigstes Ziel, 24 Prozent Kostensenkung. Umsatz- und Wachstumspotenziale stehen dagegen mit drei Prozent am Ende der Prioritätenliste.

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen kein Zukunftsthema mehr, sondern bereits Teil des operativen Alltags. Gleichzeitig zeigt sich, dass zwischen ersten Anwendungen und einer wirklich wirksamen, strategisch verankerten Nutzung noch ein großes Stück Weg liegt. Genau dort entscheidet sich in den kommenden Jahren, welche Unternehmen Effizienzgewinne realisieren, neue Geschäftsmodelle erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig stärken können.

Dimension 2: Welche organisatorischen Voraussetzungen braucht KI im Unternehmen?

Die organisatorische Verankerung von KI bleibt eine Baustelle. Nur 32 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz oder -Planung geben an, dass ihre Führungsebene eine klare KI-Strategie formuliert hat und diese mit Budget und Ressourcen unterlegt. Immerhin 39 Prozent sehen ausreichende Ressourcen für den KI-Einsatz bereitgestellt – doch beim Know-how wird es dünn: Lediglich 22 Prozent der Unternehmen verfügen über hohes internes KI-Know-how oder beschäftigen KI-Spezialist:innen.

Die häufigsten Kostenpositionen für KI sind Softwarelizenzen und Cloud-Services (30 %), Schulungen und Enablement (29 %) sowie die Integration bestehender Systeme (25 %). Trotzdem sind die tatsächlichen Investitionen überschaubar: 23 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen oder planen, haben bislang keinerlei Mittel investiert. Weitere 32 Prozent liegen unter 50.000 Euro. Investitionen über 500.000 Euro sind mit zwei Prozent die absolute Ausnahme.

Handelsunternehmen haben zwar am häufigsten in KI investiert, besonders hohe Einzelinvestitionen finden sich aber vor allem in der Industrie.


EY KI Readiness Check 2026

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Dimension 3: Wie messen Unternehmen den wirtschaftlichen Nutzen von KI?

Hier liegt einer der größten Schwachpunkte: Fast jedes zweite Unternehmen mit KI-Einsatz (47 %) kann noch keine wirtschaftliche Bewertung vornehmen. Nur in 26 Prozent der Unternehmen ist der ROI von KI-Anwendungen klar definiert und lediglich 24 Prozent erfassen den Mehrwert systematisch. Ein nachweisbarer Beitrag zum Geschäftserfolg wird nur von 20 Prozent wahrgenommen.

Interessant dabei: Je größer das Unternehmen, desto schwieriger scheint die Bewertung. Während 42 Prozent der Unternehmen bis 249 Mitarbeitende angeben, den Nutzen noch nicht bewerten zu können, sind es bei Unternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten bereits 56 Prozent. In Handel und Dienstleistung gelingt die ROI-Bewertung offenbar leichter als in der Industrie.

Ohne klare Zieldefinition und konsequentes Messen ist KI ein teures Experiment ohne Steuerung. Unternehmen, die den wirtschaftlichen Nutzen nicht erheben, können ihre Investitionen nicht rechtfertigen – und verpassen die Chance, KI gezielt weiterzuentwickeln.

Dimension 4: Welche Rolle spielen Daten und IT-Architektur für den KI-Einsatz?

Datenqualität wird vergleichsweise positiv bewertet: 48 Prozent der Unternehmen bestätigen, dass die für KI genutzten Daten nachvollziehbar, konsistent und kontrolliert sind. Das ist der höchste Zustimmungswert im gesamten Readiness-Check. Allerdings gehen nur 26 Prozent davon aus, dass ihre Unternehmensdaten den effektiven Einsatz von KI in zentralen Geschäftsprozessen tatsächlich unterstützen – und ebenfalls nur 26 Prozent vertrauen der Datenbasis, auf der ihre KI-Ergebnisse beruhen.

 

Besonders deutlich zeigt sich die Lücke bei der bereichsübergreifenden Nutzung: Nur 22 Prozent sehen hier keine größeren Hürden. Und lediglich 26 Prozent glauben, dass KI-Anwendungen problemlos in bestehende Systeme integriert werden können. Das deutet darauf hin, dass Datenqualität allein nicht ausreicht. Entscheidend ist, ob Daten über Abteilungsgrenzen hinweg verfügbar, anschlussfähig und technisch integrierbar sind.

 

Dimension 5: Wie setzen Unternehmen KI verantwortungsvoll ein?

KI-Kompetenz und -Governance entwickeln sich, aber langsam. Nur 27 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz verfügen über gezielte Schulungen oder strukturierte Programme, um Mitarbeitende für den sinnvollen Umgang mit KI zu befähigen. Und nur 25 Prozent trauen ihren Mitarbeitenden zu, KI-Ergebnisse korrekt zu interpretieren und bei Bedarf kritisch zu hinterfragen.

 

Positiver fällt die Beurteilung auf Führungsebene aus: 36 Prozent geben an, dass sich das Management aktiv mit dem Thema vertrauenswürdige KI auseinandergesetzt hat. Auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit von KI-Entscheidungen sehen sich 29 Prozent vorbereitet. Die systematische Überprüfung und Validierung von KI-Ergebnissen finden aber nur in 23 Prozent der Unternehmen statt.

Viele Unternehmen betrachten KI derzeit noch in erster Linie als Hebel für mehr Effizienz. Das ist nachvollziehbar, greift aber zu kurz. Wer KI nur als Sparprogramm versteht, wird einen großen Teil ihres Potenzials ungenutzt lassen. Gerade in der Verbindung aus Automatisierung, besserer Entscheidungsqualität und Innovation steckt der eigentliche strategische Hebel.

Dimension 6: Sind österreichische Unternehmen auf den EU AI Act vorbereitet?

Die Regulierungsdimension ist mit einem Mittelwert von 2,9 der schwächste Bereich im gesamten Readiness-Check – und bewegt sich damit noch auf Level 1 (Experimenting). Nur 26 Prozent der Unternehmen sehen den EU AI Act als relevant für ihren KI-Einsatz an. Und lediglich 24 Prozent haben bisher konkrete organisatorische oder technische Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Verordnung eingeleitet.

Besonders ausgeprägt ist das Defizit bei kleineren Unternehmen und in der Industrie. Bei Unternehmen mit bis zu 249 Mitarbeitenden liegt die Zustimmung zur Relevanz des EU AI Act bei gerade einmal 17 Prozent. Im produzierenden Gewerbe haben nur 15 Prozent begonnen, sich konkret vorzubereiten.

Fazit

Der EY KI Readiness Check 2026 zeigt ein differenziertes Bild: Österreichs Unternehmen haben den Einstieg in die KI-Nutzung geschafft. Zwei Drittel setzen KI in irgendeiner Form ein, die Technologie ist kein exotisches Randthema mehr. Gleichzeitig wird deutlich, dass der Sprung von der experimentellen Phase zur strukturierten, messbaren und strategisch verankerten Nutzung in den meisten Unternehmen noch aussteht.

Die größten Hebel liegen nicht in der KI-Technologie selbst, sondern in dem, was drumherum passieren muss: klare KI-Strategien mit Rückhalt der Führungsebene, systematisches Messen des wirtschaftlichen Nutzens, Aufbau interner Kompetenzen, bereichsübergreifende Datennutzung und die rechtzeitige Vorbereitung auf regulatorische Anforderungen wie den EU AI Act. Unternehmen, die diese Felder jetzt aktiv gestalten, werden in den kommenden Jahren die sein, die nicht nur effizienter arbeiten – sondern KI als echten Wettbewerbsvorteil nutzen.

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