- Gesamtausschüttung steigt in diesem Jahr um 5,9 Prozent auf knapp 55,3 Milliarden Euro – höchster Wert aller Zeiten
- 25 Unternehmen erhöhen die Ausschüttung, zehn zahlen weniger
- Allianz, Deutsche Telekom und Siemens zahlen am meisten
- Stärkstes Plus bei MTU Aero Engines, Commerzbank und Deutsche Bank
Trotz Konjunkturkrise: Die DAX-Konzerne schütten in diesem Jahr mehr Geld an ihre Aktionäre aus als je zuvor. Insgesamt 55,3 Milliarden Euro zahlen die 40 Unternehmen ihren Aktionären in diesem Jahr, nach 52,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um 5,9 Prozent. 25 DAX-Unternehmen schütten für das abgelaufene Geschäftsjahr mehr aus als im Vorjahr, zehn Konzerne zahlen weniger, bei fünf Unternehmen bleibt die Dividendensumme gleich. Nur ein Unternehmen zahlt keine Dividende – im Vorjahr gingen die Aktionäre noch bei zwei Unternehmen leer aus.
Größter Dividendenzahler Deutschlands ist wie schon im Vorjahr der Versicherungskonzern Allianz mit einer Ausschüttungssumme von 6,5 Milliarden Euro – neun Prozent mehr als im Vorjahr. Dahinter rangiert die Deutsche Telekom, die 4,8 Milliarden Euro (plus 10 Prozent) an ihre Aktionäre auszahlt. Auf besonders hohe Zuwächse können sich in diesem Jahr die Aktionäre von MTU Aero Engines (plus 64 Prozent) und Commerzbank (plus 61 Prozent) sowie der Deutschen Bank (plus 44 Prozent) freuen. Weniger als im Vorjahr schütten vor allem die Autokonzerne an ihre Aktionäre aus: Mercedes-Benz reduziert die Dividendensumme um 19 Prozent, die Porsche Automobil Holding um 21 Prozent.
Das sind Ergebnisse einer Analyse des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY. Die Angaben zu den Dividenden für das Geschäftsjahr 2025 gelten bei den meisten Unternehmen noch vorbehaltlich der Zustimmung der anstehenden Hauptversammlungen.
Die Rekordausschüttung wurde möglich dank eines Anstiegs der Konzernergebnisse. Der den Aktionären zuzuordnende Jahresüberschuss nach Steuern, der für die Dividendenzahlung ausschlaggebend ist, stieg in Summe im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent auf 115,6 Milliarden Euro. Der deutliche Anstieg des ausgewiesenen Konzernergebnisses ist allerdings maßgeblich auf einen Sondereffekt zurückzuführen: Im Vorjahr hatten nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen der Porsche Automobil Holding in Höhe von 23,3 Milliarden Euro das Ergebnis stark belastet. Bereinigt um diesen Effekt lagen die Konzernergebnisse minimal – um 0,1 Prozent – unter dem Vorjahresniveau.
Jan Brorhilker, Managing Partner des Geschäftsbereichs Assurance von EY in Deutschland, bezeichnet die Rekorddividende der deutschen Top-Konzerne als sehr positive Nachricht – auch für den Standort Deutschland: „Trotz der schwierigen Wirtschaftslage und trotz erheblicher konjunktureller und politischer Risiken demonstrieren die DAX-Unternehmen Zuversicht. Viele von ihnen haben sehr gute Zahlen für das vergangene Jahr vorgelegt. Davon profitieren die Anleger.“
„Dass nicht alle Unternehmen ihre Dividenden erhöhen, zeigt einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ausschüttungspolitik“, sagt Brorhilker. „Vor allem die Autoindustrie steht unter erheblichem Druck: Sinkende Gewinne, hohe Investitionen in Innovationen und Restrukturierungskosten schlagen sich in deutlich niedrigeren Dividenden nieder. In dieser Situation müssen auch die Aktionäre ihren Anteil beitragen – in Form deutlich niedrigerer Dividenden.“ Insgesamt zahlen die Automobilunternehmen im Dax in diesem Jahr 11 Milliarden Euro an ihre Aktionäre – nach 12,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Das entspricht einem Rückgang um elf Prozent.
Brorhilker rechnet mit anhaltendem Druck – allerdings nicht nur auf die Industrieunternehmen im Dax: „Der konjunkturelle Gegenwind hält an – der kriegerische Konflikt im Nahen Osten, stark steigende Energiepreise und eine insgesamt steigende Inflation sorgen für sehr schwierige Rahmenbedingungen. Aktuell gibt es kaum Hoffnung auf einen baldigen Konjunkturaufschwung.“
Ausblick: Kein weiterer Anstieg der Dividenden erwartet
Laut Brorhilker sollten sich Anleger daher darauf einstellen, dass die Dividendensumme im kommenden Jahr eher unter dem aktuell sehr hohen Niveau liegen werde: „Keine Frage: Es gibt einige DAX-Konzerne, die in Top-Verfassung sind, die ihre Hausaufgaben gemacht haben und auch für 2026 starke Zahlen vorlegen können. Aber: Gerade einige Industrieunternehmen stecken in einer tiefgreifenden Transformation. Sie müssen neuen Wettbewerbern aus Asien Paroli bieten, ihre Kostenstruktur verbessern und gleichzeitig in neue Produkte und Dienstleistungen investieren. Insgesamt wäre im kommenden Jahr einer Gesamtausschüttung auf dem aktuellen Niveau eine große Überraschung – die Anleger sollten sich eher auf Rückgänge einstellen.“