Bunte Datenbausteine in Bewegung

Wie der EY KI‑Agent die steuerliche Bescheidprüfung optimiert


Vom manuellen Prozess zur intelligenten Prüfung – das EY Tax Notice Center: Automatisiert. Zuverlässig. Konzernweit skalierbar.


Überblick

  • Ein KI‑gestütztes Fristen‑ und Bescheidmanagement sorgt für Transparenz, automatische Prüfungen und gezieltes manuelles Eingreifen bei Abweichungen.
  • Strukturiertes Bescheidmanagement ist ein zentraler Bestandteil von Tax CMS und Risikomanagement und hilft, finanzielle und haftungsrechtliche Folgen zu vermeiden.
  • Durchgängige Workflows, automatisierte Datenextraktion und Human‑in‑the‑Loop machen die Bescheidprüfung effizient und konzernweit skalierbar.

Je nach Unternehmensgröße und Zahl der Betriebsstandorte treffen jährlich Tausende steuerliche Bescheide ein. Wer hier den Überblick behalten will, benötigt nicht nur tiefes Fachwissen, sondern auch erhebliche Ressourcen und Organisationstalent. Denn mit jedem Bescheid müssen umfangreiche Zahlen und Daten geprüft werden, und zwar oft Monate oder sogar Jahre später, als die zugehörige Steuererklärung eingereicht wurde. Umso wundersamer ist die Vorstellung, dass der Bescheidprüfungsprozess weitgehend automatisiert abläuft. Eine zentrale Übersicht bietet jederzeit einen vollständigen Blick auf die Fristen, die KI‑gestützte Bescheidverarbeitung und den Bearbeitungsstatus aller fristgebundenen Vorgänge. Manuelles Eingreifen ist nur dann erforderlich, wenn definierte Schwellenwerte überschritten werden, Abweichungen zwischen Bescheid und Erklärung identifiziert wurden oder einzelne Bearbeitungsschritte bewusst einer gesonderten Freigabe vorbehalten sind. Genau das bietet unser EY Tax Notice Center.

Unangenehme Konsequenzen vermeiden

Für die Steuerabteilung handelt es sich um eine gewichtige Innovation. Denn die Praxis sieht so aus, dass sich Bescheide mit gleichen oder zeitlich nah beieinanderliegenden Einspruchsfristen oft kumulieren – etwa infolge steuerlicher Außenprüfungen. Komplexe Dokumente müssen mit höchster Sorgfalt in kürzester Zeit bearbeitet werden. Eine lückenhafte Kontrolle kann dabei schwerwiegende Konsequenzen haben. Fehlerhafte Festsetzungen können kurzfristig zu Liquiditätsproblemen führen, während die bindende Wirkung von Grundlagenbescheiden die Finanzplanung dauerhaft beeinflusst.

Teil des Risikomanagements

Zudem muss die Geschäftsführung nachweisen, dass sie ihrer Organpflicht nachkommt und steuerrelevante Prozesse wirksam überwacht. In einem funktionierenden Tax CMS sind daher sämtliche Kontrollen sorgfältig zu dokumentieren, um steuerliche, haftungsrechtliche und Reputationsrisiken zu minimieren. Das Bescheidmanagement bildet dabei einen wesentlichen Baustein und muss in das übergeordnete Risikomanagement eingebettet sein.

Aufwand minimieren

Beim EY Tax Notice Center orchestriert ein intelligentes Fristenkontroll- und Bescheidmanagement den gesamten Workflow über den vollständigen Lebenszyklus eines Bescheids hinweg – von der Erfassung bzw. den digitalen Bescheidabruf im Fristenkontrollbuch über die KI‑gestützte inhaltliche Prüfung bis hin zu möglichen Einsprüchen, Zahlungsvorgängen und der finalen Archivierung. Klare Aufgaben- und Verantwortlichkeitszuweisungen sorgen dabei für Transparenz und Effizienz. Im Ergebnis reduziert sich der Aufwand für die Bescheidprüfung auf ein Minimum – und die steuerliche Expertise im Unternehmen kann sich genau darauf konzentrieren, wo sie den größten Mehrwert schafft: die wirklich kritischen Sachverhalte.

Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Alle eingehenden Bescheide – unabhängig davon, ob digital bereitgestellt oder klassisch per Post zugestellt – werden zunächst im Fristenkontrollbuch erfasst. Dabei unterstützt ein KI‑Agent die Steuerabteilung sowie das Sekretariat bzw. die Posteingangsstelle bei der Post‑ und Fristerfassung, indem er relevante Bescheiddaten automatisiert ausliest und strukturiert aufbereitet. Zudem extrahiert der KI‑Agent definierte Bewegungsdaten – etwa Summen‑ und Einzelwerte – aus dem Bescheid sowie aus der zugrunde liegenden Steuererklärung oder entsprechenden Berechnungslisten. Welche Datenpunkte dabei verpflichtend zu prüfen sind, lässt sich je Bescheidart über standardisierte Prüfumfänge konfigurieren.

Abb.: Tax Notice Center
Intelligentes Fristenkontroll- und Bescheidmanagement

EY Tax Notice Center: intelligentes Fristenkontroll- und Bescheidmanagement.

Abb.: Beispiel Fristenkontrollbuch
Intelligentes Fristenkontroll- und Bescheidmanagement

EY Tax Notice Center: intelligentes Fristenkontroll- und Bescheidmanagement.

Automatisierte Datenextraktion

Die erforderlichen Steuererklärungsdaten können entweder direkt im System hochgeladen oder über Schnittstellen aus Vorsystemen bereitgestellt werden. Bei digitalen Steuerbescheiden, denen sämtliche enthaltenen Informationen zusätzlich in maschinenlesbarer Form (XML) beigefügt sind, kann der KI‑Agent diese strukturierten Daten direkt verarbeiten. Bei klassisch zugestellter Post werden die Dokumenteninhalte analysiert, strukturiert und in ein maschinell auswertbares Datenformat überführt. Auf diese Weise entsteht unabhängig vom Eingangsformat eine einheitliche digitale Datengrundlage für die Fristerfassung und die nachgelagerte Bescheidprüfung.

Konzernweit nutzbar

Anhand der erfassten Bescheidinformationen berechnet das System automatisch die jeweils maßgebliche Rechtsbehelfsfrist. Dabei berücksichtigt es unter anderem lokale Feiertagsregelungen. Über entsprechende Konfigurationsmöglichkeiten lässt sich die Fristlogik zudem auf weitere Jurisdiktionen mit vergleichbarem Veranlagungs‑ und Bescheidwesen ausweiten. Die berechnete Frist kann bei Bedarf manuell angepasst werden, um besondere verfahrensrechtliche Konstellationen oder Einzelfälle sachgerecht abzubilden. Optional lässt sich darüber hinaus ein Vier-Augen-Prinzip implementieren, bei dem ein:e Reviewer:in die erfassten Daten sowie die berechnete Rechtsbehelfsfrist vor der inhaltlichen Bescheidprüfung prüft und freigibt.

Human-in-the-Loop

Nach der Fristerfassung wird die inhaltliche Prüfung und Weiterverarbeitung des Bescheids in einen individuell konfigurierbaren Workflow überführt. Dieser ermöglicht eine strukturierte Bescheidprüfung und ‑verarbeitung durch die Steuerabteilung oder – je nach Ausgestaltung – unter Einbindung externer Beratung. Die Zuordnung von Verantwortlichkeiten sowie die Auswahl des jeweils passenden Workflows erfolgen automatisiert nach dem „Human-in-the-Loop“-Prinzip. Grundlage hierfür sind die Ergebnisse der initialen KI‑gestützten Vorprüfung – etwa die Überschreitung definierter Schwellenwerte oder festgestellte Abweichungen zwischen Bescheid und Erklärung – ergänzt um weitere vordefinierte Kriterien wie Gesellschaft, Steuerart, Bescheidart oder Veranlagungsjahr.

Individuelle Prozesse

Auf dieser Basis entsteht eine integrierte Kollaborationsplattform, in der automatisierte Verarbeitung und fachliche Expertise gezielt zusammenwirken. Neben der internen Steuerabteilung lassen sich externe Berater strukturiert einbinden, wodurch auch eine gezielte Auslagerung einzelner Bearbeitungsschritte ermöglicht wird. Jeder Arbeitsschritt ist zudem mit einer eigenen Bearbeitungsfrist versehen und wird systemseitig kontinuierlich überwacht. Wird eine Aufgabe nicht fristgerecht erledigt, greift ein (konfigurierbarer) Eskalationsmechanismus, der automatisch Prozessverantwortliche informiert. So wird eine lückenlose Fristenkontrolle auch bei komplexen, arbeitsteiligen Prüfprozessen gewährleistet und die Einhaltung steuerlicher Fristen nachhaltig abgesichert.


Verzögerung der flächendeckenden digitalen Bereitstellung von Steuerbescheiden

Derzeit erreicht die Behördenpost in Deutschland Unternehmen meist noch klassisch per Brief. Das soll sich jedoch ändern: Mit der Einführung des digitalen Verwaltungsaktes (DIVA) hielt die Digitalisierung bereits 2020 Einzug – zunächst bei den Einkommensteuerbescheiden. Mit DIVA II, der zweiten Ausbaustufe, werden nun sukzessive weitere Verwaltungsakte und Steuerarten digital verfügbar gemacht.

Das im Jahr 2024 verabschiedete Vierte Bürokratieentlastungsgesetz legte fest, dass der digitale Bescheid zum Regelfall wird – ursprünglich mit Start zum 1. Januar 2026. Durch das Gesetz zur Anpassung des Mindeststeuergesetzes vom 13. November 2025 wurde diese Verpflichtung zur elektronischen Bekanntgabe jedoch um ein Jahr verschoben. Offiziell begründet die Bundesregierung diesen Schritt mit dem notwendigen zusätzlichen Vorbereitungsbedarf für Steuerpflichtige und Beratende; zugleich bestehen weiterhin technische Defizite in der Finanzverwaltung.

Darüber hinaus wurde für 2026 ein grundlegender Systemwechsel vollzogen – vom Einwilligungs‑ zum Opt‑out‑Modell: Die Neufassung des § 122a AO erlaubt es den Finanzbehörden nun, ohne vorherige Zustimmung des Steuerpflichtigen vom Papier‑ auf den digitalen Bescheid umzustellen. Wer dies nicht wünscht, muss der Behörde aktiv widersprechen.

Unklar bleibt jedoch, in welchem Umfang von diesem neuen Rechtsmechanismus tatsächlich Gebrauch gemacht wird. Faktisch entsteht damit ein hybrider Bekanntgabemodus, in dem analoge und digitale Verwaltungsakte auf absehbare Zeit parallel geprüft werden müssen.


Zuverlässiger Bescheidabgleich

Bei Fällen, die ein manuelles Eingreifen erfordern, unterstützen automatisierte Abgleichmechanismen die bearbeitende Person, indem sie Abweichungen zwischen Bescheid und Erklärung systematisch hervorheben. Durch strukturierte Prüfmechanismen, Kommentarfunktionen und eine klare Gliederung der Werte stehen alle entscheidungsrelevanten Informationen kompakt zur Verfügung. Kommt die bearbeitende Person im Rahmen einer fachlichen Würdigung zu dem Ergebnis, ein Rechtsmittel einlegen zu wollen, bereitet ein KI‑Agent einen entsprechenden Entwurf vor, der anschließend geprüft, finalisiert und fristgerecht versendet wird.

Dashboard verschafft Überblick

Im zentralen Dashboard stehen sämtliche relevanten Echtzeitinformationen gebündelt zur Verfügung. Auf einen Blick sind die gerade zu bearbeitenden Bescheide inklusive ihrer Dringlichkeit sowie der jeweilige Bearbeitungsstatus ersichtlich. Dieser reicht von Bescheiden im Status „eingegangen“, bei denen die Fristerfassung zunächst freigegeben werden muss, über Bescheide in aktiver Bearbeitung, bei denen die KI‑gestützte Vorprüfung bereits erfolgt ist. Auch Fälle, in denen das Prüfergebnis zwar „veranlagt wie erklärt“ lautet, dennoch aber eine finale Freigabe durch einen Menschen, der mit der Bearbeitung befasst ist, vorgesehen ist, werden transparent abgebildet. Gleiches gilt für Bescheide, bei denen aufgrund technischer Verarbeitungsfehler, festgestellter Abweichungen zwischen erklärten und festgesetzten Daten oder überschrittener Schwellenwerte eine vertiefte fachliche Prüfung erforderlich wird. Ein Bescheid gilt als abgeschlossen, wenn die Prüfung das Ergebnis „veranlagt wie erklärt“ liefert und freigegeben wurde oder wenn nach manueller Prüfung entschieden wurde, dass ein Rechtsmittel eingelegt wird.

DIVA II bietet neue Chancen

Mit der Ausweitung des digitalen Verwaltungsaktes über die Einkommensteuerbescheide hinaus auf weitere Verwaltungsakte und Steuerarten (DIVA II) bieten sich für die Steuerfunktion ab dem 1. Januar 2027 zusätzliche Chancen: Sie ermöglicht den Aufbau eines digitalen, skalierbaren Empfangsprozesses mit planbarem Beginn des Fristlaufs – ein deutlicher Gewinn an Struktur und Entlastung für Steuerabteilungen. Mit der passenden Softwareunterstützung wird die Bescheidprüfung damit künftig nahezu zum Kinderspiel.


EY Tax Notice Center – Ihre Vorteile auf einen Blick:

  • Die niedrige Eingangsschwelle macht das EY Tax Notice Center bereits ab 50 Vorgängen pro Jahr sinnvoll.
  • Es handelt sich um eine äußerst flexible Gesamtlösung mit vollständig integrierten KI-Agenten ohne Medienbrüche.
  • Einsetzbar ist das EY Tax Notice Center nicht nur für alle Bescheidarten, sondern auch für die weitere Korrespondenz mit den Finanzbehörden.
  • Die Lösung ist konzernweit über Jurisdiktionen mit vergleichbarem Veranlagungs‑ und Bescheidwesen hinweg nutzbar und skalierbar.
  • Das EY Tax Notice Center fördert Ihre übergeordnete Datenstrategie, da alle Daten in Realtime auch in Ihren Data Lake/Data Hub geschrieben werden können.

Das EY Tax Notice Center ist ein Modul unserer Steuerplattform EY Tax Suite für steuerliches Prozess- und Risikomanagement.

Vereinbaren Sie noch heute eine kostenlose Live-Demo!


Co-Autor: Jonas Obermeyer

Fazit

Durch die Kombination aus KI‑gestützter Datenextraktion, regelbasierter Fristenkontrolle, workflowbasierter Verarbeitung und standardisierten Prüfumfängen ermöglicht unsere Lösung ein kontrolliertes und skalierbares Bescheidmanagement. Automatisierung und fachliche Expertise greifen ineinander: Routinefälle werden effizient verarbeitet, während komplexe Sachverhalte strukturiert zur Prüfung vorgelegt werden. So werden Bescheide vom zeitintensiven Risikofaktor zu einem transparenten und beherrschbaren Bestandteil moderner Steuerprozesse. 



Mehr zum Thema

Welche Anforderungen die EU-KI-Verordnung an Hochrisiko-KI-Systeme stellt

Eine Brüsseler Verordnung beschreibt das Pflichtenheft für KI-Anwendungen entlang der Wertschöpfungskette.

Wie KI die Steuerabteilungen effizienter macht

So ein bisschen fremdelt die Steuer-Community noch mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Dabei spielen Daten und automatisierte Systeme eine immer wichtigere Rolle. Inzwischen gibt es einen großen Steckschlüsselsatz für einen passgenauen Einsatz. Wir geben eine Einführung und räumen mit Mythen auf.

Wie Effi dem TOM auf die Sprünge hilft

Künstliche Intelligenz steigert die Leistung der Steuerabteilung immens. Ein Fallbeispiel der Tüftelfleißig AG.