Vollständige Nutzung von Anfangsverlusten sicherstellen
Hinzu kommt die Frage der Verlustvorträge. Viele Start-ups schreiben in frühen Jahren Verluste und bauen große steuerliche Verlustvorträge auf. Sobald jedoch Kapitalerhöhungen, Anteilsverkäufe an Investoren oder wesentliche Veränderungen in der Gesellschafterstruktur stattfinden, droht der teilweise oder vollständige Untergang dieser Verluste nach § 8c KStG. Die Sicherung der Verlustvorträge ist daher ein zentraler Bestandteil einer sorgfältig ausgearbeiteten steuerlichen Strategie.
Fördermöglichkeiten nutzen
Besonders häufig übersehen wird auch das Thema Forschungsförderung. Zahlreiche Tech-Unternehmen haben Anspruch auf steuerliche Vorteile oder eine direkte Förderung ihrer Entwicklungsleistungen – in Deutschland beispielsweise über die Forschungszulage von bis zu 1 Million Euro pro Jahr. Dennoch verzichten viele Scale-ups auf diese Möglichkeit, weil interne Strukturen oder klare Verantwortlichkeiten fehlen.
Auf Betriebsprüfungen vorbereitet sein
Mit zunehmender Größe steigt außerdem die Wahrscheinlichkeit von Betriebsprüfungen. Während Start-ups anfangs oft kaum geprüft werden, geraten schnell wachsende Unternehmen mit steigenden Umsätzen, internationalen Aktivitäten oder Förderanträgen in den Fokus der Finanzverwaltung und der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ab diesem Zeitpunkt haben lückenlose Dokumentation und konsequente Compliance höchste Priorität.
Compliance sicherstellen – durch wirkungsvolle und angemessene Strukturen
Um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern, ist es entscheidend, frühzeitig professionelle Strukturen aufzubauen. Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten im Finance-Bereich, ein funktionierender Compliance-Kalender und ein Accounting, das zu den Anforderungen der jeweiligen Investorenmärkte – etwa Bilanzierung nach IFRS oder US-GAAP – passt. Die Steuerstrategie sollte eng mit der Wachstumsstrategie verknüpft sein: von der internationalen Strukturierung über den gezielten Aufbau von IP-Strukturen bis hin zur Frage, welche rechtlich selbständigen Einheiten wirklich strategisch sinnvoll sind. Gut durchdachte und konsequent umgesetzte Prozesse steigern zudem die Transparenz und erleichtern Due-Diligence-Prüfungen, erhöhen den Unternehmenswert und verbessern die Exit-Fähigkeit des Unternehmens.
Auch die Beteiligung der Belegschaft am Unternehmenserfolg will vorausschauend und international abgestimmt gestaltet werden, um steuerliche Nachteile – etwa durch Dry Income – zu vermeiden. Darüber hinaus sollten Scale-ups ihre steuerlichen Risiken regelmäßig überprüfen, insbesondere bei Umsatzsteuer, Transfer Pricing, Verlustvorträgen, Lohnsteuer und Fördermitteln.