Person sichtet und prüft Lebensläufe auf einem Tisch

Pre-Employment Screenings als wirksames Mittel gegen Lügen im Lebenslauf 

Vier von zehn Beschäftigten glauben, dass Bewerber:innen ihre Lebensläufe beschönigen. Pre-Employment Screenings helfen, Risiken im Recruiting früh zu erkennen – und bieten Unternehmen eine Methode für den Background-Check von Bewerber:innen.


Überblick

  • Immer mehr Bewerber:innen beschönigen ihre Lebensläufe – begünstigt durch internationale Karrieren und neue technische Möglichkeiten.
  • Pre-Employment Screenings (PES) prüfen Bewerbungsangaben systematisch und machen Falschangaben frühzeitig erkennbar.
  • Strukturierte Prüfphasen liefern ein umfassendes Bild zu Qualifikation und Integrität der Kandidat:innen.
  • Unternehmen gewinnen Sicherheit, vermeiden Reputationsrisiken und senken Kosten durch weniger Fehlbesetzungen.

Beschönigungen und bewusste Falschangaben im Lebenslauf sind laut einer umfassenden EY-Studie zu Pre-Employment Screenings längst kein Randphänomen mehr. Entwicklungen am globalen Arbeits- und Bildungsmarkt begünstigen diese Tendenz zusätzlich: Berufslaufbahnen werden internationaler, Abschlüsse und Qualifikationen schwerer nachvollziehbar und viele Bewerber:innen versuchen, Lebenslauflücken aus Angst vor negativen Konsequenzen zu kaschieren. Auch technische Möglichkeiten wie KI-generierte Dokumente oder gefälschte Zertifikate tragen dazu bei, dass Lebensläufe heute häufiger manipuliert werden als früher. In den vergangenen Jahren zeigte sich zudem, dass sich diese Problematik bis in höchste Ebenen von Politik und Wirtschaft zieht – mit Fällen, in denen komplette Bildungs- oder Karrierewege erfunden wurden.

Die zunehmende Zahl solcher Fälschungen unterstreicht die Notwendigkeit, Lebensläufe und Bewerbungsunterlagen systematisch und professionell zu prüfen, um etwaige Falschangaben aufzudecken. Ein wirksames Instrument dafür sind Pre-Employment Screenings (PES) – im englischsprachigen Raum längst gängige Praxis und zunehmend auch in Österreich im Einsatz. Diese strukturierten Background-Checks von potenziellen Mitarbeiter:innen ermöglichen eine verlässliche Überprüfung von Angaben in Lebensläufen und helfen Unternehmen, Risiken wie Unterqualifikation, Integritätsprobleme oder Reputationsschäden frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.

Was ist ein Pre-Employment Screening?

Im Vergleich zu einer eher oberflächlichen Referenzüberprüfung, wie sie in Österreich bisher vorwiegende Praxis ist, steht ein PES für einen intensiveren Background-Check von Bewerber:innen. Dabei werden von Kandidat:innen bereitgestellte Angaben durch verschiedene Recherchetechniken auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Die Prüfmechanismen eines PES erlauben es, beschönigende oder falsche Angaben zu identifizieren und präventiv Risiken abzuwenden. Ein wesentliches Merkmal von Pre-Employment Screenings liegt darin, dass diese risikomindernden Schritte „pre employment“, also vor der Einstellung, erfolgen, um gar nicht erst eine Person mit frisiertem Lebenslauf einzustellen. So können Risiken wie mangelnde Qualifikation oder auch fragliche Integritätsvorstellungen vermieden werden.

Wie funktioniert der Background-Check in der Praxis?

Bevor die einzelnen Prüfphasen starten, sind bestimmte rechtliche und organisatorische Voraussetzungen zu erfüllen:

 

1. Schaffung von notwendigen Grundvoraussetzungen

Um ein PES rechtskonform durchführen zu können, muss die zu prüfende Person über das Screening und damit verbundene datenschutzbezogene Auswirkungen informiert werden. Für Referenznachfragen bei Bildungsinstitutionen ist es zusätzlich notwendig, entsprechende Vollmachten einzuholen.

 

Wenn bereits bei der Stellenausschreibung auf die Möglichkeit eines PES im Zuge des Bewerbungsprozesses hingewiesen wird, so hat dies bereits einen „reinigenden Effekt“. Denn Personen, die es mit der Wahrheit in ihrem Lebenslauf nicht so ernst nehmen, werden davor zurückschrecken, sich mit frisiertem Lebenslauf zu bewerben.

 

2. Durchführung der einzelnen Screening-Schritte, die sich am Lebenslauf orientieren

Im Mittelpunkt dieser Phase der Prüfung steht der Berufs- und Bildungsweg der betreffenden Person. Durch Einsicht in Sozialversicherungsdaten und das Firmenbuch können beispielsweise Beschäftigungszeiten, Organfunktionen, Gewerbeberechtigungen und Unternehmensbeteiligungen evaluiert werden.

 

Letzteres kann etwa für Interessenskonflikte relevant sein. Darüber hinaus kann beurteilt werden, ob angegebene Universitäten durch eine seriöse Stelle akkreditiert sind. Ist dies nicht der Fall, liegt oft der Verdacht nahe, dass es sich um eine sogenannte „Diploma Mill“ handelt – also eine Art „Fake-Universität“, an der keine oder kaum Leistungen erbracht werden und Abschlusszeugnisse käuflich erworben werden können.

 

3. Durchführung der Screening-Schritte, die über den Lebenslauf hinausgehen

Ein weiterer Vorteil eines PES gegenüber einem traditionellen Einstellungsprozess liegt darin, dass die Überprüfung von Kandidat:innen nicht mit der Verifizierung der im Lebenslauf angegebenen Informationen endet. Stattdessen werden weitere Prüfschritte gesetzt, um ein umfassendes Gesamtbild über die Integrität einer Person zu erhalten. In diesem Prozessschritt werden auch Compliance-Datenbanken abgefragt, die Einträge in Sanktionslisten aufzeigen und politisch exponierte Personen identifizieren (sogenannte „politically exposed persons“ = PEPs).

 

Auch spezifischere Abfragen, wie etwa eine Bonitätsprüfung, sind möglich. Schließlich wird diese Prüfphase noch durch eine Open-Source-Medien- und Social-Media-Recherche abgerundet, in der weitere Auffälligkeiten sichtbar werden.

Welche Vorteile bietet ein Pre-Employment Screening im Recruiting?

Im Daily Business kann die Besetzung einer nicht integren oder unqualifizierten Person vielfältige, negative Konsequenzen haben:

 

  • Die Kosten für eine Einstellung müssen im Fall einer Fehlbesetzung mehrmals bezahlt werden – etwa für Personalvermittler:innen und Jobbörsen, Stellenanzeigen, die Durchsicht der Bewerbungsunterlagen und Bewerbungsgespräche sowie anteilige Gehälter.
  • Eine individuelle Überforderung durch Unterqualifikation wirkt sich auf ganze Abteilungen aus und kann im Zusammenspiel mit weiteren Faktoren wirtschaftskriminelle Handlungen begünstigen.
  • Darüber hinaus besteht ein dauerhaftes latentes Risiko langfristiger und unkalkulierbarer Reputationsschäden.

 

Ein gezieltes Mitarbeiter-Screening schafft Transparenz und beugt solchen Risiken wirksam vor.

Fazit

Ein Pre-Employment Screening gibt Unternehmen schon vor der Einstellung ein klares Bild ihrer Bewerber:innen – und hilft, unangenehme Überraschungen zu vermeiden. So lassen sich Fehlbesetzungen frühzeitig verhindern und Risiken deutlich reduzieren.

Der Aufwand für ein Screening ist dabei gering im Vergleich zu den Kosten und Folgen, die durch eine falsche Entscheidung entstehen können – ein kleiner Schritt mit großer Wirkung für mehr Sicherheit im Recruiting.

Unternehmen, die auf einen Background-Check in Österreich setzen, investieren langfristig in Qualität, Integrität und nachhaltigen Erfolg.

FAQ – Häufig gestellte Frage zu Pre-Employment Screenings

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