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Wie IFRS Conversion im IPO mit Planung Kapitalmarktreife sichert

Vom Quick Check bis zur IFRS-Eröffnungsbilanz: der strukturierte Weg zu prüfungssicherem IFRS Reporting und Kapitalmarkt-Readiness


Überblick

  • Eine IFRS Conversion wird im IPO-Umfeld zur Voraussetzung für Kapitalmarkt-Readiness, regulatorische Compliance und belastbare Finanzkommunikation.
  • Ein strukturierter Prozess mit Quick Check, Accounting Memos und IFRS-Eröffnungsbilanz schafft Transparenz, Planungssicherheit und prüfungssichere Abschlüsse.
  • Eine frühzeitige Planung reduziert Projektrisiken, sichert Termintreue und stärkt Reporting, Steuerung und Equity Story im Kapitalmarkt.

Eine IFRS Conversion ist die strukturierte Umstellung eines Unternehmens von der bisherigen Rechnungslegung, etwa HGB, auf die International Financial Reporting Standards (IFRS). Im Pre-IPO- und Kapitalmarktumfeld ist eine frühzeitig geplante IFRS-Umstellung entscheidend, um regulatorische Anforderungen, Prospektfähigkeit und belastbare Finanzkommunikation sicherzustellen.

Eine erfolgreiche IFRS Conversion umfasst in der Regel die folgenden drei Schritte:

  1. IFRS Quick Check und Impact-Analyse
  2. Erstellung prüfungsfähiger Accounting Memos
  3. IFRS-Eröffnungsbilanz und erster IFRS-Konzernabschluss

Wann eine IFRS Conversion für Unternehmen relevant wird

Im Pre-IPO zählen zu den typischen Anlässen für eine IFRS-Einführung die fortschreitende Internationalisierung des Geschäftsmodells sowie Anforderungen neuer Investoren wie etwa Private-Equity-Häuser. Im Kapitalmarkt erfordert ein öffentliches Angebot im regulierten Markt wie Prime Standard und General Standard nach dem EU Listing Act im Prospekt mindestens zwei aufeinanderfolgende Abschlüsse nach IFRS. Zudem erfordert der Segmentwechsel über ein Uplisting vom Freiverkehrssegment Scale die Umstellung auf IFRS, sofern das Unternehmen nicht schon vorher schon freiwillig nach dem Rechnungslegungsstandard berichtet.

Dabei umfasst die Umstellung nicht nur notwendige unterjährige Abschlüsse nach IAS 34 hinsichtlich historischer Finanzzahlen, sondern auch im Businessplan den Forecast und die KPIs für die Analyst Guidance. Je nach Umfang und Komplexität der Umstellung vom bislang angewandten Rechnungslegungsstandard, beispielsweise HGB, auf IFRS kann der IFRS‑Conversion‑Prozess für das Unternehmen wie auch für die beteiligten externen Berater ein zeitkritischer und ressourcenintensiver Arbeitsschritt sein.

Schritt 1: IFRS Quick Check, Impact-Analyse und Zeitplan

Ein IFRS Quick Check schafft frühzeitig Transparenz in Bezug auf Bilanzierungsfragen, Projektaufwand, Zeitplan und notwendige Ressourcen. Im Rahmen eines solchen Quick Check werden unter anderem die Anforderungen an einen ersten IFRS-Konzernabschluss nach IFRS 1 dargestellt. Auch ein erstes Assessment potenzieller IFRS-Umstellungseffekte wird durchgeführt. Der IFRS Quick Check verschafft dem Management somit einen ersten Überblick über die zentralen Umstellungsthemen und deren Auswirkungen auf unternehmensrelevante Kennzahlen (zum Beispiel Umsatz, EBITDA, CapEx) und signalisiert erste Effekte auf das Abschlussbild.


Ein IFRS Quick Check liefert eine erste Einordnung zentraler IFRS-Themen, zeigt Auswirkungen auf Kennzahlen wie Umsatz, EBITDA und CapEx und bildet die Grundlage für eine strukturierte, terminsichere IFRS Conversion.


Die Analyse erfolgt anhand der bereitgestellten Unterlagen, etwa Konzernabschlüsse, internes Reporting, Richtlinien und Organigramme. Die daraus abgeleitete externe Sicht wird anschließend in einem gemeinsamen Workshop validiert und geschärft. Dabei ist es entscheidend, alle relevanten Stakeholder einzubinden und gleichzeitig einen Rahmen für maximale Transparenz zu schaffen.

Im Rahmen des Workshops wird zudem eine sogenannte Heatmap entwickelt. Sie identifiziert die für das Unternehmen relevanten IFRS inklusive Notes und bewertet deren Komplexität sowie den Umstellungsaufwand.

Darüber hinaus werden zentrale Handlungsfelder strukturiert analysiert: betroffene Unternehmensbereiche, technische Umsetzungsmöglichkeiten und Anpassungsbedarf im internen Reporting, der Steuerung und der (globalen) Gruppenstruktur. Auch die Notwendigkeit eines begleitenden Change-Managements wird bewertet.

Die identifizierten Themen bilden die Grundlage für einen konkreten, individuell auf das Unternehmen, seine Ressourcen und Kapazitäten abgestimmten IFRS-Conversion-Zeitplan. Dieser variiert je nach Größe, Struktur und Komplexität, bewegt sich in der Praxis jedoch häufig in einem Zeitraum von 6 bis 18 Monaten.


Der Projekterfolg hängt stark von einer klar strukturierten Projektorganisation und einer frühzeitigen Einbindung des zuständigen Abschlussprüfers ab.


Der Projekterfolg hängt stark von einer klar strukturierten Projektorganisation und einer frühzeitigen Einbindung des zuständigen Abschlussprüfers ab. Neben definierten Verantwortlichkeiten, abgestimmten Verfügbarkeiten und klaren Eskalationsmechanismen sind insbesondere maßgeschneiderte Arbeitspläne entscheidend. Diese steuern den gesamten Prozess – von der Erstellung der Accounting Memos und Policies über die IFRS‑Eröffnungsbilanz bis hin zum prüfungsfähigen IFRS-Konzernabschluss.
 

Schritt 2: Accounting Memos für wesentliche IFRS-Themen erstellen

Im nächsten Schritt erfolgen detaillierte dokumenten- und datenbasierte Analysen, um die HGB-Ausgangsbasis in ein prospektfähiges, kapitalmarkttaugliches IFRS-Reporting zu überführen. Im Fokus stehen dabei insbesondere IFRS-Themen, die Darstellung, Vergleichbarkeit und Steuerungslogik maßgeblich beeinflussen.
 

IFRS 8 „Geschäftssegmente“:
Die Segmentberichterstattung prägt die externe Wahrnehmung von Performance und Steuerung und ist ein zentraler Baustein der Equity Story. Im IPO-Prozess ist sie häufig mit einem erhöhten Abstimmungs- und Erstellungsaufwand verbunden.
 

IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“:
Die Umsatzrealisierung ist im Kapitalmarktumfeld von zentraler Bedeutung, da sie die Aussagekraft und Vergleichbarkeit der Finanzinformationen wesentlich beeinflusst.
 

IFRS 16 „Leasingverhältnisse“:
Die Bilanzierung von Leasingverpflichtungen wirkt sich direkt auf wesentliche Kennzahlen aus. Das Nutzungsrechtsmodell führt durch Abschreibungen und Zinsaufwand häufig zu positiven EBITDA-Effekten. 
 

IFRS 18 „Darstellung und Angaben im Abschluss“:
Der Standard schaffte eine einheitliche Struktur für die Zuordnung von Erträgen und Aufwendungen zu Operating, Investing und Financing. Zudem gewinnen Management Performance Measures und die Vergleichbarkeit innerhalb der Peergroup an Bedeutung.
 

IFRS 2 „Anteilsbasierte Vergütung“:
Anteilsbasierte Vergütungen sind im IPO-Kontext besonders sensitiv ,da sie sowohl Verwässerungseffekte als auch die Ergebnisentwicklung beeinflussen. Neben der Vertragsanalyse erfordert dies die Entwicklung geeigneter Bewertungsmodelle sowie eine transparente Berichterstattung in den Notes.
 

Darüber hinaus sind die folgenden Standards von praktischer Relevanz:

  • IFRS 3 „Unternehmenszusammenschlüsse“: Unternehmensakquisitionen und Purchase Price Allocation
  • IAS 36 „Wertminderung von Vermögenswerten“: Werthaltigkeitstests inklusive Goodwill-Zuordnung zu zahlungsmittelgenerierenden Einheiten (CGUs)
  • IFRS 9 „Finanzinstrumente“

Die Resultate der qualitativen und quantitativen Analysen werden in IFRS‑1-konformen, prüfungsfähigen Accounting Memos dokumentiert. Diese umfassen die Behandlung von Bilanzierungswahlrechten, den generellen Sachverhalt, relevante Vertragsstrukturen, wesentliche Unterschiede zum HGB sowie die Quantifizierung und Auswirkungen auf Abschluss und Kennzahlen.
 

Schritt 3: Eröffnungsbilanz und erster IFRS-Konzernabschluss

Die in den Accounting Memos definierten Bilanzierungs- und Bewertungsansätze werden in der IFRS-Eröffnungsbilanz umgesetzt. Sie bildet den Ausgangspunkt der Rechnungslegung und stellt sämtliche Vermögenswerte und Schulden erstmals nach IFRS-Grundsätzen dar. Gleichzeitig reflektiert sie die vollständige Überleitung von HGB auf IFRS und definiert damit den bilanziellen Startpunkt für alle weiteren Berichtsperioden.
 

Die IFRS-Eröffnungsbilanz ist somit ein wesentlicher Meilenstein der IFRS Conversion. Eine frühzeitige Prüfung durch den Abschlussprüfer ermöglicht die frühe Identifikation eines potenziellen Anpassungsbedarfs und dessen unmittelbare Umsetzung in den Folgeperioden.
 

Darauf aufbauend wird der erste vollständige IFRS‑Konzernabschluss inklusive aller erforderlichen Vergleichsperioden erstellt. Er dient als belastbarer Nachweis der erfolgreichen IFRS Conversion und schafft die Grundlage für zukünftige Abschlüsse, Prüfungsprozesse sowie die externe Finanzberichterstattung im Kapitalmarkt.


Fazit

Ein strukturiertes Vorgehen – vom Quick Check über prüfungsfähige Accounting Memos bis zur IFRS‑Eröffnungsbilanz – ist entscheidend für Tempo, Qualität und Terminsicherheit. Eine frühzeitig geplante IFRS Conversion schafft die Grundlage für eine belastbare Kapitalmarkt‑Readiness und eine überzeugende Finanzkommunikation.


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