Geschäftsfrau mit Tablet im modernen Bürogebäude, Ausblick auf Glasfassade im Hintergrund.

CFO-Trends 2026: Die Finanzfunktion als Treiber von Transformation, Nachhaltigkeit und Wachstum

Die CFO-Trends 2026 zeigen klar: Zwischen vorsichtiger wirtschaftlicher Stabilisierung und anhaltend hoher Unsicherheit wird die Finanzfunktion zum Treiber von Handlungsfähigkeit und Umsetzung. Mit klarem Fokus auf Priorisierung, Produktivität und Steuerung gewinnt „Momentum“ als Schlüsselkompetenz weiter an Bedeutung.


Überblick

  • 2026 ist für CFOs geprägt von vorsichtiger makroökonomischer Stabilisierung bei gleichzeitig hoher geopolitischer, regulatorischer und operativer Unsicherheit.
  • Entscheidend wird die Fähigkeit, „Momentum“ zu erzeugen: also klare Prioritäten zu setzen, Blockaden aufzulösen und Transformation wirksam in Umsetzung zu bringen.
  • Im Fokus stehen eine aktiv steuernde Finance-Funktion, Produktivitätsgewinne durch Automatisierung und KI sowie der gezielte Aufbau von Daten-, ESG- und Talentfähigkeiten als Grundlage nachhaltiger Wettbewerbsfähigkeit.

Das Jahr 2026 ist für CFOs kein einfaches Jahr – und ganz sicher kein Jahr der Entwarnung. Gleichzeitig zeichnet sich im wirtschaftlichen Umfeld vorsichtige Stabilisierung ab: Im Euroraum normalisieren sich Inflation und Finanzierungskonditionen, das Wachstum zieht moderat an. Auch in Österreich ist nach zwei schwachen Jahren eine leichte Belebung erkennbar, wenngleich Kostenbasis und Wettbewerbsdruck hoch bleiben. Gerade diese Kombination prägt das CFO-Jahr: mehr Planbarkeit im Makroumfeld – bei gleichzeitig höherer Risikodichte.

Ausgangslage 2026: Unsicherheit und (Compliance-)Komplexität als Herausforderung für CFOs

Geopolitisch und regulatorisch steigt die Unsicherheit spürbar. Der Krieg in der Ukraine bleibt ein zentraler Faktor. Zusätzlich zeigen Entwicklungen rund um Handelsbarrieren oder Ressourcenfragen sowie neuer Machtzentren, wie rasch politische Entscheidungen zu Energie-, Sanktions-, Handels- oder Reputationsrisiken werden können. Zugleich verschieben sich Handels- und Regulierungsachsen: Neue Zölle und Sanktionen zwingen Unternehmen zu Lokalisierung und Regionalisierung ihrer Lieferketten; viele Konzerne verlagern Produktion und Vertrieb näher an die Absatzmärkte. Kritische Infrastruktur steht vermehrt unter Druck – hybride Angriffe sowie strengere Anforderungen an Sicherheit und digitale Souveränität erhöhen die Compliance-Komplexität. Darüber hinaus entstehen neue Ressourcenfronten – von der Arktis bis zu alternativen Handelsrouten wie der Northern Sea Route; Chancen gehen dort mit hohen Sicherheits-, Umwelt- und Reputationsrisiken einher.1

Das Umfeld für CFOs bleibt damit NAVI: Nonlinear, Accelerated, Volatile, Interconnected. Veränderungen verlaufen sprunghaft, Zyklen werden kürzer, Märkte und Politik schwanken, Risiken und Chancen sind global vernetzt. Unsicherheit und Komplexität sind zur neuen Normalität geworden – CFOs müssen jederzeit mit allem rechnen und die Handlungsfähigkeit ihrer Unternehmen absichern.2

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Momentum als Schlüsselkompetenz: So verändert sich die Rolle von CFOs

Hier setzt das CFO-Momentum an. Gerade weil die Vielschichtigkeit und die Dynamik des Umfelds zur neuen Normalität geworden sind, kommt es auf innere Beweglichkeit und gefasstes, entschlossenes Handeln an. „Momentum“ steht für: 

  • Vorwärtsdynamik: Momentum bedeutet die Fähigkeit, Bewegung und Fortschritt in einer Organisation zu erzeugen und aufrechtzuerhalten.
  • Energie und Richtung: Momentum ist nicht nur Geschwindigkeit, sondern auch die gezielte Ausrichtung von Aktivitäten und Entscheidungen.
  • Handlungsfähigkeit: Wer Momentum hat, kann Dinge ins Rollen bringen und Veränderungen konsequent umsetzen.
  • Wirkungskraft: Momentum sorgt dafür, dass Initiativen nicht versanden, sondern tatsächlich Wirkung entfalten.

Im Kontext der CFO-Organisation bedeutet „Momentum“:

  • Die Finanzfunktion bringt nicht nur Zahlen, sondern setzt Impulse, die das Unternehmen voranbringen.
  • CFOs schaffen Strukturen, Routinen und eine Kultur, die Bewegung ermöglicht – und zwar in die richtige Richtung.
  • So wird Finance zum Motor, der die Organisation in eine Richtung zieht, statt nur Zahlen hinterher zu erklären.

Handlungsfelder: Was CFOs jetzt tun müssen

Was jetzt zählt, ist eine Agenda, die aus Klarheit konsequente Bewegung macht: Finance gestaltet geschäftsseitige Weichenstellungen (Strategie, Geschäftsmodell, Target Operating Model) aktiv mit, löst systemische Blockaden an Entscheidungswegen und Schnittstellen, hebt Produktivität durch Automatisierung und KI in der gesamten CFO-Organisation – und verankert Nachhaltigkeit sowie Vertrauen als harte Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit. Was es dafür braucht? Auf jeden Fall den gezielten Aufbau von (New) Talent, Fähigkeiten und Kapazitäten in den diversen Schlüsselrollen.

Orientierung geben, damit Entscheidungen klarer und schneller werden

Momentum entsteht, wenn Finance-Teams nicht bei Planung, Reporting und Abschlüssen stehen bleiben, sondern die geschäftsseitigen Entscheidungen aktiv mitgestalten. 2026 geht es in vielen Unternehmen um substanzielle Weichenstellungen – Anpassungen von Strategie, Geschäftsmodell und Target Operating Model, Portfolioentscheidungen sowie die Frage, wo Wert künftig entsteht und wie Ressourcen dafür eingesetzt werden. CFOs und ihre Teams bringen hier Momentum, indem sie nicht nur die Entscheidungsarchitektur liefern, sondern auch inhaltlich Position beziehen: Optionen entwickeln, Annahmen challengen, Prioritäten schärfen und die Konsequenzen (Wertbeitrag, Risiko, Liquidität, Umsetzbarkeit) transparent machen.

Konkret braucht es dafür:

  • eine stringente Kapitalallokationslogik (Wachstum, Resilienz, Erneuerung),
  • ein belastbares Szenario-Set mit Triggern (Energie, FX, Supply-Chain, Sanktionen), um konkrete Maßnahmen für den Ereignisfall rasch etablieren zu können, sowie
  • ein Cash- und Working-Capital-Playbook, das im Ereignisfall sofort greift. CFOs schaffen damit Handlungsspielraum: weniger Diskussion über „alles gleichzeitig“, mehr Klarheit über „was zuerst – und warum“ – und ein klares Commitment zur Umsetzung.

Blockaden auflösen, um die Umsetzung von Prozessen zu beschleunigen

In vielen Organisationen liegt die Bremse nicht in der Strategie, sondern in systemischen Reibungen: Zu viele gleichzeitige Initiativen, unklare Entscheidungswege, fehlendes Alignment im Führungsteam, Daten- und Definitionskonflikte sowie Abhängigkeiten an der Schnittstelle zu IT, Sicherheit und Compliance können Prozesse teils erheblich verlangsamen. Internationale CFO-Befragungen beschreiben diese Engpässe sehr ähnlich: Kostendruck und Forecasting-Anforderungen stehen parallel zu dem Anspruch, Wachstum zu finanzieren und digitale Hebel wirksam zu machen – während Talent- und Datenqualitätsthemen die Umsetzung zusätzlich verlangsamen.

Besonders sichtbar wird die Blockade dort, wo Umsetzung heute Tempo braucht: bei Technologie- und KI-Initiativen. Viele Unternehmen kommen nur langsam über die Pilotierung hinaus, weil sich CFO- und CIO-Perspektiven bei ROI-Logik, Budgetallokation und Verantwortlichkeiten unterscheiden – und weil operative Teams zwischen „Innovation“ und „Kontrollbedürfnis“ hängen bleiben. Gleichzeitig wächst der Druck aus Cyber- und Third-Party-Risiken: Sicherheitsanforderungen wie der Digital Operational Resilience Act (DORA) sind nicht mehr „Nebenbedingung“, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Datenflüsse, Automatisierung und End-to End-Prozesse auch belastbar skalieren.

CFO-Momentum heißt hier, Blockaden wie ein Steuerungsproblem zu behandeln – nicht als „Verbesserungswunsch“ – und dadurch die Umsetzung zu beschleunigen: 

  • Prioritäten fokussieren und die Anzahl paralleler Initiativen konsequent reduzieren und so Stopp-/Start-Entscheidungen treffen können
  • Decision-Rights präzisieren, indem Verantwortlichkeiten und Entscheidungsrechte entlang der wichtigsten Prozesse klar definiert werden
  • End-to-End-Prozesse vereinfachen: Standardisieren und Harmonisieren von zentralen Prozessen wie Order-to-Cash, Procure-to-Pay, Record-to-Report
  • Datenqualität sichern: Planungs- und Reportinglogiken harmonisieren – und Daten als verlässliche „Produkte“ mit Ownership und Qualitätsstandards etablieren
  • IT- und Finance-Roadmap synchronisieren: eine klare gemeinsame Taktung mit IT (Roadmap, Investitionslogik, Governance), damit die Skalierung nicht an Reibung und Kontrollschleifen hängen bleibt. Ergebnis: weniger Verzögerungen, mehr Konsequenz in der Umsetzung.

Produktivität durch KI, Automatisierung & Co. Fördern, nicht nur Effizienz steigern

Produktivität entsteht 2026 nicht dadurch, dass Finance schneller plant oder reportet – sondern dadurch, dass die CFO-Organisation Reibung aus Wertströmen nimmt und Arbeit „aus dem System“ eliminiert: weniger manuelle Übergaben, weniger Nacharbeit, weniger Ausnahmen. Aktuelle CFO-Agenda-Analysen setzen deshalb explizit auf unternehmensweite Kosteneffekte durch KI und darauf, hochwertige KI-Anwendungsfälle in Finance zu identifizieren und zu skalieren – trotz begrenzter Tech-Budgets.3

 

Hierin liegt der Hebel:

 

  • Automatisierung vorantreiben: Kombination aus Automatisierung, Analytics und KI plus klarer Einbettung in Operating Models, Rollen, Datenverantwortung und Kontrollpunkte. Studien zeigen: Die Technologie ist vielerorts vorhanden, der Durchbruch bleibt jedoch aus, wenn Use-Cases im Pilotprojekt hängen bleiben und Arbeitsabläufe nicht konsequent neu geschnitten werden. Entscheidend sind daher eine wertorientierte Priorisierung (wo entsteht messbarer Effekt?) und ein „Scale-first“-Vorgehen (von Beginn an mit Standardisierung und Governance).
  • Kapazitäten gezielt verlagern: weg von Routine und Nacharbeit, hin zu Steuerung, Risikofrüherkennung und Umsetzungssupport im Business.
  • „Touchless“ Transaktionen ausbauen: In der CFO-Praxis heißt das mehr „touchless“ in Transaktionen (z. B. Rechnungs- und Belegverarbeitung, Billing/Collections, Intercompany Reconciliations).
  • Closing- und Kontrollumfeld modernisieren: ein intelligenteres Closing- und Kontrollumfeld, bessere Cash- und Liquiditätssteuerung sowie eine deutlich höhere Schlagkraft in Risiko, Compliance und Performance-Dialogen – und damit Produktivitätsgewinne, die über Finance hinauswirken (kürzere Durchlaufzeiten, weniger Working-Capital-Bindung, weniger Leakage, schnellere Entscheidungen).

Nachhaltigkeit und Vertrauen als strategische Assets für Wettbewerbsfähigkeit

Nachhaltigkeit bleibt auf der CFO-Agenda – auch wenn das Omnibus-Paket Berichtspflichten vereinfachen und stärker auf die größten Unternehmen fokussieren soll. Denn die faktischen Treiber bleiben: Banken müssen ESG-Risiken deutlich systematischer in Steuerung und Risikomanagement verankern und benötigen dafür belastbare Informationen aus dem Kundenportfolio – das erhöht den Druck auf Datenqualität, Übergangslogik und Nachvollziehbarkeit.

 

Gleichzeitig steigen die Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette: Große Kund:innen fordern ESG- und Emissionsdaten zunehmend standardisiert von ihren Lieferant:innen ein – nicht als „Nice-to-have“, sondern als Voraussetzung für Zusammenarbeit und Verlässlichkeit. Für CFOs heißt das: ESG wird weniger ein Reporting-Projekt als ein Steuerungs- und Vertrauensprojekt. Wer Verantwortlichkeiten, ESG-Governance und Datenrobustheit sauber aufsetzt und von symbolischen Zielen zu umsetzbaren Maßnahmenpfaden kommt, stärkt Finanzierungsspielraum, Kundenbeziehungen und Reputation. Vertrauen wird zur harten Währung – gerade in einem Umfeld, in dem Polarisierung und Desinformation Märkte und Organisationen unter Druck setzen. 

 

Das bedeutet: 

 

  • ESG in Steuerung integrieren: systematisches Verankern von ESG-Kriterien im Risikomanagement und in der Steuerung.
  • Datenrobustheit sicherstellen: Investition in die Qualität und Nachvollziehbarkeit von ESG-und Emissionsdaten entlang der Wertschöpfungskette.
  • Governance und Verantwortlichkeiten klären: klare Verantwortlichkeiten für Nachhaltigkeitsthemen definieren und auf umsetzbare Maßnahmen statt symbolischer Ziele setzen.
  • Vertrauen als Asset nutzen: Transparenz und Verlässlichkeit in der Kommunikation mit Banken, Investor:innen und Kund:innen fördern.

Talent und Schlüsselrollen: Gezielter Aufbau technischer Fähigkeiten

2026 wird Momentum noch stärker zur Personal- und Fähigkeitsfrage. Denn der Arbeitsmarkt ist heterogener: Zwar ging die Vakanzquote im Euroraum zuletzt zurück, Österreich liegt dennoch weiterhin im oberen Feld. Gleichzeitig wirkt die Demografie strukturell in die entgegengesetzte Richtung:

 

Laut Statistik Austria hat die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64) 2024 ihren Höchststand erreicht und sinkt in den kommenden Jahren wieder. Vor diesem Hintergrund entscheidet sich Momentum nicht in der Zieldefinition, sondern in der Frage, ob es die Organisation umsetzen kann – mit den richtigen Personen, zur richtigen Zeit, in den kritischen Rollen. Die Talent-Studie des Controller Instituts in Zusammenarbeit mit Schulmeister-Consulting zeigt dabei deutlich: Engpässe bei Fach- und Führungskräften werden von vielen Unternehmen als spürbarer Wettbewerbsfaktor wahrgenommen; Fluktuation und Knowhow-Verlust bremsen die Umsetzungskraft und können strategische Vorhaben verzögern.4

 

Ergänzend bestätigen internationale Finance-Trendstudien den Skills-Shift in der Finanzfunktion. So prognostiziert Gartner, dass bis 2027 rund 46 Prozent der Finance-Mitarbeitenden „Digital Talents“ sein werden (heute ca. 17 Prozent). Das bedeutet: Die Nachfrage nach Mitarbeitenden mit digitalen, analytischen und technologischen Fähigkeiten steigt rasant. Der gezielte Aufbau technischer Fähigkeiten – insbesondere rund um KI, Automatisierung und Datenanalyse – ist zu priorisieren, um Produktivität und Steuerungsqualität abzusichern.

 

  • Kritische Rollen identifizieren: Analyse, welche Schlüsselrollen für die Umsetzung der Agenda entscheidend sind, und Sicherstellung von deren Besetzung
  • Technische Fähigkeiten aufbauen: Forderung gezielter Kompetenzen in den Bereichen KI und Datenanalyse
  • Attraktivität als Arbeitgeber stärken: Entwicklung von Maßnahmen zur Bindung und Entwicklung von Talenten, um Fluktuation und Knowhow-Verlust zu minimieren
  • Kultur der Veränderungsbereitschaft fördern: Schaffung eines Umfelds, in dem Offenheit für Neues, gegenseitiges Vertrauen und Lernbereitschaft gelebt werden

Fazit: CFOs als Gestalter:innen und Taktgeber:innen

2026 sind CFOs mehr denn je Gestalter:innen und Taktgeber:innen. Ihre Aufgabe geht weit über Zahlen und Systeme hinaus: Sie bringen Momentum in die Organisation und schaffen die Voraussetzungen dafür, dass Menschen Veränderungen nicht nur akzeptieren, sondern aktiv mitgestalten. Die eigentlichen Grenzen liegen selten in der Technik oder in den Prozessen – sondern in Haltung, Vertrauen und Anpassungsfähigkeit. Genau hier müssen CFOs bereichsübergreifend ansetzen: Sie fordern eine Kultur, in der Offenheit für Neues, gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft zur Veränderung wachsen. CFOs begleiten Teams durch Unsicherheit, geben Orientierung und schaffen Räume, in denen Experimente und Lernen möglich sind. So wird Finance zum Motor für nachhaltigen Unternehmenserfolg – Momentum entsteht nicht durch mehr Aktivität, sondern durch einen gemeinsamen Fokus, klare Routinen und eine verlässliche Umsetzung. Wer als Gestalter:in und Taktgeber:in agiert, sorgt dafür, dass Transformation tatsächlich gelebt wird.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu den CFO-Trends 2026

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