Die internationale EY-Organisation besteht aus den Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG). Jedes EYG-Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen. Ernst & Young Global Limited ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht und erbringt keine Leistungen für Mandanten.
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Insbesondere Technologie- und Softwareunternehmen verwenden häufig bereinigte Kennzahlen (Adjusted EBITDA, Non-GAAP Measures) in ihrer Investorenkommunikation, die künftig in der Regel als MPMs detailliert im Anhang erläutert werden müssen.
Bei Immobilienunternehmen mit umfangreichen Beständen und ohne spezifische Hauptgeschäftstätigkeit müssen Erträge aus als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien (Investment Properties) oder Gewinne/Verluste aus dem Verkauf von nicht betrieblich genutzten Vermögenswerten nun klar dem „Investing“-Bereich zugeordnet werden. Dies kann die Darstellung des Betriebsergebnisses erheblich verändern.
Große, diversifizierte Industriekonzerne und Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe wiederum haben häufig komplexe interne Finanzierungsstrukturen und Beteiligungen. Die strikte Trennung von Währungsgewinnen und -verlusten aus operativen beziehungsweise finanziellen Posten sowie die Klassifizierung von Erträgen oder Aufwendungen aus assoziierten Unternehmen und Joint Ventures (Equity-Methode) erfordert möglicherweise erhebliche Anpassungen der internen Systeme und Kontenpläne.
Was bedeutet IFRS 18 für Covenants, Verträge und Vergütungssysteme?
Die Anwendung von IFRS 18 erfordert darüber hinaus, dass Unternehmen sämtliche Verträge und Vereinbarungen, die auf finanzielle Leistungskennzahlen Bezug nehmen, prüfen und gegebenenfalls anpassen. Das kann auch Auswirkungen auf Vergütungssysteme für Management und Mitarbeitende betreffen, weil Bonuszahlungen an Führungskräfte und Mitarbeiter häufig an das Erreichen bestimmter Leistungsziele gekoppelt sind, die wiederum auf internen oder extern kommunizierten EBIT- oder EBITDA-Werten basieren. Die Änderung der GuV-Darstellung und die neue Definition von „operating profit or loss“ kann die Erreichung dieser Ziele beeinflussen. Eine Überprüfung ist wichtig, um sicherzustellen, dass die Leistungsziele weiterhin valide und fair sind.
Zudem müssen Kreditverträge und Darlehensbedingungen überprüft werden. Covenants basieren hier oft auf traditionellen Kennzahlen wie EBIT, EBITDA, Nettoverschuldung/EBITDA-Verhältnis oder anderen bereinigten Werten. Da IFRS 18 die Definition und Zusammensetzung des „operativen Ergebnisses“ und anderer relevanter Zwischensummen ändert, kann die Berechnungsgrundlage dieser vertraglich vereinbarten Kennzahlen beeinflusst werden und es kann notwendig sein, mit den Kreditgebern, etwa Banken, zu verhandeln, um die Covenants an die neuen, IFRS-18-konformen Kennzahlen anzupassen.
Was Investor Relations jetzt tun sollte
Für viele Stakeholder im Kapitalmarkt sind EBIT und EBITDA wichtige Leistungsindikatoren, um das Erreichen der Unternehmens-Performance zu messen und Ziele für den Ausblick zu definieren. Sie dienen als Grundlage nicht nur für verschiedene Bewertungsverfahren, sondern auch für Vergütungsmodelle im Boardroom, Finanzberichterstattung sowie Ad-hoc-Meldungen.
Im Hinblick auf die Finanzkommunikation ist Investor Relations gefordert, die erwarteten Auswirkungen auf die KPIs frühzeitig zu analysieren und eine transparente Kommunikation darüber zu initiieren. Dabei ist wichtig zu erklären, welche spezifischen Posten in der GuV des Unternehmens von der Neuklassifizierung betroffen sein werden und wie sich dies auf die Darstellung und Berechnung der neuen IFRS-Zwischensummen auswirken wird. Dies hilft Analysten, die Auswirkungen auf ihre Bewertungsmodelle besser einzuordnen und unnötige Verunsicherung zu vermeiden.
Zudem kann die Bereitstellung detaillierter Überleitungen zwischen den bisher verwendeten Steuerungsgrößen wie dem traditionellen EBIT oder EBITDA und den neuen, standardisierten IFRS‑18-Zwischensummen die Transparenz in Bezug auf Veränderungen erhöhen. Das gilt sowohl für Berichtsperioden ab 2027 als auch für die retrospektiv angepasste Vergleichsperiode 2026, um die Kontinuität der Daten zu gewährleisten.
In der Investor und Analyst Education gewinnen die Erläuterung der neuen IFRS-18-Kategorien und Definitionen und die Analyse der Auswirkungen auf bestehende KPIs an Bedeutung. Im Vordergrund stehen hier die Einteilung der Posten in die Kategorien „Operating“, „Investing“ und „Financing“ und insbesondere die Information, welche Positionen, die bisher im „Betriebsergebnis“ enthalten waren, nun zwingend in andere Kategorien verschoben werden müssen und umgekehrt.
Spannend bleibt die Frage, ob der Kapitalmarkt künftig in der Beurteilung und Bewertung von Unternehmen stärker auf den „operating profit or loss“ und den „profit or loss before financing and income taxes“ schaut oder ob er bei den bisherigen Leistungsindikatoren wie EBITDA und EBIT bleibt.