Österreich erwartet mehr Klimaschutz: Politik bleibt Hauptverantwortliche, doch Druck auf Unternehmen wächst

Klimawandel in Österreich: Was die Bevölkerung von Politik und Unternehmen erwartet

Was denkt die österreichische Bevölkerung über den Klimawandel und was müssen Politik und Unternehmen beim Klimaschutz leisten, um die Erwartungen der Bevölkerung zu erfüllen? Eine Umfrage zeigt: Die Politik wird als Hauptverantwortliche gesehen, gleichzeitig steigen aber die Erwartungen an Unternehmen, konkrete Klimaschutzmaßnahmen zu setzen.


Überblick

  • Die Hauptverantwortung für Klimaschutz liegt für 44 Prozent der Befragten bei der Politik, 24 Prozent sehen Unternehmen als hauptverantwortlich an.
  • 88 Prozent erwarten, dass Unternehmen aktiv Maßnahmen für den Klima- und Umweltschutz setzen.
  • 58 Prozent halten das bisherige Engagement der österreichischen Wirtschaft für nicht ausreichend.
  • Das Vertrauen in Nachhaltigkeitsaussagen ist gering. Glaubwürdige Kommunikation kann die Unternehmenswahrnehmung jedoch deutlich verbessern.

Der Klimawandel bleibt für viele Menschen in Österreich eine der zentralen Zukunftsfragen. Zwar stehen aktuell Themen wie Teuerung, Gesundheit oder Zuwanderung weiter oben auf der politischen Prioritätenliste, dennoch zählt Klima- und Umweltschutz für fast drei von zehn Befragten zu den wichtigsten Themen, um die sich die Politik kümmern sollte.

Auch wenn etwa jede sechste Person in Österreich nicht an die Existenz des Klimawandels glaubt – 84 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Klimawandel existiert, und 73 Prozent machen sich Sorgen über dessen Folgen für Österreich. Darüber hinaus erwarten acht von zehn Befragten, dass die Auswirkungen des Klimawandels Österreich innerhalb der kommenden zehn Jahre stark treffen werden.

Besonders sichtbar werden die Sorgen bei den konkreten Folgen des Klimawandels. Dürre und Wasserknappheit bereiten den Menschen inzwischen größere Sorgen als extreme Hitze. Auch steigende Lebenshaltungskosten, Waldbrände und Starkregenereignisse zählen zu den häufigsten Befürchtungen. Die Auswirkungen des Klimawandels werden damit nicht mehr nur als Umweltproblem wahrgenommen, sondern zunehmend auch als wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wer Verantwortung für den Umgang mit dem Klimawandel übernehmen soll. Die Bevölkerung sieht dabei klar die Politik in der Hauptverantwortung. Gleichzeitig wächst jedoch die Erwartung, dass auch Unternehmen einen aktiven Beitrag leisten. Von ihnen werden nicht nur konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen und zur Anpassung an Klimafolgen erwartet. Zunehmend kommt es auch darauf an, wie glaubwürdig sie über ihre Fortschritte berichten.

Das EY Klima- und Umweltschutzbarometer 2026 – eine Umfrage unter 1000 Österreicher:innen – zeigt damit, welche Rolle Politik und Unternehmen aus Sicht der Bevölkerung künftig spielen sollen und warum Klimaschutz zunehmend zu einem Faktor für Vertrauen und Reputation wird.


Politik und Unternehmen in der Verantwortung

Die Politik wird von der Bevölkerung klar in der Hauptverantwortung für Klima- und Umweltschutz gesehen. Gleichzeitig werden auch Unternehmen als wichtige Akteur:innen der Transformation wahrgenommen.

44 Prozent der Befragten sehen die Politik an erster Stelle, wenn es darum geht, die notwendigen Rahmenbedingungen für die Bewältigung des Klimawandels zu schaffen. Unternehmen werden von 24 Prozent der Befragten auf Rang eins der wichtigsten Verantwortungsträger gesetzt und liegen damit auf Platz zwei hinter der Politik. Gleichzeitig wird von Unternehmen viel gefordert: Nahezu neun von zehn Österreicher:innen erwarten sich von Unternehmen aktive Maßnahmen zum Klima- und Umweltschutz. Nur etwas mehr als 40 Prozent sind der Meinung, dass Unternehmen ausreichend für Klima- und Umweltschutz tun.

Die Ergebnisse deuten auf ein breites gesellschaftliches Verständnis hin, dass die Transformation nur im Zusammenspiel verschiedener Akteur:innen gelingen kann.

73 %
73 %
fordern, dass Klima- und Umweltschutz künftig eine höhere politische Priorität erhält.
58 %
58 %
denken, dass Unternehmen heute nicht ausreichend für Klima- und Umweltschutz tun.

Was erwartet sich die österreichische Bevölkerung von der Politik in Bezug auf Klimaschutz?

Dass die Politik beim Klima- und Umweltschutz eine Schlüsselrolle einnimmt, zeigt sich nicht nur bei der Frage nach der Verantwortung, sondern auch bei den Erwartungen an ihr künftiges Handeln. 59 Prozent sind der Meinung, die Politik sollte sich um die Anpassung von Infrastruktur an die Folgen des Klimawandels kümmern. Fast jede zweite befragte Person fordert zudem stärkere Investitionen in erneuerbare Energien für Unternehmen und Haushalte. Gleichzeitig wünschen sich 46 Prozent klare Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Die Bevölkerung sieht die Politik demnach nicht nur als Regulatorin, sondern auch als Wegbereiterin für Investitionen und Transformation im wirtschaftlichen Bereich. Weitere 44 Prozent sprechen sich für eine stärkere Unterstützung von Bürger:innen aus.


Wie sollen Unternehmen dem Klimawandel aus Sicht der Bürger:innen begegnen?

Auch wenn Unternehmen nicht im Zentrum des Klimaschutzes gesehen werden, ist die Erwartungshaltung ihnen gegenüber hoch. Die Bevölkerung fordert dabei vor allem konkrete Maßnahmen zur Dekarbonisierung: An erster Stelle steht die Reduktion eigener Emissionen – rund die Hälfte der Befragten nennt diesen Bereich als wichtigste Aufgabe von Unternehmen. CO2-Bilanzierungen wie die Berechnung des Corporate Carbon Footprint (CCF) oder des Product Carbon Footprint (PCF) dienen hierbei als Grundlage, um im Anschluss geeignete Dekarbonisierungsmaßnahmen abzuleiten. Nahezu gleich viele erwarten Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, beispielsweise Hitzeschutz, Beschattungskonzepte oder Vorsorgemaßnahmen gegen Extremwetterereignisse.

 

Darüber hinaus wünschen sich 44 Prozent nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen. Auch die Verantwortung entlang der Lieferkette gewinnt an Bedeutung. Mehr als ein Drittel der Befragten erwartet, dass Unternehmen Klima- und Umweltaspekte verstärkt bei Lieferant:innen und Geschäftspartner:innen berücksichtigen und sich um nachhaltige Lieferketten kümmern.

 

Besonders interessant ist, dass sich die Erwartungen nicht allein auf die Vermeidung zukünftiger Klimawirkungen konzentrieren. Die Bevölkerung fordert gleichermaßen eine aktive Vorbereitung auf die Folgen des Klimawandels. Unternehmen werden aufgefordert, sowohl ihren eigenen Beitrag zum Klimawandel zu reduzieren als auch ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zukünftigen Risiken zu stärken.


Glaubwürdigkeit wird zum entscheidenden Erfolgsfaktor

Den Bürger:innen ist nicht nur die Umsetzung von Maßnahmen wichtig. Auch die Nachhaltigkeitskommunikation nimmt einen hohen Stellenwert ein und ist für Unternehmen ein wichtiger strategischer Hebel. Doch gerade hier stehen viele Unternehmen vor einem Glaubwürdigkeitsproblem.

Lediglich 34 Prozent der Befragten vertrauen den getätigten Umweltaussagen. Noch deutlicher zeigt sich dieses Misstrauen bei der Frage nach Greenwashing: 77 Prozent der Befragten glauben, dass zumindest die Mehrheit der Unternehmen ihre Leistungen im Bereich Klima- und Umweltschutz besser darstellt, als sie tatsächlich sind. Für viele Menschen besteht damit ein deutlicher Widerspruch zwischen Kommunikation und tatsächlichem Handeln.


Transparente Kommunikation schafft Vertrauen

Trotz der hohen Skepsis gegenüber Umweltaussagen zeigt die Studie auch eine klare Chance für Unternehmen auf. 73 Prozent der Befragten geben an, ein Unternehmen positiver wahrzunehmen, wenn es glaubwürdig über Klima- und Umweltschutz berichtet. Transparente Kommunikation kann damit einen wesentlichen Beitrag zum Vertrauensaufbau leisten.

 

Besonders ausgeprägt ist dieser Effekt bei jüngeren Menschen sowie Personen in Ausbildung. In diesen Gruppen wird glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation besonders stark honoriert. Unternehmen, die Fortschritte nachvollziehbar dokumentieren und offen über Herausforderungen sprechen, können sich dadurch positiv differenzieren.  

73 %
73 %
würden Unternehmen bei glaubwürdiger Klima- und Umweltkommunikation positiver wahrnehmen.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass eine transparente, evidenzbasierte Nachhaltigkeitskommunikation nicht nur aufgrund der neuen EmpCo-Richtlinie der EU notwendig ist. Auch ohne rechtliche Vorgaben wird die glaubhafte Kommunikation für Unternehmen zum Muss, wenn sie bei Konsument:innen weiterhin punkten wollen.

Für Unternehmen wird es somit unausweichlich, ihre Fortschritte nachvollziehbar zu dokumentieren, Aussagen zu belegen und ambitionierte Versprechen mit konkreten Ergebnissen zu untermauern. Durch nachvollziehbares Handeln und transparente Kommunikation können Unternehmen Vertrauen aufbauen und ihre Positionierung stärken. Glaubwürdigkeit entwickelt sich damit zunehmend zu einem Wettbewerbsvorteil.

Fazit: Den Folgen des Klimawandels müssen sich Politik und Unternehmen gemeinsam stellen

Die Bevölkerung sieht die Politik in der Hauptverantwortung, erwartet aber zunehmend auch von Unternehmen einen aktiven Beitrag zur Transformation. Gefordert werden konkrete Maßnahmen, die sowohl Emissionsreduktionen als auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels umfassen. Gleichzeitig wächst die Bedeutung glaubwürdiger Kommunikation. Unternehmen werden nicht allein daran gemessen, welche Ziele sie formulieren, sondern zunehmend daran, welche Fortschritte sie tatsächlich erzielen und wie transparent sie darüber berichten. Wer diesen Erwartungen gerecht wird, kann Vertrauen stärken, seine Reputation verbessern und sich langfristig als glaubwürdiger Akteur der Transformation positionieren.

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