Pressemitteilung
04 Aug. 2026  | Stuttgart, Germany

Banken blicken pessimistischer auf Konjunktur – bleiben aber optimistisch für ihr eigenes Geschäft

  • Konjunkturstimmung gekippt: Nur 17 Prozent erwarten Verbesserung, 56 Prozent eine Eintrübung
  • 93 Prozent der Banken rechnen mit steigenden Kreditrisiken
  • Strukturwandel und Altersvorsorge eröffnen neue Erlöspotenziale; KI soll vor allem Kosten senken
  • Regulierung wird als Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit wahrgenommen

Frankfurt am Main, 4. August 2026. Die Banken in Deutschland blicken skeptisch auf die Konjunktur – sehen sich selbst aber weiterhin in robuster Verfassung. Nur 17 Prozent der Institute erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine leichte Verbesserung der Wirtschaftslage, 56 Prozent rechnen dagegen mit einer Eintrübung (47 Prozent leicht, neun Prozent deutlich). So pessimistisch war die Einschätzung zuletzt im Sommer 2019.
Der Kontrast ist deutlich: Während die Konjunkturerwartungen eingetrübt sind, bewerten 78 Prozent der Finanzinstitute ihre aktuelle Geschäftsentwicklung als positiv und neun Prozent sogar als sehr positiv. Auch für die kommenden zwölf Monate überwiegt der Optimismus: 76 Prozent rechnen mit einer positiven Entwicklung des eigenen operativen Geschäfts, sieben Prozent sogar mit einer sehr positiven.

Entsprechend rechnen die Banken mit Auswirkungen im Kreditgeschäft: 93 Prozent der befragten Institute erwarten steigende Kreditrisiken – 59 Prozent mit leicht, 34 Prozent sogar mit deutlich steigenden Risiken. Entsprechend erwarten 63 Prozent der Häuser, dass die Kreditvergabe an Unternehmen in den kommenden sechs Monaten restriktiver sein könnte; immerhin 36 Prozent rechnen mit unveränderten Konditionen.
Das sind die Ergebnisse des aktuellen Bankenbarometers der Prüfungs- und Beratungs-gesellschaft EY. Für die Studie wurden 100 Finanzinstitute in Deutschland befragt.

„Die Banken unterscheiden klar zwischen der gesamtwirtschaftlichen Lage und ihrer eigenen Verfassung. Sie haben ihre Hausaufgaben bei Effizienzsteigerung und Kostendisziplin gemacht und stehen operativ stabil da“, sagt Ralf Eckert, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. „Gleichzeitig rechnet die klare Mehrheit mit steigenden Kreditrisiken und will Kredite vorsichtiger vergeben.“

Geopolitik und Souveränität: bislang begrenzte strategische Folgen

Geopolitische Risiken führen bislang nur selektiv zu strategischen Anpassungen: 23 Prozent der Finanzinstitute haben ihre Geschäftsstrategien kürzlich angepasst, keines sah sich zu einer grundlegenden Überarbeitung gezwungen. „Es hat uns überrascht, dass 42 Prozent der befragten Banken keine Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Risiken auf die eigene Geschäftsstrategie sehen und deshalb auch keinen Änderungsbedarf erkennen“, sagt Gunther Tillmann, Leiter des Bereiches Banken und Kapitalmärkte bei EY. Auch beim Thema Souveränität sehen drei von vier Häusern keine Notwendigkeit, die eigene Strategie anzupassen; nur fünf Prozent haben bereits eine überarbeitete Souveränitätsdefinition in ihre Strategie aufgenommen.

Konsolidierungs- und Wettbewerbsdruck bleibt hoch

Der Wettbewerbs- und Konsolidierungsdruck bleibt hoch: 63 Prozent der Institute rechnen bereits in den kommenden zwölf Monaten mit einer zunehmenden Konsolidierung im deutschen Bankensektor, auf Sicht von drei Jahren erwarten dies 86 Prozent. Zugleich rechnen viele Häuser mit steigender bzw. stark steigender Konkurrenz, vor allem durch Auslandsbanken (68 Prozent) sowie Fintechs und Neobanken (50 Prozent).

Neue Erlösquellen: Strukturwandel und Altersvorsorge

Zusätzliches Geschäft erwarten die Banken vor allem aus zwei Feldern: 68 Prozent nennen die Finanzierung des Strukturwandels der deutschen Wirtschaft weiterhin als mögliche zusätzliche Einnahmequelle, 63 Prozent sehen neues Potenzial durch die Altersvorsorgereform. Weitere Erlöspotenziale sehen die Institute in Nachhaltigkeit und ESG (43 Prozent) sowie stark steigend in der Finanzierung von Verteidigung und Sicherheit (35 Prozent). Die besten Perspektiven sehen die Häuser für die kommenden zwölf Monate im gehobenen Privatkundengeschäft und im Wertpapierhandel und -dienstleistungen.

Cybersicherheit und KI im Fokus

Bei den strategisch wichtigen Themen dominiert die Cybersicherheit: 87 Prozent der Institute messen ihr große Bedeutung bei – mehr als jedem anderen Thema. Es folgen mobile Bankanwendungen (69 Prozent) und digitale Zahlungslösungen (63 Prozent). Generative KI gewinnt weiter an Relevanz: 42 Prozent haben bereits GenAI-Anwendungsfälle identifiziert; weitere 38 Prozent sind in der Planungsphase.
„Das größte Potenzial für GenAI sehen drei von vier Banken klar im Back Office – bei internen Prozessen und der Regulatorik –, nur vier Prozent im Front Office an der Schnittstelle zum Kunden“, sagt Gunther Tillmann. „Die Institute erwarten vom Einsatz vor allem Einsparungen: 62 Prozent rechnen mit weniger Verwaltungsaufwand durch optimierte Personalkosten, 49 Prozent durch optimierte Sachkosten. Der Sprung zur durchgängigen Prozessautomatisierung und die Fokussierung auf zusätzliche Ertragspotentiale steht bei den meisten Instituten noch aus.“

Personalbestand stabil – Fokus auf Risiko, Compliance und IT

Beim Personalbestand rechnen 56 Prozent der Institute in den kommenden sechs Monaten mit einer konstanten Entwicklung; 20 Prozent erwarten einen Anstieg, 22 Prozent einen leichten Rückgang. Zuwächse werden vor allem in den Zentralbereichen Risikomanagement, Compliance und IT erwartet, wo 36 Prozent der Häuser mit steigendem Personalbedarf rechnen. Beim demografischen Wandel zeigen sich die Institute zuversichtlich: 79 Prozent gehen davon aus, die anstehenden Veränderungen durch Neueinstellungen kompensieren zu können, und 83 Prozent wollen verstärkt neue Technologien einsetzen.

Filialabbau soll abgeschwächt weitergehen

Keines der befragten Institute plant auf Sicht von zwölf Monaten, die Zahl der Filialen zu erhöhen. „Das Thema ‚Wie viele Filialen sind notwendig?‘ steht weit oben auf der Agenda: 95 Prozent der befragten Institute erwarten bis 2027 einen Rückgang der Filialzahl, immerhin fünf Prozent gehen von einer konstanten Zahl aus – im Vorjahr lag der Wert bei Null. Nur noch 37 Prozent rechnen mit einem mittleren bis starken Rückgang, im Vorjahr lag der Wert noch bei 59 Prozent“, kommentiert Gunther Tillmann.

Regulierung als Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit

Als besonders relevante regulatorische Themen nennen die Institute Basel III/IV (92 Prozent), DORA (89 Prozent) und die EU-Geldwäscheverordnung AMLA (83 Prozent). Knapp drei Viertel der Häuser (72 Prozent) sehen in den regulatorischen Anforderungen mindestens eine moderate Herausforderung für ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit. Deutlich angestiegen im Vergleich zur letzten Befragung ist die Zahl der Institute (25 Prozent), die in der Regulierung einen signifikanten Nachteil für den Wettbewerb mit internationalen Playern sehen, besonders mit US-regulierten Banken.

- Ende -

Ansprechpartner für Medien:
Heiner Seidel -- 0163 939 15231 -- heiner.seidel@de.ey.com
 
EY im Überblick

EY* ist eine der großen deutschen Prüfungs- und Beratungsorganisationen. In der Steuerberatung ist EY deutscher Marktführer. EY beschäftigt mehr als 10.800 Mitarbeitende an 18 Standorten. Gemeinsam mit den rund 406.000 Mitarbeitenden der internationalen EY-Organisation betreut EY Mandanten überall auf der Welt.

EY bietet sowohl großen als auch mittelständischen Unternehmen ein umfangreiches Portfolio von Dienstleistungen an: Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Rechtsberatung, Strategy and Transactions, Consulting und Immobilienberatung.

*Der Name EY bezieht sich in diesem Profil auf alle deutschen Mitgliedsunternehmen von Ernst & Young Global Limited (EYG), einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach englischem Recht. Jedes EYG Mitgliedsunternehmen ist rechtlich selbstständig und unabhängig und haftet nicht für das Handeln und Unterlassen der jeweils anderen Mitgliedsunternehmen.