Die SAP-S/4HANA-Transformation ist für Steuerabteilungen weit mehr als eine technische Umstellung. Sie bietet die Chance, insbesondere den Bereich der direkten Steuern strukturell neu auszurichten und stärker in Unternehmensprozesse zu integrieren. Entscheidend sind dabei die frühzeitige Einbindung der Steuerfunktion, ein klarer Fokus auf Datenqualität sowie ein durchdachtes Zielbild für Prozesse und Systemarchitektur.
SAP Fiori spielt hier eine Schlüsselrolle. SAP-Fiori-basierte Anwendungen ermöglichen die Anreicherung steuerlicher Daten, die Standardisierung von Buchungen, die Abbildung integrierter Bilanzprozesse, die strukturierte Erhebung zusätzlicher Steuerinformationen sowie die Bereitstellung von Reports und Datenpaketen auf Knopfdruck.
Ein Blick auf die SAP-S/4HANA-Systemlandschaft zeigt, dass die direkten Steuern an verschiedenen Stellen verankert sind: im Accounting, auf transaktionaler Ebene (etwa im Bereich der Quellensteuer) und in Stammdaten. Deshalb ist der Bereich der direkten Steuern häufig nur eingeschränkt transparent und kann nur mit erheblichem manuellen Aufwand ausgewertet werden. Aus diesem Grund bieten Transformationsprojekte für die direkten Steuern erhebliches Potenzial. Im Mittelpunkt stehen dabei zentrale Fragen: Wie sollen steuerliche Prozesse künftig ausgestaltet sein? Welche Daten werden benötigt? Und wie können diese Prozesse und Daten technologisch in SAP S/4HANA abgebildet werden?
SAP als Single Source of Truth
Die steuerlich relevanten Informationen sollten an der Quelle, also im SAP-System selbst, strukturiert verfügbar sein. Die Nutzung dieser Daten kann anschließend für unterschiedliche steuerliche Zwecke erfolgen, etwa für Simulationen, Forecasts, Monitoring oder Reporting. Ein nachhaltiges steuerliches Datenmanagement in SAP ist damit eine wesentliche Voraussetzung für die Weiterentwicklung zu einer datenzentrierten Steuerfunktion. Entscheidend ist es zugleich, die Verteilung von Steuerdaten auf eine Vielzahl nachgelagerter Tools zu vermeiden. Je stärker steuerliche Informationen außerhalb des ERP-Systems fragmentiert werden, desto höher ist das Risiko von Medienbrüchen, Inkonsistenzen und manuellen Abstimmungen. Stattdessen rückt SAP als zentrale Datenbasis in den Mittelpunkt der Datenlandschaft.
Wo Standardstrukturen an ihre Grenzen stoßen, eröffnen SAP-Fiori-basierte Anwendungen neue Möglichkeiten. Diese können sowohl zur qualitativen Anreicherung steuerlicher Daten, etwa durch Tax-Data-Management-Apps, als auch zur strukturierten Auswertung, etwa durch Tax-Reporting-Apps, eingesetzt werden.
SAP Fiori als Enabler
SAP Fiori spielt im Kontext der direkten Steuern eine zentrale Rolle, weil es bestehende SAP-Standardfunktionalitäten gezielt ergänzen kann, ohne zwingend eine neue Tool-Landschaft zu schaffen. Ein wesentlicher Vorteil liegt darin, dass SAP Fiori im Rahmen moderner S/4HANA-Transformationsprojekte regelmäßig bereits Bestandteil der IT-Architektur ist. Für die direkten Steuern ist dies besonders relevant. Viele Anforderungen lassen sich nicht allein über standardisierte Buchungs- oder Ledger-Strukturen abbilden. Gleichzeitig besteht ein hoher Bedarf, steuerliche Daten gezielt anzureichern, zu klassifizieren, zu validieren und für Compliance-, Reporting- oder Steuerungszwecke auszuwerten.
Tax Master Data Management
Gepflegte steuerliche Stammdaten bilden die Grundlage für ein belastbares Tax Data Management in SAP. In der Praxis sind diese Informationen häufig nur teilweise im System verfügbar und müssen je nach Steuerart gezielt erweitert werden. SAP Fiori ermöglicht es, bestehende Stammdatensätze flexibel um steuerrelevante Attribute zu ergänzen und damit auch für diesen Bereich eine zentrale, konsistente Datenbasis im Sinne einer Single Source of Truth zu schaffen. Relevante Stammdaten können dabei von Angaben zu Finanzbehörden über Beteiligungsstrukturen und Informationen zu ertragsteuerlichen Organschaften bis hin zu weiteren Attributen wie Verlustvortragswerte reichen, die für Direct-Tax-Prozesse, Reporting und Steuerbilanzierung erforderlich sind.
Tax Tagging
Ein weiterer SAP Fiori Use Case ist das Kennzeichnen steuerlicher Sachverhalte auf Transaktionsebene. Beim Tax Tagging werden Geschäftsvorfälle eindeutig gekennzeichnet, kategorisiert und strukturiert erfasst. So lassen sich etwa Sachverhalte im Zusammenhang mit der Zinsschranke, gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen, nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben oder steuerfreien Erträgen auf transaktionaler Ebene identifizieren, dokumentieren und für Compliance-Zwecke mappen.