- 23 Prozent der Befragten nutzen KI-Anwendungen, um schnelle Gesundheitsinformationen zu bekommen, ohne eine Praxis aufsuchen zu müssen
- Insgesamt gibt mehr als die Hälfte der Menschen (54 Prozent) hierzulande an, KI für die eigene Gesundheit zu nutzen
- Fast jede und jeder Zweite (48 Prozent) in Deutschland sagt, dass der positive Einfluss der Technologie schon jetzt spürbar sei
- Nur etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) hierzulande gibt an, KI gut zu verstehen und sinnvoll einzusetzen
Künstliche Intelligenz ist für viele Menschen in Deutschland längst im Alltag angekommen – auch bei Fragen rund um Gesundheit und Wohlbefinden. Mehr als jede und jeder Zweite (54 Prozent) hat in den vergangenen Monaten entsprechende Anwendungen genutzt. Damit ist KI für viele Menschen hierzulande kein abstraktes Technologiethema mehr, sondern ein praktisches Hilfsmittel im Alltag. Im internationalen Vergleich zeigt sich jedoch, dass die Nutzung von KI in Gesundheitsfragen in Deutschland weniger ausgeprägt ist als in anderen Ländern: Weltweit liegt der Nutzungsdurchschnitt bei 62 Prozent. Besonders hoch ist sie in Indien (90 Prozent) und China (89 Prozent). Japan bildet mit 42 Prozent das Schlusslicht des Panels.
Und so nutzen die Menschen in Deutschland KI, wenn es um ihre Gesundheit geht: Fast jede und jeder Vierte (23 Prozent) sagt, dass er in den vergangenen sechs Monaten Anwendungen aus diesem Bereich genutzt hat, um schnell an Gesundheitsinformationen zu kommen, ohne zum Arzt zu müssen. Ein Fünftel (20 Prozent) nutzt KI, um eigene Symptome zu analysieren. Auch für die mentale Gesundheit nutzen zahlreiche Befragte hierzulande die Technologie: 14 Prozent geben an, dass sie derartige Tools für Gespräche über das eigene Befinden verwenden und sich den Programmen anvertrauen können. Eine bzw. einer von zehn Befragten (10 Prozent) verwendet KI, um die Hinweise in Beipackzetteln von Medikamenten zu verstehen.
Dies sind Ergebnisse des „AI Sentiment Index 2026 – Fokusthema Wellbeing“ von EY, für den weltweit rund 18.000 Menschen in 23 Ländern befragt wurden – 1.000 davon in Deutschland.
Dr. Christian Wesp, EY Europe West Artificial Intelligence Lead, sagt: „KI wird von vielen Menschen bereits als niedrigschwellige Unterstützung im Alltag genutzt. Gerade bei Gesundheitsfragen, bei denen es oft um schnelle Orientierung geht, kann die Technologie dabei helfen, Verständnishürden zu überwinden oder eine erste Einschätzung zu Symptomen zu erhalten. Gleichzeitig dürfen diese Ergebnisse aber nicht als der Weisheit letzter Schluss gesehen werden. KI kann Hinweise liefern, aber sie ersetzt keine ärztliche Diagnose.“
Auffällig ist eine deutliche Diskrepanz zwischen Nutzung und Verständnis der Technologie. Während die Mehrheit der Menschen hierzulande KI für Gesundheitsfragen nutzt, gibt nur etwas mehr als ein Viertel (28 Prozent) an, Künstliche Intelligenz an sich gut zu verstehen und sinnvoll einsetzen zu können. Damit liegt Deutschland unter dem internationalen Durchschnitt von 34 Prozent. Besonders hoch ist das KI‑Verständnis nach eigener Einschätzung dagegen in Indien (67 Prozent) und Saudi-Arabien (48 Prozent). Zu den Ländern mit den niedrigsten Werten zählen Japan (15 Prozent) sowie Deutschland gemeinsam mit China und Schweden (jeweils 28 Prozent).
Gerade im sensiblen Gesundheitskontext ist diese Lücke zwischen Nutzung und Verständnis relevant. Denn je persönlicher die Anwendungsfelder werden, desto wichtiger sei es, Funktionsweise und Grenzen der Systeme zumindest grundlegend einschätzen zu können, findet Dr. Regina Vetters, Leiterin Gesundheitswesen EY-Parthenon in Deutschland: „Dass KI im Alltag und bei Gesundheitsthemen bereits breit genutzt wird, während das Verständnis für die Technologie vergleichsweise begrenzt ist, birgt Risiken. Wer KI einsetzt, sollte wissen, dass solche Systeme Wahrscheinlichkeiten berechnen, aber keine Gewissheiten liefern.“
Zurückhaltung bei sensiblen Daten bleibt in Deutschland hoch
Bei Prävention und Vorsorge zeigt sich in Deutschland dennoch eine gewisse Offenheit für Anwendungen aus dem Bereich KI: Knapp jede und jeder zweite Befragte (46 Prozent) hält die Technologie für nützlich, wenn es darum geht, automatisch Check-ups, Vorsorgeuntersuchungen oder Rezepte beim Arzt zu bekommen. Etwas mehr als ein Drittel (37 Prozent) sieht Nutzen in der Analyse genetischer Daten zur Vorhersage von Risiken für bestimmte Erkrankungen. Ein ähnlicher Anteil der Befragten (34 Prozent) halten KI für hilfreich bei der Prognose oder Früherkennung von Krankheiten, bevor diese ausbrechen. Insgesamt bleibt die Zurückhaltung beim Teilen sensibler Daten aber groß: Nur 36 Prozent der Befragten in Deutschland haben kein Problem damit, ihre Gesundheitsdaten mit einer KI zu teilen. Weltweit liegt dieser Wert mit 49 Prozent deutlich höher. Besonders hoch ist die Bereitschaft zum Teilen von Daten in Indien (73 Prozent) und Saudi-Arabien (72 Prozent). Deutschland zählt – gemeinsam mit Schweden (37 Prozent) und Frankreich (39 Prozent) – zu den zurückhaltendsten Ländern.
Dies spiegelt sich auch in den Sorgen der Nutzerinnen und Nutzer wider: Mehr als zwei Drittel der Befragten (69 Prozent) in Deutschland geben an, dass mögliche Sicherheitslücken oder Datendiebstahl bei der Nutzung von KI sie beunruhigt – ein Wert, der über dem weltweiten Durchschnitt von 66 Prozent liegt. Zudem befürchten 65 Prozent, weniger Kontrolle über Entscheidungen zu haben, die für sie getroffen werden. 58 Prozent sorgen sich, dass Entscheidungen nicht ihren persönlichen Werten oder Prioritäten entsprechen könnten – oder durch Fehlfunktionen falsche Einschätzungen getroffen werden.
Wesp: „Wenn KI in so persönliche Bereiche wie Gesundheit und Alltag vordringt, entscheidet Vertrauen über Akzeptanz. Systeme müssen nachvollziehbar, sicher und korrigierbar sein. KI kann unterstützen und entlasten – sie darf aber nicht dazu führen, Verantwortung vollständig aus der Hand zu geben.“ Trotz aller Vorbehalte spüren viele Menschen bereits positive Effekte. 48 Prozent der Befragten in Deutschland geben an, dass KI heute schon einen positiven Einfluss auf ihren Alltag hat.
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