Was genau macht eigentlich ein Counselor und wie unterscheidet sich die Rolle vom Buddy?
Tugba: Als Counselor begleite ich meine Counselees langfristig als Führungskraft. Im Fokus stehen berufliche Orientierung, persönliche Entwicklung und strategische Fragen: Wo stehe ich gerade? Wo will ich hin? Wie komme ich dort an?
Ich verstehe meine Rolle als Mischung aus Coach und Mentorin. Dazu gehört auch, mein Netzwerk und meine eigenen Erfahrungen zu teilen, um Entwicklung aktiv zu ermöglichen.
Der Buddy ist näher am Arbeitsalltag: Er oder sie hat meist den gleichen Rank, unterstützt beim Onboarding, bei Tools, Prozessen und organisatorischen Fragen – also genau dort, wo man zu Beginn viele praktische Hilfestellungen braucht.
In welchen Situationen wendet ihr euch an Tugba?
Duru: Eigentlich immer dann, wenn es um meine Entwicklung geht, kurz‑ oder langfristig. Das reicht von projektbezogenen Herausforderungen bis hin zu der Frage, wie ein Karriereweg aussehen kann, der wirklich zu mir passt.
Merih: Für mich ist Tugba vor allem eine vertrauensvolle Sparringspartnerin. Ich spreche mit ihr, wenn ich Orientierung brauche oder Ziele schärfen möchte. Dieser Austausch hilft mir, sowohl fachlich als auch persönlich zu wachsen.
Was macht für euch eine gute Zusammenarbeit aus?
Duru: Für mich steht Vertrauen an erster Stelle- Und eine Beziehung, die über reine Aufgaben hinausgeht. Im Consulting arbeiten wir mit Menschen. Wenn eine echte Verbindung da ist, wird Kommunikation einfacher, Feedback ehrlicher und Ergebnisse besser. Das gilt für Kund:innen genauso wie für die Zusammenarbeit im Team.
Merih: Ich würde Respekt und Klarheit ergänzen. Mir ist wichtig, dass Erwartungen transparent sind und ich jederzeit Fragen stellen kann. Das funktioniert nur auf Basis von Vertrauen, auch dann, wenn es einmal nicht optimal läuft. Gerade in solchen Situationen ist konstruktives Feedback entscheidend.
Tugba: Mein Leitsatz ist: Know your people. Ich versuche, jede Person ganzheitlich zu sehen und nicht nur im Job. Unterschiedliche Hintergründe, Werte und Bedürfnisse gehören zu guter Führung dazu. Feiert jemand Weihnachten, Ramadan, Chanukka oder Diwali? Was begeistert ihn oder sie außerhalb der Arbeit? Solche Dinge sind für mich genauso wichtig wie fachliche Stärken.
Tugba, wie entwickelst du dich selbst in deiner Rolle als Counselor weiter?
Tugba: Ehrlich gesagt stärker als erwartet. Am Anfang denkt man, man gibt vor allem Wissen weiter. In Wirklichkeit lernt man mindestens genauso viel. Eine der größten Herausforderungen ist für mich die Balance: Wann unterstütze ich aktiv und wann ist es besser, bewusst einen Schritt zurückzugehen?
Gab es dafür ein konkretes Learning?
Tugba: Auf jeden Fall. Man möchte Entwicklung oft beschleunigen. Aber nicht jede Person braucht zu jedem Zeitpunkt denselben Impuls. Manchmal ist es wichtiger, Raum zu geben. Dieses bewusste Loslassen war für mich eines der größten Learnings im Leadership.
Gibt es auch herausfordernde Situationen in eurer Zusammenarbeit?
Duru: Ja, vor allem bei strategischen Entscheidungen. Zum Beispiel: Welches Projekt bringt mich wirklich weiter? Das, was mir liegt, oder das, was mich langfristig fordert? Diese Abwägungen sind nicht leicht, aber genau dafür ist der Austausch da.
Tugba: Es geht nicht um persönliche Konflikte, sondern um Richtungsentscheidungen. Wichtig ist, gemeinsam zu reflektieren, was wirklich zur persönlichen und beruflichen Entwicklung passt.
Merih: Bei mir war die größte Herausforderung am Anfang, dass ich mich gefragt habe: Welche Projekte passen zu mir? Welche Trainings sind sinnvoll? Diese Entscheidungen gemeinsam zu treffen, war ein wichtiger Grundstein für meine Entwicklung bei EY.
Tugba, früher war Führung oft stärker hierarchisch. Du beschreibst deine Rolle eher als Coach und Mentorin. Ist es schwierig, die Balance zwischen Nähe und Professionalität zu halten?
Tugba: Ich empfinde genau diese Balance als Stärke. Wir sprechen auch über persönliche Themen. Das schafft Vertrauen. Gleichzeitig wissen wir alle, wann wir in den Arbeitsmodus wechseln. Wir können uns über die besten Travel Spots unterhalten und im Anschluss die Herausforderungen des neuen Projekts besprechen. Dieses Wechseln gehört zur Professionalität dazu.
Zum Abschluss: Welche Rolle spielt eure Zusammenarbeit für eure persönliche Karriereentwicklung - und was macht für euch einen guten Counselor aus?
Duru: Für mich ist es vor allem der Wert eines echten Sparrings auf Augenhöhe. Jemanden zu haben, der mich nicht nur begleitet, sondern gezielt herausfordert. Genau das macht für mich einen guten Counselor aus und ist ein echter Karrierehebel.
Merih: Wenn jemand kontinuierlich an dein Potenzial glaubt, dir ehrliches Feedback gibt und dich pusht, bringt dich das enorm weiter. Genau das erlebe ich mit Tugba. Sie motiviert mich und hilft mir aktiv dabei, den nächsten Karriereschritt zu gehen.
Tugba: Mein Maßstab ist klar: Wenn Menschen unter meinem Leadership nicht wachsen, läuft etwas falsch. Im Counselor‑Modell geht es für mich darum, Entwicklung bewusst zu ermöglichen, Talente zu erkennen und Orientierung zu geben- ohne vorgefertigte Karrierepfade.
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