„Fasten beeinflusst meinen Berufsalltag weniger, als viele denken.“

Mit dem Ramadanfest endet für viele Kolleg:innen bei EY eine besondere Zeit. In unserer muslimischen Community war dieser Monat geprägt von Achtsamkeit, Gemeinschaft aber auch Verzicht– und das mitten im Berufsalltag. Tugba Aylin Karaca, Managerin im Consulting, erzählt im Interview, was sie aus dieser Zeit mitnimmt und warum der Ramadan für sie so viel mehr ist als Fasten.

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Tugba, was bedeutet der Ramadan für dich persönlich? 

Der Ramadan ist für mich die entschleunigendste und reflektivste Phase des Jahres. Ich meditiere ohnehin viel, aber in dieser Zeit bin ich mental noch bewusster. Man reflektiert sehr stark über sich selbst, über das eigene Verhalten, über Gedanken und Routinen. Das geht weit über das Thema Essen hinaus.

Wie sah dein Start in den Tag während des Ramadans aus?

Meinen Morgen bin ich sehr bewusst angegangen. Ich bin vor Sonnenaufgang aufgestanden, habe etwas gegessen und mir genau überlegt, was mir Energie für den Tag gibt. Ernährung und Tagesablauf wurden achtsamer geplant – diese bewusste Haltung hat sich durch den gesamten Tag gezogen.

Hat das Fasten deinen Arbeitsalltag bei EY beeinflusst?

Ehrlich gesagt weniger, als viele denken. Ich habe meinen Alltag nicht radikal angepasst und auch nicht erwartet, dass Kolleg:innen ihr Verhalten ändern. Viele waren dennoch aufmerksam, weil sie wussten, dass Ramadan ist. Muslim:innen erwarten aber nicht, dass sich andere anpassen – wir passen unseren Alltag selbst an.

Gab es im Team Unsicherheiten im Umgang mit dem Thema?

Manchmal schon. Einige Kolleg:innen waren vorsichtig und unsicher, ob sie fragen dürfen– etwa, ob ich mit zum Lunch komme. Das habe ich nie negativ wahrgenommen. Wenn jemand gefragt hat, habe ich einfach gesagt: „Ich faste, aber danke dir.“ Daraus sind oft sehr gute Gespräche entstanden.

Viele verbinden Ramadan mit Hunger und Durst. Wie hast du das erlebt?

Hunger war für mich tatsächlich kein großes Thema. Ich habe morgens bewusst viele Ballaststoffe gegessen und viel Wasser getrunken. Religiös gesehen ist exzessives Essen ohnehin nicht Sinn der Sache. Herausfordernder war eher die Müdigkeit, da sich der Schlafrhythmus verändert.

EY Career Tugba Karaca

Wie bist du damit umgegangen?

Ich habe mir bewusst Pausen erlaubt – manchmal auch einen kurzen Powernap, während andere Mittagspause gemacht haben. Disziplin spielt eine große Rolle, aber vor allem Überzeugung. Wenn man an das glaubt, was man tut, gibt das unglaublich viel Kraft.

Warum verschiebt sich der Ramadan jedes Jahr?

Der Ramadan richtet sich nach dem Mondkalender und nicht nach dem Sommerkalender. Aus diesem Grund wandert der Zeitraum jedes Jahr etwa zehn Tage nach vorne. Deshalb fällt er mal in den Winter und mal in den Hochsommer.

Ein wichtiger Punkt: Nicht jede:r fastet.

Genau. Das ist mir sehr wichtig zu betonen. Wer krank ist oder gesundheitlich eingeschränkt, soll sogar nicht fasten. Auch während der Periode, wenn man reist oder stillt wird nicht gefastet. Außerdem dürfen schwangere Frauen oder Kinden nicht fasten. Gesundheit steht immer an erster Stelle.

Was hat dir während des Ramadans besonders Halt gegeben?

Für mich waren es die Werte meiner Religion: Dankbarkeit, Disziplin, Bescheidenheit und Nächstenliebe. Diese Werte lebe ich das ganze Jahr über, im Ramadan aber noch bewusster. Ich führe zum Beispiel seit Jahren ein Dankbarkeitstagebuch.

Welche Rolle spielten Spenden und soziales Engagement?

Eine sehr große. Ich habe unter anderem für Kinder mit schweren Erkrankungen und humanitäre Projekte gespendet und auch über lokale Initiativen wie Frauenhäuser nachgedacht. Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen.

Wie hast du das Ramadanfest erlebt?

Sehr familiär. Wir haben uns morgens bei meinen Großeltern getroffen und im Anschluss enge Freund:innen besucht. Baklava darf natürlich auch nicht fehlen. Für uns ist das eines der wichtigsten Feste im Jahr – vergleichbar mit Weihnachten und Ostern.

Was nimmst du aus dieser Zeit mit– auch über den Ramadan hinaus?

Die Werte bleiben. Im Ramadan achtet man noch stärker auf Selbstdisziplin, Gedanken und Verhalten. Aber der Anspruch, ein guter Mensch zu sein, gilt für mich das ganze Jahr. Das ist mein persönlicher Kompass – im Job und im Leben.



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