Biodiversität gewinnt für Unternehmen und Finanzwirtschaft an Bedeutung und wird zunehmend messbar.

Blackbox Biodiversität: Unternehmen vor neuen Risiken und Chancen

Biodiversität und Wirtschaft sind komplex verflochten und ihre wechselseitigen Auswirkungen oft schwer greifbar, doch Methoden helfen Unternehmen zunehmend, diese zu messen und zu steuern. Biodiversität rückt damit sowohl in der Real- als auch in der Finanzwirtschaft stärker in den Fokus.


Überblick

  • Intakte Ökosysteme sichern zentrale Grundlagen wirtschaftlicher Wertschöpfung; ihr Verlust gefährdet Standorte, Lieferketten und Geschäftsmodelle.
  • Unternehmen müssen ihre Abhängigkeiten und Auswirkungen datenbasiert analysieren, um naturbezogene Risiken und Chancen fundiert zu bewerten.
  • Die Integration in Strategie und Risikomanagement schafft die Basis für zielgerichtete Maßnahmen, messbare Fortschritte und glaubwürdiges Reporting.
  • Im Gegensatz zur Realwirtschaft müssen in der Finanzwirtschaft – ähnlich wie im Klimabereich – finanzierte und versicherte Abhängigkeiten und Auswirkungen identifiziert und gesteuert werden, da sich hier indirekt physische und transitorische Risiken auftun.
  • Biodiversität wird für den Finanzsektor an Bedeutung gewinnen und für Finanzinstitute ist der Zeitpunkt gekommen, um ein solides Biodiversitätsmanagement inklusive Integration in Risiko- und Geschäftsstrategie aufzubauen.

In einer Zeit, in der Artensterben, Ökosystemdegradierung sowie Klimaschutz und Klimaanpassung immer dringlicher werden, gewinnt Biodiversität für Unternehmen deutlich an strategischer Relevanz. Der Verlust biologischer Vielfalt betrifft nicht nur Umwelt und Gesellschaft, sondern zunehmend auch Geschäftsmodelle, Standorte und Lieferketten.

Zwischen Unternehmen und Natur bestehen wechselseitige Beziehungen: Unternehmen nutzen Leistungen intakter Ökosysteme und wirken durch ihre Geschäftstätigkeit auf diese ein. Ein fundiertes Verständnis dieser Zusammenhänge bildet die Grundlage für den strategischen Umgang mit Biodiversität.

Regulatorische und marktseitige Entwicklungen wie die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) und ESRS E4 der European Sustainability Reporting Standards, TNFD, SBTN und Sustainable Finance erhöhen den Handlungsdruck – sowohl für Unternehmen der Realwirtschaft als auch für Finanzunternehmen. Wer Biodiversität frühzeitig adressiert, kann Risiken reduzieren, Chancen nutzen und sich glaubwürdig in einem dynamisch wachsenden Themenfeld positionieren.

Die Wechselwirkungen zwischen Biodiversität, Wirtschaft und Unternehmen
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Kapitel 1

Was ist Biodiversität und warum ist sie wirtschaftlich relevant?

Die Wechselwirkungen zwischen Biodiversität, Wirtschaft und Unternehmen

Biodiversität bezeichnet die Vielfalt der Ökosysteme, der Arten und der genetischen Merkmale innerhalb einer Art. Sie ist eine wesentliche Voraussetzung für funktionsfähige Ökosysteme. Für Unternehmen ist Biodiversität in zweifacher Hinsicht relevant: Ihre Geschäftstätigkeit ist auf Leistungen der Natur angewiesen und beeinflusst zugleich deren Zustand. 

Abhängigkeiten und Auswirkungen als Ausgangspunkte einer systematischen Betrachtung

Bedeutung von Biodiversität für die Wirtschaft in Zahlen

Klar ist: Biodiversität bildet eine zentrale Grundlage wirtschaftlicher Wertschöpfung. Laut dem World Economic Forum sind rund 44 Billionen US-Dollar wirtschaftlicher Wertschöpfung – mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts – moderat oder stark von Natur und ihren Ökosystemleistungen abhängig.1 Aktuelle Analysen der European Central Bank zeigen zudem die Relevanz für den europäischen Finanzmarkt: Im Euroraum gehen nahezu 75 Prozent der Bankkredite an Unternehmen, die stark von mindestens einer Ökosystemleistung abhängig sind.2 Ergänzend verdeutlicht eine 2024 veröffentlichte Studie des Green Finance Institute, dass Naturdegradierung unter bestimmten Szenarien zu einem Rückgang des britischen BIP von bis zu 12 Prozent führen könnte.3

Biodiversitätsverlust und -management sind demnach nicht nur Umweltthemen, sondern auch für Geschäftsstrategie, Finanzierung und Risikomanagement wesentlich.

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des globalen Bruttoinlandsprodukts ist moderat oder stark von der Natur und ihren Ökosystemleistungen abhängig.

Bedeutung von Biodiversität für das Risikomanagement

Werden für das Unternehmen wesentliche Ökosystemleistungen beeinträchtigt oder verändern sich die Rahmenbedingungen für naturbelastende Aktivitäten, können daraus finanzielle Folgen entstehen. Dabei wird zwischen physischen und transitorischen Risiken unterschieden.


Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind eng miteinander verwoben und verstärken sich gegenseitig.
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Kapitel 2

Klima und Biodiversität: Wie hängen diese zusammen?

Klimawandel und Biodiversitätsverlust sind eng miteinander verwoben und verstärken sich gegenseitig.

Steigende Temperaturen, Dürren, Extremwetterereignisse und veränderte Niederschlagsmuster verändern die Funktionsweise von Ökosystemen. Das zeigt sich etwa an der zunehmenden Zahl an Waldbränden, dem Absterben von Bäumen durch Trockenheit und Schädlingsbefall, austrocknenden Mooren oder auftauenden Permafrostböden. Solche Veränderungen schwächen natürliche Kohlenstoffspeicher: Wälder, Moore und Böden können ihre Speicherfunktion verlieren oder selbst zu Quellen von Treibhausgasen werden. Dadurch entstehen Rückkoppelungen, die den Klimawandel weiter beschleunigen und den Biodiversitätsverlust zusätzlich verschärfen. 

Synergien & Zielkonflikte zwischen Klima- und Naturschutz

Die enge Wechselwirkung zwischen Klimawandel und Biodiversitätsverlust verdeutlicht: Klima- und Biodiversitätsziele sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Viele Maßnahmen können Synergien schaffen: Renaturierte Flächen, gesunde Wälder, Moore oder naturnahe Standorte stärken Biodiversität, erhöhen die Klimaresilienz und können zugleich zur Speicherung von Kohlenstoff beitragen.

Gleichzeitig können Zielkonflikte entstehen. So kann etwa eine neue Bahnlinie zur Dekarbonisierung des Verkehrs beitragen, gleichzeitig aber Lebensräume zerschneiden oder Arten entlang der Strecke beeinträchtigen. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien, Infrastrukturmaßnahmen oder großflächige Aufforstungsprojekte können negative Auswirkungen auf Ökosysteme haben, wenn sie nicht sorgfältig geplant werden.

Für Unternehmen bedeutet das: Natur wird vom Schutzgut zum Verbündeten einer integrierten Klima- und Naturstrategie. Klimaschutzmaßnahmen sollten systematisch auf ihre Natur- und Biodiversitätswirkung geprüft werden – und umgekehrt. Entscheidend sind eine solide Datenbasis, standortbezogene Analysen und klare Abwägungskriterien. Nur so lassen sich Zielkonflikte transparent machen und Lösungen entwickeln, die sowohl zur Dekarbonisierung, zur Anpassung an den Klimawandel als auch zum Schutz und zur Wiederherstellung der Natur beitragen.

Wie Biodiversität in Strategien und Prozessen in Real- sowie Finanzwirtschaft integriert wird
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Kapitel 3

Biodiversität im Unternehmen strategisch verankern

Wie Biodiversität in Strategien und Prozesse integriert wird und auch im Finanzsektor eine immer größere Rolle spielt

Biodiversität strategisch zu verankern, beginnt mit einem fundierten Verständnis der wechselseitigen Beziehungen zwischen Unternehmen und Natur. Dazu gilt es, wesentliche Abhängigkeiten von Ökosystemleistungen und Auswirkungen auf Biodiversität entlang von Standorten, Lieferketten, Produkten sowie Finanzierungs- und Versicherungsportfolios zu identifizieren und daraus Risiken und Chancen abzuleiten. Für Unternehmen der Realwirtschaft betrifft dies insbesondere die eigenen Aktivitäten und Wertschöpfungsketten; Finanzunternehmen betrachten zusätzlich die naturbezogenen Wirkungen und Expositionen ihrer finanzierten oder versicherten Unternehmen und Vermögenswerte. Diese Zusammenhänge sollten in Strategie, Governance, Risiko- und Chancenmanagement sowie Investitions- und Finanzierungsentscheidungen integriert und mit den Klima- sowie weiteren Nachhaltigkeitszielen abgestimmt werden. 

Biodiversitätsmanagement für Unternehmen in der Realwirtschaft

Ein wirksames Biodiversitätsmanagement betrachtet eigene Standorte und Prozesse ebenso wie vor- und nachgelagerte Aktivitäten in der Wertschöpfungskette und umfasst dabei drei zentrale Schritte:

  1. Datenbasierte Analyse und Priorisierung: Mithilfe von Sekundärdaten, Geodaten sowie Standort-, Einkaufs- und Produktinformationen können relevante Abhängigkeiten, Auswirkungen, Risiken und Chancen in den eigenen Betrieben sowie entlang der Wertschöpfungsketten identifiziert werden. So lassen sich sensible Standorte, Rohstoffe, Lieferant:innen, Prozesse und Produkte als Hotspots identifizieren und nach Wesentlichkeit und Handlungsbedarf priorisieren.

  2. On-Site-Analyse mit EHS-Integration: Vor-Ort-Erhebungen an priorisierten eigenen Standorten liefern wichtige Detailinformationen und ermöglichen die Einbindung biodiversitätsrelevanter Aspekte in Umweltmanagementsysteme und Prozesse im Bereich EHS (Environment, Health & Safety). Bei wesentlichen Lieferant:innen, Rohstoffregionen oder nachgelagerten Aktivitäten können ergänzend Audits, Lieferantendialoge und Primärdaten genutzt werden, um lokale Auswirkungen und Abhängigkeiten belastbarer zu bewerten.

  3. Maßnahmen- und Zielentwicklung: Auf Basis der Ergebnisse werden Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und Ziele festgelegt. Die Maßnahmen sollten der Abhilfemaßnahmenhierarchie folgen und sich an der Lage der identifizierten Hotspots orientieren. Während im eigenen Einflussbereich beispielsweise standort- und prozessbezogene Maßnahmen im Fokus stehen, können in der Lieferkette Anforderungen an Beschaffung, Lieferantenmanagement oder Produktgestaltung erforderlich sein. Ein abgestimmtes Monitoring macht Fortschritte messbar und unterstützt die dauerhafte Verankerung von Biodiversitätszielen in Investitions-, Einkaufs-, Produkt- und Managemententscheidungen.

Biodiversität mit ISO 14001 im Umweltmanagement verankern

Die überarbeitete ISO 14001:2026 unterstreicht dabei die wachsende Bedeutung von Biodiversität im Umweltmanagement. Umweltmanagementsysteme nach ISO 14001 bieten einen geeigneten organisatorischen Rahmen: Sie verknüpfen wesentliche Umweltaspekte mit Verantwortlichkeiten, operativer Steuerung, messbaren Zielen und kontinuierlicher Verbesserung. Die ISO 14001:2026 stärkt dabei den Blick auf Biodiversität, Umweltbedingungen und die Wertschöpfungskette. Bestehende EHS- und Managementprozesse können so genutzt werden, um biodiversitätsbezogene Maßnahmen systematisch zu planen und umzusetzen, Fortschritt nachzuverfolgen und Biodiversitätsziele in der Unternehmenssteuerung zu verankern. Damit schaffen sie die Grundlage, Biodiversität dauerhaft in betriebliche Abläufe und Entscheidungsprozesse zu integrieren.

 

Biodiversität im Rahmen der CSRD, ESRS E4 und CSDDD

Gleichzeitig sollten Unternehmen Biodiversität in ihre Analysen nach CSRD und ESRS E4 sowie – soweit relevant – in die umweltbezogene Sorgfalt entlang der Aktivitätskette nach der CSDDD (Corporate Sustainability Due Diligence Directive) einbeziehen. Die in den drei Schritten gewonnenen Erkenntnisse unterstützen dabei, wesentliche Auswirkungen und Abhängigkeiten zu vertiefen, Lieferketten-Hotspots zu priorisieren und naturbezogene Risiken und Chancen in Strategie und Risikomanagement zu integrieren. TNFD bietet hierfür eine anschlussfähige Logik zur Bewertung und Offenlegung; SBTN unterstützt Unternehmen dabei, priorisierte Handlungsfelder in wissenschaftsbasierte Ziele zu überführen. Damit entsteht ein praxistauglicher Ansatz, der betriebliche Steuerung, Wertschöpfungskettenmanagement und glaubwürdige Nachhaltigkeitsberichterstattung verbindet.

Biodiversität im Finanzsektor: Rolle von Banken und Investor:innen

Viele Abhängigkeiten von und Auswirkungen auf Biodiversität liegen in der Realwirtschaft. Doch werden deren wirtschaftliche Aktivitäten erst durch Finanzierung und Versicherung seitens des Finanzsektors ermöglicht. Finanzinstitute tragen daher indirekt Verantwortung für einen erheblichen Teil der biodiversitätsbezogenen Abhängigkeiten und Auswirkungen und müssen zusätzlich zu den eigenen Geschäftsaktivitäten die Aktivitäten und Wertschöpfungsketten aller Sektoren in ihrem Portfolio analysieren und deren Risiken mittragen. Steigende aufsichtsrechtliche Anforderungen erhöhen die Erwartungen an Finanzunternehmen, sich mit Biodiversität in ihren Portfolios auseinanderzusetzen. Vorgaben zum ESG-Risikomanagement von EBA (European Banking Authority) und FMA (Finanzmarktaufsicht) verlangen daher, dass Finanzinstitute ihren Anteil an Auswirkungen und Abhängigkeiten nachvollziehen und die daraus entstehenden Risiken erkennen und bewerten.

 

So wird Biodiversität im Bereich Sustainable Finance immer bedeutender. Doch das Thema wirkt komplex und schwer greifbar. Naturpositive Kredite, Impact-Produkte und -Anlagen sowie Transitionsfinanzierungen gewinnen immer mehr an Attraktivität – und bieten Raum für Vorreiterpositionen.

Warum Impact-Messung so komplex ist und welche Messmethoden es gibt
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Kapitel 4

Biodiversität messen: Indikatoren und Methoden für Real- und Finanzwirtschaft

Warum Impact-Messung so komplex ist und welche Messmethoden es gibt

Im Klimabereich gibt es den Vorteil, dass sich alle Impacts auf eine zentrale Kennzahl – das CO2-Äquivalent – herunterbrechen lassen. Bei Biodiversität ist dies nicht der Fall: Es existieren zahlreiche Indikatoren und Footprinting-Methoden, viele davon sind aber komplex und zeitintensiv in der Berechnung. Dennoch gibt es – je nach Ambitionsniveau – in Real- und Finanzwirtschaft gleichermaßen mehrere Möglichkeiten, ein solides Messkonzept für Biodiversität im eigenen Geschäft zu entwickeln. Mit den Anforderungen der ESRS E4 im Rahmen der CSRD steigt der Bedarf an geeigneten Biodiversitätskennzahlen. Unternehmen müssen für ihre wesentlichen biodiversitätsbezogenen Auswirkungen geeignete Kennzahlen berichten.

Kennzahlen und Methoden zur Steuerung von Biodiversität

  BereichMethode
Realwirtschaft & Finanzportfolios

Biodiversitätsfußabdruck:

 

Der Biodiversitätsfußabdruck bündelt unterschiedliche Auswirkungen eines Unternehmens, Produkts oder Standorts auf die biologische Vielfalt in einer vergleichbaren Kennzahl. Daten zu Ressourcenverbrauch, Emissionen und Landnutzung werden mit Wirkungsmodellen verknüpft, um Hotspots entlang der Wertschöpfungskette sichtbar zu machen. Der Biodiversitätsfußabdruck eignet sich vor allem zur Priorisierung. Zu bekannten Indikatoren gehören „MSA“ (mean species abundance) oder „PDF“ (potentially disappeared fraction of species). 

 

Ein wesentlicher Vorteil im Finanzbereich besteht darin, dass sich Auswirkungen über verschiedene Assetklassen und Branchen hinweg vergleichen lassen. Deshalb dürften sich vor allem die Indikatoren „MSA“ oder „PDF“ im Finanzsektor wohl langfristig zur Messung von Biodiversität etablieren. Der hohe Datenbedarf und die anspruchsvolle Berechnung und Interpretation führen jedoch dazu, dass diese Indikatoren vorerst nur von sehr ambitionierten oder größeren Akteur:innen der Finanzwirtschaft genutzt werden. 

Realwirtschaft

Naturbezogene Zustandsindikatoren:

 

Sogenannte State-of-Nature-Indikatoren (SoN-Indikatoren) – wie sie derzeit von NPI (Nature Positive Initiative) entwickelt werden. Sie fokussieren auf den Zustand von Ökosystemen sowie Arten und machen Veränderungen in der Biodiversität systematisch messbar und vergleichbar. Dadurch können Entwicklungen im Naturzustand sowie Fortschritte bei Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen besser verfolgt, bewertet und kommuniziert werden.

 

Es ist davon auszugehen, dass sich State-of-Nature-Indikatoren als zentraler Ansatz für die künftige Messung und Steuerung von Biodiversität in der Realwirtschaft etablieren werden. Ihre belastbare Anwendung erfordert jedoch ausgeprägte GIS-Kompetenzen sowie den Einsatz unterschiedlicher Monitoringmethoden im Rahmen von Vor-Ort-Erhebungen, wie beispielsweise Umwelt-DNA-Analysen (eDNA).

Finanzportfolios

Branchenscorings:

 

Auf Basis globaler Daten eignen sie sich als erste Messmethode für Impacts im Portfolio. Sie sind zwar nicht besonders detailliert, ermöglichen es aber, die wichtigsten Impacts und Schwerpunktsektoren zu identifizieren, ohne viel Zeit und Aufwand zu investieren.

Finanzportfolios

Individuelle Messkonzepte:

 

Sie sind auf einzelne Impact-Treiber und Portfolioteile des Instituts zugeschnitten und bieten eine Alternative, um besonders relevante und wirkungsintensive Bereiche im Portfolio zu steuern. Mit mittlerem Aufwand für Konzeption und Umsetzung können so Methoden entstehen, die Biodiversität auf verständliche und geschäftsrelevante Weise messbar machen – und sich gleichzeitig leichter kommunizieren lassen als komplexere Footprinting-Ansätze.

Wie Unternehmen Biodiversitätsmanagement nutzen können, um nicht nur Risiken zu reduzieren, sondern auch Chancen zu erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
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Kapitel 5

Biodiversität als strategischer Erfolgsfaktor für Unternehmen

Wie Unternehmen Biodiversitätsmanagement nutzen können, um nicht nur Risiken zu reduzieren, sondern auch Chancen zu erschließen und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Auch wenn Biodiversitätsverlust viele Risiken mit sich bringt, bietet der gezielte Umgang mit Biodiversität Unternehmen zugleich zahlreiche Vorteile. Ein verantwortungsvoller und vorausschauender Umgang mit dem Thema eröffnet Unternehmen Chancen – etwa für Innovation, Resilienz, Reputation und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.

Sichtbares Biodiversitätsengagement: Ein Gewinn für Reputation und Vertrauen

Während sich der Klimaschutz mit unsichtbaren Emissionen befasst, wirkt Biodiversitätsschutz lokal, unmittelbar und für alle sichtbar. Fast jeder Mensch hat eine persönliche Beziehung zur Natur – sei es der Wald, in dem man sich als Kind gerne aufgehalten hat, oder der Park, in dem man täglich das Haustier ausführt. Die wirtschaftliche Bedeutung intakter Natur zeigt sich besonders im Tourismus: Natur und Landschaft zählen zu den wichtigsten Gründen, warum sich Menschen für einen Urlaub in Österreich entscheiden. 60 Prozent der Sommergäste nannten sie 2025 als Motiv für ihre Destinationswahl.4 Auch international bildet Natur eine bedeutende Grundlage touristischer Wertschöpfung.

Doch die Bedeutung von Biodiversität reicht weit über den Tourismus hinaus. Für Unternehmen eröffnet sie vielfältige Möglichkeiten, ihr Engagement sichtbar zu machen und sich glaubwürdig zu positionieren. So können etwa Energieunternehmen durch die Renaturierung von Gewässern oder die ökologische Gestaltung von Flächen rund um erneuerbare Energieanlagen einen messbaren Beitrag zur Artenvielfalt leisten. In der Lebensmittel- und Konsumgüterbranche gewinnen biodiversitätsfreundliche Lieferketten sowie der Schutz von Bestäubern zunehmend an Bedeutung. Auch Industrie- und Infrastrukturunternehmen können durch naturnah gestaltete Betriebsflächen, die Schaffung von Lebensräumen oder die Wiederherstellung beeinträchtigter Ökosysteme sichtbar zur Verbesserung der Biodiversität beitragen. Dadurch wird Biodiversität zusätzlich zu einem wichtigen Faktor für Reputation, Vertrauen und gesellschaftliche Akzeptanz.

Wie Unternehmen Biodiversität als strategische Chance nutzen können: Beispiele

Aus der systematischen Auseinandersetzung mit den wesentlichen Biodiversitätsaspekten eines Unternehmens können sich außerdem konkrete Ansatzpunkte für Strategie und Geschäftsentwicklung ergeben. Unternehmen können beispielsweise durch alternative Materialien und kreislauffähige Produkte ihre Abhängigkeit von knappen Ressourcen reduzieren oder durch biodiversitätsbezogene Anforderungen in Einkauf und Lieferantenmanagement ihre Lieferketten stabilisieren. Weitere Potenziale liegen in der naturnahen Gestaltung von Betriebsflächen, neuen Produkten und Dienstleistungen mit geringerem Naturfußabdruck sowie einem verbesserten Zugang zu nachhaltigkeitsbezogenen Finanzierungen. Dadurch können Effizienz, Innovationsfähigkeit und langfristige Wettbewerbsfähigkeit gestärkt und naturbezogene Chancen entstehen.

 

Biodiversität birgt somit sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Ein informiertes Management von Risiken und Zielkonflikten wird ebenso wichtig sein wie Anpassungen in der Geschäftsstrategie und die Implementierung naturfreundlicher Produkte und Lösungen. Unternehmen, denen es gelingt, die Chancen der Biodiversität gezielt zu nutzen, können sich Wettbewerbsvorteile erarbeiten.

 

Sie möchten Biodiversität strategisch in Ihrem Unternehmen verankern?

Wir unterstützen Sie dabei, relevante Auswirkungen, Abhängigkeiten, Risiken und Chancen zu identifizieren, Biodiversität in bestehende Management- und Entscheidungsprozesse zu integrieren und daraus konkrete Maßnahmen für Strategie, Reporting und Risikomanagement abzuleiten. Sprechen Sie mit unseren Expert:innen, um den nächsten Schritt in Richtung eines wirksamen Biodiversitätsmanagements zu setzen.


Fazit: Biodiversität ist keine Blackbox mehr

Auch wenn das Bewusstsein für dieses Thema noch wachsen und der Umgang mit Naturdaten und Messmethoden noch geübt werden muss, können und sollten Unternehmen bereits jetzt Biodiversität strukturiert und systematisch in ihre Strategie integrieren. Der Markt ist in einer Orientierungsphase und das Positionierungspotenzial ist entsprechend hoch.

Wer sich aktiv mit seinen Biodiversitätsaspekten auseinandersetzt, hat nicht nur erhöhten Aufwand, sondern erhält die Möglichkeit, die Impacts öffentlichkeitswirksam zu steuern. Eine erfolgreiche Integration von Biodiversität in die Geschäfts- und Nachhaltigkeitsstrategie ist hier entscheidend.

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