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Potenzial trotz Marktschwäche – Start-up-Kooperationen als Schlüsselfaktor für Unternehmen

Warum Unternehmen trotz schwachem Markt von Kooperationen mit Start-ups profitieren und welche fünf Erfolgsfaktoren entscheidend sind: Das alles und mehr erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.


Überblick

  • Start-ups bleiben zentrale Innovationstreiber und Wertschöpfungsbringer.
  • Kooperationen sind wichtiger denn je – aber anspruchsvoller.
  • Kooperationen vor allem im Industriebereich und bei Themen rund um AI bergen enormes Potenzial für beide Seiten.

Der österreichische Start-up-Markt befindet sich im Wandel: Steigende Zinsen, geopolitische Unsicherheiten und sinkende Investments setzen das heimische Ökosystem unter Druck. Doch gerade jetzt bieten Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen eine strategische Antwort auf die Herausforderungen der Zeit.

Noch vor wenigen Jahren prägten zahlreiche Schlagzeilen über Start-up-Investments bis zur Millionenhöhe die Medienlandschaft. Als absolutes Rekordjahr gilt nach wie vor 2021: Das Gesamtvolumen aller Investments in heimische Start-ups betrug damals 1,2 Milliarden Euro, es gab mehrere Mega-Deals über 100 Millionen Euro und eine starke internationale Beteiligung bei den Investments. 2022 war ähnlich robust, insgesamt wurde damals rund eine Milliarde Euro investiert.

Heute zeigt sich ein anderes Bild: Nach dem Rekordhoch bis vor rund drei Jahren befindet sich das heimische Start-up-Ökosystem seither im Gegenwind. Im Gesamtjahr 2025 sank das Investitionsvolumen um 56 Prozent auf nur noch 253 Millionen Euro, das ist der niedrigste Jahreswert seit 2019 und der vierte Rückgang in Folge. Die Zahl der Deals blieb mit 148 Finanzierungsrunden nahezu stabil, doch die durchschnittliche Ticketgröße fiel auf 2,3 Millionen Euro, weniger als halb so viel wie 2024 und weit entfernt vom Boom-Niveau früherer Jahre. Besonders schwer wiegt der Ausfall größerer Finanzierungen: Seit 2023 gab es keine einzige Mega-Runde über 100 Millionen Euro und selbst im Jahr 2025 überschritten nur vier Runden die Marke von 10 Millionen Euro; die größte Runde entfiel dabei auf Refurbed mit 50 Millionen Euro. Das spürbare Schwinden internationalen Kapitals, die makroökonomische Schwäche Österreichs sowie geopolitische Unsicherheiten belasten das Ökosystem zusätzlich. Besonders betroffen bleibt die Wachstums- und Spätphase: Anschlussfinanzierungen sind schwer zu realisieren, wodurch Skalierung und Internationalisierung vieler junger Unternehmen massiv erschwert werden.

Warum Start-ups trotzdem unverzichtbar bleiben

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Bedeutung von Start-ups für den Wirtschaftsstandort Österreich unbestritten. Sie sind weiterhin ein zentraler Innovationstreiber – für Gesellschaft, Wirtschaft und etablierte Unternehmen. Gerade in Zeiten der ökologischen und digitalen Transformation sind Kooperationen zwischen Corporates und Start-ups wichtiger denn je. Unternehmen stehen vor komplexen Aufgaben: Klimaneutralität, Factory of the Future, neue Technologien, Smart Work und resiliente Lieferketten. Innovationen von außen sind dabei ein entscheidender Hebel.

Ausblick: Potenzial trotz Gegenwind

Österreich hat weiterhin die Chance, eines der dynamischsten Start-up-Ökosysteme Europas zu werden. Studien zeigen: Mit besseren Rahmenbedingungen – insbesondere bei Start-up-Finanzierung, Talentförderung und Regulatorik – könnten bis 2030 über 200.000 neue Jobs entstehen und bis zu 85 Milliarden Euro an ökonomischem Mehrwert generiert werden. Dafür braucht es entschlossene Schritte: Investitionsanreize, einen starken Dachfonds und eine Kultur, die Unternehmertum als zentralen Motor für Erneuerung versteht. Und: Eine enge Kooperation zwischen Jungunternehmen und etablierten Corporates.

Kooperationen mit Start-ups: Warum sich die Zusammenarbeit lohnt – und was zu beachten ist

Auf dem Papier macht eine Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Corporates immer Sinn. Etablierte Unternehmen müssen sich im Rahmen ihrer bestehenden Strukturen bewegen, Start-ups sind hingegen nicht „vorbelastet“ und damit deutlicher agiler und schlanker aufgestellt. Gerade im Innovationsbereich, wo Geschwindigkeit zählt, ist das ein wesentlicher Vorteil. Darüber hinaus bekommen sie Zugang zu Innovationen, neuen Technologien und auch neuen Talenten.

So entwickelt sich etwa künstliche Intelligenz im industriellen Umfeld zu einem zentralen Treiber für neue Geschäftsmodelle, Effizienzgewinne und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit. Start-ups bringen hier spezialisierte AI‑Lösungen, hohe Umsetzungsgeschwindigkeit und technologische Tiefe ein – von Predictive Maintenance über intelligente Produktionsplanung bis hin zu datengetriebenen Geschäftsmodellen. Etablierte Industrieunternehmen wiederum verfügen über Skaleneffekte, Daten, Branchen-Know-how und Marktzugang. Kooperationen im KI‑Bereich verbinden diese Stärken und ermöglichen es beiden Seiten, Innovationen schneller zur Marktreife zu bringen.

Start-ups sind nicht mehr der alleinige Motor für Innovation, aber sie bleiben ein wichtiger Hebel für Industrieunternehmen, um gezielt neue Technologien und Geschäftsmodelle zu erschließen. Entscheidend ist, wie Kooperationen gestaltet werden.

Start-ups profitieren im Rahmen der Kooperation auch von einem direkteren Zugang zu Expertise und Netzwerken sowie zu mehr Kapital, was die Skalierbarkeit erhöht. Auch die Mitbenutzung von Strukturen wie beispielsweise in Vertrieb, Logistik oder Marketing, die bei Start-ups noch nicht so strukturiert und stabil sind, ist ein höchst interessantes Asset. Doch ob eine Partnerschaft wirklich gelingt, hängt in der Praxis von mehreren entscheidenden Faktoren ab, die wir aus unserer eigenen Beratungspraxis kennen.

5 Erfolgsfaktoren für Kooperationen mit Start-ups

Auch wenn jede Kooperation individuell und von den wechselseitigen Erwartungshaltungen der Partner:innen abhängt und es kein Patentrezept gibt, sind fünf Punkte aus unserer Erfahrung ausschlaggebend für den Erfolg der Kooperation.
 

1. Klares und transparentes Expectation-Management betreiben

Was trivial klingt, ist richtungsweisend. Beide Kooperationspartner:innen müssen gleich zu Beginn klar definieren, was sie von der Zusammenarbeit erwarten und was sie selbst beitragen können – aber vor allem auch, was nicht. Bei den meisten Kooperationen, die scheitern, mangelt es an einem Expectation-Management auf Augenhöhe.
 

2. Scope detailliert festlegen und spezialisieren

„Let’s change the world together“ ist sicher ein nobler Anspruch, als Zielsetzung für eine strategische Allianz eignet er sich aber nicht. Wichtig ist es, eine starke Spezialisierung der Themenstellung zu forcieren und den Scope so detailliert wie möglich festzulegen. Je breiter der Scope, desto mehr Raum für Missverständnisse gibt es.
 

3. Klares Top-Management-Commitment einholen

Kooperationen, die mehr für Investor:innen inszeniert als ernsthaft gelebt werden, sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Es ist essenziell, dass beide Partner ernsthaft an einer engen, langfristigen und nachhaltigen Zusammenarbeit interessiert sind und das auch mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Priorisierung betreiben. Dafür braucht es ein klares Commitment des Top-Managements.
 

4. Das Projekt auf Start-up-Bedürfnisse abstimmen

Ein wesentlicher Grund, warum Venture-Partnerschaften scheitern, ist auch ein Set-up, das nicht auf Augenhöhe aufgesetzt wird. Viele Unternehmen glauben zu wissen, was Start-ups brauchen und definieren den Rahmen der Zusammenarbeit entsprechend im Alleingang. Das provoziert in den meisten Fällen Missverständnisse und Frustration. Um das zu verhindern, muss das Set-up gemeinsam entwickelt und aufgesetzt werden.
 

5. Den Culture-Clash managen

Hand aufs Herz: Bei einer Kooperation zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen prallen in jedem Fall völlig unterschiedliche Kulturen aufeinander. So zu tun, als ob das kein Thema wäre, macht den Gap nur größer. Der Culture-Clash muss offen thematisiert und laufend diskutiert werden, wie die Brücken am besten geschlagen werden können.

Fazit: Wo Kooperationen gelingen, entstehen Chancen

Das Potenzial durch Partnerschaften mit Start-ups im Industriebereich ist groß – mit dem richtigen Set-up und einer klaren Zielsetzung können Industrieunternehmen das Credo von Henry Ford mit Leben füllen: „Coming together is a beginning, staying together is progress and working together is success.“

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