Was treibt dich in deiner (Führungs-)Rolle sowohl fachlich als auch persönlich an?
Mich motiviert die Verbindung von fachlicher Exzellenz und menschlicher Wirkung. Fachlich reizt mich, komplexe Themen zu durchdringen, Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Lösungen zu gestalten – mit Blick auf Zukunftsfähigkeit, Integrität und spürbare Wirkung für unsere Kund:innen. Persönlich treibt mich an, Menschen in ihre Wirksamkeit zu bringen. Führung bedeutet für mich, Räume für Entwicklung zu schaffen, in denen unterschiedliche Perspektiven gehört werden, Talente wachsen und Menschen mutig Verantwortung übernehmen können. Gerade in Zeiten von Veränderung verstehe ich Führung als Dienst an der Sache und an den Menschen. Orientierung zu geben, Sinn zu stiften und gleichzeitig ambitionierte Ziele zu erreichen, entfaltet für mich die größte Führungskraft.
Die Partnerschaft ist für viele ein großes Ziel. Wie unterstützt EY diesen Weg – und welchen Rat gibst du mit?
Der Weg in die Partnerschaft ist anspruchsvoll und braucht gezielte Unterstützung. EY stellt hierfür ein breites Ökosystem bereit – von Entwicklungs- und Mentoringprogrammen über Netzwerkinitiativen und flexible Arbeitsmodelle bis hin zu internationalen Austauschformaten. All das wird getragen von einer Kultur, die Vielfalt und individuelle Stärken als wesentliche Erfolgsfaktoren versteht. Mein Rat lautet: Karrieren müssen nicht linear verlaufen. Entscheidend sind Haltung, Mut und ein Umfeld, das Potenziale erkennt und fördert. Sichtbarkeit entsteht selten von allein; Menschen, die Leistungen anerkennen und aktiv unterstützen, spielen eine wichtige Rolle. Und schließlich ist es wichtig, Chancen mutig zu ergreifen. Gerade Frauen neigen häufiger dazu, Angebote zu hinterfragen oder länger abzuwägen – dabei ist es oft der mutige Schritt nach vorn, der den Unterschied macht. Perfektion ist kein Startkriterium; vieles entsteht, während wir es tun.
Was war einer der prägendsten Momente deiner Laufbahn?
Es gibt nicht den einen Moment – viele Erfahrungen haben meinen Weg geprägt. Besonders wirkungsvoll waren meine internationalen beruflichen Stationen. Das Leben und Arbeiten in verschiedenen Ländern hat meinen Blick auf Zusammenarbeit, Führung und Geschäftskulturen erweitert. Aus New York habe ich die „Just do it“-Mentalität mitgenommen, während ich in Kyiv und Moskau gelernt habe, wie wichtig Vertrauen und Beziehungen für erfolgreiche Partnerschaften sind. Besonders dankbar bin ich für das internationale Netzwerk aus Geschäftskontakten und Freund:innen, welches mich bis heute begleitet und bereichert.
Wie wichtig sind starke Netzwerke – und welche Rolle spielen sie besonders in wettbewerbsintensiven Märkten?
Netzwerke sind für mich kein „Nice-to-have“, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Sie eröffnen Zugang zu Informationen, Chancen und Entwicklungen, die außerhalb formaler Strukturen liegen. Gerade in wettbewerbsintensiven Märkten entstehen wichtige Möglichkeiten häufig informell; Netzwerke beschleunigen diese Dynamik, stärken Sichtbarkeit und erhöhen Einfluss. Für Frauen ist das besonders relevant, da Studien zeigen, dass sie trotz gleicher Leistung seltener Teil zugangsstarker Netzwerke sind oder von Sponsorship profitieren. Netzwerke wirken dann am besten, wenn sie bewusst aufgebaut, aktiv gepflegt und auf Gegenseitigkeit angelegt sind. Leistung öffnet Türen – Netzwerke übersetzen Potenzial in nachhaltige Wirkung.
Was möchtest du Menschen mitgeben, die ihren eigenen Weg gehen wollen?
Ich vergleiche Karriere gerne mit Leistungssport: Talent ist wertvoll, aber Zielklarheit, Training, mentale Stärke und das richtige Umfeld sind entscheidend. Wer wirkungsvoll sein möchte, sollte die eigenen Ambitionen ernst nehmen und Klarheit über Ziele, Stärken und Werte entwickeln. Sichtbarkeit entsteht, wenn wir den Mut haben, uns zu zeigen – auch dann, wenn es unbequem ist. Wachstum findet selten in der Komfortzone statt. Entscheidend ist außerdem, sich mit Menschen zu umgeben, die stärken und fordern. Niemand kann Leistungssport betreiben ohne Trainer:in, Team oder Sponsor:innen, und auch im beruflichen Kontext sind Mentor:innen und Sponsor:innen ein zentraler Hebel für den nächsten Schritt. Am wichtigsten ist mir jedoch: Bleibt euch selbst treu, ohne euch zu begrenzen. Den eigenen Weg zu gestalten, heißt nicht, gegen ein System anzutreten, sondern es mitzugestalten – mit Haltung, Kompetenz und innerer Klarheit. Erfolg entsteht, wenn wir unseren Anspruch leben und ihn mutig in die Umsetzung bringen.