- Studentinnen und Studenten, die sich als überdurchschnittlich gut einschätzen, stehen der Künstlichen Intelligenz (KI) kritischer gegenüber als unterdurchschnittliche Hochschülerinnen und Hochschüler
- 79 Prozent der Studierenden finden, dass KI im Studium erlaubt sein sollte – fünf Prozent weniger als vor zwei Jahren
- Die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) rechnet mit keiner oder einer unbedeutenden Rolle der Technologie für das eigene Berufsleben
- Mehr als jede und jeder dritte Studierende (37 Prozent) sieht in der KI trotzdem eine Gefahr für die eigene Karriere
- Die Mehrheit sagt, dass die Technologie Arbeitsplätze eher gefährden (53 Prozent) als schaffen (27 Prozent) wird
Gehen Studierende zu sorglos und unkritisch mit den Ergebnissen, die die Künstliche Intelligenz (KI) ihnen liefert, um? Weniger als ein Drittel der Befragten (29 Prozent) einer aktuellen EY-Studie gibt an, die Inhalte und Antworten, die die Technologie für sie erstellt, grundsätzlich zu überprüfen. Auffällig: Frauen (32 Prozent) geben etwas häufiger als Männer (26 Prozent) an, dies zu tun. Studierende, die sich selbst als „exzellent“ einstufen (36 Prozent), überprüfen die Informationen, die die Künstliche Intelligenz für sie generiert, am häufigsten „immer“ – „unterdurchschnittliche“ Befragte am seltensten (25 Prozent). Interessant: Die beiden Fachrichtungen, in denen KI am kritischsten gesehen wird – in den Kultur- (35 Prozent) sowie den Sprach- und Literaturwissenschaften (34 Prozent) – überprüfen die angehenden Akademikerinnen und Akademiker am häufigsten grundsätzlich die Ergebnisse, die die Künstliche Intelligenz ihnen erstellt. Studierende der Wirtschaftswissenschaften (24 Prozent) und der Medizin (25 Prozent) belegen in dieser Kategorie dagegen die letzten Plätze. Mehr als ein Fünftel der Befragten insgesamt (22 Prozent) gibt darüber hinaus sogar an, Texte und sonstige Inhalte selten oder nie zu überprüfen.
Dabei ist das Nutzungsverhalten beim Einsatz der Technologie auf einem hohen Niveau: Mehr als vier von zehn Studierenden (44 Prozent) nutzen täglich Anwendungen aus dem KI-Kosmos – Männer (49 Prozent) häufiger als Frauen (40 Prozent). Zusammen mit den Nutzerinnen und Nutzern, die KI-Dienste und -Programme gelegentlich (mehrfach in der Woche) nutzen, stellen sie die deutliche Mehrheit: 87 Prozent der Befragten nutzen die Technologie regelmäßig. Unter den Befragten, die angaben, KI mehrere Male pro Woche zu nutzen, sind die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften mit 93 Prozent Spitzenreiter.
Aktuell sagen fast acht von zehn Studierenden hierzulande (79 Prozent) außerdem, dass sie grundsätzlich finden, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Studium erlaubt sein sollte. Auf den ersten Blick ein sehr hoher Wert, allerdings: Bei der letzten Befragung im Jahr 2024 war der Anteil noch um fünf Prozentpunkte höher. Das sind Ergebnisse einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Für die Studie wurden mehr als 2.000 Studentinnen und Studenten im Frühjahr 2026 befragt.
Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Personal und Unternehmenskultur bei EY, sagt: „Die aktuelle Studierenden-Generation hat Künstliche Intelligenz längst in ihr Leben integriert und sie nutzt diese Technologie inzwischen als selbstverständliches Werkzeug. Dies kann bei professionellem Einsatz ein starker Vorteil im akademischen Alltag und als Vorbereitung auf das Arbeitsleben sein. Zu denken geben sollte aber auch, dass diese Selbstverständlichkeit offenbar nicht immer und überall mit der nötigen kritischen Distanz einhergeht. Gleichzeitig blicken angehende Akademiker aber auch kritischer auf die möglichen Auswirkungen von KI für die eigene Karriere und den Arbeitsmarkt insgesamt als noch vor wenigen Jahren.“
Nicole Dietl, Partnerin Assurance und Talent Leaderin bei EY, sagt: „Wer Ergebnisse – ob von einer Technologie, einer Person oder einer anderen Quelle – ungeprüft übernimmt, lagert nicht nur essenzielle Aufgaben aus, sondern schleichend auch das eigene Urteilsvermögen. Genau dieses eigenständige Denken aber wird auf einem Arbeitsmarkt, der Routine zunehmend automatisiert, zur eigentlichen Schlüsselqualifikation. Die Fähigkeit, KI-Ergebnisse zu hinterfragen, einzuordnen und zu verantworten, entscheidet künftig darüber, ob jemand die Technologie beherrscht – oder von ihr beherrscht wird.“
Künstliche Intelligenz: Karriere-Kick oder Karriere-Killer?
Knapp einer von vier Befragten (24 Prozent) sagt, dass das Wissen um die Anwendungsmöglichkeiten von KI im Arbeitsumfeld schon heute alternativlos ist. Insgesamt 54 Prozent geben dagegen an, dass die Technologie ihrer Meinung nach aktuell im Job noch nicht unverzichtbar ist — bald aber sein wird. Nur etwas mehr als ein Fünftel (22 Prozent) rechnet nicht damit, dass die Technologie und damit verbundene Anwendungen im Arbeitsleben essenziell sein werden. Weniger als die Hälfte der Befragten (45 Prozent) geht zudem davon aus, dass KI eine große Rolle in ihrem Berufsleben spielen wird. Ebenso viele rechnen nur mit einer unbedeutenden Rolle der Anwendungen, eine bzw. einer von zehn Befragten (10 Prozent) geht sogar so weit, dass KI gar keine Rolle im eigenen Berufsleben spielen wird.
Allerdings sehen mit 37 Prozent mehr als ein Drittel der Befragten KI auch als Gefahr für ihren Job und ihre Karriere – unter Frauen (33 Prozent) ist der Anteil etwas geringer als unter männlichen Befragten (40 Prozent). Keinerlei Gefahr sieht dagegen jede und jeder fünfte Studierende (22 Prozent). Hinz: „Dass viele Studierende Künstliche Intelligenz zunehmend auch als Karriererisiko wahrnehmen, ist nachvollziehbar: Die Technologie verändert Berufsbilder bereits heute spürbar und übernimmt gerade jene Routinetätigkeiten, über die viele junge Menschen bislang den Einstieg in ihr Berufsleben gefunden haben. Gleichzeitig entsteht der Eindruck, dass die Anforderungen an Berufseinsteiger steigen, weil Unternehmen früher eigenständiges Denken, Problemlösungskompetenz und den souveränen Umgang mit KI erwarten. Die Sorge ist daher weniger das Resultat der Angst vor der Technologie als die Unsicherheit davor, wie stark sich die Spielregeln auf dem Arbeitsmarkt verändern.“
Mehrheit der Studierenden sieht Gefahr für den Arbeitsmarkt durch KI
Dass Künstliche Intelligenz den eigenen Karriereweg gefährden wird, befürchten sowohl „unterdurchschnittliche“ Studierende (42 Prozent) als auch „exzellente“ Studierende (45 Prozent) häufiger als ihre durchschnittlichen Kommilitoninnen und Kommilitonen (36 Prozent). Mit Blick auf die Fachrichtungen zeigt sich: Befragte aus den Fachbereichen Kultur- (58 Prozent) sowie den Sprach- und Literaturwissenschaften (53 Prozent) sind deutlich skeptischer als der Durchschnitt, in den Natur- (26 Prozent) und den Sozialwissenschaften (27 Prozent) ist der Anteil der Studierenden mit Skepsis dagegen deutlich geringer.
Noch deutlicher wird das Arbeitsplatzrisiko durch KI bei der Frage, ob die Technologie Arbeitsplätze schaffen oder gefährden wird: Hier gehen 53 Prozent der Studierenden von einer Gefahr durch Künstliche Intelligenz für den Jobmarkt aus. 27 Prozent der Befragten gehen hingegen von einer Verbesserung der Beschäftigungslage durch KI aus. Männer haben eine deutlichere Meinung zum Thema als Frauen, von denen knapp ein Viertel sagt, dass sie sich unsicher sind, in welche Richtung es sich entwickeln wird. Dietl: „Dass eine so große Gruppe eine Gefahr für den Arbeitsmarkt sieht, ist ein deutliches Signal – aber es beschreibt keinen unabänderlichen Automatismus. Ob Künstliche Intelligenz Arbeitsplätze vernichtet oder neue schafft, hängt weniger von der Technologie selbst ab als davon, wie Unternehmen, Hochschulen und Politik den Übergang gestalten. Die vielfach geäußerte Unsicherheit ist dabei eine ehrliche Reaktion auf eine offene Entwicklung. Entscheidend wird sein, dieser Generation die Kompetenzen mitzugeben, mit denen sie den Wandel aktiv mitgestaltet – dann kann aus einer empfundenen Bedrohung eine echte Chance werden.“
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