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Wenn die KI einkauft: Warum Agentic Commerce Marken jetzt zum Umdenken zwingt

Agentische KI kuratiert Produkte und prägt Kaufentscheidungen. Warum GEO, Daten und klare USPs über Sichtbarkeit und Relevanz entscheiden.


Überblick

  • Kaufentscheidungen starten zunehmend im KI-Dialog statt in klassischen Suchmaschinen-Journeys.
  • KI wird Gatekeeper: Sie filtert Informationen, priorisiert Alternativen und beeinflusst die Sichtbarkeit von Marken.
  • GEO ersetzt SEO nicht, sondern ergänzt es: Fokussierung auf strukturierte Produktdaten, maschinenlesbare USPs und Evidenzdaten.

Die Art und Weise, wie Menschen  Produkte entdecken, bewerten und auswählen, verändert sich schneller und tiefgreifender, als dies beim Übergang vom stationären Handel zum E-Commerce je der Fall war. Über viele Jahre hinweg folgte der Kaufprozess einem vertrauten Muster: Die Suche begann meist bei der favorisierten Suchmaschine, führte über Online-Shops, Preisvergleichsportale, Rezensionen und Social Media und endete schließlich im Warenkorb. Heute verschiebt sich dieser Prozess leise, aber unaufhaltsam in Richtung agentischer Systeme mit künstlicher Intelligenz (KI). Tools wie ChatGPT, Microsoft Copilot, Claude oder die KI-gestützte Google-Suche entwickeln sich für Millionen Nutzer:innen zu persönlichen Einkaufsassistenten. Damit entstehen KI-Produktempfehlungen, die Alternativen kuratieren, Vor- und Nachteile abwägen und die Sichtbarkeit von Marken direkt beeinflussen. Die KI-gestützte Produktsuche wird damit zum Startpunkt der Customer Journey – und zur zentralen Instanz in der Kaufentscheidung.

Wenn KI zum Gatekeeper wird – der Verlust der Informationshoheit für Marken

Der Paradigmenwechsel bei der Suche nach dem richtigen Produkt ist keine Zukunftsvision: Laut einer aktuellen Studie  von EY-Parthenon setzen bereits 70 Prozent  der Befragten KI für Produkt- und Preisrecherchen ein. Besonders die jüngere Generation treibt diesen Trend voran: 42 Prozent der 19- bis 24-Jährigen nutzen bevorzugt KI.

Rasanter Wandel
70 %
der Befragten setzen laut einer EY-Parthenon-Studie KI für Produkt- und Preisrecherchen ein.

Künftige Customer Journeys starten somit nicht mehr mit der Eingabe in eine Suchmaschine, sondern im Dialog mit einer KI, die Informationen in Sekundenbruchteilen aggregiert, sortiert und neu interpretiert. Geschwindigkeit und Bequemlichkeit sind die Hauptmotive für die Nutzung. Man  muss weder Suchbegriffe kennen noch relevante Marken oder vertrauenswürdige Webseiten finden, sondern lediglich sein Bedürfnis formulieren. Von dort übernimmt die KI: Sie gestaltet die Suche im Sinne der suchenden Person, priorisiert, filtert und kuratiert – konkret auf das Bedürfnis zugeschnitten.

Balkendiagramm, das zeigt, wie Nutzer ihre Erfahrungen mit KI‑Tools zur Produkt‑ und Preisrecherche bewerten. Die Kategorien sind: schnelle Ergebnisse, leichte Bedienbarkeit, viele Informationen auf einen Blick, hohe Zuverlässigkeit der Information, hohe Vertrauenswürdigkeit der Quelle bzw. des Autors sowie hohe Vertrautheit mit den Funktionen der Quelle. Die meisten Bewertungen liegen im positiven Bereich („Stimme voll zu“ oder „Stimme zu“), gefolgt von neutralen Bewertungen. Ein kleinerer Anteil stimmt nicht zu oder überhaupt nicht zu. Quelle: EY-Parthenon‑Umfrage (n = 1.015).

Diese Delegation der Suche hat weitreichende Folgen für Unternehmen: Es entsteht eine neue Art der Informationsinteraktion, an der Marken und Hersteller nicht beteiligt sind: Die Kontrolle über die Darstellung von Produkten, Marken und Leistungsversprechen verschiebt sich von den Markenanbietern zu den KI-Modellen. Während Unternehmen früher mit SEO, Performance-Marketing, Content-Strategien und Social Media gezielt beeinflussen konnten, welche Informationen Konsument:innen finden, sind ihre Möglichkeiten zur Einflussnahme im KI-Zeitalter deutlich geschrumpft. Der Grund: Agentische KI-Systeme greifen auf große, unstrukturierte Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen zu, die sich nur schwer steuern lassen – von Rezensionen und Foren über Blogs bis hin zu (alten) Testberichten, Fachartikeln und historischen Produktartikeln. Sie setzen diese Informationen neu zusammen und präsentieren sie als vermeintlich objektive Zusammenfassung oder Empfehlung. Dabei treffen sie eine limitierte Vorauswahl – und entscheiden damit maßgeblich über die Sichtbarkeit von Marken.

 

Die Risiken sind vielfältig: Agentische Systeme können veraltete, unvollständige oder qualitativ schwache Informationen priorisieren – ohne dass Unternehmen dies bemerken oder nachträglich Einfluss nehmen können. So kann ein Produkt aufgrund längst veralteter Verbraucherbeschwerden von der KI als schlecht bewertet und gegebenenfalls direkt aussortiert werden. Der:Die Verbraucher:in entscheidet sich – wenn die KI das Produkt überhaupt vorstellt – gegen den Kauf, obwohl die Probleme längst behoben sind. Zudem könnte die KI Produktlinien verwechseln, wenn Datensätze unsauber gepflegt sind, oder Wettbewerber bevorzugen, deren Daten besser strukturiert vorliegen.

 

Die Qualität der Produktdaten wird damit zu einer zentralen strategischen Variable: Je sauberer Attribute, Variantenlogik und Quellenpflege, desto belastbarer die KI-Einordnung. Erschwerend kommt hinzu, dass Unternehmen einzelne KI-Antworten nachträglich nicht mehr korrigieren können – einmal aus offenen Quellen aufgenommene Informationen werden in immer neuen Varianten reproduziert. Die KI wird damit zum Gatekeeper eines völlig neuen Informationsökosystems: Sie entscheidet abhängig von der Formulierung der Anfrage der:des Suchenden, wie diese:r informiert wird, welche Produkte sichtbar sind und welche Details geteilt werden.

 

Der Aufstieg des Agentic Commerce

Agentische KI revolutioniert nicht nur die Informationssuche, sie entwickelt sich auch zu einem eigenen Vertriebskanal. Immer mehr Menschen sind bereit, Käufe direkt aus dem KI-Chat heraus zu tätigen. 48 Prozent der KI-Nutzer:innen haben bereits Kaufentscheidungen getroffen, die ausschließlich auf KI-Informationen basierten, und 53 Prozent wären bereit, direkt in der Chat-Umgebung zu kaufen. Damit entsteht Agentic Commerce: KI wird zum autonomen Einkaufsagenten, der nicht nur empfiehlt, sondern aktiv Produkte auswählt, Preise vergleicht, Warenkörbe optimiert und Transaktionen anstößt.

Was Marken jetzt verstehen müssen und was auf dem Spiel steht

Dieses Modell verändert die Spielregeln grundlegend. Der:Die Konsument:in wählt nicht länger zwischen aufgelisteten Alternativen, sondern erhält vorstrukturierte Handlungsempfehlungen und kann direkt Handlungsschritten folgen, die durch die KI eingeleitet wurden. Unternehmen müssen Portfolio und Produkte nicht mehr für Kaufentscheidungen im Feed oder am Regal optimieren, sondern im KI-Chat.

In der neuen Realität müssen Unternehmen ihre Marken- und Produktpräsenz neu denken: Kommunikation findet nicht mehr nur zwischen Marken und Menschen, sondern auch zwischen Marken und Maschinen statt. Markenidentität muss somit zweispurig funktionieren – emotional für den Menschen, präzise und strukturiert für die KI. 

Radikale Transparenz: Wettbewerb wird neu definiert

Wenn Produktvergleiche, die früher zeitaufwendig waren, heute in Sekunden erfolgen und in natürlicher Sprache präsentiert werden, verliert die klassische Trefferliste der Suchmaschine an Bedeutung. Es geht nicht mehr darum, in Rankings weit vorn zu erscheinen. Stattdessen dominiert die kuratierte Auswahl von Alternativen mit Auswertung der jeweiligen Stärken und Schwächen. In diese Vorauswahl zu gelangen, wird für Hersteller zum zentralen Ziel.


SEO optimiert Websites für Suchmaschinen – GEO optimiert Marken für die KI-Analysen.

Wenn Konsument:innen nicht mehr klicken, sondern fragen, ergibt sich das neue Prinzip der Generative Engine Optimization (GEO): Während SEO Websites für Suchmaschinen optimiert, zielt GEO darauf ab, dass Inhalte von KI-Modellen eindeutig verstanden, korrekt gewichtet und kontextgerecht weitergegeben werden können. GEO wird damit zum Marketinginstrument und zur Daten- und Content-Disziplin. Marken müssen nicht nur überlegen, wie sie mit einem menschlichen Publikum kommunizieren, sondern auch, wie sie von der KI verstanden werden. Für die KI sind ein traditionelles Markenimage, emotionale Kampagnen, visuelles Branding oder Werbedruck wirkungslos. Ohne maschinenlesbare USPs und konsistente Produktinformationsmanagementsysteme (PIMs) bleibt die KI-Interpretation fragmentiert – und damit auch die Empfehlung. Für die KI zählen strukturierte, eindeutige und plausibel belegte Informationen, darunter:

  • klare, maschinenlesbare Unique Selling Propositions (USPs) – eindeutige, KI-verständliche Nutzenversprechen mit klarer Differenzierung zwischen Produktlinien
  • saubere und strukturierte Produktdaten (PIM) – vollständige und taxonomisch konsistente Attributsets
  • konsistente Preis-, Herkunfts‑ und Leistungsinformationen – identisch über alle Kanäle
  • Evidenz- und Vertrauensdaten – etwa Tests, Siegel, Zertifikate, Garantien oder TCO Informationen (Total Cost of Ownership)

Durch die Bereitstellung solcher strukturierten Produktdaten entsteht eine radikale Transparenz, die eine neue Wettbewerbsdynamik auslöst. Neue Marken mit präzisen und klaren USPs können in KI-Empfehlungen überraschend aufsteigen, während etablierte Marken mit fragmentierten oder unvollständigen Daten an Sichtbarkeit verlieren. 

Das hat auch Auswirkungen auf das Category Management. Während bisher Händler darüber entschieden, welche Produkte in welcher Breite und Tiefe im Regal stehen, übernimmt nun die KI diese Sortimentslogik. Category Management wird damit zu einem datengetriebenen Steuerungsinstrument: Es muss sicherstellen, dass Produktportfolios logisch aufgebaut, eindeutig differenziert und für KI-Systeme nachvollziehbar strukturiert sind. Unklare Sortimentsarchitekturen, redundante Varianten oder verwässerte Linienlogiken führen dazu, dass KI-Modelle Produkte falsch zuordnen, austauschbar machen oder gar nicht empfehlen – ein Risiko für die gesamte Marke. 

Auch Preisstrategien verändern sich. Mechanismen wie Decoy-Effekte, dynamische Bepreisung oder Bundle-Angebote verlieren an Wirkung, wenn KI-Modelle nur einzelne Produkte eines Herstellers anzeigen oder Produkte in Attribute zerlegen und deren Preis-Leistungs-Verhältnis objektiv bewerten. Davon profitieren Produkte mit klaren, nachweisbaren Vorteilen, während komplexe Portfolios an Wirkung einbüßen können.

Klare, nachvollziehbare und maschinenlesbare Differenzierungsmerkmale von Produkten, eine saubere Sortimentsarchitektur durch professionelles Category Management und eine hohe Datenqualität werden damit zu strategischen Wettbewerbsfaktoren – und das Verständnis, wie KI Informationen verarbeitet und gewichtet, zum Marketing-Erfolgshebel.

Jetzt handeln, bevor der KI-Kanal zum Hauptkanal wird

Die Verschiebung hin zu agentischer KI ist in vollem Gange: Immer mehr Menschen nutzen KI selbstverständlich für die Produktsuche und Kaufentscheidungen, sodass KI-basierte Kaufprozesse schnell zum Standard werden. 


Marken, die sich nicht aktiv darum kümmern, wie KI über sie „spricht“, überlassen einen entscheidenden Teil ihres Marktzugangs dem Zufall.


Anbieter experimentieren bereits mit „promoted answers“ – KI-nativen Werbeformaten. Für den Menschen sind diese möglicherweise von organischen Empfehlungen kaum zu unterscheiden, was die Effektivität erhöht, aber auch neue ethische und regulatorische Fragen aufwirft.

Mit dem Aufstieg von Agentic Commerce verschiebt sich die Relevanz vom Ranking zur kuratierten Auswahl. Wer aktiv steuert, wie KI Produkte versteht und bewertet, erhöht die Chance, in KI-Empfehlungen sichtbar und kaufrelevant zu bleiben. Denn künftig prägt der Dialog zwischen Mensch und KI maßgeblich die Kaufentscheidung – und nur Marken, die in diesem Dialog klar und überzeugend auftreten, werden wahrgenommen.

Fazit

GEO markiert den Übergang von der Optimierung für Rankings zur Optimierung für Verständnis. Wenn KI-Systeme Produktauswahl und Kaufvorbereitung übernehmen, entscheidet nicht mehr die Sichtbarkeit in Trefferlisten, sondern die Relevanz in kuratierten Empfehlungen. Dafür benötigen Marken klare, maschinenlesbare Nutzenversprechen, konsistente Produktdaten und belastbare Evidenzsignale. Gleichzeitig wird Category Management zur strategischen Disziplin, die Portfolios für KI-logische Auswahlprozesse strukturiert. Wer früh steuert, wie KI Produkte interpretiert und darstellt, reduziert das Risiko – und sichert seinen Marktzugang in einem entstehenden Hauptkanal.



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