Personen nutzen ein Smartphone zur Gesundheitsüberwachung in einem modernen Wohnraum.

Nutzen wir KI, ohne ihr zu vertrauen?

Deutsche nutzen KI intensiv, bleiben aber skeptisch. Warum der wahre Engpass für KI nicht Technologie, sondern Vertrauen ist.


Überblick

  • Deutschland liegt beim AI Sentiment im Mittelfeld – hohe Nutzung, begrenztes Vertrauen.
  • Besonders bei Datenschutz und autonomen Entscheidungen zeigt sich eine deutliche Zurückhaltung.
  • Für Unternehmen wird Vertrauen zum entscheidenden Faktor für erfolgreiche KI-Adoption.

Ob Navigationssystem, Produktempfehlung oder automatisierte Kundenanfrage: Künstliche Intelligenz (KI) begleitet viele Entscheidungen im Alltag unbemerkt im Hintergrund. Doch genau hier stellen sich zentrale Fragen: Wie viel Kontrolle sind Menschen bereit abzugeben? Wie viel Vertrauen bringen sie der Technologie entgegen? Wie fühlen sich die KI-Nutzer:innen? Die aktuelle EY-AI-Sentiment-Studie 2026 zeigt: Global ist die Haltung gegenüber KI sehr unterschiedlich, und Deutschland nimmt dabei eine besondere Position ein.

Zwischen Nutzung und Vertrauen

Mit rund 62 Punkten im AI Sentiment Index liegt Deutschland leicht über dem globalen Durchschnitt, aber deutlich hinter technologisch führenden Märkten wie Indien, China oder Japan, die Werte zwischen 76 und 88 Punkten erreichen. Das zeigt eine klare Ambivalenz: Deutsche nutzen KI intensiv, fühlen sich aber nicht uneingeschränkt wohl dabei – insbesondere wenn KI autonom handelt, etwa bei selbstfahrenden Autos oder automatisierten Finanzentscheidungen. Assistive KI, die den Menschen unterstützt, stößt dagegen auf größere Akzeptanz.

Ein zentraler Befund: High use, low trust. Trotz hoher Nutzung bleibt das Vertrauen moderat. Datenschutz und Informationssicherheit sind die größten Hemmnisse: Sicherheitsvorfälle und der Umgang mit persönlichen Daten zählen zu den Top-Sorgen. In einem stark regulierten Markt wie Deutschland sind die Erwartungen an Transparenz und Kontrolle besonders ausgeprägt.

KI wird Teil des Alltags – oft ohne bewusste Entscheidung

Die Studie zeigt zudem, wie selbstverständlich KI bereits in alltägliche Routinen integriert ist. Ob bei der Suche nach Informationen, der Navigation, im Kundenservice oder bei personalisierten Empfehlungen – viele Menschen interagieren regelmäßig mit KI, ohne sich dessen immer bewusst zu sein. Diese schleichende Gewöhnung erhöht zwar die Nutzung, führt jedoch nicht automatisch zu mehr Vertrauen. Vielmehr wächst mit der zunehmenden Präsenz auch das Bedürfnis nach Orientierung, Transparenz und klaren Regeln für den Einsatz der Technologie.

EY-AI-Sentiment-Studie 2026

KI wird in Deutschland viel genutzt, aber es wird ihr wenig vertraut. Lesen Sie hier, wo Deutschland im internationalen Vergleich steht.

Künstliche Intelligenz wird in Deutschland insbesondere in den Anwendungsfeldern Gesundheit, Wellbeing und Finanzplanung intensiv genutzt. Rund jeder vierte Befragte bevorzugt bei gesundheitlichen Fragen den Einsatz von KI‑Anwendungen gegenüber einem Arztbesuch. 23 Prozent greifen auf KI zurück, um schnell und niedrigschwellig Gesundheitsinformationen zu erhalten. Parallel dazu steigt der Einsatz von KI im Finanzbereich: Bereits jeder Elfte in Deutschland überträgt die vollständige Finanzplanung an KI‑basierte Systeme.
 

Kritisch, reflektiert, aber zurückhaltend begeistert

 

Deutschland zeichnet sich durch eine informierte, kritisch-reflektierte Bevölkerung aus. Menschen wägen Chancen und Risiken bewusst ab, haben hohe Anforderungen an Sicherheit und ethische Standards und fordern klare Regeln und Rahmenbedingungen. Diese Haltung bietet Unternehmen, Politik und Institutionen eine Chance: Wer Vertrauen schafft, Transparenz bietet und KI verantwortungsvoll einsetzt, kann die Akzeptanz deutlich steigern.

Die Studie zeigt einen klaren Trend: Der Erfolg von KI wird nicht nur von der technologischen Leistungsfähigkeit abhängen, sondern vor allem vom Vertrauen der Gesellschaft. Deutschland liefert dafür ein prägnantes Beispiel.


Der Erfolg von KI wird nicht nur von der Technologie abhängen, sondern vor allem vom Vertrauen.


Was das für Unternehmen bedeutet

Die tatsächliche Nutzung von KI entwickelt sich schneller als das Vertrauen in sie. Die Akzeptanz von KI hängt also maßgeblich davon ab, wie transparent, nachvollziehbar und verantwortungsvoll ihr Einsatz gestaltet wird. Themen wie Governance, Risikomanagement und regulatorische Anforderungen gewinnen entsprechend an Bedeutung. Diese Fragestellungen betreffen verschiedene Unternehmensbereiche, von Technologie über Strategie bis hin zu Prüfung, Compliance und Steuern.

Besonders deutlich wird die Ambivalenz dort, wo KI nicht nur unterstützt, sondern eigenständig entscheidet. Die EY‑Studie macht klar: Je höher der Grad an Autonomie, desto stärker wachsen Skepsis und Kontrollbedürfnis. Fragen nach Verantwortlichkeit, Haftung und Nachvollziehbarkeit rücken in den Vordergrund. Genau hier entscheidet sich, ob KI künftig als verlässlicher Partner wahrgenommen wird – oder als Risiko. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise darauf, welche Erwartungen Gesellschaft und Wirtschaft an die nächste Entwicklungsstufe von KI stellen.
 

KI ist mehr als Technologie

Deutschland zeigt, dass der Einsatz von KI kein reines Technologiethema ist. Fortschritt entsteht erst dort, wo Akzeptanz wächst. Entscheidend wird sein, wie konsequent es gelingt, Transparenz, Sicherheit und klare Regeln mit konkretem Mehrwert zu verbinden.

Fazit

Die EY-AI-Sentiment-Studie 2026 zeigt eine klare Ambivalenz im deutschen Markt: KI wird intensiv genutzt, es wird ihr aber nur begrenzt vertraut. Zwar liegt Deutschland beim Sentiment leicht über dem globalen Durchschnitt, bleibt aber hinter den führenden Märkten zurück. Besonders Datenschutz, Sicherheit und autonome Entscheidungen prägen die Skepsis. Für Unternehmen bedeutet das: Der Erfolg von KI hängt nicht allein von der Technologie ab, sondern auch davon, wie gut die Anforderungen an Vertrauen, Transparenz und Verantwortung erfüllt werden.

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