- Weltweit und in Deutschland sinkt der Anteil der CEOs, die optimistische Konjunkturprognosen abgeben
- Weltweit sind aktuell 68 Prozent der CEOs vorwiegend optimistisch – vor vier Monaten waren es 84 Prozent. In Deutschland Rückgang von 87 auf 56 Prozent
- Reaktion auf politische und wirtschaftliche Krisen: 83 Prozent passen Investitionsplanung an
- Vor allem asiatische Unternehmen beschleunigen Investitionen – westliche Unternehmen fahren Investitionen eher zurück
- USA sind wichtigstes Investitionsziel, Deutschland auf Platz drei
Die Vielzahl an politischen und wirtschaftlichen Krisen und Risiken sowie die gestiegene Unsicherheit bremsen zunehmend die Zuversicht von Konzernchefs weltweit. Gingen im September vergangenen Jahres noch 35 Prozent der CEOs weltweit und 36 Prozent der Unternehmenschefs in Deutschland von einer positiven Entwicklung der Konjunktur aus, schrumpfte der Anteil im Januar dieses Jahres auf 24 Prozent weltweit und sogar nur noch 19 Prozent in Deutschland. Auch der Anteil derer, die mit Einschränkungen zuversichtlich sind, ist rückläufig. Somit sinkt der Anteil der Konjunkturoptimisten insgesamt weltweit von 84 auf 68 Prozent. In Deutschland hat sich die Stimmung noch stärker eingetrübt: von 87 auf 56 Prozent.
Trotz dieses deutlichen Stimmungsdämpfers gehen nach wie vor die meisten CEOs davon aus, mit ihren Unternehmen ein Umsatzplus erwirtschaften zu können: Weltweit sind 38 Prozent sehr optimistisch, weitere 54 Prozent sind eher optimistisch. In Deutschland liegen die Zahlen mit 39 bzw. 57 Prozent sehr nahe an den weltweiten Ergebnissen. Auch bei der Profitabilität herrscht nach wie vor überwiegend Optimismus.
Ein wichtiger Grund für den anhaltenden Optimismus der CEOs in Bezug auf die Entwicklung des eigenen Unternehmens: Die bisherigen Investitionen der Unternehmen in Künstliche Intelligenz zahlen sich bereits aus, und KI soll im Jahr 2026 der wichtigste Faktor zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit werden – wichtiger als ein strengeres Kostenmanagement oder eine Lokalisierung der Produktion oder das Eingehen von Kooperationen. Das sind Ergebnisse des aktuellen CEO-Survey von EY-Parthenon, der Strategie- und Transaktionsberatung von EY, basierend auf einer Befragung von 1.200 CEOs weltweit, darunter 100 in Deutschland. Die Umfrage wurde im Dezember 2025 bis Januar 2026 durchgeführt.
Unternehmen weltweit und aus allen Branchen setzen alles auf eine Karte: Künstliche Intelligenz bietet die Chance, auf Herausforderungen wie den Fachkräftemangel zu reagieren, Verwaltungsaufgaben zu übernehmen und Forschung und Entwicklung deutlich zu beschleunigen, sagt Sandra Krusch, Managing Partner EY-Parthenon in Deutschland: „KI hat das Potenzial, zum einen auf der Kostenseite zu massiven Einsparungen zu führen und andererseits die Geschwindigkeit etwa bei der Produktentwicklung deutlich zu steigern“. Die bisherigen Erfahrungen scheinen den CEOs recht zu geben. Weltweit sagen 20 Prozent der Befragten, dass der bisherige KI-Einsatz im Unternehmen die Erwartungen deutlich übertroffen habe, laut weiteren 58 Prozent wurden die Erwartungen leicht übertroffen. Gerade einmal drei Prozent berichten von negativen Erfahrungen. Damit liegt der Anteil der CEOs mit besonders positiven Erfahrungen weltweit bei 79 Prozent – in Deutschland sogar bei 83 Prozent. Am wenigsten enthusiastisch zeigen sich die südkoreanischen CEOs, von denen „nur“ 74 Prozent von übertroffenen Erwartungen berichten.
Laut Krusch stehen allerdings bei den meisten Unternehmen wirklich tiefgreifende KI-Implementierungen erst noch aus: „Die sogenannten Low Hanging Fruits sind zumeist bereits geerntet: Themen, bei denen KI sehr schnell sehr positive Auswirkungen hat und tatsächlich messbare Produktivitätsfortschritte mit sich bringt, wurden von vielen Unternehmen inzwischen umgesetzt. Jetzt steht der nächste Schritt an: KI muss sinnvoll in Bereichen wie Forschung und Entwicklung eingesetzt werden und auch komplexe Aufgaben erledigen, um zu echten Einsparungen etwa in der Verwaltung zu führen. Da liegt noch viel Arbeit vor den Unternehmen.“
Politische und konjunkturelle Turbulenzen: 83 Prozent ändern ihre Investitionspläne
Neben den Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz beschäftigen sich die CEOs derzeit intensiv mit dem aktuellen geopolitischen Umfeld und der Vielzahl an politischen und konjunkturellen Risiken. Und sie reagieren darauf mit einer Überprüfung ihrer Investitionsstrategie: 83 Prozent der weltweit befragten Konzerne geben an, dass sie infolge von geopolitischen und handelspolitischen Entwicklungen zuletzt Änderungen an ihren Investitionsplänen vorgenommen haben – wobei diese Änderungen sehr unterschiedlich ausfallen: Während 31 Prozent der CEOs den Stopp mindestens einer ursprünglich geplanten Investition nennen, geben 40 Prozent an, eine geplante Investition sogar beschleunigt zu haben. Und den 17 Prozent, die einen geographischen Markt verlassen haben, stehen 22 Prozent gegenüber, die erstmals in einem Land oder einer Region investiert haben.
„Die Auswirkungen der vielen geopolitischen und handelspolitischen Krisen sind extrem heterogen – und hinzukommt, dass in vielen Branchen ein rasanter technologischer Wandel stattfindet, der ebenfalls hohe Investitionen erfordert. Es kommt nicht zu einem Stillstand der Globalisierung, sondern zu einer teils chaotischen Neusortierung von weltweiten Lieferketten und Absatzmärkten“, sagt Krusch. All das müsse trotz des Handlungsdrucks mit ruhiger Hand geplant und überwacht werden.
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die befragten Unternehmen mit der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit umgehen: Während die asiatischen Unternehmen ohnehin geplante Investitionen relativ häufig nochmals beschleunigen – in China liegt der Anteil bei 60 Prozent, in Südkorea und Japan bei 48 bzw. 46 Prozent – geben sich etwa deutsche Unternehmen (28 Prozent) und französische Unternehmen (22 Prozent) deutlich zurückhaltender. Umgekehrt haben französische Unternehmen besonders häufig – zu 48 Prozent – mindestens eine geplante Investition abgebrochen, was in China nur für 17 Prozent gilt, und in Japan für 20 Prozent. „Wir sehen, dass gerade europäische Unternehmen besorgt sind, zwischen Asien und Nordamerika zerrieben zu werden und – anders als früher – nicht mehr von der Globalisierung und dem Welthandel profitieren zu können. Sie verharren in Wartestellung – anders als ihre asiatischen Wettbewerber, die weiter auf Angriff schalten,“ sagt Krusch.
Nordamerika bleibt Top-Investitionsziel weltweit
Nach wie vor ist Nordamerika aus Sicht der befragten CEOs das bevorzugte Investitionsziel: 34 Prozent wollen in den kommenden zwölf Monaten in den USA investieren. Dahinter folgen Kanada und Deutschland fast gleichauf mit jeweils 18 Prozent, gefolgt von Großbritannien (17 Prozent) und Indien (12 Prozent). „Dass die USA der Top-Investitionsstandort weltweit sind, überrascht nicht. Bemerkenswert ist allerdings, wie gut Deutschland abschneidet. Immerhin fast jeder fünfte Konzern weltweit plant, in Deutschland zu investieren – Deutschlands Image ist im Ausland besser als im Land selbst. Wir sehen hier oft eine Vielzahl an strukturellen Problemen – ausländische Investoren schätzen hingegen nach wie vor die starke industrielle Basis, eine hohe Innovationskraft, qualifizierte Fachkräfte und exzellente Zulieferstrukturen“, sagt Krusch.
M&A-Appetit steigt wieder, Kooperationen nehmen zu
Dass die schwierige weltweite politische und wirtschaftliche Lage die Bereitschaft zu Investitionen nicht reduziert, zeigen auch die Ergebnisse bei der Frage nach geplanten M&A-Investitionen. Weltweit planen derzeit 53 Prozent der Konzerne eine Fusion oder Übernahme, vor vier Monaten waren es noch 48 Prozent. In Deutschland stieg der Anteil von 44 auf 51 Prozent. „Der Appetit auf M&As ist wieder gestiegen, und tatsächlich sehen wir derzeit einige große Transaktionen“, so Krusch. „Es bleibt allerdings dabei, dass längst nicht jede geplante Transaktion erfolgreich abgeschlossen werden kann. Ständig neue geo- und handelspolitische Verwerfungen und die daraus folgenden Unsicherheiten, aber auch das unklare regulatorische Umfeld und eine schwächelnde Konjunktur führen immer wieder zum Scheitern geplanter Investitionen. Das Umfeld bleibt vorerst sehr schwierig – auch wenn der Transformationsdruck bei den Unternehmen unvermindert hoch ist“, sagt Krusch.