Weckruf für den Klimaschutz

EY Climate Action Barometer: Weckruf für den Klimaschutz

Das EY Global Climate Action Barometer 2025 zeigt, wie proaktive Klimaschutzmaßnahmen für Unternehmen eine wertvolle strategische Chance darstellen können.


Überblick

  • Trotz gestiegener Ambition stagnieren viele führende Unternehmen bei der Umsetzung und berichten kaum Fortschritte in ihren Klimatransitionsplänen.
  • Unternehmen kämpfen weiterhin mit zentralen Herausforderungen wie Scope 3 Emissionen, der Offenlegung finanzieller Auswirkung von Klimarisiken und der Entwicklung belastbarer Anpassungsmaßnahmen.
  • Um die Klimaziele zu erreichen, müssen Organisationen ihre Governance stärken, transparent über finanzielle Auswirkung ihres Transitionsplans berichten und robuste, umsetzbare Maßnahmen für Dekarbonisierung und Anpassung entwickeln.

Das EY Global Climate Action Barometer gibt jährlich tiefe Einblicke in die weltweiten Fortschritte in Bezug auf unternehmerische Klimaschutzmaßnahmen und Klimaberichterstattung. Die Ausgabe 2025 baut auf den Ereignissen des Vorjahres auf, konzentriert sich jedoch stärker auf jene Unternehmen, die bereits 2024 als führend in Bezug auf Klimaziele, Offenlegungsqualität und Risikomanagement identifiziert wurden.

Angesichts zunehmender klimabedingter Extremereignisse untersucht der Bericht, ob diese Vorreiterunternehmen tatsächlich jene Maßnahmen ergreifen, die notwendig sind, um ihre Klimaziele zu erreichen, und ob sie diese Maßnahmen transparent offenlegen. Dabei wird sowohl der Status quo der Klimaberichterstattung als auch die Verbindung zu finanziellen Auswirkungen analysiert. Insgesamt wurden 856 Unternehmen aus 50 Ländern und 13 Sektoren untersucht.


Was das Climate Action Barometer über den Stand der Klimaberichterstattung verrät

Die Ergebnisse zeigen: Obwohl 64 Prozent der Unternehmen bereits einen Klimatransitionsplan veröffentlicht haben, ist der tatsächliche Fortschritt gering. Viele Unternehmen stagnieren oder ziehen frühere Zusagen sogar zurück. Gründe dafür sind häufig regulatorische Unsicherheiten, fehlende Ressourcen oder die Erkenntnis, dass frühere, ambitionierte Ziele schwer erreichbar sind.

Besorgniserregend ist zudem, dass 65 Prozent der Unternehmen mit Net Zero Zielen keinen umfassend umsetzbaren Plan vorweisen können. Zwar streben 69 Prozent der Unternehmen an, bis 2050 klimaneutral zu werden – doch nur 30 Prozent planen dies vor 2030 und damit innerhalb eines für den Klimaschutz entscheidenden Zeitrahmens.

der Unternehmen verfügen über einen Transitionsplan, doch viele zeigen kaum Fortschritte oder ziehen Zusagen zurück.

Klimarisiken in der Finanzplanung: Warum Unternehmen zögern

Während 68 Prozent der Unternehmen eine quantitative Bewertung physischer oder transitorischer Klimarisiken vornehmen, legen lediglich 17 Prozent die finanziellen Auswirkungen offen. Die Diskrepanz zwischen Risikobewertung und tatsächlicher Offenlegung bleibt damit weiterhin eines der größten Defizite.

 

Nur 44 Prozent berichten über vorhandene Klimaanpassungsmaßnahmen, obwohl 92 Prozent physische Risiken analysieren. Damit fehlen vielen Unternehmen die notwendigen Schritte, um Risiken wie Extremwetter, Rohstoffknappheit oder Lieferkettenunterbrechungen aktiv zu managen.

 

Zudem berücksichtigt nur rund ein Drittel der Unternehmen sowohl die Kosten des Handelns als auch die erheblich höheren Kosten des Nichtstuns, obwohl zukünftige Untätigkeit Unternehmen durchschnittlich 15 Prozent ihres jährlichen Umsatzes kosten kann.

der Unternehmen legen die finanziellen Auswirkungen klimabedingter Risiken offen.

Globale Unterschiede: Wo Unternehmen bei der Umsetzung stehen

Die EU und das Vereinigte Königreich bleiben führend bei Qualität und Umfang der Klimaberichterstattung, vor allem aufgrund regulatorischer Vorgaben wie CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), ISSB (International Sustainability Standards Board)-Standards oder TCFD (Taskforce on Climate-related Financial Disclosures)-Leitlinien.

In anderen Regionen, etwa Nordamerika oder Südostasien, wird das ambivalente Bild deutlicher: Während einige Unternehmen ambitionierte Ziele setzen, zeigen viele kaum Fortschritte bei der Umsetzung. Gleichzeitig sind zahlreiche Regionen stark von physischen Klimarisiken betroffen oder tragen erheblich zu den globalen Emissionen bei. 

Eine weitere Herausforderung ist die Emissionsabdeckung: 60 bis 90 Prozent der Unternehmen berichten nur über vorgelagerte Scope 3 Emissionen, ein zentraler blinder Fleck, da Scope 3 oft den größten Teil der Gesamtemissionen ausmacht.

Klimatransitionspläne und Net Zero Ziele: der aktuelle Stand

Net Zero Ziele bleiben ein zentrales Element unternehmerischer Klimastrategien. Die Ergebnisse des EY Global Climate Action Barometer 2025 zeigen jedoch, dass zwischen Zielsetzung und tatsächlicher Umsetzung weiterhin eine erhebliche Lücke besteht.

 

64 Prozent der untersuchten Unternehmen haben ein formelles Net Zero Ziel definiert. Von diesen Zielen sind 48 Prozent durch die Science Based Targets initiative (SBTi) validiert – dies stellt eine wichtige Bestätigung dar, dass sie wissenschaftsbasierten Kriterien entsprechen und mit einem 1,5-Grad-Pfad kompatibel sind. Dennoch bleibt fast die Hälfte der Ziele ohne externe Validierung, was Zweifel an ihrer Ambition, Umsetzbarkeit und Robustheit aufkommen lässt.

 

Trotz steigender Ambition bleibt die Umsetzung zentraler Dekarbonisierungsmaßnahmen schleppend. Während die Nutzung von Carbon Credits zunimmt – drei von fünf Unternehmen mit Net Zero Ziel setzen sie ein – bleibt die tatsächliche Dekarbonisierung weiterhin herausfordernd. Unternehmen müssen daher sorgfältig prüfen, wie Klimakompensation sinnvoll und langfristig eingesetzt wird.

 

44 Prozent der angepassten Ziele weisen zudem eine geringere Ambition auf als im Vorjahr. Unternehmen passen Klimaziele zunehmend an praktische Gegebenheiten wie Finanzierung, technologische Machbarkeit oder regulatorische Entwicklungen an.

der Unternehmen haben ein Net Zero Ziel
dieser Net Zero Ziele sind validiert durch SBTi

Das Climate Action Barometer als Aufruf zum Handeln

Das EY Climate Action Barometer verdeutlicht, dass Unternehmen weltweit von Klimazielen zu konkretem Handeln übergehen müssen. Die europäische Vergleichsgruppe zeigt dabei klar, dass ambitionierte Transformation möglich ist und sich auch auszahlt.

Maßnahmen für effektiven Klimaschutz: Was Unternehmen jetzt tun müssen

Während global viele Unternehmen stagnieren oder Ziele abschwächen, gehen Unternehmen in Europa (Europe West & Central) bereits deutlich weiter: 88 Prozent dieser Unternehmen verfügen bereits über einen umsetzbaren „actionable“ Transitionsplan – ein deutlicher Hinweis, dass robuste Planung und klare Verantwortlichkeiten wesentliche Erfolgsfaktoren sind. Zudem haben 70 Prozent ein Net Zero Ziel formuliert, davon sind 61 Prozent durch SBTi validiert.

Unternehmen, die frühzeitig handeln, schaffen sich klare Wettbewerbsvorteile, denn sie reduzieren Risiken, steigern ihre Resilienz und erfüllen Erwartungen von Investor:innen, Kund:innen und Regulator:innen.

Nachhaltigkeit strategisch verankern: Chancen, Risiken und Geschäftsmodelle

Der Bericht verdeutlicht: Eine starke Governance-Struktur ist entscheidend für erfolgreichen Klimaschutz. Zwar beschleunigen einige Unternehmen ihre Dekarbonisierungsbemühungen bereits proaktiv, oft noch ohne formalen Governance-Rahmen. Dennoch besteht ohne klare Benchmarks die Gefahr, dass Maßnahmen nicht die gewünschte Wirkung erzielen.

Positiv ist, dass inzwischen fast 80 Prozent der Unternehmen Umweltmetriken in ihre Managementanreize integrieren. Allerdings machen diese Metriken häufig nur 0 bis 10 Prozent der Anreizsysteme aus und nur wenige Unternehmen verknüpfen Vergütung mit zentralen Zielen wie Scope 3 Reduktion oder Net Zero Fortschritten.

Unternehmen mit langfristigen Anreizplänen (LTIPs) schneiden beim Klimaschutz deutlich besser ab: Sie setzen häufiger Net Zero Ziele, adressieren Scope 3 Emissionen und entwickeln robuste Transitionspläne sowie Anpassungsmaßnahmen. Dennoch verlassen sich viele Unternehmen noch auf kurzfristige Anreizsysteme.

Unternehmen handeln – aber der Weg zu Net Zero bleibt herausfordernd.

Fazit

Immer mehr Unternehmen treiben ihre Klimaziele voran, doch es mangelt weiterhin an konsequenter Umsetzung. Engagement und Nachhaltigkeitsziele reichen nicht aus, wenn konkrete Maßnahmen und belastbare Strategien fehlen. Das EY Climate Action Barometer 2025 zeigt, dass jetzt entschlossenes Handeln gefragt ist. Unternehmen müssen ihre Klimastrategien aktiv in die Praxis umsetzen und klare Entscheidungen treffen, um ihre Nachhaltigkeitsambitionen wirklich Realität werden zu lassen.

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